Symbolbild: Eine Gießkanne hängt an einem Baum (Quelle.dpa/Daniel Karmann)
Bild: dpa/Daniel Karmann

"Jeder Liter zählt" - Bezirk ruft Berliner zum Gießen der Straßenbäume auf

Wegen der anhaltenden Trockenheit hat der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Bürger aufgerufen, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün zu helfen. Das Grünflächenamt allein schaffe das mit seinen personellen Möglichkeiten nicht, sagte am Mittwoch der Baustadtrat des Bezirks, Florian Schmidt.

"Besonders viel Wasser brauchen die neu gepflanzten Bäume und andere Pflanzen am Straßenrand", ergänzte er. Eine zweite Trockenperiode nach dem Sommer 2018 könnten weder junge Pflanzen noch der Altbestand gut überstehen. "Jeder Liter zählt", betonte die Behörde.

Zwei bis drei Eimer Wasser pro Tag

Falls möglich solle ein Baum zur Zeit mindestens zwei bis drei Eimer Wasser pro Tag bekommen. Im Bezirk stünden rund 42.000 Bäume. In Berlin hat es im April bisher kaum geregnet. Oft fielen nicht mehr als ein bis zwei Liter pro Quadratmeter, manchmal sogar weniger. Normal für den April sind nach Angaben von Meteorologen der Freien Universität rund 42 Liter pro Quadratmeter.

Bereits im letzten Jahr waren Berliner wegen der Trockenheit zum Wässern von Straßenbäumen aufgerufen.

Lage bei alten Bäumen noch entspannt

Die Trockenheit macht derzeit vor allem Pflanzen mit flachen Wurzeln zu schaffen, wie Experte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung am Mittwoch sagte. "Probleme haben jetzt Pflanzen wie Stauden und Gräser, deren Wurzeln nur bis zu zehn Zentimeter Tiefe reichen." Der Wind sorge aktuell für eine verstärkte Austrocknung oberer Bodenschichten. Entspannter sei die Lage noch bei älteren Bäumen und Sträuchern mit stark ausgeprägten Wurzeln, weil sie damit an Wasser aus tieferen Bodenschichten gelangen könnten. 

Dass nun in Einzelfällen immergrüne Gehölze wie Thujen und Eiben braun geworden und eingegangen seien, hält Ehlert für eine Folge des Dürresommers 2018. Angesichts der ebenfalls relativ trockenen Wintermonate hätten es manche dieser Bäume nicht geschafft, ausreichend Nährstoffe in die Nadeln zu schieben.

Für die Spree könnte es Ende Mai kritisch werden

Sorgen um die Spree müssen sich die Berliner dem Experten zufolge aber bislang noch nicht machen - es gebe anders als im Spätsommer 2018 noch ausreichend Wasser. Damals hatten Sachsen und Brandenburg Reserven etwa aus Talsperren eingespeist. Andernfalls hätte es zur Einstellung der Spree-Schifffahrt kommen können. 

Bleibe es so trocken, könne es jedoch schon Ende Mai auch für die Spree kritisch werden, sagte Ehlert: Im Vergleich zu 2018 herrsche nun bereits einige Wochen früher im Jahr eine vergleichbare Wetterlage. Im Vorjahr habe die Natur allerdings noch einige Zeit von einem großen Wasserpuffer aus dem nassen Sommer 2017 profitieren können. Vergleichbare Reserven stünden aktuell nicht zur Verfügung. 

"Wenn das so weitergeht, wird es bedenklich", hatte auch Thomas Dümmel, Meteorologe an der Freien Universität Berlin, Ende vergangener Woche gesagt. Noch gleiche der viel zu feuchte März fehlende Niederschläge aus. Halte die Trockenheit aber auch im Mai und noch länger an, könne die Natur Probleme bekommen wie im vergangenen Jahrhundertsommer. Für starken Regen im April sah Dümmel schwarz. "Da kommt nicht mehr viel."

Sendung: rbb24, 24.04.2019, 13.00 Uhr

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Antwort auf [Mike] vom 24.04.2019 um 13:44
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8 Kommentare

  1. 7.

    Bei uns auf dem Hof steht ein alter großer Baum, die Hausverwaltung weigert sich aus Kostengründen diesen zu gießen. Eine Schande! Würde ich nicht im 3. Stock wohnen, würde ich das so gerne machen. Man sollte die Vermieter dazu verpflichten!

  2. 6.

    wie wäre es mal damit einen Gießdienst auf Spendenbasis zu bestellen? Ich würde spenden.

  3. 5.

    Vor unserem Haus stand bis vor zwei Jahren eine alte öffentliche Wasserpumpe. Die haben sie irgendwann demontiert. Jetzt könnte diese kostenlose Wasserstelle wertvolle Dienste spenden. Aber das ist der typische Weitblick unserer Verwaltungen!

  4. 4.

    Na die Polimannzei würde mit dem Wasserdruck die Bäume umpusten.....
    Wir gießen auch unsere Straßenbäume vorm Haus und bei uns im Hof einen Baum - sogar auf unsere Kosten - und es ist gut so.
    Von unseren Nachbarn machen auch immer mehr mit - und das ist auch gut so......

  5. 2.

    Der Bezirk kann das fördern durch das Anbringen von Rohren mit Wasserhähnen an die Unterflurhydranten. Denn die öffentlichen Wasserbrunnen stehen in einem Abstand von ca. 300 Metern, und viele, die Zeit haben, können weder so weit noch von oben genügend Wassereimer runterschleppen, um den Bäumen zu helfen. Mit drei Eimern sind wahrscheinlich die bekannten 30-40 Liter Wasser pro Baum täglich gemeint.
    Ich giesse mal ein paar Bäume am Oranienplatz, wo an der Ecke Prinzessinnenstrasse noch ein alter Notbrunnen mit Schwengel Pumpe steht und im Bullenwinkel an der Naunynstrasse. Vielleicht finden sich auch ein paar Kinder, die Lust haben Wasser aus dem Drachenbrunnen dort oder dem Feuerwehrbrunnen auf dem Mariannenplatz zu schöpfen :)
    PS Was macht die Polizei dieser Tage mit ihren Wasserwerfern?

  6. 1.

    Sagt mal bitte, kann beim Gießen auch etwas schief gehen? Wasserverschwendung z.B.? Sinkender Grundwasserspiegel?
    Hat nicht ein Baumpflanzer* aus einer afrikanischen Trockenregion vorgemacht, wie man wassersparend Bäume pflanzt?
    Kann die Hochschule Eberswalde vielleicht Kontakt aufnehmen und um Entwicklungshilfe bitten?

    *Yacouba Sawadogo pflanzt Bäume im Niger und in Burkina Faso, erhielt kürzlich den Alternativen Nobelpreis

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