Bauchef Arne Huhn zeigt das Bohrloch, das den Blackout brachte (Bild: rbb/Thomas Rautenberg)
Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Arbeiten an Salvador-Allende-Brücke - Fehler beim Bohren verursachte Stromausfall in Köpenick

Mehr als 30.000 Haushalte in Berlin-Köpenick waren in Februar für fast zwei Tage ohne Strom. Bei Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke waren Haupt- und auch Ersatzkabel beschädigt worden - obwohl das ausführende Unternehmen den Verlauf der Kabel kannte.

Die Schuldfrage für den großflächigen Stromausfall in Berlin-Köpenick im Februar ist aus SIcht der Senatsverkehrsverwaltung geklärt. Grund für den Stromausfall war demnach, dass bei Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke zwei Kabel durchtrennt wurden. Wie der rbb von der Senatsverkehrsverwaltung erfuhr, kannte das ausführende Unternehmen die Unterlagen über den Verlauf der Kabel, machte aber bei der praktischen Umsetzung gravierende Fehler.

Das Unternehmen habe nicht nach der freigegebenen Ausführungsplanung, sondern "in der falschen Höhe – nämlich zu hoch – gebohrt", teilte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung, dem rbb mit. Ein Höhenversatz entlang der Höhenachse sei übersehen worden.

Dienstleister zur Bewältigung des Schadens eingesetzt

Schadensersatz müsste daher der Verursacher, die Arbeitsgemeinschaft (Arge) ENB Salvador-Allende-Brücke, leisten. Die beteiligten Bauunternehmen und Versicherungen hätten für die Bewältigung des Schadens den Dienstleister REGU24 eingesetzt, an ihn seien die Forderungen zu richten.

In der Folge des Stromausfalls sei die Baustellenorganisation an der Salvador-Allende-Brücke umgestellt und gebündelt worden, so Thomsen weiter. Man habe zusätzliche Kontrollen eingerichtet.

Im Februar, direkt nach dem Stromausfall, hatte Jürgen Schunk von Stromnetz Berlin im rbb gesagt, die Tiefbaufirma, die die Bohrung durchführte, habe keine Trassenauskunft über verlegte Kabel oder Leitungen eingeholt.  "Die haben einfach losgebohrt."

Die Reparatur dauerte 31 Stunden

Der Stromausfall hatte Mitte Februar mehr als 30.000 Haushalte und Gewerbebetriebe von der Stromversorgung abgeschnitten. Der Reparatur dauerte 31 Stunden. Die Stromleitungen waren bei einer Bohrung zerstört worden. Schwierig war, dass bei neben dem Hauptkabel auch das Ersatzkabel beschädigt worden war.

Laut Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) waren von dem großflächigen Blackout, ab 19. Februar 2019 ab etwa 14 Uhr die Ortsteile Köpenick, Müggelheim, Grünau, Bohnsdorf und auch Teile des Bezirks Lichtenberg betroffen. Da auch Sendemasten ohne Strom waren, war auch das Mobilnetz eingeschränkt. Zudem waren infolge des Stromausfalls auch die Blockheizkraftwerke Köpenick und Friedrichshagen vom Netz, so Vattenfall. Das betraf demnach rund 5.000 Haushalte. Der Bezirk hatte in mehreren mit Strom versorgten Schulen Betreuungszentren für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die tagsüber nicht in ihren kalten Wohnungen sitzen wollen. Betroffen von dem Stromausfall waren auch die Notrufnummern 110 und 112.

Sendung: Inforadio, 15.04.2019, 12:20 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Lieber rbb,
    bitte recherchieren Sie nochmals genau.
    Standen beide Stromkabel unter Spannung?
    Wurde zuerst das Notkabel, vielleicht ohne Spannungsbetrieb angebohrt?
    Es muss doch beim Hauptkabel zu einem gewaltigen Kurzschluss gekommen sein!
    Da passiert doch etwas mit den Maschinen und es soll glücklicherweise keinen Personenschaden gegeben haben?

  2. 6.

    Da fällt mir der Ausspruch eines ("kleinen" und bodenständigen) Architekten ein. Wenn Du irgendwo auf einer Baustelle jemanden mit Sandalen, mit einer Mappe unterm Arm und ohne Sturzhelm rumlaufen siehst, das ist der Architekt.

    (Da sind - wie auf dem Bild eben leider nicht zu sehen - selbstredend Arbeitsschuhe ein Muss und auch einschlägige Handschuhe. Das gilt ausnahmslos für alle. Auch wenn die Baustelle zeitweise still liegt, heißt dies ja nicht, dass sie ungefährlich ist.)

  3. 5.

    Ich denke mal, dass verliert sich sowohl faktisch als auch rechtlich im Gestrüpp von Bau-Arbeitsgemeinschaft, von Unternehmen und von Sub(subsub)unternehmen. Im Zweifelsfall fällt die "rechtssichere Auskunft" und die vorgefundene Wirklichkeit etwas auseinander.

    Jeder kennt das Spiel der "stillen Post" und durch schriftliche Verträge allein kann der Mechanismus nicht vollständig aufgehoben werden.

  4. 4.

    das mit dem Arbeitsschutz und den S3 Schuhen üben wir nochmal :P

  5. 3.

    Und dann noch nicht mal zahlen wollen und sich weigern das man mit dem Anwalt drohen muss. finde ich nicht gerade super und gehört an die Presse.

  6. 2.

    Auch trotz des Fehlers verwundert es zuwächst, dass Haupt- und Ersatzkabel an der gleichen Stelle verlaufen. Vattenfall soll dazu Pläne im Umlauf gebracht, die zumindest für ein Kabel einen anderen Verlauf zeigen sollen. Nur scheiterte die geplante Verlegung wohl wegen der fehlenden Einigung mit einem Grundstückseigentümer, die Pläne wurden aber angeblich nicht revidiert.

    Sofern zutreffend, darf man den Blackout nicht auf den einen Fehler reduzieren.

  7. 1.

    Ich kann mich erinnern, dass RBB24 nach dem Stromausfall auch berichtete, dass ein Mitarbeiter aus der (Tief)Baubehörde auf Nachfrage mitteilte, von der Baufirma wären in der Behörde keinerlei Unterlagen für verlegte Leitungen angefordert worden.
    Und nun also doch?
    Hü und hott. Der Bürger kann nur staunen über so viel Kompetenz.

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