23.04.2019, Brandenburg, Perleberg: Starker Wind verwirbelt Sand auf der Bundesstraße 5 in Höhe Kreisverkehr/Krankenhaus (fotografiert durch ein Autofenster, Quelle: dpa/Julian Stähle).
Bild: ZB

Wind wirbelt trockene Böden auf - Polizei verhängt Tempolimit wegen Sandsturm-Gefahr

In den vergangenen Monaten hat es zu wenig geregnet, viele Äcker sind ausgetrocknet. Am Dienstag kam starker Wind dazu und blies vielerorts den Sand durch die Gegend. An einem Autobahndreieick in Brandenburg drosselte die Polizei das Tempo.

Durch anhaltende Trockenheit und Windböen besteht derzeit die Gefahr, dass Sandstürme Autofahrern die Sicht nehmen. Behinderungen gab es am Dienstag bereits in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. An der A19 in der Nähe von Ruppin und in Perleberg in der Prignitz kam es zu Sandverwehungen, die die Sicht störten. Unfälle oder Verletzte gab es jedoch nicht.

Am Dreieck Wittstock von A24 und A19 galt wegen der Sandsturmgefahr für einige Stunden ein Tempolimit von 80 Kilometer pro Stunde. In Mecklenburg-Vorpommern wurden an der A24 zwischen Neustadt-Glewe und Parchim zudem Warnschilder mit den Hinweisen "Gefahrenstelle" und "Sandsturm" aufgestellt oder, wie zum Beispiel an der A20, ebenfalls Tempolimits verhängt, teilte die Polizei mit.

Viel zu wenig Niederschlag

Durch fehlende Niederschläge sind derzeit viele Böden in Deutschland ausgetrocknet. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag mitteilte, sind die Böden derzeit noch trockener als zu Beginn des vergangenen Jahres. Dem Wetterdienst zufolge war seit einem Jahr jeder Monat hierzulande wärmer als im sogenannten langjährigen Mittel, zudem fiel bereits über die gesamte Vegetationsperiode des vergangenen Jahres viel zu wenig Niederschlag.

Gleichzeitig war es am Dienstag sehr windig. Am frühen Nachmittag wurden in Berlin bereits starke Böen zwischen 40 bis 60 Kilometer pro Stunde gemessen, teilte Heiko Wiese von der Meteogroup rbb|24 mit. Für den Abend warnte der Deutsche Wetterdienst vor Sturmböen in Berlin und Brandenburg, bis in die Nacht könne es Windböen geben.

Vor allem in ländlichen Gebieten kann die Kombination aus extrem trockenem Boden und starkem Wind zu Sandwirbeln führen, die etwa beim Auto- oder Fahrradfahren die Sicht behindern. Vor acht Jahren sorgte ein Staubsturm auf der A19 für eine Massenkarambolage, bei der acht Menschen starben.

Archiv: 22.08.2018, Brandenburg, Heinersdorf: Ein Landwirt drillt Rapssaat in den trocken Boden auf einem Feld und wirbelt dabei viel Staub auf. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Landregen ist nicht in Sicht

In den nächsten Tagen soll der Wind zwar abnehmen - allerdings bleibt es sonnig und überwiegend trocken. Laut Vorhersage sollen am Mittwoch in Berlin und Brandenburg 25 Grad erreicht werden, am Donnerstag rechnen Meteorologen sogar mit Temperaturen von bis zu 26 Grad.

Zu einem Wetterumschwung könnte es möglicherweise am Wochenende kommen. Am Sonntag rechnet Wiese nur noch mit um die 15 Grad. Dann könnte es flächendeckend auch zu Regenschauern kommen. An den extrem trockenen Böden können diese Schauer allerdings nichts ändern. "Das ist eher ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Wiese. Ein lang anhaltender, gleichmäßiger Landregen könnte Abhilfe schaffen, sei aber nicht in Sicht.

Im vorigen Jahr hatte es in Deutschland eine lang anhaltende schwere Dürre gegeben, die unter anderem Bauern zu schaffen machte und viele Gewässer austrocknen ließ. Aktuell seien die Bodenfeuchtewerte in Deutschland sogar noch einmal deutlich geringer, teilte der DWD mit. Anders als 2018 seien auch tiefer liegende Wasserspeicher im Boden momentan weit weniger gut gefüllt als im vorigen Jahr, hieß es vom DWD. Dies würde bei anhaltender trockener Witterung auch Pflanzen und Bäume betreffen, deren Wurzeln tiefere Bodenschichten erreichen können. "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", erklärte DWD-Experte Udo Busch.

Temporäres Tempolimit am Dreieck Wittstock:

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.04.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Übrigens: auch Radfahrer sind Betroffene. Letztes Jahr geriet ich in so einen Sandsturm - die freundliche Radfahrerin hat dann Sand zwischen den Zähnen, aber auch in der Nase und in den Augen, was durchaus die Sicht beeinträchtigt. Heftige Seitenböen können auch zu Stürzen führen. Also die Warnung nicht nur an die Autofahrer und das Tempolimit gilt auch für die Radfahrer - oder auch gleich der Rat: Umsteigen auf Öffentliche.

  2. 2.

    Was Tempolimit, da werden sich einige freiheitsliebende Menschen aber belästig fühlen. Vielleicht kann man in der Zukunft die Wüsten Rallye Dakar in Brandenburg machen.

  3. 1.

    Herr Wiese,
    sind Sie eigentlich Meteorologe? :)

    Ja, so ein Landregen wäre was Feines. Für alle Regenmuffel gerne auch nachts. Wobei sich dann wohl die Sternengucker wieder beschweren.

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