Heidi Hetzer mit Rennfahrerkappe in einem Oldtimer (Foto: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 23.04.2019 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa/Britta Pedersen

Mit 81 Jahren - Berliner Rallye-Fahrerin Heidi Hetzer gestorben

Sie umrundete als fast 80-Jährige mit ihrem Oldtimer die Welt: Die Rallye-Fahrerin Heidi Hetzer ist tot. Die Berlinerin wurde 81 Jahre alt. Erst vor einer Woche kehrte sie von einer ihrer Reisen zurück.
 

Die Berliner Rallye-Fahrerin und Unternehmerin Heidi Hetzer ist tot. Sie sei über die Ostertage gestorben, teilten ihr Sohn und ihre Tochter am Dienstag der dpa mit. "Sie war zuhause in ihrer Wohnung in Berlin, als es geschah." Die Todesursache ist noch nicht bekannt.

Es deute aber alles auf Altersschwäche oder einen Unfall hin, teilten Hetzers Kinder weiter mit. Möglich sei ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. "Die Umstände ihres Todes sind auch lange nicht so wichtig wie die Ihres Lebens. Sie hat bewusst und öffentlich gelebt, so als wäre jeder Tag ihr letzter", schreiben Sohn Dylan und Tochter Marla. Sie habe verstanden, "dass jeder Tag ein Geschenk ist. Bis zuletzt hatte sie eine Offenheit, eine Neugier auf das Fremde, und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen."

Auf Hetzers Instagram-Profil und ihrem persönlichen Blog wurde in der Nacht zu Dienstag eine Schrifttafel mit der Aufschrift "Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt" hochgeladen. Zuerst berichtete die "B.Z." über den Tod der 81-Jährigen, die 1937 in Berlin geboren worden war.

Regierender Bürgermeister: "einzigartige Botschafterin unserer Stadt"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller würdigte Hetzer als "eine einzigartige und sympathische Botschafterin unserer Stadt". Berlin wird die Frau mit ihrer Auto-Handtasche und der Berliner Schnauze nie vergessen", schrieb Müller am Dienstag. Ihre Leidenschaft sei das Autofahren gewesen. Von Anfang an, im Blaumann und mit Motoröl an den Händen, habe sie sich in der automobilen Männerwelt als Frau durchgesetzt. "Sie hat Emanzipation gelebt, ohne viel zu fragen."

Mit einem Oldtimer in der Welt unterwegs

Erst vor einer Woche war Heidi Hetzer von einer Reise durch Afrika - sie hatte den Kontinent der Länge nach durchfahren - zurückgekehrt. Sie war mit einem pinkfarbenen Toyota Landcruiser unterwegs, den sie "Pink Lady" nannte. Hetzer war im Dezember in Ägypten gestartet, hatte Länder wie den Sudan, Äthiopien, Kenia und Malawi durchquert und war zuletzt in Südafrika gewesen. Trotzdem war sie immer gerne nach Berlin zurückgekehrt. "In meinem Berlin zu sein, den Funkturm zu sehen, das ist schon Emotion und das ist meine Heimat." hatte sie einmal gesagt. "Wenn Sie nicht reisen, dann können sie auch nicht vergleichen und sagen: "Das ist zuhause schöner.".

Für den kommenden Herbst hatte die Berlinerin bereits ihre nächste Reise geplant. Sie wollte wieder ins südafrikanische Kapstadt reisen und die Rücktour mit ihrem Wagen antreten. Von Angola aus wollte Hetzer dann auf der Westseite Afrikas nach Marokko fahren.

Die ehemalige Autohaus-Chefin war zuvor zweieinhalb Jahre mit Oldtimer "Hudo" um die Welt gereist, was viel Aufsehen erregte. Sie überstand dabei, als sie ihren Wagen selbst reparierte, den Verlust ihres kleinen Fingers. Die Rallye-Fahrerin hatte viele Fans und auch Follower in den sozialen Medien.

Doch Heidi Hetzer war keine unumstrittene Persönlichkeit. 2017 hatte sich die damals 79-Jährige für Äußerungen im ZDF-Morgenmagazin entschuldigt. Sie hatte dort nach ihrer Rückkehr aus Afrika gesagt, "Schwarze klauen alles". Hetzer sagte im Nachhinein, sie habe den Satz unreflektiert geäußert.

Sie war eine Motorsport-Legende

Heidi Hetzer nahm 1953 an ihrem ersten Rennen um die Berliner Müggelberge teil. Seitdem fuhr sie Rennen auf der ganzen Welt und brachte mehr als 150 Preise mit nach Hause. "In meinem Leben ging es nur ums Auto", sagte sie über sich. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1969 übernahm die damals 31-Jährige sein Opel-Autohaus in Berlin-Charlottenburg und baute es zu einem der größten Verkaufshäuser Berlins aus. Sie leitetete es bis 2012.

Hetzers Vorbild war die Rennfahrerin Clärenore Stinnes, die in den 1920er Jahren als erste Frau die Welt mit einem Auto umrundete.

Heidi Hetzers Leben mit vier Rädern

Sendung: Inforadio, 23.04.2019, 06:30 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    In erster Linie war das ein Kommentar, der auf Heidis Erfahrungen in Südafrika basierte. Das dieser Kommentar sehr generalisiert ausgesprochen wurde und alle "Schwarzen" unter den Diebstahlsverdacht stellt, liegt auf der Hand. Ich denke das es ein emotional aufgeladener, unbedachter Kommentar war, der mitnichten einen ganzen Kontinent beleidigen sollte, sondern nur auf ihre Erfahrungen abzielte. Wenn man mit eingeschränkten Ressourcen unterwegs ist, wiegt jeder Diebstahl doppelt und dreifach so schwer.

    Da ich bereits selber mehrfach in Afrika war, kann ich Heidis Erfahrungen leider nur bestätigen. Noch nie wurde in irgendeinem Land in dem ich war, so oft versucht mich zu bestehlen, wie in den afrikanischen Ländern, in denen ich mich aufgehalten habe.

  2. 21.

    @Heidi Hetzer Fan

    Es gibt ausreichend davon! Nur darf man sich so nicht mehr zeigen weil man
    nicht mehr der (gewünschten) "Norm" entspricht. ;(

    Dennoch, ich habe sie nicht gekannt, aber mir lief kalt den rücken runter bei dieser
    Story.. R.I.P.

  3. 20.

    Berlin verliert eine tolle Frau, die kein Blatt vor den Mund nahm. Leider gab/gibt es zu Wenige davon - gerade auch hier in Berlin.
    Unvergessen der Auftritt von Heidi im ZDF-MoMa, als sie von ihren Erfahrungen in Südafrika berichtete.
    https://www.youtube.com/watch?v=Utsij5-xduE

  4. 19.

    Ich durfte Sie kennenlernen ,durch unsere 3 Amischlitten, eine tolle ,kompetente und fröhliche Frau.mein aufrichtiges Beileid an alle Hinterbliebenen .

  5. 18.

    Eine tolle Frau von der wir uns alle eine Scheibe abschneiden können. Habe gerade im RBB ihre Reportage zur Weltrundfahrt gesehen. So viel Lebensmut und Tatendrang. Wenn auch zu früh ist es doch eigentlich keine schlechte Art, wie sie gegangen ist. Kein Leid, keine Krankheit, sich einfach mal davonschleichen.

  6. 17.

    Nun, zum/r Botschafter/in wird Mann/Frau berufen. Und manchmal stellt sich heraus, dass dies ein Fehler war.
    Heidi Hetzer hat schon durch ihre Ausstrahlung und Präsenz in ihren bereisten Ländern unser Land präsentiert. Mit Courage, mit Anpacken, mit Erfahrung. Und mit Dankbarkeit, es erleben zu dürfen. Alles positiv belegte Eigenschaften. Sie musste sich gar nicht als Botschafterin fühlen - sie war eine. Ob sie wollte oder auch nicht, das ist nun egal.
    Trotz oder gerade wegen ihres couragierten Auftretens konnte sie auch demütig sein. In ihren Interviews konnte man es spüren. Sie hat sich nicht verbogen.
    Und warum soll ein Statement wie meines oder eines/einer Kommentator/in hier eine "Verherrlichung" sein?
    Fehler haben wir alle. Mehr oder weniger.


  7. 16.

    Ja klar, weil Frau Hetzer das so gesagt hat (und sich öffentlich für diese Aussage entschuldigte) UND dann nochmals und trotzdem durch Afrika reisen wollte - mussten Sie sich dazu noch posthum äußern...

    Manche Menschen sind unsensibel, manche Menschen leichtgläubig, manche haben schlechte Charaktere. Und dann gibt es noch die Gutmenschen.

    Mach's gut da oben altes Mädchen. Und denke daran, eine Abenteurerin wie Dich werden wir hier unten schmerzlich vermissen!



  8. 15.

    Eine Botschafterin? Ehemmm...sie war spritzig, lebenslustig und Globetrotterin, aber ich denke nicht, dass sie sich als Botschafterin fühlte und so wahr genommen wurde. Frau Hetzer war hauptsächlich in Sachen Heidi Hetzer unterwegs. Ist auch völlig legitim, aber eine Heilige muss man ja nun nicht aus ihr machen. Immer diese Übertreibungen. Ihr war ein schönes Leben vergönnt, das sie auch in vollen Zügen genoss. Gute letzte Reise, Frau Hetzer!

  9. 13.

    Ganz ganz schade, ich hätte gerne noch mehr Reiseberichte von Heidi Hetzer erfahren. Eigentlich dachte ich, sie sei unsterblich, so wie sie drauf war :-) Gute letzte Reise und genießen Sie das Ziel!

  10. 12.

    Tolle Frau, toller Mensch! Menschen haben auch Fehler! R.I.P.

  11. 11.

    Sie war eine tolle Frau aber manchmal hätte sie es auch ruhiger angehen sollen.
    Soll sie in Frieden ruhen.

  12. 10.

    Umstrittene Persönlichkeit?
    - etwa weil sie quasireligiöse Gefühle hypersensorischer Ultramoralisten störte?
    Spinner gibt es überall und wir sollten uns von ihnen nicht die Bewunderung für eine tolle Persönlichkeit, wie Heidi Hetzer eine war, nehmen lassen.

  13. 9.

    Heidi Dich zu kennen war eine Bereicherung, bring den Laden da OBEN jetzt zum Laufen...

  14. 8.

    Bewundernswerte Frau
    habe ihre Leistungen immer verfolgt
    Nun soll sie in Frieden ruhen
    ( P. S. : sie war einen Monat älter als ich )

  15. 7.

    Schade. Ein Schock. Man hat ihren interessanten Erzählungen immer gerne zugehört.

  16. 6.

    Eine tolle Frau.
    Habe Sie immer bewundert.

  17. 5.

    Alles Gute auf der letzten großen Reise - vielen Dank für Inspiration und Beweis, das Lebensmut Grenzen überwinden kann.
    Danke Frau Hetzer.

  18. 4.

    Eine tolle Frau R.I.P

  19. 3.

    Frau Hetzer war eine taffe Frau, ein Freigeist!
    Ich habe sie bewundert.
    Ich hoffe, Berlin setzt dieser mutigen und ehrlichen Dame ein angemessenes Denkmal.

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