Goldene Schoko-Osterhasen stehen in Reih und Glied in einem Schaufenster (Quelle: imago/Winfried Rothermel)
Audio: Inforadio | 19.04.2019 | Lisa Splanemann | Bild: imago/Winfried Rothermel

Schoko-Osterhase und andere Süßigkeiten - "Sehr viel Energie, die man im Grunde nicht braucht"

Ostern schlägt auch die Stunde der Schokohasen. Die für sich genommen wären aus Sicht von Ernährungsexperten noch kein Problem - doch der Zuckerkonsum vieler Menschen ist das ganze Jahr über zu hoch. Von Lisa Splanemann

Nach Weihnachten ist Ostern die Zeit, in der die meisten Schokoladensüßigkeiten verkauft werden. Tatsächlich hat speziell der Osterhase sogar die Nase vorn: Er wird häufiger als der Schoko-Nikolaus verkauft, sagt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI).

Regale biegen sich vor Osterhasen und Schokoeiern

Die Süßwarenindustrie boomt. Laut Statistikportal statista [externer Link; bezahlpflichtiger Artikel] lag der Verbrauch von Zucker in Deutschland 2016 bei durchschnittlich rund 34 Kilogramm pro Kopf. Da fällt der Schoko-Hasen-Konsum kaum noch ins Gewicht: Rund anderthalb Osterhasen isst demnach rein rechnerisch jeder Deutsche. 

Bei dem Berliner Schokoladen-Unternehmen Rausch ist der Schoko-Osterhase der Verkaufsschlager. Die Filiale am Gendarmenmarkt ist österlich geschmückt: Riesige Schokoeier stehen in der Osterecke, große Schokohasen sitzen im Schaufenster und die Regale biegen sich vor Osterhasen und Schokoeiern. Vor dem Fest ist ein Drittel des Sortiments Osterware.

Robert Rausch von Berliner Schokoladenunternehmen Rausch (rbb/L. Splanemann)
Robert Rausch im Schoko-Ostern-Ensemble seiner Firma | Bild: rbb/L. Splanemann

Robert Rausch führt das Familienunternehmen in fünfter Generation. Das Unternehmen will nach eigener Aussage, dass die Kunden ein Gespür für Schokolade entwickeln - und auch anregen, dass die Verbraucher über ihr Konsumverhalten nachdenken. Aus diesem Grund gibt es neuerdings im Schokoladenhaus die sogenannte Plantagenwelt. Hier wird über Herkunft und Inhaltsstoffe von Schokolade aufgeklärt. Geschäftsführer Robert Rausch führt mit einer heißen Schokolade in der Hand durch die Ausstellung, etwa durch den Tropenraum: "Hier stehen echte Kakaopflanzen, hier sind rund 87 Prozent Luftfeuchtigkeit, damit man spürt, wie warm und feucht es in den Anbaugebieten ist."

Verbraucher Initiative e.V. warnt vor zu viel Zucker

Ein besonderes Highlight in der Ausstellung: Besucher können hier auch ihre eigene Schokolade herstellen. Sie erfahren: Je weniger Zutaten und je weniger Zucker in einer Schokolade sind, desto gesünder ist sie.

Zu viel Zucker berge Risiken wie Fettleibigkeit, könne Entzündungen auslösen und stehe in engem Zusammenhang mit der Diabetes Typ 2-Erkrankung, warnt Laura Gross von der Verbraucher Initiative e.V.. "Der größte Schaden ist, dass man sehr viel Energie aufnimmt, die man im Grunde nicht braucht", sagt sie. "Man müsste sich für jedes Gummibärchen bewegen, damit es nicht in Fett umgewandelt wird. Wir haben bei klebrigen Süßigkeiten ein Kariesproblem." Glucose- und Fructosesirup stünden zudem im Verdacht, Entzündungen zu fördern. Zucker werde auch über die normale Ernährung aufgenommen, so Laura Groß. Extra Süßigkeiten seien für die Ernährung überflüssig. 

Nicht der Schoko-Osterhase ist das Problem - sondern der Dauerkonsum

Trotzdem hat allein der Nahrungsmittelkonzern Nestlé im vergangenen Jahr nur mit Süßigkeiten und Schokolade einen Umsatz von 7,2 Milliarden Euro gemacht. Der Umsatz von Coca Cola lag im vergangenen Jahr bei 28 Milliarden.

Verbraucher Initiative e.V. und die Krankenkasse AOK wollen dem Osterhasen trotz Risiken nicht komplett den Kampf ansagen. Vor allem zu Festlichkeiten wie Ostern könne man mal ein Auge zudrücken. Problematisch werd es eher beim jährlichen Verbrauch, sagt Kai Kopatzik von der AOK, beim "dauerhafte hohen Zuckerkonsum übers Jahr verteilt, der auch beworben wird". Laut Auswertung im Auftrag der AOK von 2017 erhalten Kinder "etwa 8.000 Werbebotschaften von hochkalorischen, stark zucker- und salzhaltigen Produkten pro Jahr. Das ist viel zu viel."

Eine Schale mit Birkenzucker (Xylit) steht auf einem Tisch mit Birkenzweigen. (Quelle: imago/Panthermedia)
Mittlerweile setzen etwa Diabetiker auf Birkenzucker. | Bild: imago/Panthermedia

Berliner Firma nutzt Zucker-Alternativen

Ernährungsexperten erklären das Verlangen nach Zucker mit der biologischen Entwicklung. In der Steinzeit habe es nur saisonal Obst gegeben - die Menschen in der damaligen Zeit haben sich damit ihre Fettpolster für den Winter angelegt.

Die Berliner Firma "Xucker" sieht sich als eine Alternative zum herkömmlichen Zucker. Das Unternehmen stellt losen Zuckerersatz her, verkauft aber auch Süßwaren wie zum Beispiel Schokolade oder Bonbons. Die Produkte werden aus Erythrit oder Xylit hergestellt. Beide, sagt Geschäftsführer Christian Weiten, gehörten zu den Zuckeralkoholen - Erythrit werde mit Pilzen hergestellt, Xylit werde aus Pflanzenfasern wie zum Beispiel aus Birkkenrinde gewonnen.

Weiten hat Xylit vor einigen Jahren auf einer Kaugummipackung entdeckt. Der sogenannte Birkenzucker kann nämlich Karies reduzieren und wird deshalb häufig in Kaugummis oder Bonbons verwendet. Xylit könne aber noch viel mehr: "Der Blutzuckerspiegel erhöht sich dann sehr langsam. Die Bauchspeicheldrüse kann stressfrei auf den Anstieg reagieren."

Zusätzlich enthält Xylit weniger Kalorien als herkömmlicher Haushaltszucker. Allerdings warnen Experten davor, dass zu viel Xylit abführend wirken kann. Auch der Preis ist gewöhnungsbedürftig - der lose Xylit-Zucker von Xucker ist zehnmal teurer als herkömmlicher Zucker. 2010 wurde das Unternehmen gegründet, inzwischen arbeiten hier 33 Mitarbeiter. Der Geschäftsführer rechnet dieses Jahr mit einem Umsatz in Höhe von zwölf Millionen Euro. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Diabetiker und ernährungsbewusste Verbraucher. Verkauft werden die Produkte unter anderem bei Rossmann, Rewe oder dm. 

App deckt unverständlich deklarierten Zucker auf

Kai Kopatzik von der AOK sagt, man sollte statt Ersatzprodukten lieber generell den Süßgeschmack reduzieren. Doch wer seine Zuckeraufnahme reduzieren will, hat es oft nicht leicht - versteckte Inhaltsstoffe lassen sich nur schwer dechiffrieren. Auf den Lebensmittelverpackungen gibt es diverse Umschreibungen für Zucker. "Der Verbraucher kann es oft selbst gar nicht erkennen", sagt Kopatzik. Es gebe etwa 70 verschiedene Zuckerarten, die auch alle genutzt würden.

Die Krankenkasse hat aus diesem Grund die App "Gesund Einkaufen" entwickelt. Damit
kann im Supermarkt der Barcode von einem Produkt eingescannt werden. Dann wird angezeigt, wie viel Zucker das Produkt enthält und welche Alternativen es gibt.

AOK und Foodwatch fordern Ampelkonzept

Foodwatch und AOK fordern zudem eine klare, einfach verständliche Kennzeichnung von Inhaltsstoffen bei Lebensmitteln. Abhilfe schaffen soll die sogenannte Nutri-Score-Ampel. Produkte werden auf einer Skala von Grün bis Rot und Noten von A bis E gekennzeichnet.

In Frankreich ist das Ampelkonzept Gang und Gäbe - allerdings auf freiwilliger Basis. Danone, Iglo und Bofrost haben in Deutschland inzwischen nachgezogen. Auch auf der Seite der Politik tut sich etwas: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) einigte sich im vergangenen Jahr mit mehreren Branchen auf Zielvereinbarungen, die Zucker, Fette und Salz reduzieren sollen. Bis 2025 soll Zucker "zweistellig prozentual" reduziert werden, so heißt es amtlich.

Somit tut sich sowohl bei der Kennzeichnung als auch in Sachen allgemeiner Zuckerreduzierung einiges. Den Schoko-Osterhasen will dafür niemand abschaffen.

Beitrag von Lisa Splanemann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Thomas - 49 J.] vom 22.04.2019 um 07:30
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

16 Kommentare

  1. 16.

    Sorry, wenn’s bei Ihnen nicht ankommt: weißer Zucker darf weiterhin als Schadstoff bezeichnet werden. Die Firma Nordzucker ging wegen dieser Bezeichnung vor das Gericht und verlor. Unraffinerierter brauner Zucker ist schon rein geschmacklich besser. Führt auch weiterhin nur ein Nieschendasein in den Regalen. Und kommt von weither. Doch ich schließe mich meinen Vorkommentatoren an. Wieso muß eigentlich überall in den Lebensmitteln Zucker beigefügt werden? Ist das von der Industrie so gewollt? Ebenso all die Aromastoffe.

  2. 15.

    Wenn ich zB Schokolade oder Bonbons esse weiss ich das da viel Zucker drin ist. Aber in vielen anderen Lebensmitteln merkt man das nicht. Und das ist schlimm.

  3. 14.

    Der Mineraliengehalt von braunem Zucker ist derart verschwindend gering, dass es nicht ins Gewicht fällt. Da müsste man kiloweise braunen Zucker verzehren, damit es irgendeinen Nutzen für den Körper hätte, und da überwiegt dann eindeutig der Schaden. Sorry, aber das können Sie gerne in seriösen Quellen nachlessen.

  4. 13.

    Genauso!!!!
    Das habe ich dieses Jahr angefangen... es war schrecklich festzustellen,dass es in unglaublich viele Lebensmittel Zucker gibt... das Schlimmste dabei, wo man es am wenigsten erwartet.
    Die Politik muss diese Ampel auf Lebensmittel durchsetzen. Die Industrie möchte ausschließlich den Gewinn maximieren und die Kosten minimieren.. egal was es kostet.. Ethik und Moral: Fehlanzeige! Leider!
    Erzählen mir bitte nicht von der Eigenverantwortung der Bürger... am Ende bezahlen wir alle für die Kranken..so ist das in einem System, das nach dem Solidaritätsprinzip funktioniert..

  5. 12.

    Nicht nur geschmacklich ein Unterschied. Brauner unraffenrierter Zucker enthält unter anderem Mineralen. Der Name sagt es schon. Weißer Zucker ist Schadstoff pur. Sämtliche Inhalltsstoffe sind rausgespült und schon deshalb der Unterschied. Honig ist gesund, wenn richtig hergestellt. Und bitte, nichts gegen was süßes, aber in Maaßen.

  6. 10.

    Brauner Zucker, rohrzucker und Honig sind leider nicht wirklich gesünder, haben nur ein anderes Aroma und bestehen sonst auch zu 99 % aus Zucker. Brauner Zucker ist lediglich leicht mit melasse Rückstand verunreinigter Zucker und selbst Honig bietet im Vergleich zum Zuckergehalt verschwindend geringen nutzen. Das kann man vernachlässigen. Lieber insgesamt den Konsum von süßungsmitteln einschränken und wieder zu einem normalen Geschmacksrmpfinden zurück finden. Süßes in Maßen schadet nicht, in Massen schon.

  7. 9.

    Diese Aussage brukers wurde längst widerlegt. Sie basierte übrigens auf einem Versuch an Mäusen. Dass dieses kalziumräuber -Märchen immer noch im Umlauf ist... ohne Zweifel verzehren wir viel zu viel Zucker. Das ist klar. Und da sollte vor allem der industriellen Lebensmittel Produktion ein Riegel vorgeschoben werden, die in nahezu jedes Produkt als billigen Geschmack Verstärker Zucker hinein panscht, so dass wir uns alle an unnatürliche süße gewöhnen

  8. 8.

    Wünsche ihnen einen schönen guten Morgen.
    Wo bitte werden sie konkret bevormundet?
    Was explizit wird ihnen verboten?
    In Deutschland kann sich jeder Mensch für kleines Geld ungesund ernähren. Süßwaren mit industriellem Zucker gibt es in Massen. Ebenso Getränke und vermeintlich gesunde Lebensmittel. Weiterhin kann in Deutschland jede(r) jeden Abend vor dem Fernseher hocken und Chips essen und/oder sich billigen Fusel in die Birne gießen. Auch ist es nicht verboten jeden Tag kiloweise Fleisch aus der grauenhaften Massentierhaltung zu verzehren.
    Verantwortungsbewußte Ernährungswissenschaftler, Institutionen sowie Medien bzw. Journalisten haben aber auch das Recht, und wie ich finde, die Pflicht immer wieder darauf hinzuweisen, dass das zutiefst ungesund ist. Das ist Gefahrenabwehr. Man schädigt mit übermäßigen Verbrauch, nicht nur von Industriezucker, vorsätzlich seinen Organismus.

  9. 7.

    Weißer Zucker ist nun mal reiner Schadstoff. Bei mir zuhause gibt es nur noch unraffenerierten braunen Zucker. Wenn’s denn sein muß. Als Single erlaube ich mir einfach keine Süßigkeiten in der Wohnung anzuhäufen. Wenn ich Naschen will, muß ich vor die Tür gehen. Mir hat’s geholfen.

  10. 6.

    Wie wäre es, die Fastenzeiten mal sinnvoll zu nutzen? 2x im Jahr ;-] Nur mal so als Gedanke. Man muss ja nicht religiös sein, um einfach mal diese Zeiten für eine Auszeit zu nehmen

  11. 5.

    Es geht hier nicht um Bevormundungen. Ein großer Anteil der Bevölkerung isst und trinkt weiter viel zu viel Industriezucker, ernährt sich grundsätzlich ungesund; trinkt regelmäßig zu viel Alkohol und raucht. Immer mehr Menschen bewegen sich zu wenig. Darauf muss man hinweisen dürfen. Viele Menschen werden davon krank und sterben früher. Hier in Deutschland wird niemand bevormundet. Es gibt weiterhin Süßigkeiten mit viel Industriezucker in Massen. In jedem Supermarkt gibt es eine 0,7 Flasche Schnaps ab 3,99 Euro. Billiges Schweinefleisch von grauenvoll gequälten Tieren überschwemmt die Supermärkte. Ich möchte von meinen hohen Krankenkassenbeträgen keine Menschen unterstützen die fahrlässig ihre Gesundheit schädigen.

  12. 4.

    Beim Blick auf die Nährwertangaben von Lebensmitteln bekomme bleibt mir regelmäßig die Luft weg, wo alles Zucker oder auch die fein umschriebenen Ausdrücke für Zucker, verarbeitet ist: Schinken(???), Salami, Zahnpasta(!), Dosentomaten....Höhepunkt war bis jetzt Rollmops. Warum ist da Zucker dabei? War das schon immer so? Ich

  13. 3.

    Durch den Verbrauch von Fabrikzucker wird dem Körper Kalzium und Vitamin B entzogen,
    damit der Fabrikzucker verstoffwechselt werden kann.
    Wenn gesüßt werden soll, kann dies mit Honig geschehen. Nähere Infos in dem Buch ‚Unsere Nahrung, unser Schicksal‘ von Dr. M. O. Bruker.

  14. 2.

    Ist wohl eher eine Empfehlung und keine Bevormundung. Sie können sich gern weiterhin ungesund ernähren, aber jammern Sie dann bloß nicht im Alter.

  15. 1.

    Langsam empfinde ich die ewigen Vorhaltungen und Verbote nur noch als eine Bevormundung von erwachsenen Menschen. Eine nachhaltige Aufklärungsarbeit auf Augenhöhe , ohne erhobenen Zeigefinger, wäre sicher sinnvoller.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Die neuen Feuerwehrleute in Jerischke (Bild: Josefine Jahn)
rbb/Josefine Jahn

Kurz vor dem Aus - Zehn Freiwillige retten die Feuerwehr in Jerischke

Die Freiwillige Feuerwehr Jerischke (Spree-Neiße) stand eigentlich schon vor dem Aus - einer alleine konnte den Dienst nicht mehr stemmen. Auf den Hilferuf meldeten sich allerdings gleich zehn löschwillige Dorfbewohner. Nun ist sogar ein neues Auto im Gespräch.