Der 78-jährige Arzt Reiner Fricke betreibt seit 50 Jahren seine Praxis in dem Oderbruchdorf Neulewin, Archivbild (Quelle: DPA/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 03.05.2019 | Jana Wochnik | Bild: dpa-Zentralbild

Ärztemangel - Brandenburg hat bundesweit die niedrigste Ärztedichte

Nirgendwo in Deutschland sind Ärzte für mehr Bürger zuständig als in Brandenburg. Das zeigen Zahlen des Bundesarztregisters und bestätigen damit Erkenntnisse einer rbb-Anaylse. Zudem könnte das hohe Alter hiesiger Ärzte schon bald zum Problem werden.

Brandenburg hat von allen Bundesländern die niedrigste Dichte an Ärzten. Das geht aus neuen Daten des Bundesarztregisters mit Stand Ende vergangenen Jahres hervor, die der
Nachrichtenagentur dpa vorliegen. Demnach kommen in Brandenburg auf 100.000 Einwohner rund 186 Ärzte. Zum Vergleich: Meckenburg-Vorpommern liegt bei rund 205 Ärzten, Sachsen-Anhalt bei etwa 194. Die höchste Ärztedichte hat Bremen mit rund 296 Ärzten.

Elf Prozent der Hausärzte älter als 65

Gravierend in Brandenburg ist nach den Zahlen vor allem der Mangel an Kinderärzten: Auf 100.000 Einwohner kommen acht Mediziner für Kinder. In Berlin sind es rund zehn Mediziner. Deutlich besser sind die Zahlen in Brandenburg bei Hausärzten: Dort liegt die Dichte bei rund 66 Ärzten je 100.000 Einwohner.

Auch das Durchschnittsalter von Ärzten ist in den Daten des Bundesarztregisters erfasst. Demnach sind acht Prozent der Brandenburger Ärzte älter als 65 Jahre alt. Bei den Hausärzten ist der Anteil mit elf Prozent sogar noch etwas höher. Bei den Kinderärzten sind in Brandenburg hingegen nur rund fünf Prozent älter als 65 Jahre alt.

Studie verfestigt Erkenntnisse von rbb|24-Analyse

Zu ähnlichen Ergebnissen kam vor etwa einem Jahr eine Datenanalyse von rbb|24. Auf Basis von Zahlen der Bundesärztekammer wurde ebenfalls deutlich, dass in keinem anderen Bundesland Ärzte für ähnlich viele Bürger zuständig sind wie in Brandenburg. Auf 251 Einwohner kam in Brandenburg ein Arzt, während im Bundesschnitt ein Arzt für 214 Einwohner zuständig war (Berlin: 159 Einwohner pro Arzt).

Die ungünstige Alterspyramide unter den Ärzten hatte sich damals ebenfalls abgezeichnet. Knapp ein Drittel (30 Prozent) der Hausärzte waren 2017 laut der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) älter als 60 Jahre, der Altersdurchschnitt lag bei 54,9 Jahren. Geringe Aussichten auf Nachfolger - insbesondere für Spezialisten wie Augen-, Haut- oder HNO-Ärzte - könnten schon in wenigen Jahren in Orten wie Storkow, Eisenhüttenstadt, Guben oder Luckau zu Versorgungsengpässen führen.

Vollere Wartezimmer in Berlin-Nähe, weitere Wege an den Landesgrenzen

Brandenburgs einzigartige, Berlin umschließende Lage sorgt zudem dafür, dass die Bevölkerung die medizinische Versorgung sehr unterschiedlich erlebt. Zwar ist es wahrscheinlicher im Speckgürtel der Hauptstadt einen Arzt in der Nähe zu finden. Es gibt dort aber zu wenige Praxen, um die viel dichtere Besiedlung auszugleichen. Im Ergebnis müssen Hausärzte in Bernau oder Neuenhagen weitaus mehr Menschen versorgen als in Perleberg oder Prenzlau. In den letztgenannten Orten ist die Arztdichte in Bezug auf die Bevölkerungszahlen zwar höher, Patienten müssen aber viel weitere Entfernungen zu Praxen oder Krankenhäusern zurücklegen.

Das weitverbreitete Gefühl, die ärztliche Versorgung habe in Brandenburg in den vergangenen Jahren deutliche Löcher erhalten, konnte die rbb|24-Analyse allerdings nicht belegen. Eine Langzeitauswertung zeigte, dass die Zahl der Ärzte in Brandenburg seit der Jahrtausendwende nicht geringer geworden ist. Im Gegenteil. Arbeiteten 2001 noch 7.382 Ärzte in den Praxen und Krankenhäusern des Landes waren es 2017 etwa ein Drittel mehr: insgesamt 9.929.

Programm soll junge Mediziner aufs Land holen

Der stellvertretende Chef der KVBB, Andreas Schwark, warnte im rbb davor, die Lage zu dramatisieren. Nötig seien allerdings langfristig bessere Rahmenbedigungen. Die KVBB arbeite mit der Landesregierung an einem Programm, um Studenten zu fördern, so Schwark. So sollen sich junge Mediziner nach dem Studium in ländlichen Gegenden ansiedeln.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.05.2019, 7 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 8.

    ... Brandenburg hat auch bundesweit die niedrigste Einwohnerdichte, riesen Fleck mit nur 2 Millionen Bewohner!

  2. 7.

    "Gibt es in Brandenburg eigentlich etwas wo wir mal vordere Plätze belegen?"
    Bei den rechtsextremistischen Straf- und Gewalttaten ist Brandenburg immer ziemlich vorne mit dabei ;-)

  3. 6.

    Gibt es in Brandenburg eigentlich etwas wo wir mal vordere Plätze belegen? Im Versprechen ist die Landesregierung mit Sicherheit unter den ersten Dreien. Ansonsten nur heiße Luft. Wir werden, wir müssten, wir sollten, wir wollten. Das hören wir nun seit Jahren.

  4. 5.

    Finde es witzig sich über so Kleinigkeiten bezüglich eines Wortes aufzuregen...ok ist egal...Nun zum Thema zurück...bei uns in Calau sind noch 5 Hausärzte bis Ende Juni...jetzt kommt das Problem eigentlich erst und zwar das die restlichen Ärzte nicht viele Patienten annehmen können und der große Rest muss schauen wo er bleibt bzw muss zusehen wie sie zu anderen Ärzten kommen und das obwohl der ÖPNV im Lk OSL auf gut deutsch gesagt beschissen ist gerade für die ganz alten Leute...was tut die Stadt und der Bürgermeister dagegen nichts dem ist alles egal...in Calau ist derzeit überall Chaos angesagt...und der kvbb ist dieser Zustand auch egal da soll sich der Bürgermeister drum kümmern wird nur als Auskunft gegeben...hoffen nur das der neue Bürgermeister was daran ändern tut...

  5. 2.

    Können Ihre Reporter und Journalisten eigentlich noch richtiges Deutsch?
    ... nieriCHste Ärztedichte ...
    Ich rate zum Kauf eines Dudens!

  6. 1.

    Ja wie denn nun?
    Niedrigste oder niedrichste?
    Titel und Text verwirren.....

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