Ein Haussperling füttert ein Küken (Quelle: imago/blickwinkel)
Audio: rbb 88,8 | 08.05.2019 | Interview mit Derk Ehlert | Bild: imago/blickwinkel

Interview | Artensterben in Berlin - "Ein Drittel der in Berlin lebenden Arten bedroht"

Bis zu eine Million Tiere und Pflanzen könnten weltweit bald aussterben. Auch in Berlin sind laut dem Berliner Wildtierexperten Derk Ehlert Fledermäuse, Fischotter oder viele Vogelarten bedroht. Dabei kann jeder Einzelne im Alltag etwas dagegen tun.

rbb: Wie steht es um das Artensterben in Berlin?

Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin: Als guten Indikator haben wir immer die rote Liste. Diese zeigt, welchen Tier- und Pflanzenarten es gut, nicht so gut oder ganz schlecht geht. Einige davon sind ausgestorben. Immerhin sind knapp ein Drittel aller in Berlin lebenden Tier- und Pflanzenarten bedroht. Das ist natürlich auch ein alarmierendes Zeichen.

Um welche Tiere handelt es sich?

Beispielsweise geht es den Fledermäusen überhaupt nicht gut. Sie finden zum einen zu wenig Möglichkeiten zum Verstecken und viel zu wenig Insekten. Auch Fischotter, Feldhasen oder etlichen Vögeln geht es nicht gut. Über die Hälfte aller Vogelarten sind in Berlin bedroht - beziehungsweise der Bestand ist gefährdet. Und da liegt es an uns, gegenzusteuern und Verantwortung zu übernehmen.

Welches sind die bekanntesten Vögel? Der Spatz oder das Rotkehlchen?

In Berlin ist es zum einen der Specht. Es sind aber auch ganz häufige Arten, wie zum Beispiel der Haussperling. In Berlin hat er einen guten und sicheren Bestand hat, aber bundesweit ist der Bestand rückläufig, weil es ihm an Nahrung fehlt. Es sind also nicht die Pommes, sondern es sind Insekten, die ihnen fehlen, die er den Jungen verfüttert. Außerdem fehlt es an Brutmöglichkeiten. Das sind eigentlich ganz belanglose Dinge, aber selbst da fehlt es den Tieren schon.

Was wäre die Lösung, um dieses Artensterben aufzuhalten?

In erster Linie brauchen wir dringend wieder viel mehr Insekten. Außerdem brauchen wir natürlich auch eine viel größere Biodiversität und auch eine Anerkennung dessen, was um uns herum lebt – und das sind nicht nur Menschen.

Was kann jeder Einzelne im persönlichen Alltag machen?

Weniger ist oft mehr: weniger schneiden, weniger Laub harken, vielleicht im Herbst nicht so fleißig den Garten aufräumen. Oder auf dem Balkon einige Stauden stehen lassen. Das ist viel wichtiger und viel interessanter und nachhaltiger für die Tier und Pflanzenwelt.

Das heißt, dass man mehr Pflanzen oder das Unkraut stehen lässt?

Man sollte Stauden im Herbst stehen lassen und auch mehr Wildnis zulassen. Beispielsweise sollte man Brennnesselstauden oder Gräser nicht gleich wegschneiden, wenn sie auftreiben. Nicht überall kurz geschorene Rasenflächen. Das ist es, was Vielfalt betrifft und letztlich auch das, was nachhaltig ist und für alle ganz wichtiger Bestandteil der Natur ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Derk Ehlert führte Michael Handel, rbb 88,8.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Man kann sich alle Mühe geben, den eigenen Garten tierfreundlich zu halten-wenn im "pflegeleichten" Nachbargarten regelmäßig Unkrautvernichter verteilt wird ...

  2. 6.

    Die im Bild gezeigte Art trifft das nicht, Stare und Krähen auch nicht. Die nehmen über die tägliche Touristenfütterung zu. Feldhasen nehmen auch nicht "in Berlin" ab, die haben hier schon lange keinen Lebensraum mehr und könnten sich von dem Kram hier nie im Leben ernähren, sondern bundesweit.

  3. 5.

    Warum wird eiegntlich fast jedem Fitzelchen "Unkraut" in der Stadt mit furchtbaren Krachmaschinen zu Leibe gerückt? Ob es Straßenränder, Baumscheiben oder grüne Mittestreifen der Straßen sind - kaum wächst das Grün über Knöchelhöhe, wird es eliminiert. Das ist weder schön noch wirklich nötig, zumal diese motorbetrieben Unkraut-Absäbler einen Höllenlärm verursachen. Stattdessen sollten viel mehr Wildkräuter ausgesät werden.

  4. 4.

    Man braucht sich nur in manchen Gegenden umzuschauen, wie sich die Gärten verändern. Heutzutage ist "Haus mit Garten" etwas ganz anderes, als früher. Der Garten dient meist lediglich noch dazu, um ins Haus zu gelangen oder um für eine kleine Terasse mit Grillplatz herzuhalten. Es wird alles abgeholzt, was Schmutz oder Arbeitsaufwand bedeuten könnte. Bäume, Büsche, Beete, weg damit. Vieles wird asphaltiert, damit das Auto dort stehen kann. Traurige Entwicklung.

  5. 3.

    Warum wird immer um den heißen Brei drumherum geredet? Bzw. dann hier nie veröffentlicht. Ist das ZU bedrohlich? Ich bin keineswegs allein mit dieser (ff) Er-Kenntnis:
    >>Was wäre die Lösung, um dieses Artensterben aufzuhalten?<<
    Weniger von der Art zeugen, die alle anderen verdrängt.

    Alles andere ist Makulatur.
    Ja, man kann da radikalere Ansichten haben , aber man kann es auch mal aus dem Blickwinkel betrachten: von einer höheren Ebene. Eine Art, die sich und allen anderen die Lebensgrundlage kaputt macht, rottet sich ohnehin aus. Vielleicht wäre es einsichtiger, sich, bevor all das geschieht, sich einfach mal zu bescheiden.

  6. 2.

    Vielleicht kommt nach Lektüre dieses kurzen Interviews ja das eine oder andere Senatsmitglied auf den Gedanken, dass die vielen Kleingärten in der Stadt doch zu etwas nützlich ist. Wo bitte ist die Biodiversität in Berlin höher als in diesen Gärten?

  7. 1.

    Lieber Herr Derk Ehlert,
    ist ihnen schon aufgefallen, daß der Bestand an Kleingärten in Berlin rapide zum Wohle des Menschen abnimmt? Nun sollen es die verbleibenen Kleingärtner richten was die Politik nicht beachtet?
    Vor meiner eigenen Tür fielen im letzten Jahr 18 Bäume samt Nistkästen (Videomaterial vorhanden). Weder Nistkästen noch neue junge Bäume wurden ersetzt! Wo sollen die Tiere denn auch hin?

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