Der Müggelturm in Köpenick in Südost Berlin. (Quelle: rbb/Abendschau)
Video: Abendschau | 09.05.2019 | Rainer Unruh | Bild: rbb/Abendschau

Bezirk hat Bedenken - Brandschutzmängel bringen Müggelturm ins Wanken

Muss der Müggelturm in Berlin-Köpenick ein Jahr nach seiner Eröffnung schon bald wieder schließen? Der Bezirk sorgt sich um den Brandschutz – und setzt den Eigentümer unter Druck. Der kann die Sorge nicht verstehen und will sich notfalls gerichtlich wehren.

Der Bezirk Treptow-Köpenick sieht große Lücken beim Brandschutz des Müggelturms und fordert den Eigentümer Matthias Große zu Nachbesserungen auf. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sagte dem rbb, er sehe den Weiterbetrieb des Müggelturms nicht in Gefahr, wenn der Eigentümer die Löschwasserversorgung - wie im Brandschutznachweis gefordert - dauerhaft sichert.

Große will sich wehren

Kritik gibt es am Hydranten, der knapp 300 Meter entfernt vom in DDR-Zeiten beliebten Ausflugsrestaurant im Wald steht. Er soll zu wenig Wasserdruck haben, um genügend Löschwasser zu pumpen. Eigentümer Matthias Große ist bereits ein Mahnschreiben des Bezirks zugegangen, in dem ihm eine zweimonatige Frist gesetzt wurde: “Wir haben alle rechtsgültigen Genehmigungen vorliegen, ein Brandschutzgutachten und auch die Baugenehmigung. Jetzt werde ich aufgefordert, das abzustellen, was nicht in meiner Macht liegt. Und dann soll der Turm geschlossen werden“, sagte Große dem rbb.

Bei der Eröffnung vor einem Jahr sei alles in trockenen Tüchern gewesen, es habe keine Probleme gegeben. Die neue Entwicklung werde er nicht hinnehmen, er poche auf seine Verträge und werde seine Anwälte einschalten, kündigte Große im rbb an.

Feuerwehr sieht sich gewappnet

Die Berliner Feuerwehr habe Matthias Große und das Areal aufgesucht, sei dabei auf das Problem gestoßen und habe das Bezirksamt über den schwachen Wasserdruck des Hydranten informiert, bestätigt Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein dem rbb. Man sei aber auf den Notfall eingestellt: “Für den Müggelturm haben wir unsere Alarm- und Ausrückordnung geändert. Wenn eine Feuermeldung kommt, werden wir mit zusätzlichen Kräften und mehreren Schläuchen vor Ort sein, um das Löschwasser über eine größere Entfernung zur Brandstelle zu transportieren“, so Kirstein.

Der Alte, der neue Alte und der Zwilling

Große hat große Pläne

Ende April 2018 war der Müggelturm wiedereröffnet worden. Das traditionsreiche Ausflugslokal stand fast zwei Jahrzehnte leer und wurde in den vergangenen drei Jahren denkmalgerecht saniert. Der Müggelturm zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen im Südosten Berlins. Errichtet wurde er 1889 als Holzturm im chinesischen Pagodenstil. Wegen Baufälligkeit wurde er 1957 gesperrt; 1958 brannte der Turm ab. Der jetzige Steinbau wurde 1961 eröffnet.  

Im Januar hatte Investor Matthias Große angekündigt, einen barrierefreien Zwillingsturm neben das Original stellen zu wollen. Das sanierte Original ist knapp 30 Meter hoch und hat 126 Stufen. Besucher mit körperlichen Einschränkungen oder Familien mit kleinen Kindern seien daher häufig nicht in der Lage, auf den Turm zu gelangen, sagte Große dem rbb. Dies seien etwa 40 Prozent der Besucher.  Ein Fahrstuhl in einem zweiten baugleichen Turm soll dies nun ändern.

Der zweite Turm soll dabei genauso aussehen und genau so hoch sein wie der bereits bestehende. Ein Aufzug am originalen Turm war aus Denkmalschutzgründen vom Bezirk abgelehnt worden. Der Bau des neuen Zwillingsturms werde eine “sechsstellige Summe“ kosten, so Große. Die Finanzierung sei aber bereits sichergestellt und komme ohne öffentliche Fördergelder aus.

Sendung: Abendschau, 09.05.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Eigentümer? War der nicht Volkseigentum?

  2. 7.

    Weshalb wird es einem engagierten Investor so schwer gemacht? Das Land Berlin und der Bezirk sollten sich überglücklich schätzen, dass es noch Menschen mit Enthusiasmus gibt, die etwas für die Stadt bewegen!

  3. 6.

    Wie jetzt? Muss ein Eigentümer einer Immobilie, bewohnt oder Firma, dafür sorgen, das genug Löschwasser oder gar die Feuerwehr rechtzeitig da ist? Ich habe den Eindruck, das eine Ruine in der Einflugschneise des ruinösen BER besser zu Berlin ( oder Treptow Köpenick passt, als ein floriendes privates Objekt.

  4. 5.

    Ist es denn nicht mehr möglich, Probleme mit Vernunft und Weitblick zu klären? Für unsere Stadt ist es gut, dass der Turm und das Restaurant geöffnet sind, auch wenn noch nicht alles so richtig rund läuft. Ob der zweite Turm nun unbedingt sein muss? Da kann man sicher anderer Meinung sein. Das man den Betreiber nun aber mittels Mahnschreiben auffordert etwas zu ändern was nun so gar nicht in seinen Kompetenzbereich fällt ist schon erstaunlich. Es wäre wünschenswert, dass sich einfach mal die Vernunft durchsetzt und Anwälte mal Pause haben, eventuell bei Kaffee und Kuchen im Restaurant am Müggelturm.

  5. 4.

    Wir haben im letzten Sommer einen Urlaubstag geopfert, um zum Müggelturm zu wandern, dort etwas zu essen und zu trinken und dann wieder zurück zu wandern.
    Vorher auf der Internetseite des Müggelturm geschaut: Turm und Restaurant täglich geöffnet, wunderbar.
    Nach schweißtreibender Wanderung und Treppensteigen erwarteten uns am Eingang zwei grimmig dreinschauende Security-Mitarbeiter: irgendein prominenter Politiker hatte seinen Besuch angekündigt, das Hauptmann-Restaurant daher geschlossen, ebenso geschlossene Veranstaltung auf der Terasse, wo offensichtlich eine größere Reisegruppe Speisen und Getränke genoss. Wir waren froh, an einer Art Katzentisch dann unsere mitgebrachten Stullen essen zu können und die Wasserflasche leeren zu dürfen.
    Sehr gastfreundlich, wirklich. Nie wieder Müggelturm, von mir aus kann das Ding geschlossen werden.

  6. 3.

    Bei DEN Preisen für Turmeintritt und Selbstbedienungs-Café sollte ein zusätzlicher Turm wirklich kein finanzielles Problem sein.

  7. 2.

    Lachhaft: jeder Schüler kennt den Unterschied zwischen Wasserdruck und Wassermenge, nur das Bauamt nicht. Augenscheinlich geht es hier um eine narzisstische Selbstverwirklichung statt um die Sache selbst. In manchen Bauämtern ist manchem nicht klar, wer für wem da ist und wer die Gehälter bezahlt. Arrogante selbstherrliche Verhaltensweisen wohnen dem System inne: kaum Einspruchsmöglichkeiten, weil die Gesetze immer die Behörde schützt, einem mürbe machen, mit immer neuen kostenpflichtigen Aktenzeichen mit willkürlichen Gebührenspannen, oberflächliche Teilantworten usw. An dieser Stelle könnten Parteien "punkten" wenn die Verhältnisse/Abläufe endlich bürgerfreundlich geändert werden. Ein "eisiger Wind" reicht nicht mehr, es muss schon ein "Sturm" sein.

  8. 1.

    Ihre Überschrift ist unterste Boulevardschublade und angstmachend.
    Es geht um Wasserdruck an einem Hydranten. Muss das nicht das Wasserwerk ändern? Die Feuerwehr sieht es entspannt, aber sie müssen draufhauen.

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