Mitglieder der Arbeitsgruppe "Nothilfe Mosambik" (Quelle: rbb/Ursula Vosshenrich)
Audio: Inforadio | 03.05.2019 | Ursula Voßhenrich | Bild: rbb/Ursula Vosshenrich

Nothilfe für Flutopfer - Mosambikaner in Berlin sammeln Spenden für die Heimat

Vor fast 40 Jahren kam Ernesto Milice aus Mosambik nach Deutschland. Die Flutkatastrophe in seiner alten Heimat hat auch sein Leben umgekrempelt. Seit Wochen sammelt der Lichtenberger Sachspenden - 15 Tonnen sind bereits zusammengekommen. Von Ursula Voßhenrich

Ernesto Milice steht in seinem Laden inmitten von Tüten, Taschen und Kartons  und sichtet, was gerade abgegeben wurde:  Kleidung, Spielzeug, Kindermatratzen, Schlafsäcke, Zelte, Verbandsmaterial. Das kommt von der Wohnungsgenossenschaft Bremer Höhe. Andreas Döhler und Stefan Stiller haben die Sachen bei ihren Nachbarn gesammelt und vorbeigebracht. Stiller kennt Milice und seine Freunde seit fast 20 Jahren - von einem Fußballprojekt.

Hütte der Mutter von den Fluten fortgespült

Die Mosambikaner sind gut vernetzt in Berlin. Und sie haben sich für die Hilfsaktionen noch einmal enger zusammengeschlossen. Jedes Wochenende kommen 15, 20, manchmal 30 Freundinnen, Freunde und Angehörige zum Helfen. Ibraimo Alberto ist immer dabei.

Wie Ernesto kam auch Ibraimo vor bald 40 Jahren als Vertragsarbeiter in die DDR. Heute ist er Sozialarbeiter und hat ein Buch über seine Lebensgeschichte geschrieben. Seine Mutter und Geschwister leben noch in Mosambik, nicht weit vom Flutgebiet entfernt. Die Hütte sei vom Regen weggeschwemmt worden, erzählt Ibraimo. Er macht sich Sorgen.

Ernesto hat keine Angehörigen im Katastrophengebiet. Das schmälert aber nicht seine feste Entschlossenheit zu helfen. Jeden Samstag und Sonntag koordiniert er die Abholung von Spenden, telefoniert mit Unterstützern, räumt und packt und watet in Bergen von Tüten, Taschen und Säcken. Im seinem Keller stapeln sich Kleider, Töpfe und auch einige Dinge, die wohl jemand loswerden wollte: Mützen, Schals, eine Filmklappe.

Oben im Laden haben  Irene Ulisses, Rui Manuel und Benedito Joaqim inzwischen angefangen, die Spenden in Kartons zu sortieren und sie zu beschriften: Damen-, Herren-, Kinderkleidung. Eine Sisyphusarbeit. Im großen Außenlager von Ernesto Milices Küchenmöbel-Unternehmen in Rüdersdorf lagern schon Sachspenden, mit einem Gesamtgewicht von fast 15 Tonnen - fertig sortiert.

Rotes Kreuz hilft bei der Verteilung

Das alles soll nach Mosambik verschifft werden. Die mosambikanische Botschaft hat fünf Container bereitgestellt. Doch die Container sind in Hamburg, außerdem kostet der Transport für einen Container nach Mosambik etwa 4.000 Euro. Eigentlich ist die Aufgabe für die Privatinitiative zu groß. Doch Ernesto, Ibraimo und die anderen finden immer eine Lösung. Dabei bauen sie auch auf professionelle Hilfe: Das Deutsche Rote Kreuz wird die Kleider im Katastrophengebiet verteilen, erklärt Ernesto Milice.

Aber wäre es nicht besser, Geld zu sammeln, Kleidung und Haushaltswaren vor Ort zu kaufen und damit die regionale Wirtschaft in Mosambik zu unterstützen? Das wäre natürlich das Beste, gibt Milice zu. Aber als Privatinitiative sei das nicht so einfach. Ohne Vereinsstatus könne man kein Spendenkonto einrichten und offiziell Geld sammeln. Einfach nur zugucken oder die Hilfsaktionen den großen Organisationen überlassen - das kommt für ihn aber auch nicht in Frage. Deswegen die Sammelaktion.

Gerade hat sich wieder eine Lösung aufgetan. Dabei waren die Sportkontakte der Initiative wieder einmal sehr hilfreich: Über den Förderkreis der Sportschule Potsdam konnten Geldspenden für den Containertransport gesammelt werden. Das nächste Ziel sei es dann, einen eigenen Hilfsverein zu gründen, sagt Milice - aber dazu hat er gerade gar keine Zeit.

Sendung: Inforadio, 05.05.2019, 7:44 Uhr

Beitrag von Ursula Voßhenrich

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