Eine S-Bahn der Linie S3 ährt vor dem Bahnhof Berlin Ostkreuz in der Morgensonne. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
Video: Abendschau | 03.05.2019 | Wendling/ Bednarek | Bild: dpa

Verstärkerzug lässt Haltestellen aus - S-Bahn führt auf der S3 "Express"-Zug ein

Ab Dezember verbessert die S-Bahn ihr Angebot auf der S3: Auf einer Teilstrecke werden Verstärkerzüge eingesetzt - die ein klein wenig schneller sind, denn sie lassen einige Haltestellen aus. Der Verkehrsverbund will damit zur Rushhour Entlastung schaffen.

Die Berliner S-Bahn will ab dem Fahrplanwechsel im Dezember zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof auf der Linie S3 zusätzliche Verstärkerzüge einsetzen, die nicht an allen S-Bahnhöfen auf der Strecke halten werden. Einen entsprechenden Bericht der "Berliner Zeitung" bestätigte eine Sprecherin des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) rbb|24 auf Anfrage. Weil die Züge an vier der zehn Haltestellen nicht stoppen, brauchen sie für die Strecke nur 14 statt regulär 17 Minuten, drei Minuten weniger.

Die Verstärkerzüge sollen nur werktags und nur zur Rushhour eingesetzt werden, konkret zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 14 und 19 Uhr, und zwar im 20-Minutentakt. Bislang fährt die S3 im 10-Minuten-Takt. Die Züge sind in den Hauptverkehrsstunden regelmäßig übervoll.

An diesen Stationen soll der S3-Verstärkerzug halten (grau markiert sind die S-Bahnhöfe, an denen der Zug nicht halten soll):

Ein Express-S-Bahn zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof (Quelle: rbb|24)
| Bild: rbb|24

Auch Fahrgäste der abgehängten Haltestellen sollen profitieren

Wer morgens oder nachmittags an den Haltestellen Hirschgarten, Wuhlheide, Rummelsburg und Betriebsbahnhof Rummelsburg steht und auf die S-Bahn wartet, wird wohl weniger begeistert sein, wenn die Züge an der Haltestelle vorbeifahren. Doch VBB-Sprecherin Elke Krokowski stellt auch für diese Fahrgäste Verbesserungen in Aussicht: "Dadurch, dass die Verstärkerzüge zusätzlich eingesetzt werden, werden sich weniger Fahrgäste in den nachfolgenden Zügen befinden, die Fahrt wird also komfortabler", sagte Krokowski.

Das unterscheide das Zusatzangebot von einem umstrittenen Plan der S-Bahn aus dem vergangenen Jahr. Damals kündigte die S-Bahn an, an Ringbahn-Stationen teilweise ohne Halt durchfahren zu wollen, wenn S-Bahnen sich verspäten. Diesen Plan beerdigte die S-Bahn schießlich wieder. "Auf der S3 werden dagegen keine Züge ausfallen - es gibt vielmehr ein zusätzliches Angebot", stellte Krokowski klar.

Fahrgastverband: "Interessante Idee"

Der Berliner Fahrgastverband IGEB hält die schnelleren Verstärkerzüge für eine "interessante Idee". Man sei aber gespannt, ob sich das auch wirklich durchsetzen lasse, sagte Sprecher Jens Wieseke im rbb. "Entscheidend ist aber, dass die S-Bahn das stabil und dauerhaft anbieten kann und das nicht nur eine Eintagsfliege wird."

Ob perspektivisch noch weitere derartige Linien eingerichtet werden, lässt der VBB offen. Langfristig würden weitere Optionen geprüft, heißt es lediglich.

Wieseke 
Wieseke 
Wieseke 

Expresszüge hatte es schon einmal gegeben

Bereits vor dem Umbau des Ostkreuzes fuhren auf der S3 während der Hauptverkehrszeit Verstärkerzüge. Während der Hochphase der Bauarbeiten war das nicht mehr möglich, weil Gleiskapazität fehlte. Doch nun sind die Bahnanlagen am Ostkreuz fertig, die Infrastruktur lässt das Zusatzangebot wieder zu.

Die S3 verbindet auf ihrer gesamten Streckenlänge von 45,5 Kilometern Erkner in Brandenburg (Oder-Spree) südöstlich von Berlin und Spandau im Nordwesten. Sie ist eine wichtige Pendlerverbindung von Ost nach West, innerhalb des S-Bahn-Ringes fährt sie die gleichen Stationen wie die S5 und S7 an.

Express S-Bahnen hatte es in Berlin schon einmal gegeben: Von 1933 an legten S-Bahnen zwischen Wannsee und dem Stadtzentrum das Teilstück Zehlendorf – Potsdamer Fernbahnhof ohne Halt in 17 Minuten zurück. Die  "Bankierszüge" fuhren bis bis 120 km/h schnell, sie waren für Pendler aus dem wohlhabenden Südwesten gedacht. Heute braucht die Linie S1 für die gleiche Strecke fünf Minuten länger.

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Das ist doch ein Witz!!
    Damit kommt die S-Bahn 10 Jahre nach dem Chaossommer 2009 zu dem Angebot zurück, dass es seitdem auf dieser Strecke nicht mehr gibt: Verstärkerzüger im Berufsverkehr im 10 Minuten-Takt!
    Und das feiern die nun ab!
    Wieder mal werden die Menschen für dumm verkauft und wird auf ihr schlechtes Gedächtnis gehofft.
    Aber na ja, ist der Ruf einmal riuniert.....

  2. 26.

    Ich denke, für 3 Minuten Zeitgewinn lohnt sich solch ein neues System, dass nur Verwirrung stiftet, überhaupt nicht. Stattdessen sollte man den Takt in den Stoßzeiten verdichten, also 5- oder 6,7-Minuten-Takt statt nur 10 Minuten-Takt. Oder/und Taktverdichtung beim RE1 (20- oder 15-Minuten-Takt statt 30-Minuten-Takt - scheitert zur Zeit an fehlenden Zügen) und neue RE1-Bahnhöfe zwischen Ostkreuz und Erkner, z.B. in Köpenick und vielleicht Karlshorst.

    Außerdem sollte es die Bahn endlich hinkriegen, dass der RE2 wieder überall hält.

    Regional-Züge und S-Bahnen, die in Berlin nicht an allen Bahnhöfen halten, verwirren nur unnötig die Fahrgäste.

    Die zusätzlichen "Express"-S-Bahnen würden auch entlasten, wenn sie wie die anderen S-Bahnen überall halten. Hauptsache sie fahren zusätzlich!

  3. 25.

    Ihr Vorschlag klingt nicht nur schön, er ist es. Nur: Wenn ein Expresszug in Spandau losfahren würde, würde er noch vor Westkreuz (weshalb sollte eigentlich dort nicht gehalten werden?)am Sicherheitsabstand angekommen, den er zu dem vorhergehenden "normalen" Zug halten muss. Westkreuz könnte er den überholen (so das mit den Fahrplänen der anderen am gleichen Bahnsteig haltenden Linien vereinbar ist), da der Stadtbahnteil der Station viergleisig ist. Charlottenburg gäbe es noch einmal eine Überholmöglichkeit. Dann aber erst wieder Ostbahnhof.

    Sie verstehen das Problem? Natürlich könnte man weitere Gleis oder zumindest Überholmöglichkeiten bauen. Aber so, wie es in Deutschland und insbesondere in Berlin heutzutage zugeht, wird das vor 2030 (oder eher 2040) nichts.

    Was soll die Aufregung? Die S-Bahn führt auf einer stark nachgefragten Verbindung ein paar zusätzliche Züge ein. Und bei denen will sie die Reisezeit verkürzen. Nicht mehr, nicht weniger, so weit, so gut.

  4. 24.

    Bei den RER-Strecken in Paris handelt es sich zumindest im Zentrum von Paris um ein völlig eigenständiges System: Weite Stationsabstände, im Zentrum allesamt im Tunnel, die Züge bis zu 140 km/h schnell. So ist es jedenfalls bei den erstgebauten RER-Strecken A und B. Am Ehesten ist das noch vergleichbar mit dem Nord-Süd-Eisenbahntunnel in Berlin und der Vorstellung, dass es noch ein, zwei, drei weitere dieser Tunnel gäbe, die von Regionalexpresslinien bedient würden. Dazu allerdings ist das Umland nicht besiedelt genug und zur rein innerstädtischen Erschließung haben derartig weite Haltestellen-Abstände keinen Sinn.

  5. 23.

    Schon kiar. Darauf war mein Beitrag im Grunde garnicht ausgerichtet. Allerdings habe ich - abseits dieses Beitrags - so meine Zweifel, dass die Mehrheit der Berliner überhaupt wissen, dass das bekannteste Tor ihrer Stadt nach Brandenburg an der Havel benannt ist. Und dass der Weg beim Vorgängertor des jetzigen tatsächlich nicht über Potsdam führte ...

  6. 22.

    Die Idee der Schnellläuferzüge ist im Prinzip gut, aber nur, wenn sie auf einem eigenen Gleis fahren - sonst kann es nicht funktionieren!

  7. 21.

    Die RER züge in Paris sind nicht wie die berliner s-bahn.dabei handelt es sich eher um eine art "Rego-S-Bahn",die zu großen teilen innerhalb der stadt im tunnel verkehrt.In paris gibt es aber ein S-Bahn-system,das dem berliner ähnlich ist und derzeit noch im ausbau ist.Die RER-Züge in paris verkehren meines wissens auch auf eigenen gleisen (bzw. fernbahngleisen),parallel zu S-Bahn und teilweis metro.Teilweise werden diese züge auch der metro zugerechnet bzw. als"Express-Metro" bezeichnet.Auch die geschwindigkeit dieser züge ist weitaus höher als der S-Bahn in Berlin.Außerdem haben diese strecken teilweise sehr hohe stationsabstände.

  8. 20.

    Das Konzept wird in Paris und Vororten seit Jahrzehnten erfolgreich bei den RER‘s (vergleichbar zur Berliner S-Bahn) praktiziert. Schön, dass dies auch endlich in Berlin umgesetzt werden wird !

  9. 19.

    Hinweis zum Filmbericht: In der DDR gab es keine Durchläuferzüge. Das ist sachlich falsch. In den 50er Jahren wurden S-Bahnzüge aus dem Ostteil der Stadt ohne Zwischenhalt in den Westsektoren Berlins nach z.B. Potsdam gefahren. Hier ging es in erster Linie darum, dass Funktionsträger der DDR vor allem ohne "Feindberührung" an ihren Arbeitsplatz bzw Wohnort kamen. Dies war in erster Linie eine politische Entscheidung und weniger der Wunsch nach einer besseren Verbindung. Der Berliner Außenring der Bahn war zu dieser Zeit noch nicht fertig. Daher ist hier ein Vergleich mit dem gegenwärtigen Projekt meiner Meinung nach falsch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernd Schäfer

  10. 18.

    Köpenick hängt meiner Meinung nach immernoch zu sehr vom Betrieb der S3 ab. Wenn der Betrieb nicht läuft muss man über Mahlsdorf oder Schöneweide tolle Umwege auf sich nehmen. Die Taktverdichtung begrüße ich, löst aber das eigentliche Problem nicht. Die Systemanfälligkeit in der Alltagspendelei sollte beispielsweise mit der Regionalbahnanbindung behoben werden.

  11. 16.

    So sehe ich das auch! Ich fand die Idee erst gut wo ich es im Radio gehört habe, aber jetzt lese ich hier, dass wir über sage und schreibe 3 Minuten sprechen, das ist doch wohl ein Scherz.

  12. 15.

    Der 1838 am Potsdamer Platz bzw. vor dem Potsdamer Tor Berlins eröffnete Bahnhof hieß Potsdamer Bahnhof. Als westlicher Flügelbahnhof entstand später der Wannseebahnhof, als östlicher Flügelbahnhof der Potsdamer Ringbahnhof. Die Bezeichnung "Potsdamer Fernbahnhof" für den ältesten Teil der Station war nie offiziell, aber - zur Unterscheidung von den Flügelbahnhöfen - gebräuchlich. Die gesamte Anlage ging 1946 außer Betrieb. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Potsdamer_Bahnhof

    Der Anhalter Bahnhof stand ja auch nicht in Anhalt, das Brandenburger Tor steht nicht in Brandenburg und eine so benannte Potsdamer Straße führt in der Regel nicht durch, sondern nach Potsdam.

  13. 14.

    Die "Bankierszüge" fuhren zwischen Zehlendorf und dem Potsdamer Bahnhof in Berlin auf den Fernbahngleisen, konnten also die normalen S-Bahn-Züge problemlos überholen. Außerdem waren sie stärker motorisiert, mit (wie erwähnt) deutlich höherer Höchstgeschwindigkeit.

    Das Problem bei dem neuen Angebot wird sein, dass die Expresszüge buchstäblich zwischen den normalen Zügen fahren, auf dem gleichen Gleis. Kommt es bei den normalen Zügen zu deutlichen Verzögerungen, wird sich das direkt auf die Expresszüge übertragen.

  14. 13.

    Die "Interessante Idee" ist eine komplette Kapazitätsverschwendung.
    Und wenn, X-press wäre ohne Halt außer:
    Spandau - Zoo - Alexanderpl. - Ostkreuz - Karlshorst - Köpenick

  15. 12.

    Die Bahn bietet ein zusätzliches Angebot an und alle sind am meckern?

  16. 11.

    Es macht sicherlich von Energieverbrauch her kaum einen Sinn so eine Tonnenschwere S-Bahn erst anfahren zu lassen und sie dann gleich wieder abbremsen zu lassen. Von daher sollten Haltebahnhöfe eher weit auseinander liegen. Dazwischen kann man ja leichtere Strassenbahnen fahren lassen. Vielleicht sogar paralell oder fast paralell.

  17. 10.

    Meines Wissens müsste es nicht "Potsdamer Fernbahnhof", (also der heutige Potsdamer Hbf.) heißen, sondern Fernbahnhof Potsdamer Platz. So würde auch der erwähnte Zusammennhang Wannsee - Zehlendorf - Berliner Stadtzentrum einen Sinn haben. Und dann sieht die Fahrzeitersparnis schon anders aus.

    Den Begriff der Expresszüge auf der S 3 finde ich etwas irreführend, wenngleich ich auch die Idee überzeugend finde. Im Grunde genommen sind es beschleunigte S-Bahn-Fahrten bei Auslassung weitaus unterfrequentierter Stationen, die zu gewissen Teilen nur deshalb angelaufen werden, weil sie einfach da sind. Kein Mensch würde angesichts heutiger Umstände einen Großteil von ihnen heute noch so bauen.

  18. 9.

    Auch wenn der noch nicht ber heisst. Ein Flughafen gibt's aber schon. Ebenso ein ausreichend hohes Passagieraufkommen.
    Auch ausreichend Wohngebiete deren Bewohner aufgrund der Entfernung nicht das rad in die Stadt nutzen können. Nur so für die grünen unter uns

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