Taube fliegt vor dem Fernsehturm in Berlin (Quelle: imago/Stanislav Krasilnikov)
Bild: imago/Stanislav Krasilnikov

Zentrales Management geplant - Berlin will Vermehrung der Stadttauben stark eindämmen

Sie verdrecken Brücken und Bahnhöfe, besetzen Bänke und Plätze: 8.500 Tauben leben laut Schätzungen in Berlin. Damit es weniger werden, plant die Tierschutzbeauftragte Taubenschläge in allen Bezirken. Dort sollen Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden.

Bereits bei ihrem Amtsantritt 2017 versprach die Berliner Tierschutzbeauftragte Diana Plange ein zentrales Taubenkonzept für die Hauptstadt. Jetzt kommt Bewegung in das Vorhaben: "Wir haben eine Ausschreibung für die Planung eines Managements gestartet und sichten nun die Unterlagen der Bewerber", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Laut Plange soll es künftig in allen Bezirken betreute Taubenschläge geben. So soll der Kot an Orten, wo sich Tauben bisher häufig aufgehalten haben, zum Beispiel an Bahnhöfen reduziert werden. Außerdem will die Stadt die Taubenpopulation tierschutzgerecht verkleinern. Rund 8.500 der Vögel leben laut Schätzungen der Tierschutzbeauftragten in Berlin. In den Schlägen sollen die Tauben nicht nur gefüttert werden - Betreuer sollen dort auch ihre Eier gegen Attrappen austauschen.

Ein Taubenschlag für 100.000 Euro

In Berlin gibt es derzeit nur in einigen Bezirken betreute Taubenschläge, die unterschiedlich organisiert sind: Ein im Jahr 2012 für 100.000 Euro auf dem Potsdamer Platz aufgebautes Luxus-Taubenhaus steht jetzt am Bahnhof Südkreuz und wird seit Januar vom Verein "Graue Flügel Tierschutzprojekt" betreut. Nach vier Jahren auf einem Dach am Potsdamer Platz hatte es einer Dachterrasse weichen müssen.

Um sechs Taubenschläge in Reinickendorf, Wedding und Schöneberg kümmern sich Langzeitarbeitslose, betreut durch die gemeinnützige Qualifizierungsgesellschaft C.U.B.A. [cuba-med.com]. Aus diesen Taubenschlägen haben die Mitarbeiter im Jahr 2016 rund 1.040 Eier entnommen, im Folgejahr rund 900 Eier und 2018 rund 720 Eier. "Somit ist das Ziel, die Population zu regulieren - zumindest bis zum Ende des Jahres 2018 - aufgegangen", sagt der zuständige Betriebsleiter Frank Herzog.

Tauben wohnen in aufgearbeiteten Bauwagen

Allerdings sei es nicht leicht, Personal für die Taubenbetreuung zu finden. Die Arbeit sei nicht immer angenehm - etwa im Schutzanzug einen Taubenschlag zu reinigen. Aufgearbeitete Bauwagen dienen als Unterkünfte für die Tauben. Allerdings sei es nicht leicht, Personal zu finden. Problematisch sei auch, dass die Maßnahmen vom Arbeitsamt höchstens ein Jahr dauerten. "Viel besser wäre es, geeignete Leute dauerhaft zu beschäftigen", sagt Frank Herzog von C.U.B.A. mit Blick auf die Ein-Euro-Jobber. Ständig müssten neue Leute angelernt und für die Arbeit begeistert werden, so Herzog.

Wann die zentrale Tauben-Betreuung in Berlin startet, steht laut der Tierschutzbeauftragten noch nicht fest. Es seien noch zahlreiche Gespräche mit den Bezirken und allen Beteiligten - etwa der Deutschen Bahn nötig. Die Vorsitzende des Vogelschutzvereins Avian, Almut Malone, schätzt, dass Berlin etwa 50 betreute Taubenschläge bräuchte. Für den Senat hat sie ein Gutachten zum Tauben-Management erstellt, das sich am Modell der Stadt Augsburg orientiert. Die Stadt in Bayern löst ihr Taubenproblem mit zehn betreuten Taubenschlägen und zwei Taubentürmen.

Sendung: Inforadio, 11.05.2019, 14 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Meiner kurzen Recherche gestern am Handy nach hat die Beauftragte, die nun von 8.500 Tauben spricht, im letzten Jahr noch 10.000 - 15.000 genannt. Die Ornitologen nannten mal 40.000 und später 10.000 (mit dem Hinweis auf einen Rückgang um 40%, was sich nicht auf die 40.000 beziehen kann, was ja ein Rückgang von 75% wäre).

    Es ist meiner Meinung nach sinnvoll, die Quelle und Unsicherheit dieser Zahl im Artikel mit anzugeben. Zumal wenn man selbst darüber stutzig wurde. Offenbar sind die Zahlen höchst unsicher und ein massiver Rückgang der Taubenpopulation in den letzten Jahren ist anzunehmen. Dessen Gründe wären auch interessant zu erfahren. Wirken schon erste Maßnahmen oder dezimiert eine Krankheit die Tauben?

  2. 9.

    Als Standort für einen Taubenschlag am Kotti würde sich doch das Dach einer der zahlreichen bisher kaum genutzten Auto-Parkhäuser anbieten. @rbb Sind weitere Vergrämgitter rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor geplant?
    Danke für die Info zum ehemaligen Taubenschlag; der war dann wohl ein paar Meter vom westlichen Hochbahnzugang entfernt ;)

  3. 8.

    Es gibt keinen Song von "Georg Kreise" und das was Sie da gehört haben, haben Sie offensichtlich überhaupt nicht verstanden. Während sich die Einen Gedanken machen, wie man den Taubenbestand behutsam regulieren könnte, möchten Sie die Tiere gleich beseitigen, weil Sie mit Ihrer Freizeit offenbar nichts besseres anzufangen wissen.
    In einem Song von Georg Kreisler werden übrigens als erstes die Spatzen gekillt, aber für Sie sind die wahrscheinlich nur die Mäuse der Lüfte.

  4. 7.

    Guten Morgen,
    uns erschien die Zahl tatsächlich zu niedrig, deshalb haben wir uns auch weitere Quellen angeschaut. Der Nabu Berlin schreibt: "Zahlen von 50.000 Exemplaren und mehr können weder NABU Berlin noch die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (BOA) bestätigen und wurden von diesen Organisationen auch nicht publiziert." Aktuelle Schätzungen gehen von einer Zahl zwischen 8.000 und 14.000 Individuen aus. Deshalb berufen wir uns bei der Angabe 8.500 ja auch auf die Tierschutzbeauftragte. Beste Grüße

  5. 6.

    Die Zahl erschien mir viel zu niedrig. Den Redakteur hätte sie auch stutzig machen müssen. Es ist nun mal der Job eines Journalisten, Informationen zu prüfen. Man sucht sich immer eine zweite Quelle oder recherchiert selbst. Statt dessen wurde die falsche Zahl aus der Pressemitteilung einfach ungeprüft übernommen. Abschreiben ohne nachzudenken. Das muss besser werden, Leute!

    Ornitologen schätzen die Zahl der Berliner Stadttauben auf etwa 40.000!

  6. 5.

    Dem kann ich wirklich nichts mehr hinzuzufügen...Dreck und Sperrmüll auf Berlins Straßen... aber wir minimieren erst einmal die Tauben...

  7. 4.

    Dazu fällt mir der Song von Georg Kreise ein.
    https://m.youtube.com/watch?v=B2PH3hXSA0Y
    Das wäre dochmal eine sinnvolle Beschäftigung für die Bürger, Man könnte Facebook-Gruppen bilden, die Kinder mitnehmen, die in der Zeit auf dem Spielplatz spielen und es wäre eine gute Tat für uns Alle im Kampf gegen die Ratten der Lüfte.

  8. 3.

    Der Taubenschlag am Kotti war NICHT am U-Bahneingang! Im Gegenteil: er wurde direkt ueber der Strasse angelegt mit senkrechten (!) Einfluegen; darum funktionierte er natuerlich nicht! Ueber Vergraemgitter ueberm Kotti wuerden wir uns auch freuen, da es unsere Tierschutzarbeit erheblich erleichtern wuerde. Noch erfreulicher waere allerdings ein Standort fuer einen Taubenschlag direkt am Ort - und diesmal bei Standortfindung und Bau mit etwas mehr Hirn als damals!!

  9. 2.

    Nur blöd, wenn die Taubenschläge direkt am U-Bahnhof Eingang eingerichtet werden, wie am Kottbusser Tor, wo die Fahrgäste und andere Passanten leider vollgeschissen werden. Auch die Wartebereiche an den Fußgängerampeln, die Treppen zum U-Bahnhof und der unter der U-Bahn geführte kreuzende Radweg mit eigener Ampel sind voller Taubenkot. Letzte Woche sah ich erstmalig BSR Mitarbeiter in Schutzkleidung, die dort mit Kärchern sauber gemacht haben, was angesichts der Vielzahl der Tauben dort, die zudem regelmäßig gefüttert werden, täglich notwendig wäre. Besser und einfacher wäre die Verkehrsbereiche für Fußgänger und Radfahrer unter der Hochbahn effektiv vor Tauben zu schützen. Leider wurden entsprechende Schutzvorrichtungen (engmaschige Gitter) bisher nur in Teilbereichen angebracht. Manchmal ist dort soviel Taubenkot, dass Personen darauf ausrutschen!

  10. 1.

    8500 Tauben?
    Dann wären Tauben in Berlin vom Aussterben bedroht. Mir geht der Dreck und Sperrmüll auf den Straßen und Gehwegen eher auf die Nerven als das bißchen Taubenscheiße. Fehlt nur noch, dass die Stadtvögel jetzt auch noch als CO2-Schleudern für unser Klima verantwortlich gemacht würden.
    Zuviel Menschen, zuviel Dreck, ganz einfach. Da muss man nicht wehrlose Tiere für das Versagen der Politik herhalten lassen.

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