Arzt mit einer Spritze mit Impfstoff.
Bild: imago images / photothek

Bei Schulanfängern - Berlin verfehlt WHO-Vorgabe bei Masernimpfung

In Berlin haben rund sieben Prozent der Schulanfänger keinen ausreichenden Masernschutz. Nur insgesamt 92,6 Prozent hatten 2017 die zweite und damit entscheidende Masernimpfung erhalten, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) (Link als PDF) zeigt. Im Bundesländer-Vergleich liegt Berlin damit an fünftletzter Stelle.

Laut Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung zweimal gegen Masern geimpft sein, damit die hochansteckende Infektion ausgerottet werden kann. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erfüllten 2017 bei den Schulanfängern diese Impfquote.

Spahn bekräftigt Vorhaben, Impfpflicht einzuführen

Für seine Analyse wertete das RKI die Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen von 2017 aus. Daraus geht hervor, dass bundesweit zwar insgesamt 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Masernimpfung bekamen. Bei der zweiten Impfung lag die Impfquote bundesweit aber nur bei 92,8 Prozent.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte sein Vorhaben, eine verpflichtende Masernimpfung in Kindergärten und Schulen einzuführen. "Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen", erklärte Spahn. Wer sich impfe, schütze "nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft".

Auch der Präsident der Bundesärztekammer Ulrich Montgomery sprach sich kürzlich für eine umfassende Impfpflicht aus.

Berlin setzt auf mehr Aufklärung statt auf Impfpflicht

Der Brandenburger Landtag hatte Mitte April eine Masern-Impfpflicht für Kita-Kindern beschlossen. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte sich gegen eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. Stattdessen solle die Impfquote durch mehr Aufklärung verbessert werden. Beispielsweise solle bei den Einschulungsuntersuchungen gleichzeitig eine Impfberatung und falls gewünscht auch eine Impfung angeboten werden. Sollte es auf Bundesebene eine Impfpflicht eingeführt werden, werde Berlin das aber umsetzen.

Rund 300 Masernerkrankungen in diesem Jahr

Während dem RKI 2018 insgesamt 543 Masernerkrankungen gemeldet wurden, waren es im laufenden Jahr bereits mehr als 300 Fälle. "Fast die Hälfte der Erkrankten sind junge Erwachsene, das weist auf die großen Impflücken in diesen Altersgruppen hin", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Den nach 1970 Geborenen werde daher empfohlen, die Impfung nachzuholen.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Laut Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung zweimal gegen Masern geimpft sein. Soweit so gut. Laut WHO ist die 2. Masernimpfung zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr empfohlen.
    In Deutschland laut RKI in den ersten 2 Lebensjahren. Auf welche wissenschaftliche Studien stützen sich diese frühen Empfehlungen eigentlich? (Es gibt eine canadische Studie, welche zu dem Ergebnis kommt, daß eine etwas spätere Zweitimpfung das Komplikationsrisiko signifikant minimiert.)
    Laut WHO sind wir bestens im Plan mit 97% Erstimpfung bei den unter 6-jährigen. Für die Zweitimpfung ist, laut WHO-Vorgaben, Zeit bis zum 15. Lebensjahr. Die 6-jährigen sind immerhin schon zu 93% zweimal geimpft. Es wären laut WHO noch 9 Jahre Zeit um diesen Wert um 3% zu steigern. Wieso also die ganze Hysterie?
    Vielleicht sollte das RKI ihre Impfempfehlungen an den WHO-Kalender anpassen, dann wären wir hervorragenst im Plan.

  2. 1.

    Ich Frage mich immer wieder was in dieser Stadt überhaupt Mal klappt.

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