Bienen im Bienenstock (Quelle:rbb/Juliane Gunser)
Bild: rbb/Juliane Gunser

Tipps zum Welt-Bienentag - Hobby-Imker bräuchten einen Bienen-Führerschein

Der Traum vom eigenen Honig: "Urban Beekeeping", also Imkern in der Stadt, ist ein Trend, bei dem man ziemlich viel falsch machen kann. Der Vorsitzende des Berliner Imker-Verbands warnt: Es ist höchste Zeit für den Bienen-Führerschein. Von Juliane Gunser

Benedikt Polaczek imkert seit mehr als fünfzig Jahren: Die Bienen sind sein Lebensmittelpunkt oder wie er selbst sagt "meine zweite wahre Liebe". Die erste ist seine Frau. Polaczek ist Vorsitzender des Berliner Imkerverbandes.

Er wünscht sich vor allem Imker, die sich viel Zeit für ihre Bienen nehmen. Aber das sei nicht immer der Fall: "Ich höre so oft von Leuten, dass sie sich Bienen auf ihren Balkon stellen wollen, nur damit da etwas fliegt." Aber was es bedeute, Bienen zu halten, sei vielen nicht klar. "Ganz wichtig ist mir dabei die moralische Komponente. Bienen sind Lebewesen, das dürfen wir nicht vergessen", sagt der Imker.

Benedikt Polaczek Vorsitzender des Berliner Imkerverbandes (Quelle:rbb/Juliane Gunser)
Benedikt Polaczek, Vorsitzender des Berliner ImkerverbandesBild: rbb/Juliane Gunser

"Versucht euch wie eine Biene zu fühlen"

Die Arbeit mit Honigbienen ist komplex und zeitaufwändig. Gerade für Menschen die die Bienenhaltung als Hobby betreiben wollen, könne das schnell zu einem echten Zeitfresser werden, sagt Polaczek. Deshalb bieten viele Vereine Patenschaften an, um Neu-Imker zu unterstützen. "Ich sage immer zu den angehenden Imkern: Überlegt euch gut, ob das wirklich ein Hobby für euch ist", sagt Polaczek. Sein Tipp für alle, die sich Bienen anschaffen wollen: "Bevor ihr etwas macht, versucht euch wie eine Biene zu fühlen. Und erst dann macht es."

Unwissende Hobby-Imker sind eine Gefahr

Tatsächlich kann man bei der Bienenhaltung einiges falsch machen. Deshalb fordert Polaczek eine bessere Kontrolle der Imkerei – bisher gebe es zu wenige Regeln und Richtlinien auf diesem Gebiet. "Jeder kann sich Bienen anschaffen und auf seinen Balkon stellen, ohne dass jemand kontrolliert, ob derjenige sich wirklich auskennt." Wenn sich ein Hobby-Imker nicht auskenne, das Bienenvolk von Milben oder anderen Krankheiten befallen sei, könnten sich diese ungehindert ausbreiten - und damit auch andere Völker anstecken.

Wenn es nach Polaczek ginge, würde möglichst bald ein Imker-Führerschein eingeführt, um eine Kontrollinstanz zu schaffen. Dabei könnte abgefragt werden, wie man Bienenschwärme wieder einfangen kann oder welche Krankheiten mit welchen Methoden behandelt werden können.

Bienenarbeitsplatz: die Blüte (Quelle: rbb/Juliane Gunser)

Biene ist nicht gleich Biene

Gerade im urbanen Raum müssten Hobby-Imker lernen, wie sie ihre Nachbarn vor den Bienen schützen können: Zum Beispiel durch das Einhalten eines Mindestabstands zu anderen Grundstücken oder das bewusste Pflanzen von Hecken, um die Flugbahnen der Bienen entsprechend zu leiten. Auch was die Auswahl der Bienensorte betrifft, gebe es viel zu beachten: Eine zu aggressive Art könne in der Stadt schnell zur Gefahr für die Anwohner werden. Das notwendige Wissen müsse mit theoretischem und praktischem Unterricht vermittelt werden.

Der Deutsche Imkerbund kann diese Forderungen nachvollziehen – die Einführung eines Imkerführerscheins hält er momentan aber für unrealistisch. Denn die Vereine und bienenwissenschaftlichen Institute hätten schlicht nicht genug Kapazitäten, um für alle Imker Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, sagt Pressesprecherin des Bunds.

Honig kaufen beim lokalen Imker

Die Vorstellung vom eigenen Honig mag zwar romantisch sein, doch Polaczek hat auch dagegen ein Argument: "Jeder Zweite trinkt gerne Kaffee mit Milch, trotzdem kauft man sich nicht gleich eine eigene Kuh." Bevor man also selbst anfängt zu imkern, solle man lieber bei einem heimischen Imker Honig kaufen. Damit sei auch etwas für die Bienen getan.

Ein Insektenhotel eignet sich auch für Bienen. (Bild: rbb/Juliane Gunser)Ein Insektenhotel bietet einen Platz zum Überwintern und Nisten.

Jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht

Noch viel stärker bedroht als die Honigbiene sind ihre Verwandten in der Natur. Gerade Wildbienen sind vom Insektensterben betroffen. Laut Internationaler Naturschutzunion IUCN ist in Europa etwa jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht. Das hat  unterschiedliche Gründe: Pestizide, Monokulturen und Krankheiten sind ein bekanntes Problem. Doch auch die wachsende Zahl der Honigbienen kann zu einer Bedrohung werden: Die konkurrieren mit den wilden Bienen um Futterquellen und sind dabei oft die Stärkeren.

Wer Bienen und vor allem Wildbienen unterstützen will, muss sich also keinesfalls ein Bienenvolk kaufen. Es gibt Blüten, die für verschiedene Wildbienenarten besonders attraktiv sind, zum Beispiel Kapuzinerkresse, Glockenblume oderLöwenmäulchen. Man kann eine Bienentränke oder ein Insektenhotel aufstellen. Zusätzlich helfe es, nicht so oft Rasen zu mähen und damit Lebensräume für Insekten zu erhalten.  

Beitrag von Juliane Gunser

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7 Kommentare

  1. 7.

    Eigentlich bräuchten eher die Bienen einen Führerschein, so wie sie manchmal fliegen ;-D Bin froh, wenn Nachbarn so etwas nicht haben. Mag keine Flugtiere beim Frühstück um mich herum.

  2. 6.

    Typisches Gequatsche - die Natur ist ja so wichtig, aber bitte schön nicht bei mir Garten, sollen sich doch die Anderen darum kümmern - so denken ja leider sehr viele!
    Und dank meiner Brennesseln gibt es bei mir hübsche Raupen und dann Schmetterlinge.

  3. 5.

    "Auch mal die so verhasste Brennnessel stehen lassen" ... Nee, die kommt weg. Hasse diese Pflanze. Ansonsten, Bienen sind wichtig, ja, aber wenn sie um mich herumfliegen, dann garantiere ich für nichts ;-)

  4. 4.

    Um die Honigbiene braucht man sich nicht so die Gedanken machen, die wird auch nicht aussterben. Dafür gibt es ja die Imker, was sehr gut ist. Viel wichtger sind Hummeln und Wildbienen und andere Insekten, die eher im "unsichtbaren" leben und arbeiten. Denen müssen wir auf jeden Fall viele Unterschlüpfe und Nahrungsquellen bieten. Auch mal die so verhasste Brennessel stehen lassen, die ist nämlich wichtig für Raupen und dann den Schmetterlingen. Und die Läuse nicht gleich totspritzen, ich habe in diesem Jahr noch keinen Marienkäfer gesehen.

  5. 3.

    Ich finde Wildbienen schöner. Viele Gärten sind übrigens völlig steril. Man sollte mehr Bienenwiesen anlegen.

  6. 2.

    Unter einem Kaktus (ganzjährig draußen) im Schamott einer alten Ofenkachel (von Schutthaufen in Charlottenburg) haben es sich bei mir Erdhummeln gemütlich gemacht. Nest ist seit 2 Jahren bewohnt.
    Artikel ist interessant und stimmt, als Laie denkt man sicher recht naiv (Stichwort Krankheiten, Verdrängung und Artgenossen, also die eigenen).
    "Um die Ecke" wächst wild eine Lonicera maackii (Baum-Heckenkirsche), da brummt es wie an der Avus und duftet wie in den Tropen. Wird auch als super Bienenweide beschrieben.

  7. 1.

    Ich finde Wildbienen schöner. Viele Gärten sind übrigens völlig steril. Man sollte mehr Bienenwiesen anlegen.

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