Eine Wildkatze klettert im Thüringer "Wildkatzendorf" Hütscheroda auf einen Baum (Quelle: Bund / Thomas Stephan).
Bild: Bund / Thomas Stephan

Überfahrenes Tier südlich Berlins gefunden - Erste Wildkatze in Brandenburg nachgewiesen

Früher lebten Wildkatzen auch in den Wäldern des heutigen Brandenburgs. Doch im Nordosten Deutschlands galten die scheuen Tiere als ausgestorben. Nun hat der BUND ganz in der Nähe von Berlin das erste Tier entdeckt - durch einen riesigen Zufall.

Sie war grau-braun-getigert, hatte grüne Augen, fraß gerne Mäuse und Vögel und lebte im Wald - und wie so manche Katze in Brandenburg fand sie ihr Ende auf einer Landstraße. Zwei Gen-Analysen haben nun gezeigt: Der Fund des Tiers, das da im Herbst 2018 bei Kummersdorf-Gut (Kreis Teltow-Fläming) entdeckt wurde, ist eine Sensation. Es war eine Europäische Wildkatze, sie galt in Brandenburg als ausgestorben. Bisher hat es im gesamten Nordosten Deutschlands noch keine eindeutigen Nachweise der seltenen Art gegeben. 

Auf den ersten Blick sah das tote Weibchen aus wie eine normale Hauskatze. Eines Morgens entdeckte ein Mann es auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand, etwa 25 Kilometer südlich von Berlin. Er stoppte, weil ihn etwas stutzig machte. Es traf sich gut, dass der Mann Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist und sich mit Katzen auskennt. "Es war ein reiner Zufallsfund", sagte Friederike Scholz, Wildtierexpertin beim BUND am Dienstag rbb|24.

Der Finder nahm Proben von Fell und Blut der Katze, der BUND ließ diese Proben von Experten testen. Das Ergebnis sei eindeutig, sagt Friederike Scholz: "Felis silvestris silvestris", ein Exemplar der Europäischen Wildkatze, passend zu den Beständen in Deutschland. "Es stammt also aus keinem anderen Land und wurde nicht hier ausgesetzt."

Eine Wildkatze im Gehege des BUND-Projekts Wildkatzensprung in Zürich, Schweiz (Quelle: Bund / Thomas Stephan).
Sieht aus wie eine gut gepolsterte Hauskatze - hat in Wahrheit aber nur entfernte Vorfahren mit ihr gemeinsam: Die Europäische Wildkatze. | Bild: Bund / Thomas Stephan

Lockstock mit Baldrian

Nahe der einsamen Straße liegt ein altes Kasernengelände, verwildert, zugewuchert, mit Ruinen, Büschen und einsamen Verstecken. Ringsherum Wald - ein idealer Rückzugsort. Wildkatzen sind extrem scheu, Spaziergänger und Wanderer bekommen sie kaum zu Gesicht. Wenn der Mensch was merkt, ist das Tier schon weg. Sie schlafen tagsüber und jagen nachts, am liebsten im dichten Unterholz.

Neben Mäusen und Vögeln fressen sie auch Frösche und Eidechsen. Dass sie das auch in Brandenburg tun, nehmen Naturschützer schon seit längerem an, Beweise aber hatten sie nicht. In der Dübener Heide in Nordsachsen wurden ein paar einzelne Katzen entdeckt, näher kamen die Katzen Berlin bisher nicht.

Ob es noch mehr Tiere in der Gegend rund um Kummersdorf-Gut gibt, versuchen die Forscher vom BUND nun herauszubekommen. "Wir stellen sogenannte Lockstöcke in den Wald. Das sind angerauhte Holzpflöcke, die wir mit Baldrian bestreichen", sagte Friederike Scholz. Weil auch Wildkatzen Baldrian lieben, reiben sie sich gerne an solchen Pflöcken und hinterlassen dabei ihre charakteristischen Haare. "Wir gehen vorerst aber nicht von einem stabilen Bestand aus", erklärte Scholz.

Bis zu 7.000 Tiere bundesweit

Früher waren Wildkatzen in deutschen Wäldern verbreitet, vor allem in Mittelgebirgen wie Hunsrück, Eifel, Pfälzerwald, Röhn, Hainich und Spessart. Verwilderte Hauskatzen, wie ein gängiges Vorurteil lautet, waren sie nie - sondern europäische Ureinwohnerinnen. Aber bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte es der Mensch geschafft, sie fast auszurotten. 2011 startete das Bundesumweltministerium ein Schutzprogramm für knapp 3,9 Millionen Euro. Dabei ging es nicht darum, die Tiere künstlich anzusiedeln, sondern Wälder für die noch lebenden Katzen attraktiver zu machen, damit sie sich tüchtig vermehren.

Inzwischen sind sie nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz auch nahe Bonn, im nördlichen Baden-Württemberg und bei Leipzig nachgewiesen. Auf 5.000 bis 7.000 schätzen Experten die Zahl der Wildkatzen in ganz Deutschland. Es gibt bis hinauf nach Mecklenburg und Schleswig-Holstein zwar geeignete Wälder. Aber es fehlen Grünbrücken und andere Verbindungen zu den anderen Lebensräumen im Rest des Landes.

Die Naturschützer plädieren dafür, diese Wälder durch grüne Korridore miteinander zu verbinden. Das ist wichtig, damit die Wildkatzen nicht den Wald verlassen müssen, wodurch sie sich in große Gefahr begeben. Denn Autos sind der gefährlichste Feind der Tiere. Allein in Niedersachsen zählte der BUND in den vergangenen drei Jahren fast 90 überfahrene Wildkatzen. Höchstwahrscheinlich aber sind es mehr - meistens werden sie nicht erkannt.

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    So ein Unfug. Sie vergleichen Äpfel mit Blumenkohl. Es ist beim Wolf nicht in erster Linie die Jägerschaft, die nach Abschuß ruft, sondern es sind vor allem die betroffenen Tierhalter. Nicht wenige Schafhalter haben inzwischen wegen des Wolfes ihren Lebensunterhalt aufgeben müssen. Gerissen werden inzwischen übrigens auch Rinder und Pferde. Die Wildkatze reißt weder Schafe noch Rehe sondern MÄUSE. Hin und wieder auch mal einen tolpatschigen Vogel. Hier werden also weder Tierhalter geschädigt noch gibt es eine eingebliche oder tatsächliche Jagdkonkurrenz.

    Also erklären Sie uns bitte: AUS WELCHEM KONKRETEN GRUND soll jemand der Wildkatze nachstellen wollen?

  2. 9.

    Na lassen sie doch die Population in die Höhe schnellen, was glauben Sie, wer dann als nächster nach Abschuss ruft?
    Siehe Wolf.

  3. 8.

    "Erste Wildkatze in Brandenburg nachgewiesen" ....
    leider nur tot :-( .
    Wat für'n Schiettag!

    kwt

  4. 6.

    Die Wildkatze kam ueber Jahrzehnte nur im Mittelgebirgsraum vor. Problematisch erscheinen mir moegliche Bastardierungen mit streunenden Hauskatzen. Dennoch eine erfreuliche Entwicklung.

  5. 4.

    es muss heißen BUND, nicht Bund. LG

  6. 3.

    Wie kommen Sie auf diesen Unfug? Wer sollte (welches?) Interesse am Abschuß von Wildkatzen haben? Glauben Sie, es geht um Handschuhe und Mützen? Oder träumen Sie von militanten Mäuseschützern? Zu viel schlechte Filme gesehen?

  7. 2.

    Wow, freut mich sehr. Auf der anderen Seite: 7000 Wildkatzen bundesweit und nur 1 (tote) in Brandenburg? Hier muss die Forstwirtschaft sich noch massiv ändern, damit die Forste (nahezu 100 % Wirtschaftswälder) naturnaher werden!

  8. 1.

    Na dann ist ja bald die nächste Spezies auf der Abschlussliste.

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