Undatierte Aufnahme - Blick auf die Vogelnest-Nachbildung aus Feingold (Quelle: dpa/Berliner Morgenpost/Lorenz Vossen)
Video: Abendschau | 16.05.2019 | Tom Garus | Bild: dpa/Berliner Morgenpost/Lorenz Vossen

Kunstwerk aus Berliner Schule gestohlen - "Goldnest-Diebstahl muss Werk von Profis sein"

Ein Kunstwerk in Form eines goldenen Vogelnests ist aus einer Grundschule in Marzahn-Hellersdorf verschwunden. Der Gesamtschaden wird auf 90.000 Euro geschätzt. Der Stadtrat erklärt, warum die Täter hochprofessionell vorgingen.

Im Zusammenhang mit dem Diebstahl eines Kunstwerks in Form eines goldenen Vogelnests aus einer Berliner Grundschule sucht die Polizei nach Zeugen. 

Das aus purem Gold bestehende Werk "Goldenes Nest" war in der Nacht zu Mittwoch aus der Fuchsberg-Grundschule in Biesdorf (Marzahn-Hellersdorf) gestohlen worden. Der Wachdienst der Schule hatte den Diebstahl des Kunstwerks in der Nacht zum Mittwoch bemerkt. Im Rahmen ihrer Fahndung sucht die Polizei Zeugen, die in der Nacht zu Mittwoch an der Schule in Berlin-Marzahn etwas Verdächtiges wie fremde Autos, Menschen oder laute Geräusche bemerkt haben. 

Eine kaputte Scheibe eines Außenfensters ist am 16.05.2019 in der Fuchsberg Grundschule in Berlin abgeklebt (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Bereits vor dem aktuellen Diebstahl gab es Einbruchsversuche in die Grundschule. | Bild: dpa/Annette Riedl

Gesamtschaden wird auf 90.000 Euro geschätzt

Am Mittwochnachmittag waren bereits mehrere Häuser und ein Auto in Ortsteilen von Neukölln durchsucht worden. Nach rbb-Informationen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich um einen Fall von Clan-Kriminalität handelt. 

Der reine Materialwert der 74 Zweige aus 814 Gramm Feingold beträgt 30.000 Euro. Der Gesamtwert des in einer Vitrine aufgebewahrten Kunstwerks beträgt etwa 80.000 Euro. Der entstandene Gesamtschaden wird auf 90.000 Euro geschätzt. Da die Ausstellungsvitrine gewaltsam geöffnet wurde, geht die Polizei nach eigenen Angaben von Einbruchdiebstahl aus.

Goldnest auch von außen sichtbar

Seit November 2018 wurde das "Goldene Nest" in der Schule in einer Panzerglas-Vitrine ausgestellt. Die Vitrine selbst war nach Angaben der Schule mit einer Alarmanlage gesichert, und für die Schule war zudem ein Wachschutz engagiert. 

Das Nest wurde nach Angaben des Künstlers Thorsten Goldberg "in einem gläsernen Wandsafe", der Teil des Kunstwerks ist, aufbewahrt. Diese massive Vitrine ist in die Wand des Schulgebäudes eingelassen. Durch die Scheibe war das Goldnest so auch von außen sichtbar.

"Besser gesichert als Münze im Bode-Museum"

Dabei sei Kunstwerk "ziemlich gut gesichert" gewesen, erklärte der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD), am Donnerstag im rbb. Der Wachschutz der Schule fahre täglich vorbei. Nach den beiden erfolglosen Einbruchsversuchen sei eine Polizeistreife auch in zivil rund um die Schule unterwegs gewesen. Die Polizei habe zudem die Sicherheitsvorkehrungen als "relativ gut" bewertet.

Mit Blick auf den Diebstahl der Maple-Leaf-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sagte Lemm: "Wir waren deutlich besser gesichert als diese Münze im Museum. Leider hat es nicht ausgereicht." Aus dem Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel war 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von drei Millionen Euro gestohlen worden. Mehrere Mitglieder einer arabischstämmigen Großfamilie stehen deswegen derzeit vor Gericht.

"Ganz kleines Zeitfenster"

Lemms Einschätzung zu den Dieben lautet: "Das muss das Werk von Profis gewesen sein". Die Täter seien in ganz kurzer Zeit in der Schule und auch wieder draußen gewesen. Sie hätten die Sicherheitsvorkehrungen überwunden, die Kameras vollgesprüht. In die Vitrine sei ein kleines Loch gebohrt worden und dann die einzelnen goldenen Streben, aus denen das Kunstwerk besteht, herausgenommen worden. Ein paar seien übrig geblieben, die nun die Polizei zur Ermittlung nutze. Er vermute, die gestohlenen Streben würden eingeschmolzen und dann verkauft. Eineinhalb Stunden nach der Tat sei der Wachschutz dagewesen. "Es war ein ganz kleines Zeitfenster", so Lemm. 

Gegenüber dem "Tagesspiegel" vermutete Lemm zudem, die öffentliche Wirkung des Gold-Nestes sei von der Jury des Kunst-Wettbewerbs möglicherweise unterschätzt worden. "Das Material weckt wohl eher kriminelle Energien", zitiert die Zeitung.

Bereits vor dem aktuellen Diebstahl gab es Einbruchsversuche: einen ersten im November und einen weiteren im Februar.

Öffnen erst nach 14 Jahren erlaubt

Das Kunstwerk, die goldene Nachbildung eines Vogelnestes, wurde im Rahmen eines Wettbewerbs zum Neubau der Fuchsberg-Grundschule angefertigt. Bei öffentlichen Gebäuden ist vorgeschrieben, dass ein kleiner Teil der Ausgaben für Kunst an dem neuen Bauwerk fließt. Das Kunstwerk war im Herbst vergangenen Jahres vom Berliner Künstler Thorsten Goldberg fertiggestellt und an die im September 2018 neu eröffnete Grundschule übergeben worden. 

Nach der offiziellen Übergabe des Kunstwerks an die Schule durfte die Vitrine erst nach 14 Jahren geöffnet werden. Der Künstler hatte es so bestimmt, dass das Nest dann hätte sofort zerstört werden müssen.

Die Polizei unter anderem in Berlin versucht seit dem vergangenen Jahr, härter gegen kriminelle Mitglieder der Clans vorzugehen. Nach zahlreichen Raubüberfällen auf Schmuckabteilungen und Geldtransporter, nach Schlägereien und Schießereien beschloss der Berliner Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen die Clans. Seit dem Herbst gibt es wöchentliche Razzien in Shisha-Bars und Spielhallen. Luxusautos werden kontrolliert, mehr Häuser und Wohnungen sollen beschlagnahmt werden.

Ob die verstärkten Polizeieinsätze in den abgeschotteten Parallelwelten wirken, muss sich zeigen. Der Diebstahl des Goldnestes sei ja auch "eine Machtdemonstration", so die Staatsanwaltschaft. Über die Zukunft des Nestes sollten eigentlich nach 14 Jahren Lehrer und Schüler entscheiden. So hatte es der Künstler bestimmt und im Internet beschrieben. Sollte die Vitrine geöffnet werden, hätte das Nest sofort zerstört und das Gold verkauft werden müssen. Die Entscheidung über das Einschmelzen übernehmen jetzt wohl andere.

Sendung: Abenschau, 16.05.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Kunst trifft Wirklichkeit.

  2. 4.

    Aus dem Artikel:
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    Eineinhalb Stunden nach der Tat sei der Wachschutz dagewesen. "Es war ein ganz kleines Zeitfenster", so Lemm.
    ---

    Will der Herr Schulstadtrat uns veräppeln?

  3. 3.

    Angemerkt sei hier zumindest auch noch, dass der Bund der Steuerzahler sich bereits vor dem Diebstahl kritisch zum Thema "Goldnest"-Kunstwerk geäußert hatte - und sich jetzt bestätigt sieht. Der erste Einbruchsversuch fand bereits fünf Tage nach Einweihung des Kunstwerkes statt. Und (offizielle) 80.000 Euro für Material und Honorar für dieses Kunstwerk sind in den Augen eines Steuerzahlers nicht nur "ein kleiner Teil".

  4. 2.

    Da MUSS ein Teil der Baukosten in Kunst fließen, Weil da Wertvolles steht (von außen sichtbar) MUSS ein Sicherheitsdienst überwachen (natürlich nicht umsonst ;-)... ) und dennoch hat man jetzt den Schaden. Was das alles kostet - in einer Stadt, die durch "arm aber sexy" bekannt wurde - mir erschließt sich der Sinn und Zweck nicht.
    Sollten wieder mal Clans hinter einem Verbrechen stecken, hoffe ich auf baldige Aufklärungserfolge mit entsprechender Ahndung und Verurteilung der Täter.

  5. 1.

    ""Das Material weckt wohl eher kriminelle Energien"" Bei dem Zitat musste ich lachen... DAS ist ja mal eine ganz neue Erkenntnis :-))))

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