ARCHIV - Ein Hubschrauber steht am 06.05.2019 zur Betankung mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel in einem Gewerbegebiet und wartet auf die Starterlaubnis. (Foto: dpa/Bernd Settnik)
Bild: dpa/Bernd Settnik

"Karate Forst" gegen Brandenburger Kieferschädlinge - Umstrittener Insektizid-Einsatz startet mit Verspätung

Mit einem Tag Verspätung hat am Dienstag der Hubschraubereinsatz gegen den Kiefernschädling Nonne in Bad Belzig begonnen. Rund 100 Hektar Wald sollten bis zum Abend mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel "Karate Forst flüssig" besprüht werden, sagte Einsatzleiter Michael Kopka vom Landesbetrieb Forst Brandenburg.

Das Wetter sei ideal. Der Einsatz war wegen starken Windes am Montag kurzfristig abgesagt worden. Brandenburger Naturschutzverbände hatten gegen den Insektizid-Einsatz Widerspruch beim Pflanzenschutzdienst eingelegt. Dieser wurde kurz vor dem geplanten Start am Dienstag jedoch abgelehnt, sagte Kopka.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ablehnung habe sich das Einsatzteam für den Hubschrauberflug bereit gemacht. Der laufende Einsatz könne aber noch vom Verwaltungsgericht gestoppt werden, wenn die Verbände weitere juristische Schritte einleiten, sagte Kopka.

Nabu widerspricht Agrarminister

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) nannte die Bekämpfungsaktion per Hubschrauber das "letzte Mittel".

Dem widersprach aber Werner Kratz, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Brandenburg. "Der Kiefernschädling hat hauptsächlich Altnadeln angegriffen, aber kaum Jungnadeln. Man hätte hier differenzieren müssen." Auch die Menge der Raupen, die bei Probefällungen ermittelt wurde, sei unter dem Grenzwert gewesen. Bei der Aktion gehe es vordergründig um die Holzerträge der Waldbesitzer und weniger um den Naturschutz.

Hersteller warnt vor Gesundheitsschäden

Syngenta, die Herstellerfirma des Insektizids, warnt in einem Datenblatt zu "Karate Forst" vor Gesundheitsschäden, die beim Einatmen des Produktes entstehen können. Konkret könne das Insektizid demnach "Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden" auslösen.

Auf Anfrage von rbb|24 erklärte ein Syngenta-Sprecher, Sicherheits- und Gefahrenhinweise würden vor allem für Menschen gelten, die mit dem Insektizid in unverdünnter Form in Kontakt kommen könnten. "Bei Einsätzen gegen Schädlinge wird das Produkt stark verdünnt", hieß es.

Sendung: Brandenburg aktuell, 07.05.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [Wasserschützer] vom 08.05.2019 um 06:02
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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich finde es nicht leicht zu beurteilen, ob es als Ausnahme erlaubt werden sollte.
    Dagegen spricht, dass seit einigen Jahrzehnten bekannt ist, dass reine Fichtenwälder wesentlich anfälliger sind als Mischwald. Viele Waldbesitzer haben auch reagiert. Und jetzt wollen die anderen, dass der Staat sie mit Gifteinsatz rettet...

  2. 11.

    Syngenta gehört zu Monsanto ist schon der Hammer was die Firma von Bayer so alles macht um die Insekten und Tiere zu vernichten .Zudemwird auch gleich der Mensch mit vergiftet nützt der Pharma von Bayer-Leverkusen .Alles schön im Einklang ich muß immer an den Film der ewige Gärtner denken ..Bitte haltet das auf ,die Konzerne Monsanto und bayer zerstören alle Wälder die uns noch bleiben .Außerdem denke ich falls der Sommer wieder so trocken wird wie letztes Jahr ,werden die Stoffe auf den Tannen leicht entflammen.Gibt das Zeug mal ins Feuer ,das entflammt richtig gut ..

  3. 10.

    Funfakt: Syngenta ist Tochter von ChemChina einem chinesichen Staatsunternehmen.

  4. 9.

    Ganz einfach, natürliche Fraßfeinde ansiedeln. Ist dem Waldbesitzer aber zu kompliziert. Kann der Waldbesitzer eigentlich Insektizide so einfach herumsprühen oder braucht er eine Genehmigung vom Umweltamt? Wahrscheinlich hat der Mitarbeiter dort ein kleinen Geschenk bekommen, damit das durchgewunken wurde.

  5. 8.

    Dass Teile eines Waldes durch Schädlinge absterben ist ein ganz natürlicher Vorgang. In unbewirtschafteten Wäldern wie zum Beispiel im Harzer Naturschutzgebiet sieht man das regelmäßig, grade nach solchen Trockenperioden wie letztes Jahr. Die abgestorbenen Bäume machen Platz für resistentere Arten. Natürlich entgeht so den Waldbesitzern Geld, aber die Große Chemiekeule rauszuholen und die ohnehin schwächelnder Insektenbestände noch weiter zu dezimieren halte ich für ungerechtfertigt.

  6. 7.

    Pestizide der Forstwirtschaft bedrohen die Insekten- und Vogelwelt des Waldes
    Anfragen der Mitglieder der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) in mehreren Bundesländer ergaben, dass 2019 zum Generalangriff auf die Insekten des Waldes geblasen werden soll. Die Breitband-Insektizide, die die Forstwirtschaft einsetzt, sind nicht nur fatal für die Zielorganismen. Sie töten auch die Fraßfeinde der forstschädlichen Falter und Käfer, wie den Großen Puppenräuber. Normalerweise reagieren die Fraßfeinde nämlich durch eine rasche Vermehrung auf Nonne, Borkenkäfer- oder Spinnerschwemmen, so dass sie die Baumschädlinge wieder reduzieren. Aber diese natürliche Entwicklung wird durch Gifteinsätze unterbunden. Spinnerkalamitäten verlaufen daher viel fataler als früher. Wohin soll diese Krieg gegen unsere Insekten noch führen? Nur eine Waldwende kann diesen Mechanismus stoppen. Dürreschäden, Waldbrände und Kalamitäten sind eine Folge jahrhundertelanger forstlicher Eingriffe GEGEN die Natur.

  7. 6.

    Zum Glück hat hier die Vernunft gesiegt und es werden endlich Maßnahmen gegen den Waldschädling eingeleitet. Sicher ist der Waldumbau auf Mischwald ganz wichtig, aber es wird lange dauern. All die klugen Gegner
    des Pestizideinsatzes können doch mal Vorschläge machen wie man kurzfristig auf einen Schädlingsbefall reagieren sollte. Alles was ich bisher lese lautet “wir sind dagegen, aber tut etwas”. Aber meckern wurde in den letzten Jahren zum Prinzip.

  8. 5.

    Ja, das "verdünnte" Gift ist, da schwer abbaubar, leider langfristig umweltgiftig und gewässergefährdend. @rbb Wohin wird es aus dem Boden und aus den toten Tieren ausgewaschen? In welche Gewässer gelangt es in der Region? Oder landet es langfristig im Grundwasser? Mit welchem Aufwand kann es dann herausgefiltert werden? Was sagen die Wasserwerke dazu? Gibt es Regionen in denen das Gift regelmäßig eingesetzt wird? Was sind die Langzeitfolgen?
    PS: Laut Unternehmenssprechern sind auch Atomkraftwerke ungefährlich und im ehemaligen Braunkohletagebau entstehen blühende Landschaften ;)

  9. 4.

    Kann der rbb herausfinden, wo genau es versprüht wurde? Ich würde dort nicht mit Kind und Hund laufen wollen... auch dort etwas aus der Natur zu essen wäre nicht mein Ding.

  10. 3.

    Ich verstehe es einfach nicht! Warum muss gerade jetzt in der Brutzeit sowas gemacht werden? Wir jammern über das Sterben von Bienen und vergiften uns hier freiwillig??!
    Was soll das? Wo sind die Grünen wenn man sie mal braucht und wo bleibt der Verstand der Leute die sowas genehmigen? Ihr bringt das verderben über den Wald und er wird es euch heimzahlen!

  11. 2.

    Einmal mehr der Versuch, frühere Fehler durch immer wieder neue Fehler zu korrigieren. Wann hat das Bitteschön schon mal funktioniert? Manche werden es wohl nie begreifen.

  12. 1.

    Was ist "Karate Forst" eigentlich? Viele moderne Insektizide sind entweder biologischen Ursprungs oder z.B. Bakterien. Durch etwas Googeln bin ich auf den Inhaltsstoffe gestoßen. Ich habe Chemie auf Lehramt studiert und das Zeug (Cyhalothrin) ist schon anhand der Formel als ziemlich gefährliches Zeug erkennbar (fluoriert und chloriert, also mit Sicherheit schwer biologisch abbaubar!). Nicht nur Atembeschwerden gehören dazu. Der Hersteller verharmlost das Zeug. Laut GHS-Einstufung ist es nicht nur umweltgefährdend, sondern auch giftig für den Menschen. "Lebensgefahr beim Einatmen und "giftig bei Hautkontakt" sind so ziemlich die härtesten Gefahrenmerkmale, die eine Chemikalie überhaupt haben kann. Das ist wesentlich übler als die Herstellerangabe vermuten lässt.

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