Christian Staeblein, Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
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Interview | Propst Christian Stäblein zu Himmelfahrt - "Himmelfahrt ist nicht Vatertag, auch wenn es auf einen Tag fällt"

Erst im 20. Jahrhundert wurde der Vatertag auf den christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt gelegt. Zwei Tage, die man nicht vermischen sollte, sagt Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, im Interview.

rbb: Herr Stäblein, was feiern die Christen an Christi Himmelfahrt?

Christian Stäblein: Die Aufnahme Jesu Christi in den Himmel - seine Erhöhung. Am 40. Tag nach Ostern, so erzählt es die Bibel, wird Jesus in den Himmel aufgenommen und fährt sozusagen zum Himmel. Also in gewisser Weise kehrt er zu Gott zurück. Ich könnte auch sagen, es ist die Umkehrung von Weihnachten. Weihnachten kommt Jesus auf die Erde und an Himmelfahrt kehrt er wieder zurück. Der Kreis schließt sich sozusagen. Jesus kommt von Gott, er kehrt zurück zu Gott, denn er ist eins mit Gott.

Nun ist nicht jeder christliche Feiertag auch ein staatlicher Feiertag. Wie kam es dazu, dass Christi Himmelfahrt auch ein Feiertag für alle geworden ist?

Seit dem vierten Jahrhundert ist Christi Himmelfahrt ein Feiertag der Christen. Schon damals wurde genau diese Rundung gesehen. Die Geschichte Jesu Christi ist erst vollständig mit der Aufnahme in den Himmel. Und von da ist erst zu begreifen, dass Gott nicht mehr in einer Person lokalisiert ist, sondern überall gegenwärtig ist. Ein staatlicher Feiertag ist Himmelfahrt erst im 20. Jahrhundert geworden. Aber als christlicher Feiertag ist er viel älter.

Warum hat das eigentlich so lange gedauert, von Ostern - also von der Auferstehung - bis zur Himmelfahrt?

Das ist eine gute Frage. Die 40 Tage, das kann man schon an der Zahl wieder sehen, sind ein gutes biblisches Maß. 50 Tage nach Ostern feiern wir Pfingsten - das gehört auch wieder dazu, die Gabe des Heiligen Geistes, wo Jesus unter uns nicht mehr gegenwärtig ist, Gottes Geist unter uns und in uns allen. So gelten die 40 Tage als gutes biblisches Maß - sozusagen für eine Einheit.

Christi Himmelfahrt ist ein Feiertag - aber auch Vatertag oder Männertag. Es ziehen jetzt nicht mehr nur die Männer mit dem Bollerwagen durch die Gegend, inzwischen auch die Familien. Aber haben Sie eine Erklärung, wie es von Christi Himmelfahrt zum Vatertag kam?

Eine Erklärung habe ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich habe aber ein bisschen recherchiert: Der Vatertag oder Männertag ist auch das Ergebnis der Entwicklungen des 19. Jahrhunderts. An dieser Stelle wird die Entwicklung einer Vorstellung, dass Männer an diesem Tag rausgehen und in gewisser Weise so eine Art Initiationsritual mit ihren Söhnen machen. Das ist dann auch an anderen Stellen zum Herrentag geworden.

Wenn überhaupt etwas daran verbindend ist, dann die Vorstellung, dass Gottes Geist und genau dieses Ereignis von Himmelfahrt auch immer irgendwie nach draußen treibt. Und dass das ja was Schönes ist, wenn wir sozusagen in die Weite der Welt hineinziehen. Aber ansonsten würde ich jetzt mal sagen: Der Vatertag hat sich da draufgesetzt. Das ist kein christlicher Feiertag, um das einmal deutlich zu sagen. Wie so oft haben bestimmte Festmomente wieder andere besetzt.

Wie geht denn ein Theologe damit um? Auf der einen Seite der christliche Feiertag und auf der anderen Seite das Besäufnis?

Ich habe auch darüber eine Weile nachgedacht, aber vermischen möchte ich das nicht. Und das kann man auch nicht. Das sind schon zwei Paar Schuhe und ich sage mal so, ich feire als erstes Himmelfahrt. Natürlich ist das auch ein Tag geworden, der sehr in der Gestaltung der Familien liegt. Sie haben das ja angedeutet. An vielen Stellen wird das auch gar nicht mehr als Männer- oder Vatertag gefeiert, sondern als Gestaltungsfreiraum für die Familien, die für sich rausgehen und gucken, was will ich eigentlich mit diesem Leben, wozu bin ich da? Welcher Geist, welcher Spirit treibt mich vielleicht auch? Das muss nun wahrlich nicht der alkoholische Spirit sein.

Und in diesem Sinne kann sich dann auch etwas wieder mit Himmelfahrt verbinden, wo wir ganz viele Gottesdienste an dem Tag draußen feiern und deswegen wirklich gut sichtbar sind, für alle, die den Tag draußen gestalten wollen. Aber ich glaube, es ist auch manchmal ganz gut, eine scharfe Grenze zu ziehen. Himmelfahrt ist nicht Vatertag - auch wenn es auf einen Tag fällt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ulrike Bieritz.

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Version, das vollständige Gespräch können Sie sich anhören, wenn Sie im oberen Bild auf das Abspielsymbol klicken.

 

Kommentar

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39 Kommentare

  1. 39.

    Na Bravo. Kirchliche Belehrungen ohne vorher den Klingelbeutel zu füllen. Na ja, mich wundert es nicht, dass viele die Institution Kirche verlassen und zuhause individuell beten.

  2. 38.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Vattertag war vorher da. Aber wen interessiert das schon. Prost.

  3. 37.

    Eine schlechte Tat wird mit einer gleich schlechten vergolten. Wenn aber einer verzeiht und zu einem Vergleich bereit ist, steht es Gott anheim, ihn zu belohnen. ... Wenn einer geduldig ist und vergibt, ist das eine gute Art, Entschlossenheit zu zeigen.
    Islam, Sure 43:40ff

    Vergeltet niemand Böses mit Bösen! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
    Christentum, Römerbrief 12:17-18

    Schönen Feiertag

  4. 35.

    Nee...früher sagten Abermillionen von Menschen nur Vatertag. Zum Herrentag mutierte dieser Tag erst nach der Wende. Ein Geschenk der neuen Bundesländer. Steht auch im Beitrag ;-)

  5. 34.

    Der beste Kommentar hier. Danke. Lassen Sie sich Ihr Bierchen gut schmecken und erfreuen sich mit Ihren Kindern über solch einen schönen Tag.

  6. 33.

    Stimmt wegen Christi Himmelfahrt ist frei, nicht wegen Vatertag. Vatertag ist auch nur neumodisch früher sagte man nämlich Herrentag.

  7. 32.

    Oh GOTT, der einzige, der hier recht pentrant seine Meinung (wen auch immer) aufzwingen will ist der Osterhasi, den wir leider offenbar steuerlich mitfinanzieren. Sonst wäre er schließlich heute freiwillig arbeiten gegangen, ist ja ein christlicher Feiertag, den er hier zum Schwadronieren missbraucht :-)

    Wer so viele Beiträge braucht, um dennoch nicht verstanden zu werden, scheint ein anderes Problem zu haben. Gut, dass ich heut früh in der Kirche mitgebetet habe... ("Herr, lass Hirn regnen"... ). Amen.

    Der Anlass war übrigens eine Taufe - schon wieder einer für den humanistischen Quatsch verloren gegangen ;-)

  8. 31.

    Sie haben ja so recht! -Wenn in der DDR die Religion des fliegenden Spaghettimonsters staatlich befürwortet worden wäre, es hätte sich eine beträchtliche Zahl Gläubiger zusammengefunden. Die Menschen haben sich schon immer den -religiösen- Zeiten angepaßt. Und was die christliche Gläubigkeit vor dem zweiten Weltkrieg betrifft: mein Vater wurde Anfang April 1927(also kurz vorm Einschulungstermin) noch getauft, da meine Großeltern erfahren mußten, daß ihn sonst keine einigermaßen anständige Schule aufgenommen hätte. Es gab 'freie Schulen', die aber keinen guten Ruf hatten. Auch meine Mutter wurde nur aus diesem Grund getauft. Bei ihrer Einschulung 1937 hatte sich das Problem aber bereits erledigt. -Gründe für das Verbleiben in einer Religionsgemeinschaft sollte man doch auch hinterfragen dürfen. Sie glauben gar nicht, was dabei so alles ans Licht kommt ;) Und sicher brauchen Nichtgläubige deutlich weniger eine Organisation/ Gemeinschaft. Wer braucht schon Anleitung im Nichtglauben?

  9. 30.

    Ach SIE sind das. Na Mensch, wenn wir gewußt hätten, dass SIE das alles finanzieren, dann hätten wir ja nicht nur den roten Teppich ausrollen, sondern Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt abschaffen müssen. Sorry, wird sofort nachgeholt^^ Und jetzt kümmere ich mich um meine wunderbaren Kinder (Vatertag), erzähle ihnen etwas über den Grund des heutigen Himmelfahrt-Feiertages (Allgemeinbildung) und stelle für abends ein Bier kalt (Herrentag). Liebe Grüße und alles Gute :-)

  10. 29.

    Wer hier hetzt, sind Sie. Sie diffamieren meine sachliche Kritik als "Hetze" und schrecken dabei nicht mal vor der Nazikeule zurück. Das ist infam, unredlich und perfide. Offenbar kennen Sie nicht mal den Unterschied zwischen Kritik und beschimpfen. Sonst würden sie die Begriffe nicht synonym verwenden. Ich kritisiere sowohl rbb als auch Kirche für die beschriebenen Machenschaften. und das Recht nehme ich mir heraus, solange ich gezwungen werde, diese Indoktrinierung auch noch zu finanzieren.

  11. 27.

    Es tut mir Leid, daß Sie mit dem Niveau nicht zurechtkommen. Aber entgegen Ihrer kruden Behauptung existiert Nichglauben selbstverständlich auch unabhängig von Religionen. Schon immer. Ich kann doch nichts dafür, wenn Sie solch einen Unsinn behaupten.

    Nicht ich habe Sie angesprochen, sondern Sie haben mich angegriffen und mir "Hass" unterstellt. Daß Sie daraufhin fordern , ich soll sie in Ruhe lassen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

    Bitte übernehmen Sie die Verantwortung für ihre Bemerkungen.

  12. 26.

    Allein der WDR - eine ö.r. ARD-Anstalt wie der RBB - produziert über 1700 Verkündigungssendungen pro Jahr und stellt dafür jährlich 600.000 € bereit.*). Das sind 4 bis 5 Verkündigungssendungen pro Tag. Das IST ein unumstößlicher Fakt, und es IST eine sachliche Diskussionsgrundlage. Es mag ja sein, daß es Ihnen nicht gelingt, dabei die systemische christliche Indoktrination, der wir mit penetranter Regelmäßigkeit ausgesetzt werden, zu erkennen. Das liegt dann aber gewiß nicht an meinem Empfinden.

    *) https://hpd.de/artikel/sind-ueber-1-700-religioese-verkuendigungssendungen-im-wdr-noch-zeitgemaess-16177

    Freundliche Grüße

  13. 25.

    Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht mit Ihnen. Bleiben Sie in Ihrer Welt, aber lassen Sie andere bitte mit Ihren Tiraden in (der Feiertags) Ruhe. Und @ rbb, Danke für dieses Interview. Die Überlegungen „Himmelfahrt, Vatertag, Herrentag“ und woher die jetzige Form der Feiertagsausübung kommt ist schon interessant, insbesondere wenn sich dazu ein Vertreter einer Kirche auf solch harmonische Art und Weise äußert.

  14. 24.

    die Evangelische Kirche hat zb befürwortet und begrüßt dass der humanistische Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wird. Soweit zur Toleranz. Sie hetzen doch hier gegen den rbb und nicht gegen die Kirchen. Das kommt jetzt deutlich genug herüber. Aber, bitte lassen Sie die Christen bei Ihrem Kampf gegen den rbb aus dem Spiel, so wie die Kirchen auch den humanistischen Verband nicht beschimpfen. Ansonsten erinnert mich Ihre Kritik an die der AfD am ör Rundfunk. Den Feiertag als Anlass zu nehmen finde ich gelinde gesagt unverschämt. Ich bin übrigens kein Mitglied einer Kirche.

  15. 23.

    Falsch. Ich bin nicht ausgewichen sondern habe Ihre manipulative Fragestellung ins richtige Verhältnis gesetzt. Sie geben ja plötzlich anhand des Zentralrates der Muslime selber zu, daß die Mitgliederzahlen nicht relevant sind. Also was denn nun? Können Sie sich bitte mal entscheiden? Die Atheisten und Agnostiker werden genauso wenig erfaßt, wie die Muslime. Wollen Sie wirklich behaupten, bei den Atheisten und Agnostikern sei die Mitgliederzahl relevant und bei den Muslimen nicht? Merken Sie überhaupt, wie Sie mit zweierlei Maß messen?

    Die Anspielung auf die christlichen Feiertage können Sie sich schenken. Einerseits hat sich die katholische Kirche auf nicht wenige heidnische Feiertage dreist draufgesetzt, andererseits entscheide ich seit Jahrzehnten als Unternehmer ganz allein, wann ich arbeite und wann nicht. Darüber haben sich Ihresgleichen also kein Urteil zu erlauben.

  16. 22.

    "Gesamte und systemische christliche Indoktrination, der wir mit penetranter Regelmäßigkeit ausgesetzt werden": Das mögen Sie gerne so empfinden und bleibt Ihnen unbenommen. Diesen Eindruck aber als unumstößlichen Fakt darzustellen, auch wenn ihn andere nicht teilen, ist allerdings kaum eine sachliche Diskussionsgrundlage.

    Freundliche Grüße.

  17. 21.

    Falsch. ich habe nicht das rbb-Interview kritisiert. Das rbb-Interview ist Teil der gesamten und systemischen christlichen Indoktrination, der wir mit penetranter Regelmäßigkeit ausgesetzt werden. Und es ist völlig legitim, diese systemische und einseitige Indoktriniation zu kritisieren. Ich habe Ihnen nichts unterstellt. Unterlassen Sie also bitte diese Behauptung.

  18. 20.

    Ihnen scheint entgangen zu sein, daß die Kirchen auch im Kapitalismus trotz Indoktrination dramatisch schwindende Mitgliederzahlen haben. Ja was glauben Sie wohl, was passiert, wenn diese Indoktrination nicht mehr staatlicherseits gefördert wird? Da treten die Leute reihenweise aus (wie die Generation meiner Eltern), egal, ob und wie religionsfeindlich der Staat ist. Die Leute sind ausgetreten, weil man sie nicht mehr gesellschaftlich genötigt hat, in der Kirche zu bleiben, und nicht weil der Staat sie dazu gezwungen hätte. Am liebsten wäre schon mein Großvater ausgetreten, nachdem er die kriegsverherrlichenden Lügen der Pfarrer im 1. und 2. Weltkrieg erlebt hatte.

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