Stahnsdorf Kupferklau. (Quelle: rbb/D. Lenz)
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Audio: Inforadio | 14.05.2019 | Dominik Lenz | Bild: rbb/D. Lenz

Kupferdiebstahl auf Stahnsdorfer Friedhof - Nur noch ein Mausoleum trägt sein ursprüngliches Kupferdach

Der Südwestfriedhof in Stahnsdorf gehört zu den größten und bedeutendsten in Europa. Als Parkanlage mit Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten hat er großen kulturhistorischen Wert. Das allerdings scheint Kupferdieben egal zu sein. Von Dominik Lenz

Die Tatorte sind leicht zu finden: Wo eigentlich Kupferdächer prächtige Mausoleen schützten, hat die Friedhofsleitung des Stahnsdorfer Südwestfriedhofs notdürftig graue Plastikplanen angebracht.

An diesem Vormittag ist Thomas Drachenberg, Landeskonservator und damit der oberste Denkmalschützer Brandenburgs, gekommen, um die Schäden zu begutachten. Er zeigt sich fassungslos: "Die Bemühungen der vielen Leute zur Erhaltung der Denkmale werden hier einfach konterkariert", sagt er.

Eigentlich ist Drachenberg hier, um über Geld zu reden. Viel Geld, das über das Programm für national bedeutende Denkmale zur Instandhaltung des Friedhofs fließt, zum Beispiel in den Erhalt der Friedhofskapelle. Diebstahl, stellt Drachenberg klar, könne damit nicht bezahlt werden, das sei das Risiko der Eigentümerin. In diesem Fall ist das die evangelische Landeskirche, die die Grabstätten von den Familien übernommen hat.

Der Friedhofsleiter in Stahnsdorf, Olaf Ihlefelt. (Quelle: rbb/D. Lenz)
Olaf Ihlefeldt | Bild: rbb/D. Lenz

Materialwert: wenige Hundert Euro - Schaden: 40.000 Euro

Nachdem einige Jahre Ruhe herrschte, schlugen die Diebe in diesem Frühjahr gleich zweimal zu, im Februar und im März. In hellen Mondnächten hätten sie jeweils zwei Kupferdächer abmontiert und mehrere Hundert Meter weit aus dem Friedhof getragen, erzählt Olaf Ihlefeldt, der den Friedhof seit 30 Jahren leitet.

Der Materialwert, den ein Schrotthändler für die flachen Metallstücke zahle, liege bei einigen Hundert Euro, der Sachschaden aber bei rund 40.000 Euro, schätzt Ihlefeldt. Dieses Missverhältnis mache ihn immer wieder völlig ratlos.

Machtlos gegen die Diebe

Auch 2013 gab es massiven Kupferdiebstahl in Stahnsdorf, sodass von den 25 Mausoleen des Friedhofs nur noch eines über sein ursprüngliches Kupferdach verfügt. Jetzt überlegt man, dieses letzte Dach einfach grau anzumalen und damit zu entwerten. Neue Dächer werden zudem nur noch aus minderwertigerem Zink gebaut. Viel mehr könne er nicht tun auf diesem 206 Hektar großen, dicht bewaldeten Gelände, sagt Ihlefeldt, der selbst am Rand des Friedhofs wohnt. "Ich habe selbst erlebt, wie ein Dach innerhalb von zwei Stunden verschwunden ist", erzählt er. "Einmal bin ich nachts um 2 Uhr an einem Mausoleum vorbei gefahren, habe das Licht angeschaltet und geschaut, ob alles in Ordnung ist. Als ich morgens um 7 Uhr zur Arbeit kam, war alles weg." Ihlefeldt geht davon aus, dass die Diebe ihn vorab in Ruhe ausgekundschaftet haben.

Die Gräber rund um die Uhr zu bewachen, sei nicht bezahlbar. Doch sowohl Friedhofsleiter Ihlefeldt als auch Landeskonservator Drachenberg sehen im Kupferklau auf Friedhöfen vor allem ein gesellschaftliches Problem und einen Verfall der Sitten. Wenn es keinen Konsens darüber gebe, dass Baukultur etwas Wertvolles ist für die Gesellschaft, werde es schwer, Denkmale wie in Stahnsdorf in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild im öffentlichen Raum zu erhalten.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Traurig. Schamlos, respektlos.
    Die Menschen, die so etwas tun.

    Ist es nicht irgendwie möglich, den Friedhof mehr zu schützen über z.B. Wachschutz, Kameras, Beleuchtung, Alarmanlage(n)?

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