SYMBOLBILD - Das Treppenhaus des Landgerichts in Berlin-Moabit (Foto: dpa/Sven Braun)
Bild: Symbolbild von dpa/Sven Braun

Mitbewohner in Berlin-Wilmersdorf ermordet - Prozess ohne Leiche: Lebenslänglich für 47-Jährigen

Vor rund eineinhalb Jahren hatte ein heute 47-jähriger Mann aus Berlin-Wilmersdorf seinen Mitbewohner bei der Polizei als vermisst gemeldet. Am Donnerstag ist der Mann vor dem Landgericht wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er habe den Online-Devisenhändler aus Habgier und zur Verdeckung von Diebstählen "auf eine uns nicht bekannte Weise getötet", begründeten die Richter. Die Leiche habe der Angeklagte an einen bis heute unbekannten Ort gebracht.

Der 47-jährige ehemalige Gastwirt habe zunächst eine Urlaubsreise des Opfer genutzt, um sich "finanziell Luft zu verschaffen", hieß es weiter im Urteil. Er habe zwei hochwertige Armbanduhren aus dem Zimmer seines Bekannten gestohlen und verpfändet. Nach der Rückkehr des 42-Jährigen wenige Tage später sei es im Oktober 2017 zum tödlichen Angriff gekommen - "um des Geldes willen, um Verpfändungen zu verdecken, um abzuräumen", so der Vorsitzende Richter nach fast achtmonatigem Indizienprozess.

"Kein Zweifel" an Täterschaft

Nach dem Verbrechen habe der Angeklagte Geld von Konten des Geschädigten auf andere Konten transferiert und für eigene Zwecke verwendet. Laut Anklage soll der Mann rund 42.000 Euro erlangt haben. Die Vermisstenanzeige hatte er den Angaben zufolge etwa drei Wochen nach dem Verschwinden des Devisenhändlers erstattet. "Wann und wie er die Leiche aus der Wohnung weggeschafft hat, haben wir nicht feststellen können", so der Richter.

An der Täterschaft des Angeklagten bestehe indes "in der Gesamtschau der Indizien kein Zweifel". Er habe wenige Tage nach dem Verbrechen einen Bekannten gefragt, ob er ihm helfen könne, die Leiche verschwinden zu lassen - das hatte der Zeuge ausgesagt. Bei Ermittlungen in der Wohnung des Opfers habe ein Leichenspürhund im Badezimmer angeschlagen. Der Angeklagte habe nach dem Verschwinden des Geschäftsmannes auch einen Ring ins Pfandhaus gebracht, den das Opfer stets getragen habe.

Verteidigung: Mann vielleicht untergetaucht

Der Angeklagte lebte laut Ermittlungen als Untermieter mit in der Wohnung des Verschwundenen. Die Kosten in Höhe von rund 400 Euro habe das Jobcenter getragen. Der Devisenhändler soll ein fragwürdiges Investment-Modell betrieben haben.

Die Verteidiger sagten, sie hätten keine Anhaltspunkte, "dass der Mann tot ist". Es sei nicht auszuschließen, dass er untergetaucht sei. Ihr Mandant und der Verschwundene seien gute Freunde gewesen. Die Verteidigung forderte Freispruch. Die Richter folgten mit ihrem Urteil dem Antrag des Staatsanwalts.

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