Symbolbild: Eine Frau rasiert einen älteren pflegebedürftigen Herrn. (Quelle: dpa/Bauch)
Bild: Symbolbild, Audio: Inforadio | 14.05.2019 | Lucia Hennerici | Bild: dpa/Bauch

Pflege von Angehörigen - Wenn die Ehefrau zur Pflegekraft des eigenen Mannes wird

Wer die eigenen Eltern oder den Ehepartner zu Hause pflegt, muss enorme Anforderungen bewältigen. Das eigene Leben kommt dabei oft zu kurz. Deswegen ist gerade für die pflegenden Angehörigen Entlastung sehr wichtig. Von Lucia Hennerici

Die 61-jährige Cornelia Apel ist nicht nur Ehefrau, sondern inzwischen auch Pflegekraft ihres Mannes. Er hat eine seltene unheilbare Erkrankung des Gehirns, die progressive supranukleäre Blickparese, kurz PSP. Sie ist mit Parkinson verwandt. Dabei sterben Nervenzellen, die wichtig für die Steuerung automatischer Bewegungen sind. Das betrifft zum Beispiel Gleichgewicht, Augenbewegungen oder Sprache. Als ihr Mann Anfang 60 war, fielen Cornelia Apel erste Veränderungen an ihm auf. "Anfang 2014 haben erste Stürze darauf hingewiesen, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Mir ist es damals auch aufgefallen, dass er von der Stimmung her zunehmend gedrückt war. Wir sind dann in eine Klinik und man hat eine Depression festgestellt. Darüber hinaus gab es die ersten Sprachstörungen, auch Verwirrtheiten."

"Es ist manchmal schwer auszuhalten"

Mittlerweile ist Cornelia Apel für den ganzen Alltag verantwortlich. Ihr Mann hat zwar die meisten seiner geistigen Fähigkeiten behalten, baut aber körperlich ab. Die vergangenen Monate waren besonders anstrengend wegen eines Umzugs. Die beiden mussten ihr Reihenhaus in Berlin-Reinickendorf aufgeben und leben jetzt barrierefrei in einem Mehrgenerationenhaus in Pankow. Zum ihrem Alltag gehören neben der Pflege auch Schriftverkehr mit Kranken und Pflegekassen.

Ihr Mann hat Pflegegrad 3. Cornelia Apel muss ihn zum Arzt begleiten, Hilfsmittel beantragen, Betreuungskräfte abrechnen, Termine mit Therapeuten verabreden. Das alles geht an die Substanz: "Das ist manchmal schwer auszuhalten. Denn manche Dinge, die früher selbstverständlich waren miteinander, gehen eben nicht mehr so. Er ist in gewisser Weise abhängig von mir. Und es tut mir manchmal leid, wenn ich ungeduldig werde oder Dinge nicht mehr so souverän mache, wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe, sondern ein bisschen dränge. Ich weiß, dass das nicht gut ist für meinen Mann. Aber das hat dann auch mit einer gewissen Belastungssituation zu tun."

Die Tagespflege ist für pflegende Angehörige eine Entlastung

Die 61-Jährige ist berufstätig und arbeitet drei Tage in der Woche im Pflegestützpunkt Pankow. Möglich ist das durch die Tagespflege. Dort verbringt ihr Mann den Tag zusammen mit anderen Pflegebedürftigen, betreut von Fachkräften, mit gemeinsamen Mahlzeiten, und wenn er will, gemeinsamen Übungen. Im Gegensatz zur Kurzzeitpflege gibt es keine volle stationäre Versorgung in einem Heim. Cornelia Apel bringt ihn morgens hin und holt ihn abends wieder ab. "Mein Mann geht dreimal die Woche in die Tagespflege, das ist für mich eine gute Zeit. Ich muss zwar in der Regel arbeiten, aber manchmal gelingt es mir auch, einen freien Tag zu bekommen. Dann habe ich auch mal ein paar Stunden, wo ich Dinge regeln kann, die sowieso zu regeln sind."

Gemeinsame Momente genießen

Ihr Job bedeutet Cornelia Apel viel. Sie bekommt Anerkennung und kann anderen Angehörigen helfen. Dem inneren Akku hilft auch der Treff des Netzwerks Pflegeengagement. Eine Gruppe die es in jedem Berliner Bezirk gibt, nur für pflegende Angehörige – mit Gesprächen, Informationen, Entspannungsübungen, kostenlos. So schöpft Cornelia Apel die Kraft, um nicht nur Pflegealltag mit ihrem Mann zu teilen, sondern auch gemeinsame Momente genießen zu können.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.05.2019 | 21:05 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ist ein Rollentausch situationsbedingt möglich?

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