Landgericht Berlin (Quelle: imago/Schöning)
Audio: Inforadio | 08.05,2019 | Ulf Morling | Bild: imago stock&people/Schöning

Prozess in Berlin - Cousins von Nidal R. gestehen Sprengstoffanschlag

Im September wurde der Intensivtäter Nidal R. in Berlin-Neukölln von bislang Unbekannten erschossen. Kurz danach warfen zwei Cousins von ihm eine Handgranate in eine Shisha-Bar. Sie hätten "etwas tun wollen", erklärten die Verwandten des Opfers jetzt vor Gericht.

Zwei junge Männer haben vor dem Landgericht Berlin einen Sprengstoffanschlag auf eine Bar in Kreuzberg gestanden.

Hintergrund der Tat seien die tödlichen Schüsse auf ihren Cousin Nidal R. einige Wochen zuvor gewesen, erklärten die 20- und 21-Jährigen am Mittwoch. Sie hätten ein "Zeichen" setzen wollen. Dabei hätten sie aber darauf geachtet, keine Menschen zu verletzen, gaben die Männer vor Gericht an.

Überwachungskamera filmte die Tat

Die Angreifer waren im Oktober 2018 mit einem Auto vor die Shisha-Bar in der Oranienstraße gefahren. Bilder einer Überwachungskamera belegen, dass dort gegen 4.30 Uhr am Morgen zwei von drei Tätern ausstiegen.

Einer schlug mit einem Hammer ein Loch in die Fensterscheibe des Lokals. Der zweite Mann warf eine entsicherte Handgranate in den Raum. Bei der Explosion entstand erheblicher Sachschaden.

Angeklagte "wollten etwas tun"

Die Angeklagten erklärten, sie hätten nach der Tötung ihres Cousins Nidal R. "etwas tun" wollen. Der 36-Jährige wurde im September 2018 in Neukölln von bislang unbekannten Tätern erschossen. Er war ein Intensivtäter aus einer arabischstämmigen Großfamilie.

Der 20-jährige Angeklagte erklärte, er habe die Handgranate in einem Gefühl von "Ohnmacht und Wut" geworfen, weil aus seiner damaligen Sicht nach dem Tod ihres Cousins "keiner etwas unternommen" habe. Ihm sei sofort klar gewesen, "dass es ein Fehler war". Er habe Angst vor juristischen Folgen und vor "Rache der anderen Seite" bekommen.

Die beiden Angeklagten sind seit Ende Oktober 2018 inhaftiert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und Sachbeschädigung vor. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Sendung: Inforadio, 08.05.2019, 13:00 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 1.

    Es ist schon beängstigend, wie leicht man offenbar an Handgranaten kommt.

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