Ein Polizist misst am 18.09.2014 in Berlin am Mariendorfer Damm die Geschwindigkeit eines Pkw (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Steigende Unfallzahlen in Berlin - Radioeins meldet keine Blitzer mehr

Sollte man Autofahrern verraten, wo die Polizei Radarfallen platziert hat? Angesichts steigender Unfallzahlen hat die rbb-Welle Radioeins jetzt entschieden, in ihren Nachrichten auf Blitzermeldungen zu verzichten.

Die rbb-Welle Radioeins weist in ihren Nachrichten seit Montag nicht mehr auf Standorte von Blitzern im Berliner Stadtgebiet hin. Die Streichung der Warnhinweise für Autofahrer halte man einerseits für ein Relikt, erklärte Jan Vesper, Leiter der Nachrichtenredaktion am Montag im rbb. Die Erwägung habe auch etwas mit der Unfallstatistik in Berlin zu tun.

Die Zahl der Unfälle in Berlin ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Angaben der Polizei zufolge krachte es auf den Straßen der Hauptstadt mehr als 144.000 Mal. "Raserei ist nunmal eine der Hauptunfallursachen", sagt Vesper. Deshalb wolle man nicht dazu verleiten, jenseits der Kontrollpunkte vermeintlich ungestraft aufs Gaspedal zu steigen.

Immer weniger Hinweise auf Blitzer

Die Angaben über Radarfallen seien von Hörern an Radioeins herangetragen worden. Redaktionsleiter Vesper zufolge habe der Eindruck flächendeckender Geschwindigkeitskontrollen entstehen sollen, um zu vermitteln, dass es sich für Autofahrer gar nicht erst lohne, das Gaspedal durchzutreten. Allerdings seien von Hörern in letzter Zeit immer weniger Hinweise auf Blitzer eingegangen.

Die meisten Verkehrsteilnehmer würden die Aufzählung der Blitzer-Standorte im Radio wahrscheinlich nicht bewusst wahrnehmen, sagte Polizeihauptkommissar Rainer Paetsch vom Bereich Verkehrsüberwachung rbb|24 auf Anfrage. Zudem sei die Trefferquote aktueller Standorte gering. "Oft ist das, was so durch den Äther geht, schon veraltet oder trifft gar nicht zu. Dadurch wird das tatsächliche Kontrollgeschehen nicht abgebildet."

Wenn durch die Meldung vermeintlicher Blitzer in den Nachrichten der Eindruck entstehe, die Polizei sei mit ihren Kontrollen im Straßenverkehr präsent, sei das zu begrüßen. "Andererseits kann das dazu führen, dass die notorische Schnellfahrer nicht erwischt werden und es auch keinen pädagogischen Effekt gibt." Das Argument, dass Autofahrer an den genannten Stellen nicht rasen würden, sei auf den ersten Blick nachvollziehbar aber kaum nachweisbar.

Anders als die Berliner Polizei gibt die Polizei in Brandenburg Informationen über einige ihrer Blitzer-Standorte selbst an die Medien weiter. "Wir sind zu Transparenz verpflichtet", sagt Daniel Keip, Sprecher der Brandenburger Polizeidirektion West. Die Entscheidung, keine Blitzer-Standorte mehr mitzuteilen, sei trotzdem ein gutes Zeichen. "Die Geschwindigkeitskontrollen finden vorwiegend an gefährlichen Stellen statt und Ziel der Bußgelder ist eine langfristige Verhaltensänderung bei Schnellfahrern." Und die könne es nicht geben, wenn sich einzelne Autofahrer nur an den genannten Stellen an Tempolimits halten.

Blitzerankündigungen zeigen Effekt

Im Jahr 2018 stellte die Berliner Polizei insgesamt rund 829.000 Geschwindigkeitsverstöße im Stadtgebiet fest. Einer Studie der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) zufolge haben die Ankündigungen von Radarkontrollen durchaus einen Effekt: Demnach seien bei vergleichenden Messungen Unterschiede von durchschnittlich bis zu sechs Stundenkilometern festgestellt worden.

An Tagen mit konkreter Ankündigung seien 85 Prozent der mit 53 bis 55 Stundenkilometern in einer Tempo-50-Zone unterwegs. An den Tagen, an denen die Polizei bekanntermaßen nicht kontrolliert habe, habe das Tempo an derselben Stelle zwischen 57 und 61 Stundenkilometern gelegen.

Sendung: Radioeins, 06.05.2019, 7.45 Uhr

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Das ist die verbale Umschreibung des Höchsttempos innerhalb geschlossener Ortschaften, sofern nicht ein anderes Schild ein anderes Höchsttempo angibt. Das gelbe Ortseingangsschild ersetzt quasi das Tempo 50-Schild.

  2. 10.

    Was ist denn eine Tempo 50-Zone?

  3. 9.

    Eine sehr gute Entscheidung. Und eine eigentlich überfällige dazu. Denn der ursprüngliche Gedanke der Polizei, beispielhaft Blitzerstandorte zu melden, um ein allgemeines Gefühl zu sensibilisieren, dass überall aufzupassen sei und die Geschwindigkeit eingehalten werden sollte, hat sich in das glatte Gegenteil verkehrt. - Durch die inflationäre Zunahme an Meldungen auch durch die aufgestachelte Hörerschaft hat sich ein Gefühl der Berechenbarkeit ergeben: An den genannten Stellen ist es erforderlich, zur Schonung des eigenen Geldbeutels aufzupassen, an allen anderen Stellen kann ggf. zu Lasten des eigenen Lebens und des Lebens anderer gerast werden.

  4. 8.

    immer wieder eine Frage, was man erreichen will. Präventiv sind Meldungen und sichtbare Polizei besser, weil dann eben einige vorsichtiger fahren. Wenn man nur ahnden will und Geld kassieren möchte, dann ist verstecktes Blitzen und hinterher eingreifen der Weg. Besonders Schwarzblitzer bewirken im Moment der Raserei nichts. Wenn ein Streifenwagen da steht, gehen die Leute auf die Bremse. Wenn sie wissen, da könnte ein Blitzer sein, gehen sie auf die bremse. Also, was will man? Geschwindigkeit rausnehmen oder Geld kassieren?

  5. 7.

    @radio1 Danke!

  6. 6.

    Endlich mal eine vernüftige Idee.

  7. 5.

    Wird nicht viel bringen, denn das eigentliche Problem liegt in der massenhaften Missachtung von § 23 Abs. 1b StVO: "Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben (...) das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen (...)". Diese Fahrer/innen sind daran zu erkennen, dass sie sich (vorzugsweise in der linken Spur) mit einer Geschwindigkeit fortbewegen, die mit dem örtlichen Tempolimit in keinem erkennbaren Zusammenhang steht; um dann plötzlich ohne von aussen erkennbaren Grund (und in der linken Spur verbleibend) voll auf die Bremse zu treten. Einfach mal drauf achten - es ist eine Epidemie.

  8. 4.

    Falsch....gänzlich Falsch!!! Weiterhin melden, doch....bitte auch dort, wo gar keine sind! Und nicht nur ein,zwei mehr, sondern vielleicht gleich eine Vielzahl derer. Dies stiftet Verwirrung und nötigt ( vielleicht ) so manchen dann doch zum nicht schneller fahren, weil dieser sich in Unsicherheit wiegt. Da könnte ja doch einer stehen....oder doch nicht? Ich glaube, dies hat mehr Effekt, als gar keine zu melden. Ausprobieren.

  9. 3.

    Super !!! Richtig so.
    Es müssen endlich mal die raudis erwischt und bestraft werden, sie bringen andre in Gefahr.

  10. 2.

    Ooooohhhh......sehr schön

  11. 1.

    Richtig so. Respekt vor dieser Entscheidung (bin selbst Kraftfahrer).

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