Symbolbild: Radfahrer fahren am 25.09.2015 in Göttingen (Niedersachsen) über den eRadschnellweg (Quelle: dpa/ Pförtner)
Audio: rbb | 10.05.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa/ Pförtner

Radschnellweg in Berlin - Senat will Bürgerideen für "Panke-Trail" aufgreifen

Bei einem Bürgerdialog hat der Verkehrssenat über den geplanten Radschnellweg "Panke-Trail" informiert. Zu einem kniffligen Punkt am Pankower Tor gibt es nach langem Ringen einen Vorschlag. Nun sollen die Ideen der Bürger in die Planung einfließen.

Verkehrsplaner und Bürger haben über mögliche Streckenführungen der geplanten Fahrrad-Trasse "Panke Trail" im Nordosten Berlins diskutiert. Wie der Verkehrssenat am Samstag mitteilte, sollen die Ideen, die die Bürger bei der Veranstaltung am Freitag im GLS-Sprachenzentrum in Prenzlauer Berg einbrachten, nun in die Streckenplanung einfließen.

Der 18 Kilometer lange "Panke Trail" soll den Bezirk Mitte mit dem S-Bahnhof Karow im Nordosten der Stadt verbinden. In Richtung Innenstadt soll sich der "Panke-Trail" aufgabeln: Eine Teilstrecke soll zum Nordbahnhof führen, eine andere zum Schönhauser Tor, eine weitere zum Alexanderplatz. Laut Verkehrssenat wurden bislang 40 verschiedene Streckenführungen im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung für diesen Korridor geprüft.

100 Kilometer Radschnellwege

Die Strecke ist einer von insgesamt elf Radschnellwegen, die die Verkehrsverwaltung in Berlin plant [Infos der Senatsverwaltung]. Die Radwege sollen sternförmig rings um die Innenstadt angelegt werden. Radfahrer sollen darauf gefahrlos und bequem überholen können. Entlang von Hauptverkehrsstraßen messen sie je Fahrtrichtung mindestens drei Meter, auf Fahrradstraßen und Sonderwegen sollen sie im Zweirichtungsverkehr mindestens vier Meter breit sein. Radschnellverbindungen sollen in der Dämmerung und nachts beleuchtet sein. An Kreuzungen gilt der Verkehrsverwaltung zufolge im Regelfall Vorrang für den Radverkehr. Fußwege verlaufen getrennt vom Radweg und sind mindestens 2,5 Meter breit. Insgesamt sollen 100 Kilometer breiter Radwege durch die Hauptstadt verlaufen.

Verkehrssenatorin Regine Günther sagte auf der Veranstaltung am Freitag, nur mit dem Expertenwissen der Anwohner und der Radfahrer lasse sich die beste Strecke finden. Fragen, Anmerkungen und Hinweise zum Projekt sollen nun in die kommenden Planungen einfließen. Die Machbarkeitsuntersuchung für die Route soll laut Verkehssenat noch im dritten Quartal 2019 abgeschlossen sein.

Nadelöhr am Pankower Tor

Beim "Panke-Trail" sieht Susanne Jäger vom Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC) einen der kniffligsten Punkte für die Planer am Pankower Tor und der Berliner Straße. An diesem Nadelöhr müssten Radfahrer sich die Fahrbahn schon jetzt mit Gelenkbussen, Autos und der Straßenbahn teilen. "Da ist schlicht kein Platz mehr um noch größere Menge schnellen Radverkehr aufzunehmen", sagte Jäger dem rbb. Notwendig ist es aus ihrer Sicht, die Radfahrer über eine Radverkehrsbrücke über die Brache des alten Pankower Güterbahnhofs führen, dort wo ein Möbelunternehmer ein neues Stadtviertel bauen will. Der Investor ist jetzt offenbar damit einverstanden, dass der Radschnellweg über sein Gelände führt.

Baustart frühestens 2022

Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung, sagte dem rbb, man sei bei der Frage, wie die Strecke über dieses Gelände geführt werden könne, auf einem guten Weg. "Wir haben die krisenhafte Phase der Abstimmung gut überwunden, wir können jetzt in die konstruktive Phase einsteigen und eine gute Lösung für die Radfahrer finden."

Richtung Mitte und Prenzlauer Berg stehen die Planer ebenfalls vor schwierigeren Situationen, denn in Richtung Mitte werden der Platz knapper und die Straßen enger. Alte Brücken könnten als Radquerungen reaktiviert werden, meint Susanne Jäger vom ADFC. "Dann muss man gucken, ob man dann mit Fahrradstraßen über Nebenstraßen geht oder ob man die Route weiterführt über Parkanlagen, also ob man den Humboldthain und den Park am Nordbahnhof mit nutzen kann."

Geplant ist, dass der Radschnellweg sich in etwa auf der Höhe des S-Bahnhofs Pankow aufspaltet. Eine Teilstrecke verläuft dann in Richtung Schönhauser Tor und Alexanderplatz, die andere endet am Nordbahnhof. Die Bauarbeiten für den "Panke-Trail" können erst nach dem aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren beginnen - also frühestens 2022.  

Radschnellverbindung Panke-Trail (Quelle: infraVelo)

Sendung: Abendschau, 10.05.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 5.

    Der nördliche Teil der Neumannstr. zwischen Granitz- und Kissingenstraße wird wohl Fahrradstraße (begrüßenswert, weil die 30'er Zone dort nie geachtet und durchgerast wird, zwischen kissingenstraße und Elsa-Brändström-Str. Und weiter bis zur Rhukestr. wird wohl der breite Mittelstreifen umgebaut. Bleibt zu hoffen, dass die Bäume, die zwischen Kissingen- und Binzstr. stehen, nicht einfach umgehauen werden.
    Ab EBS bis zur Wisbyer-Str. muss man abwarten. Jedenfalls werden in dem Verlauf ca 300 Parkplätze wegfallen - es bleibt spannend.

  2. 4.

    Wie soll die Trennung von Füß- und Radweg erfolgen? Ich hoffe mit mehr als nur einer aufgemalten Linie. Sonst würden sich die Radfahrer sicherlich wie schon heute in vielen Kommentaren auf rbb24.de beklagen, dass Fußgänger sich mit dem Smartphone in der Hand auf den Radweg verirren.

  3. 3.

    Das neue Stadtviertel wird hoffentlich nie kommen, dann kann man zugunsten der zu Vertreibenden und zu Enteignenden Menschen den Radweg auch erst ab Pankow-City bauen.
    Und sollte es so sein, dass versiegelt und vertrieben wird, dann werden dieser Weg nebst der Straßen nicht ausreichen, die Verkehrsströme aufzunehmen.
    Win-Win sieht anders aus.

  4. 2.

    Hört sich nach win-win an, wenn das neue Stadtviertel gleich an den Radschnellweg angebunden wird. In der Zwischenzeit können hoffentlich die anderen Infrastrukturbetriebe schon notwenige Bauarbeiten im Untergrund auf dieser Strecke ausführen, damit die Bauarbeiten dann davon nicht noch zusätzlich aufgehalten werden.

  5. 1.

    Na ich bin ja mal gespannt, ob dann auf der Neumannstr., zwischen Kissingen- und Binzstr. zugunsten des Radschnellweges die ca. 80 Bäume gefällt werden, die auf dem Mittelstreifen, der zur Zeit als Parkplatz dient (was passiert eigentlich zum Ausgleich mit den wegfallenden?) stehen und zur Luftgüte beitragen, nebst dem schönen Schatten, den sie geben.
    Nachdem hier hier im Kiez zwei gesunde, 100 jährige Eichen einfach mal so und ohne Grund umgehauen wurden, würde mich, als innerstädtischem radelnden und auswärtig autofahrenden Steuerbürger hier nichts mehr wundern.

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