Symbolbild: Ein Mitarbeiter der Justiz geht in einen Gerichtssaal. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: rbb | 22.05.2019 | Ulf Morling | Bild: dpa-Symbolbild/Paul Zinken

Racheakt für Mord an Nidal R. - Haftstrafen für Sprengstoffanschlag auf Berliner Bar

Zwei Cousins des getöteten Intensivtäters Nidal R. sind in Berlin zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten eine Handgranate in eine Bar geworfen - laut eigener Aussage wollten sie den Mord an R. rächen.

Sieben Monate nach einem Sprengstoffanschlag in Berlin-Kreuzberg sind zwei junge Männer zu Jugendstrafen verurteilt worden. Vier Jahre Haft verhängte das Landgericht am Mittwoch gegen einen 20-Jährigen. Zwei Jahre und sechs Monate Haft erhielt ein 21-Jähriger. Sie hatten eine Handgranate in eine Bar geworfen, um sich für tödliche Schüsse auf ihren Verwandten, den Intensivtäter Nidal R., zu rächen.

Nachdem der 21-Jährige am frühen Morgen ein Loch in die Fensterscheibe des Lokals geschlagen hatte, habe der 20-Jährige eine entsicherte Handgranate in die Bar geworfen, führten die Richter am Mittwoch aus. Es entstand erheblicher Sachschaden. Sie hätten mit der Tat im Oktober 2018 Rache nehmen wollen und sich über das Gesetz gestellt, so das Gericht.

Angeklagte wollten "etwas tun"

Beide Angeklagte wurden der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie der Sachbeschädigung schuldig gesprochen, der 20-Jährige zudem des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie gegen das Waffengesetz. "Die Tat hatte erhebliches Gefährdungspotential für Menschen und Sachen", so die Richter. In das Urteil gegen den 20-Jährigen wurden frühere Strafen einbezogen.

Die Angeklagten hatten gestanden und erklärten, nach der Tötung ihres Cousins Nidal R. "etwas tun" wollen. Dabei hätten sie allerdings darauf geachtet, dass Menschen nicht verletzt werden. Der Anschlag sei aber ein "großer Fehler" gewesen, so die geständigen Männer. Der 36-jährige Nidal R., ein Intensivtäter aus einer arabischstämmigen Großfamilie, war im September 2018 von bislang unbekannten Tätern erschossen worden.

Korrektur: In einer ersten Fassung dieses Beitrags hatten wir berichtet, die angegriffene Bar habe sich in Britz, also im Bezirk Neukölln, befunden. Korrekt ist jedoch Kreuzberg.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Fast 10 Jahre Freiheitsentzug für einen Brandanschlag finde ich gerecht. Hätte in diesem Fall auch so sein sollen. Jugendstrafrecht für jemanden der Wahlberechtigt ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Halbschwanger gibt es ja auch nicht. Wo man dem ersten Kommentartor allerdings Recht geben muss, ist die Tatsache, dass bei den beiden Lümmeln noch das soziale Umfeld und ihre ach so schreckliche "Benachteiligung" durch die Gesellschaft und dem Staat sich strafmildernd ausgewirkt hat. Müsste sich die Politik mal über eine Gesetzesänderung Gedanken machen, wenn es bei den Bürgern nicht dieses Gefühl der 2 Klassenjustiz geben soll. Auch interessant wäre es zu erfahren, ob eventuell eine Abschiebung dieser Personen möglich wäre.

  2. 3.

    Das wird sicherlich daran liegen, dass hier das Jugendstrafrecht angewandt wurde.

  3. 1.

    Zum Vergleich: Für den versuchten Brandanschlag auf eine Moschee in Dresden, gab es fast zehn Jahre Haft, wobei es keine Verletzten und nur eine minimale Sachbeschädigung gab: https://www.mdr.de/sachsen/dresden/dresden-radebeul/urteil-haftstrafe-moschee-anschlag-dresden100.html
    Bei diesen Unterschieden im Strafmaß, liegt der Gedanke an eine Zweiklassenjustiz sehr nahe.

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