Junge Männer feiern an Christi Himmelfahrt den Herrentag (Quelle: dpa/Andreas Lander)
Video: Abendschau | 30.05.2019 | Antje Tiemeyer | Bild: dpa/Andreas Lander

Von Christi Himmelfahrt zu Vater- und Herrentag - Kinderwagen, Bollerwagen, Einkaufswagen

Warum an Himmelfahrt auch Vater- und Herrentag gefeiert werden, lässt sich nicht genau sagen. Vielleicht war eine Prozession der Jünger Jesu Vorbild für die Bollerwagen-Umzüge. Doch ein Besäufnis ist nicht der Sinn des Feiertags, sagen die Kirchen. Von Anke Fink

Der Donnerstag 40 Tage nach Ostersonntag ist Christi Himmelfahrt - das bereits seit dem 4. Jahrhundert. Damit wird nach biblischer Überlieferung die Osterzeit abgeschlossen. Im Lukas-Evangelium steht, nachdem Jesus mit seinen Jüngern gesprochen habe, sei er "vor ihren Augen emporgehoben" worden. 

Seine Jünger dachten, er werde nun König der ganzen Welt. Jesus sagte ihnen, sie sollten dagegen anderen Menschen von ihm erzählen. Die Menschen sollten erfahren, dass es ihn gibt und dass ihnen ihre Sünden genommen werden können. Dafür sei er am Kreuz gestorben. Als Jesus seinen Jüngern davon erzählte, schwebte er plötzlich über der Erde. Es kam eine Wolke, er war nicht mehr zu sehen und entschwand in den Himmel. Jesus Christus, Gottes Sohn, war nach seiner Kreuzigung und der anschließenden Auferstehung zu seinem Vater zurückgekehrt - soweit eine Kurzfassung der entsprechenden Bibelstelle.

Witwer mit sechs Töchtern

Inzwischen wird an Himmelfahrt vielerorts der Vatertag gefeiert. Laut der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) hat der Vatertag seine Wurzeln in den USA. Er wird dort allerdings ähnlich wie der Muttertag am 3. Sonntag im Juni gefeiert. Es gibt Quellen, die von der Amerikanerin Luisa Dodd als Initiatorin des Vatertags sprechen. Sie rief 1910 eine Bewegung ins Leben, die alle Väter ehren sollte. Hintergrund ist, dass sie eines von sechs Kinder gewesen war, die von ihrem Vater allein groß gezogen wurde. Die Mutter war bei der Geburt des jüngsten Kindes gestorben.

Ihr Ansinnen hatte offenbar Erfolg. 1966 rief der US-amerikanische Präsident Lyndon Johnson dazu auf, am 3. Sonntag im Juni die Väter zu ehren. Die Amerikaner nahmen dies wohl so gut an, dass der spätere Präsident Richard Nixon dann 1974 dem Vatertag endgültig den Rang eines offiziellen Feiertags gegeben hatte. 

In Europa sollen holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger am Himmelfahrtstag den "Vatertag" bereits in den 1930er-Jahren als Gegenstück zum Muttertag etabliert haben. Zu Tabak und Alkohol soll Wursterzeugnisse gereicht worden sein. In Deutschland erklärten ausgerechnet die Nazis 1936 den christlichen Feiertag offiziell zum "Vatertag".

Männer im Biergarten "Loretta am Wannsee" in Berlin auf gemeinsamer "Vatertagstour" (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Klassiker: Männer im Biergarten auf gemeinsamer "Vatertagstour" | Bild: dpa/Britta Pedersen

Frauen zur Herrenpartie nicht zugelassen

Dies alles erklärt allerdings noch nicht, warum besonders in Ostdeutschland aus Himmelfahrt ein Herrentag geworden ist, mit reichlich fließendem Alkohol. Manche Wissenschaftler spekulieren, dass die sogenannte Apostelprozession der Jünger Jesu zu einem Berg in Galiläa als Vorbild für die heutigen Männerumzüge mit Bollerwagen am Himmelfahrtstag dienten.

Ordentlich getrunken wurde wohl auch schon in früherer Zeit an diesem Tag. Kirchliche Chroniken zeigen, dass im 17. Jahrhundert manche Himmelfahrtsprozession in Trinkgelagen endete. Aus dieser Tradition soll sich die "Herrenpartie", entwickelt haben, bei der Jugendliche in die "Welt der Männer" eingeführt werden sollten, mit reichlich Bier und Schnaps versteht sich. Für das 19. Jahrhundert sind sogenannte Flurumgänge durch die Gemeinde an Himmelfahrt verbrieft, auch hier soll ordentlich gebechert worden sein. In manchen Großstädten entwickelten sich in dieser Zeit "Schinkentouren": Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen.

Alleinstehende, schlecht untergebrachte Berliner Männer

Im Berliner Raum unternahmen wohl um 1900 herum regelmäßig Gruppen aus überwiegend alleinstehenden Männern jährlich Ausflüge am Himmelfahrtstag. Ein arbeitsfreier Frühlingstag wie an Himmelfahrt könnte da ein willkommener Anlass für Ausflüge und meist auch für heftigen Alkoholgenuss gewesen sein.

Diese Tradition hat sich dann auch in der weitgehend säkularen DDR gehalten. Himmelfahrt gab es seit 1967 nicht mehr als Feiertag. Dennoch nutzten viele Männer - ob Väter oder nicht - diesen Tag zum Ausflug mit Trinkgelage. Das ist bis heute so - Bootstouren etwa auf dem Müggelsee oder im Spreewald sind fest in Männerhand.

Unfallträchtigster Tag des Jahres

So viel Promille im Blut sorgt allerdings auch für den unfallträchtigsten Tag des Jahres. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kommt es 2,4-mal häufiger zu einem Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss (deutlich mehr als 200 Unfälle) als an einem Durchschnittstag (knapp 100). Deswegen warnt die Unfallforschung der Versicherer (UDV), dass schon kleine Mengen Alkohol die Übersicht und Koordinationsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich senken. Auch das Fahrrad ist da keine Alternative.  

"Himmelfahrt ist nicht Vatertag"

Auf der einen Seite christlicher Feiertag, auf der anderen Seite das Besäufnis. Was sagt eigentlich ein Theologe dazu? Der Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, betonte im rbb-Interview, dass Himmelfahrt nicht Vatertag ist, auch wenn es auf einen Tag fällt. Diese beiden Tage könne man nicht miteinander vermischen. "Es ist auch manchmal ganz gut, eine scharfe Grenze zu ziehen."  

Der Feiertag sei viel mehr auch zu einem Tag geworden, den Familien gemeinsam gestalten. "An vielen Stellen wird das auch gar nicht mehr als Männer- oder Vatertag gefeiert, sondern als Gestaltungsfreiraum für die Familien, die für sich rausgehen und gucken, was will ich eigentlich mit diesem Leben", so Stäblein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.05.2019, 06:00 Uhr

Beitrag von Anke Fink

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15 Kommentare

  1. 15.

    Trotzdem sind das traditionelle Werte und Symbole, die auch vielen Nichtgläubigen etwas bedeuten. Und auch das hat respektiert zu werden, so wie Sie Ihr Ding durchziehen möchten und egal wie Sie hier dagegen anschreien. Jedem das Seine. Ich weiß auch nicht, wo das Problem ist, den kirchlichen Bezug zu ignorieren. Es wird einem in Deutschland nichts aufgezwungen. Nehmen Sie den heutigen Tag als Herrentag und alles gut ;-)

  2. 14.

    Bitte richtig lesen und auch danach bitte nicht mehr so pöbeln, wenn's geht. Ich habe das unmißverständlich anders ausgedrückt, als Sie es hier wiedergeben. Sie scheinen mächtig getriggert vom Thema, schlagen hier und bei dem anderen Beitrag blindwütig um sich. So mag man nicht diskutieren. Sie wollen mir Ihr Hardcore-Ding aufdrücken, das wird mir zuviel. Einen schönen, völlig untraditionell-nichtchristlich-orientierten arbeitsreichen Donnerstag wünsche ich Ihnen^^

  3. 13.

    1. Die ca. 80% Atheisten und Agnostiker gibt es nicht nur in meiner unmittelbaren Nachbarschaft sondern in ganz Brandenburg. In den anderen NBL und im Osten Berlins sind die Verhältnisse ähnlich. Es geht hier also nicht um meine Nachbarschaft, sondern ES GEHT um unsere Gesellschaft. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis.

    2. Ich "nehme" auch keinen christlichen Feiertag mit. Ihre Unterstellung ist unredlich. Wenn die Kirche nicht darauf gedrängt hätte, daß staatliche Feiertage auf kirchliche Feiertage fallen, gäbe es eben an anderen Tagen staatliche Feiertage. Kein Mensch würde deswegen länger arbeiten. Und mich als Unternehmer interessieren Feiertage sowieso nicht. Da sind Sie mit Ihrer Unterstellung bei mir sowieso an der falschen Adresse.

    3. Wer behauptet, wir 80% Atheisten und Agnostiker "leben in einer christlichen Gesellschaft", der MACHT Werbung für die Kirche - und zwar rückwärtsgewandt und völlig an der Realität vorbei.

  4. 11.

    Falsch. Ich bestimme nicht, wer was darf. Wie kommen Sie darauf, das zu unterstellen ? Ich beschreibe, was ist. Und wenn hierzulande 80% Nichtreligiös sind, dann ist das ein Fakt, den auch Sie zur Kenntnis zu nehmen haben. Daß Religionen Bedeutung hätten, mag für den WEST-Teil Berlins zutreffen. Haben Sie den schon mal verlassen? Im Osten Berlins haben sie so wenig Bedeutung wie in Brandenburg und den übrigen NBL. Und das ist auch gut so.

    Auch das GG ist menschengemacht. Und dessen mittelalterlicher Gottesbezug steht im eklatanten Widerspruch zu Religions- und Bekenntnisfreiheit, wie sie daselbst im GG verankert ist.

  5. 10.

    Es geht ausnahmsweise nicht nur um Sie oder Ihre Nachbarn, sondern um die Positionierung unserer Gesellschaft. Areligiös in Ehren, jeder wie er meint, aber die christlichen Feiertag nehmen Sie gerne mit, oder? Ich habe auch keine Werbung für die Kirche gemacht, Sie haben da wohl etwas falsch verstanden.

  6. 8.

    Ach, Sie bestimmen hier, was wer darf? Sie orientieren sich an den falschen Statistiken. Die Religion ist nicht nur der Glaube oder eine Zugehörigkeit zu einer Institution. Schon im GG ist ein Gottesbezug. Es gibt inzwischen religionsübergreifende Einrichtungen. Christentum, Islam, Judentum basieren auf demselben Glauben. Und alle drei Richtungen haben großen Bedeutung in Berlin. Sehen sie sich die Anzahl der Gotteshäuser dieser drei Religionen an. Besonders an Feiertagen sind da auch viele Nichtmitglieder.

  7. 7.

    Ihr Wort in Gottes Ohr. Auch ich wünsche mir es so wie Sie es darstellen. Kenne diesen Tag als kath. Feiertag und nicht als Vatertag. Doch im Ernst. Fahren Sie mal in eine ländliche Gegend mit katholischer Gemeinde. Da geht’s zuersteinmal morgens in die Kirche und im Anschluss treffen sich die Jungen wie älteren Männer zum Besäufnis in fröhlicher Runde. So ist die Tradition nun mal.

  8. 6.

    "Wir leben in einer christlich-orientierten Gesellschaft." Ach ja? Sie beleidigen meine areligiösen Gefühle. Offenbar leben Sie in einer anderen Gesellschaft als ich. Meine Nachbarn sind zu 80% nicht religiös. Von denen orientiert sich NIEMAND an Ihrem anmaßenden Christentum.

    Youtube: 8r-e2NDSTuE

  9. 5.

    „... Es kam eine Wolke, er war nicht mehr zu sehen und entschwand in den Himmel. ...“
    Bisher hatte ich den RBB immer für einen seriösen Sender gehalten. Aber vielleicht ist ja auch grad Märchenstunde?

  10. 3.

    Heute ist ein Tag wo ledige Frauen einen kultivierten Herren mit hohem Niveau kennenlernen können.

  11. 2.

    Wir leben in einer christlich-orientierten Gesellschaft. Gläubig sind die Wenigsten, aber diese Traditionen gehören nunmal dazu. Ob Himmelfahrt, Ostern oder Weihnachten, die Feiertage haben alle gern und immerhin nutzen viele diese Tage für familiäre Zusammenkünfte. Wer wirklich so gegen alles christliche ist und feiert und den arbeitsfreien Tag genießt, während er hämisch gegen die Kirche schießt, ist ein Heuchler. Wenn man die Institution Kirche so nicht akzeptieren kann, ist das schon nachvollziehbar, aber traditionell gehören diese Dinge zu unserem Leben dazu. Das Gesaufe soll betreiben wer will, wir Mütter betrinken uns am Muttertag auch nicht. Die meisten Väter heutzutage auch nicht mehr. Die Zeiten, als das noch Usus war, sollten vorbei sein. Ein freier Tag, Sonnenschein und Zeit für die Familie-das ist herrlich. Allen einen schönen Vatertag, bzw. Himmelfahrtstag :-) P.S.: Seid Euren Kindern Vorbild und belasst es bei einem kühlen Feiertags-Bierchen. Alkohol ist eine schlimme Droge.

  12. 1.

    Die Meinung der Kirche ist unbedeutend.

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