Polizeiwagen stehen in Potsdam vor einem Möbelhaus, vor dem ein vermisstes Sechsjähriges Mädchen zuletzt gesehen wurde (Bild: dpa/Paul Zinken)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.05.2019 | Alexander Goligowski | Bild: dpa/Paul Zinken

Haftbefehl gegen 58-Jährigen - Vermisste Sechsjährige mutmaßlich sexuell missbraucht

Fast 24 Stunden war eine Sechsjährige vermisst: Sie war vor einem Möbelhaus in Potsdam verschwunden - am Sonntag tauchte das Kind wieder auf. Ein 58-Jähriger wird des sexuellen Missbrauchs verdächtigt. Am Montagnachmittag wurde Haftbefehl erlassen.

Im Fall des vorübergehend verschwundenen Mädchens in Potsdam ist Haftbefehl gegen den 58-jährigen Tatverdächtigen erlassen worden. Das Amtsgericht sei dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Markus Nolte, am Montagnachmittag. Dem Mann wird schwerer sexueller Missbrauch und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Als das sechs Jahre alte Mädchen wieder auftauchte, sei es verletzt gewesen, hatte Nolte zuvor erläutert. Der Mann habe aber "aus persönlichen Gründen" noch nicht vernommen werden können.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montagvormittag mitgeteilt, "ein erwachsener Beschuldigter ist vorläufig festgenommen". Der Sachverhalt werde derzeit unter allen strafrechtlichen Gesichtspunkten intensiv geprüft.  

Bereits am Wochenende hatten die Anklagebehörden Ermittlungen wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung eingeleitet. Am Sonntag hatte die "Märkische Allgemeine" über die Festnahme eines Mannes berichtet. Das Mädchen sei Opfer eines Verbrechens geworden. Nach Informationen der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" hat das Mädchen der Polizei gegenüber angegeben, es sei "geklaut" worden, habe sich aber selbständig aus einer Wohnung in Drewitz herausgeschlichen.

Polizei suchte mit Großaufgebot nach dem Mädchen

Die Sechsjährige war Samstagnachmittag vor einem Möbelhaus verschwunden. Das Mädchen hatte sich nach einem Einkauf von dem Vater und drei weiteren Geschwistern getrennt und war alleine mit dem Fahrstuhl gefahren, ohne zu warten. Vor dem Ausgang des Möbelhauses verlor sich ihre Spur. Der Vater suchte seine Tochter erfolglos. Am Samstagabend gegen 18:45 Uhr habe er dann eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben lassen. Die Polizei war mit 70 Leuten, Hunden und einem Hubschrauber im Einsatz. 

Nach etwa 22 Stunden fanden Polizisten das Mädchen am Sonntag gegen 13:45 Uhr auf einem Gehweg im Stadtteil Drewitz. Der Vater der Sechsjährigen habe seine Tochter in Empfang genommen, sagte ein Polizeisprecher am Wochenende. Ein Arzt untersuchte das Mädchen. Es wurde auch von der Polizei befragt.

Vermisste Kinder und Jugendliche - auch in der Region

Dass Kinder und Jugendliche verschwinden und als vermisst gemeldet werden, ist nicht selten. Nach Angaben einer privaten Hilfsorganisation passiert das deutschlandweit etwa 60.000 Mal im Jahr. In mehr als 99 Prozent aller Fälle tauchten die Vermissten wohlbehalten wieder auf, heißt es auf der Homepage der "Initiative vermisste Kinder". Dort können sich Eltern Tipps für den Notfall holen: "Erstatten Sie unverzüglich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei", "Rufen Sie seine Freunde und andere Eltern an" und "Achten Sie darauf, dass Ihr eigener Telefonanschluss für einen Anruf Ihres Kindes frei bleibt".

In Potsdam und Berlin erinnert das Verschwinden der Sechsjährigen auch an die getöteten Jungen Elias (6) und Mohamed (4). Beide waren 2015 entführt worden: der eine in Potsdam-Schlaatz, der andere vor einer Flüchtlingsbehörde in Berlin. Der Täter hatte die Jungen angelockt, sie missbraucht und umgebracht. 2016 wurde Silvio S. dafür vom Landgericht Potsdam wegen Mordes und Kindesmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Zurzeit geht es vor Gericht darum, ob er nach dieser Strafe in Sicherungsverwahrung kommt.

In Berlin wird zudem seit mehr als drei Monaten die 15-jährige Rebecca aus Britz vermisst. Am 18. Februar verschwand die Jugendliche aus dem Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers. Trotz der wochenlangen aufwendigen Suche in den Wäldern und an Seen im Osten Brandenburgs, konnte die Polizei Rebecca bislang nicht finden. Zwischenzeitlich kümmerten sich im Landeskriminalamt mehr als 30 Beamte um den Fall.

Sendung: Brandenburg aktuell, 27.05.2019, 19:30 Uhr

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18 Kommentare

  1. 18.

    "Das ist das normale Leben - mit allen Chancen und Risisken - leider." (Immanuel)

    Ja, sicher. Aber ist das nun Gelegenheit oder Vorsatz (oder beides in einem)? Gibt es da Statistiken?
    Geht so ein Täter vor die Türe mit Ziel "Möbelhaus" und hofft auf solch einen Zufall (Eltern verlieren Kind aus den Augen) und darauf, dass er derjenige, der dann auch noch Zeuge davon wird, um dann auch noch den rechten Augenblick zu erwischen, wo er unbemerkt zugreifen kann? Gibt es in den Möbelhäusern keine Kameras?

    Der Polizei ist zu danken, dass sie den Typen dann auch noch so schnell ermittelt hat, weil ja anzunehmen, dass die 6-Jährige nicht unbedingt mehr wusste, aus welcher Wohnung sie geflüchtet ist. Falls doch, so ist das Mädchen wirklich bemerkenswert aufmerksam (erst die Gelegenheit zur Flucht zu nutzen in verletztem Zustand und dann auch noch erinnern, woher sie kam!).

  2. 17.

    HeleneZ, 29.05.2019 | 09:40 Uhr:
    "Aus einer kaum vorhersagbaren, eher zufälligen Alltagssituation verschwindet ein Kind."

    Deshalb ist die Polizeiarbeit, über die hier einige Hobby-Polizisten leichtfertig richten, so schwierig. Und deshalb wird es auch bei sorgfältigster polizeiarbeit immer solche Verbrechen geben. Und die Existenz solcher Verbrechen ist NICHT automatisch ein Beweis unzulänglicher Polizeiarbeit, wie hier so mancher Hobby-Polizist versucht zu suggerieren. Wir müssen damit leben, dass es immer Verbrechen geben wird und dass die Polizei zwar immer dagegen ankämpft, nicht immer aber auch erfolgreich sein wird. Es wird - leider - nie eine verbrechensfreie Welt geben, sondern immer nur die permanete Bekämpfung von Verbrechen durch die Polizei.

    HeleneZ, Berlin, Mittwoch, 29.05.2019 | 09:40 Uhr:
    "Das sind ja Minuten und der Täter muss das ja gezielt beobachten. Schon gruselig."

    Das ist das normale Leben - mit allen Chancen und Risisken - leider.

  3. 16.

    Auch mich irritiert das. Sind das "Gelegenheitstäter" oder lungern die irgendwo im öffentlichen Bereich herum (oder gezielt?), um nach irgendwie verlorengegangenen Kindern Ausschau zu halten?
    Das erinnert an den Fall Elias, aber auch an den offenbar auch ungelösten Inga Gehricke. Aus einer kaum vorhersagbaren, eher zufälligen Alltagssituation verschwindet ein Kind. Das sind ja Minuten und der Täter muss das ja gezielt beobachten. Schon gruselig.

  4. 15.

    Investigative Berichterstattung zu einem Uralt-Problem in Sachsen statt dass über der RBB über regionale Probleme und Verbrechen berichtet?

    Ich erinnere mal daran, was rbb bedeutet: Rundfunkanstalt der Länder Berlin und Brandenburg. Nicht Sachsen.

  5. 14.

    Ich wünsche mir investigative Berichterstattung zb über den sogenannten "Sachsensumpf". Solche wie jetzt hier in Potsdam doch leider immer wieder mal auftretende Einzelfälle scheinen eine gute Ablenkung von professionell arbeitenden und geschützten Pädophilennetzwerken zu sein, um den Fokus auf gestörte Einzeltäter zu binden.

  6. 13.

    Wieso denn nun gleich widerlicher "Rechtspopulismus"? Ich kann das nicht erkennen.

    Es handelt sich ganz einfach nur um dumme Beiträge, Hetze gegen die Polizei und mangelnder Intelligenz.

  7. 12.

    Ein kleines Kind entwischt für einen Augenblick und schon ist ein Verbrecher da, der es mitnimmt und missbraucht? Seltsame Geschichte.

    Entsetzt ist man eigentlich nur, wenn man die von Unkenntnis geprägten Ergüsse von manchem Nutzer hier liest.

    Ja, die Polizei war nahe DEM Möbelhaus. Und weiter?
    Sie hätte mal an Wohnungstüren klingeln können? Wenn niemand öffnet, aufbrechen? Da schaut wohl jemand zu viele Rambo-Filme.

    Nein, es ging nicht um Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung. Was für ein Unfug. Es ging um ein weggelaufenes Kind. Was dann daraus geworden ist, war zum Zeitpunkt der Suche nicht erkennbar. Also bitte mal die Kirche im Dorf lassen.

  8. 11.

    Entsetzt, 27.05.2019 | 16:47 Uhr:
    "Keine Anforderung von Hundertschaften, keine Durchsuchungsbefehle, wohl auch kein Bitten um Einlass in Wohnungen. Erst am nächsten Tag wurde eine einzige Hundertschaft angefordert. Die Einsatzleitung hat komplett versagt. Die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Auch keine Verkehrskontrollen?"

    Hier diffamiert pauschal und giftet jemand, der keine Ahnung von Polizeiarbeit hat, aber glaubt, alles beurteilen zu können, ohne einen näheren Einblick zu haben, stattdessen aber den Polizei- und Überwachungsstaat fordert.

    Widerlicher Rechtspopulismus ist das!

  9. 10.

    Entsetzt, 27.05.2019 | 13:48 Uhr:
    "Das Mädchen sei Opfer eines Verbrechens geworden" Während die Polizei draussen vor der Tür umherschlenderte."

    Ich bin entsetzt über solch eine dumme Unterstellung!

  10. 9.

    Die Polizei ist die ganze Zeit in dieser kleinen Siedlung nahe des Möbelhauses gewesen (Konrad-Wolf-Allee und Priesterweg). Da wurde das Kind auch mißbraucht.

    Wenn die Polizei schon mal da ist, hätten sie auch mal klingeln können und ein paar Fragen stellen können. Dann bei jeder Wohnung um Einlass bitten. Wer keinen Einlass gewährt: Gefahr im Verzug, Wohnungsdurchsuchung.

    Wenn keiner aufmacht aufbrechen.

    Es geht hier um Entführung, Freiheitsberaubung und mögliche Vergewaltigung. Das war auch erkennbar. Es sei denn man ist extrem inkompetent und naiv. Wegen Inkompetenz sollte man den Einsatzleiter auch rauswerfen, zumindest nicht wieder mit verantwortungsvollen Aufgaben betrauen.

    So standen die Beamten da nur rum, während in einer Wohnung eine Sechsjährige sexuell mißbraucht wurde.

    Macht das Sinn?

    Netter Spaziergang am Wochenende!

  11. 8.

    Danke,

    besser hätte ich es nicht formulieren können. Aber es ist doch egal was die Polizei gemacht oder nicht gemacht hat. Andersherum wäre der Einsatz völlig überzogen und planlos gewesen. Die Polizei kann in diesem Land einfach nur alles falsch machen...

  12. 7.

    Was sind denn bitteschön "persönliche Gründe" die verhindern, daß ein mutmaßlicher Kinderschänder vernommen wird? Ist seine Oma gestorben? Oder hatte er für heute abend noch Konzertkarten?

  13. 6.

    Herzlichen Dank für diese kluge Argumentationskette und Besonnenheit bei einem solchen Thema, habe ab und zu das Gefühl die Leute wollen diesen Rechtsstaat einfach schlecht reden, ohne jegliche Grundlage.

  14. 5.

    Durchsuchungsbefehle benötigen zwangsläufig Beschuldigte bzw. Konkret Hinweise auf Beweise.
    Woraus haben die sich denn ergeben sollen? Gegen wen konkret lagen denn überhaupt Beweise vor, bevor das Kind gefunden wurde? Wie hätte sich denn das Suchgebiet eingrenzen lassen? In wenigen Stunden wäre man mit einem Kind im Kofferraum in einem halben Dutzend Länder gekommen. Welchen Bereich in Potsdam hätten Sie denn konkret durchsuchen wollen aufgrund welcher Hinweise? Und welchen Bereich hätten Sie denn liegen gelassen? Oder hätten Sie in 12 Stunden sämtliche Wohnungen, Garagen, Lauben und Verschläge einfach mal aufgebrochen?

  15. 4.

    Keine Anforderung von Hundertschaften, keine Durchsuchungsbefehle, wohl auch kein Bitten um Einlass in Wohnungen. Erst am nächsten Tag wurde eine einzige Hundertschaft angefordert. Die Einsatzleitung hat komplett versagt. Die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Auch keine Verkehrskontrollen?

  16. 3.

    Ich finde Ihren Kommentar eine bodenlose Frechheit und Sie unterstellen der Polizei ja, dass diese nicht intensiv gesucht oder gehandelt hat!
    Ich danke allen Suchenden und wünsche dem Kind und der Familie alles gute!

  17. 2.

    Hat er nur darauf gewartet, dass da ein Kind vorbei kommt? Ekelhaft

  18. 1.

    "Das Mädchen sei Opfer eines Verbrechens geworden" Während die Polizei draussen vor der Tür umherschlenderte.

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