Symbolbild: Kameras überwachen Personen am Bahnhof Südkreuz (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: rbb | 18.06.2019 | Wolf Siebert | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Videoerkennung - Am Südkreuz wird wieder gefilmt

Ab Dienstag wird auf dem Bahnhof Berlin-Südkreuz wieder Videoerkennung geprobt: Kameras sollen Situationen erkennen, die den Bahnbetrieb beeinträchtigen könnten. Bis Ende Dezember spielen Testpersonen vor Ort Szenarien durch. Von Wolf Siebert

Eine Gruppe von 20 Personen durchläuft den Kamerabereich – und kommt nach 20 Sekunden zurück. Eine Person aus der Gruppe legt sich für zwei Minuten auf den Boden. Die anderen Mitglieder verdecken diese.

Das ist eine der 1.600 Alltagsszenen, die von freiwilligen Testpersonen im Bahnhof Südkreuz dargestellt werden sollen – ab dem 18. Juni immer dienstags zwischen 12 und 20 Uhr und mittwochs zwischen 8 und 16 Uhr, bis Ende Dezember.

Nach welchen Kriterien die Software entscheidet, ob es sich beispielsweise um normale Fußballfans handelt, von denen einer müde zu Boden geht, oder möglicherweise um eine gewaltbereite Gruppe, die die "Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit des Bahnbetriebs beeinträchtigen" will, ist offen.

80 Kameras am Bahnhof Südkreuz

Neben vielen Treffern wird es auch Fehlalarme geben. Dennoch versprechen sich die Deutsche Bahn und die Bundespolizei durch die intelligente Videotechnik eine Verbesserung:  Schon jetzt sind am Bahnhof Südkreuz 80 Kameras installiert, allerdings kann niemand all die Bilder verfolgen.

Die neue intelligente Videotechnik soll gewissermaßen vorsortieren: Hat sie einen kritischen Fall erkannt, wird die Szene automatisch auf die Bildschirme  der Leitstelle der DB und der Bundespolizei aufgeschaltet, und es ertönt ein akustisches Signal. Die Fachleute entscheiden dann, was zu tun ist.

Biometrische Auswertung von Videos ohne Rechtsgrundlage

Der erste Teil des Tests lief am Bahnhof Südkreuz 2017 und 2018 - er wurde in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Damals sollte die Software Gesichter von Testpersonen erkennen und mit Bilddateien abgleichen. Gefährder sollten erkannt und frühzeitig festgesetzt werden können, das war die Idee.

Datenschützer wiesen damals darauf hin, dass eine biometrische Auswertung von Videomaterial bislang keine Rechtsgrundlage hat und deshalb ein Regelbetrieb nicht erlaubt ist. Inzwischen sind die Grenzen für Aufzeichnung und Auswertung von Videodaten noch enger geworden - durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur automatisierten Kennzeichenerfassung.

Drei Firmen sind am Start

Um den zweiten Teil des Projekts "Intelligente Videotechnik" umzusetzen wurden drei Unternehmen beziehungsweise Unternehmensgruppen ausgewählt: IBM, ein Konsortium aus Hitachi, Conef und MIG sowie Funkwerk Video Systeme, die gemeinsam mit der G2K Group antritt.

Für diesen zweiten Teil des Tests hatte die Berliner Datenschutzbeauftragte der Bahn und der Bundespolizei klare Vorgaben gemacht: Keine biometrische Gesichtserkennung und keine Personenidentifizierung, keine Profilbildung, keine Aufzeichnung über das Projektziel hinaus und eine breite Information der Öffentlichkeit.

Die Bahn erklärt, dass sie sich an diese Vorgaben gehalten habe. Alle Bahnkunden werden beim Betreten des Bahnhofs Südkreuz durch blaue Markierungen und durch Texttafeln darauf hingewiesen, dass zur Zeit der Testbetrieb "Intelligente Videoanalysetechnik" läuft. Wer nicht gefilmt werden möchte, kann auf andere Bahnhofsbereiche ausweichen, denn der Test erstreckt sich nicht auf den gesamten Bahnhofsbereich.

Sendung: Inforadio, 18.06.2019, 07:25 Uhr

Beitrag von Wolf Siebert

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1 Kommentar

  1. 1.

    Und warum wird das absolute Halteverbot auf dem Vorplatz nicht kontrolliert?

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