"Rosinenbomber" fliegen am 16.06.2019 über das Tempelhofer Feld (Bild: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb|24 | 16.06.2019 | Material: rbb|24, Abendschau, Stephan Fuchs | Bild: dpa/Paul Zinken

70 Jahre Luftbrücke - Rosinenbomber über der einstigen Frontstadt

70 Jahre ist es her, dass die Sowjets West-Berlin komplett abriegelten. Nur der Luftbrücke ist es zu verdanken, dass die Stadt überlebte. Am Sonntagnachmittag kamen die "Rosinenbomber" noch einmal zurück - eine Landung scheiterte allerdings an den Vorschriften.

Etwa 15 historische Maschinen vom Typ Douglas DC-3 sind am Sonntagnachmittag am Berliner Himmel aufgetaucht und haben damit an die historische Hilfsaktion erinnert, die als "Luftbrücke" in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Damals versorgten Flugzeuge der Westalliierten über Monate das von den Sowjets abgeriegelte West-Berlin.

Die Flugzeuge drehten eine große Runde über die Stadt. Die ursprünglich geplante Landung auf dem stillgelegten Flughafen in Tempelhof scheiterte allerdings ebenso an den Vorschriften wie ein Flug über das Brandenburger Tor.

Erster Höhepunkt des Kalten Krieges

Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 hatte die Sowjetunion die Transitwege durch die sowjetische Besatzungszone (SBZ), also das Gebiet der späteren DDR, und auch die Schifffartswege von und nach West-Berlin komplett dichtgemacht.

Wegen der sogenannten Blockade ließ sich die Versorgung der Stadt nur noch durch die Luft aufrechterhalten - ein erster dramatischer Höhepunkt des Kalten Krieges, der sich vielen Berlinerinnen und Berlin tief ins Gedächtnis eingebrannt hat.

Sowjets warfen Westmächten Spaltung vor

Hintergrund war die vom Westen betriebene Währungsreform, mit der in den drei westlichen Besatzungszonen am 20. Juni 1948 die D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde. Noch im Frühjahr 1948 hatte die Sowjetunion darauf bestanden, dass es in ganz Deutschland eine einheitliche Währung geben müsse. Die Einführung der D-Mark in den drei Westzonen wurde somit als Affront betrachtet. Aus Sicht der Sowjetunion versuchten die West-Alliierten damit, die Teilung Deutschlands weiter voranzutreiben und den Westteil noch stärker unter ihren Einfluss zu bringen.

Rosinenbomber brachten nicht nur Grundnahrungsmittel

Das Kräftemessen zwischen Ost und West gipfelte in der Blockade West-Berlins, die westlichen Siegermächte antworteten mit der Luftbrücke. Die Helden dieser bis dahin einmaligen humanitären Hilfsaktion waren natürlich die Piloten und die Bodencrews der Rosinenbomber.

Die Flugzeuge wurden so genannt, weil sie nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern immer wieder auch Süßigkeiten brachten. Noch heute können sich Zeitzeugen lebhaft daran erinnern, wie beispielsweise der US-Pilot Gail S. Halvorsen auf dem Flughafen Tempelhof händeweise Süßigkeiten aus dem Cockpit seines Flugzeugs warf. Erst kürzlich beschrieb die damals siebenjährige Mercedes Wild in einem Interview mit dem rbb-Inforadio, wie sie die Luftbrücke damals erlebte.

Keine Landung auf dem Tempelhofer Feld

Um Piloten wie den heute noch lebenden Halvorsen und seine zahlreichen Kameraden zu ehren, hat der Förderverein Luftbrücke seit drei Jahren zahlreiche Veranstaltungen geplant, unter anderem sollten rund 20 Rosinenbomber auch auf dem früheren Flughafen Tempelhof landen. Das konnte jedoch nicht wie geplant umgesetzt werden. Hintergrund sind Auflagen im Zusammenhang mit dem Tempelhofer-Feld-Gesetz.

Zuletzt hatte es Unstimmigkeiten gegeben, ob die Veranstalter eine Ausnahmegenehmigung zu spät beantragt hatten oder der Senat die Landung ablehnte.

Nahaufnahme eines Rosinenbomber, der am 16.06.2019 über das Tempelhofer Feld fliegt (Bild: dpa/Paul Zinken)
Ein Rosinenbomber kreist am 16.06.2019 über dem Tempelhofer Feld. | Bild: dpa/Paul Zinken

Weltweit nur noch wenige Maschinen

Beim Förderverein Luftbrücke ist die Enttäuschung darüber groß, dass es mit einer Landung in Berlin nichts wurde. Von den damals beteiligten Flugzeugen existierten weltweit nur noch wenige Exemplare. Diese würden durch private Liebhaber, Stiftungen, Museen und Vereine mit großem Aufwand flugfähig gehalten. Die Maschinen, unter ihnen auch eine JU 52, machten sich von den unterschiedlichsten Plätzen der Welt auf den Weg. "Es wird wohl das letzte Mal sein, dass so viele Rosinenbomber noch einmal nach Berlin kommen", sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Keller, kürzlich dem rbb.

Nun sollten die historischen Flugzeuge immerhin über dem Tempelhofer Feld, Gatow und Tegel zu sehen sein, sagte Keller am Freitag. Nicht jedoch über dem Brandenburger Tor und im Flugbeschränkungsgebiet um dem Reichstagsgebäude: Der Förderverein Luftbrücke habe den Antrag für einen Überflug schriftlich und mündlich zurückgezogen, hieß es am Donnerstag vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung.

Auch ein Fest für die Bevölkerung gab es nicht. Das Land Berlin hatte mit einer eigenen Feier an die Luftbrücke erinnert - am 12. Mai auf dem früheren Tempelhofer Flughafen.

70 Jahre Berliner Luftbrücke

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

173 Kommentare

  1. 173.

    Eigentlich muss die Luftbrücke für die meisten amerk. Piloten total absurd gewesen sein. Erst bekommen Sie den Befehl Bomben über deutsche Städte abzuwerfen und werden dafür Zuhause gefeiert. Dann sollen Sie Lebensmittel über Berlin abwerfen und werden dafür hier gefeiert.

  2. 172.

    Danke für die Antwort! :-) ch würde gerne auf das Thema "Federn lassen" zurückkommen. Jede Medaille hat zwei Seiten. Und trotz der Freude, dass die Mauer weg war, krempelte sich auch unser Leben (ich spreche jetzt für West-Berlin) fast komplett um. Nichts war wie vorher und viele Veränderungen und Neuerungen fanden wir auch nicht so prickelnd. Und auch bei uns kam manchmal der Gedanke auf: "ach watt war et schön vorher!". Da will ich gar nicht heucheln. Trotzdem war es der richtige Weg so und mich befremdet es einfach sehr, dass West gegen Ost immer noch so ein (Streit)-Thema ist. Dann müssten z.b. Frauen auch ständig Männern gegenüber Frust schieben, da es in vielen Berufen z.t. auch noch große Unterschiede in Gehalt und Anerkennung von Qualifikationen gibt. Das sollte aber nicht auf die zwischmenschliche Ebene übergehen. Die Doku ist notiert.

  3. 171.

    Mit den Federn lassen, umgehe ich jetzt mal, das würde den Rahmen hier doch sprengen. Ich empfehle Ihnen die ZDF- Doku: Beutezug-Ost, (sry) Kennen Sie erfolgreiche Fälle von Restitutions Verfahren in den alten Ländern?
    Aber sicher, Sie haben Recht, zu sehr in der Vergangenheit zu leben, ist nicht förderlich. Ist eben ein sehr emotionales Thema für einige Wenige.
    Mit den Mauern meinte ich, die immernoch vorhandenen genannten Unterschiede!! (Ungleichbehandlung, 30 Jahre nach der Wende!!- Es gibt einfach keine Rechtfertigung dafür!) Ich wollte keineswegs für Feindbilder plädieren, nur eine objektive Sicht auf die Geschichte fordern und nochmal die Missstände erwähnen. Gemeinsamkeiten sind, trotz unterschiedlicher Meinungen, stets zu finden! ;)

  4. 170.

    Aber ganz ehrlich, nicht nur die "neuen" Bundesbürger haben Grund zur Klage, wir Wessis haben auch mächtig Federn gelassen. Trotzdem sollte ein sachlicher und höflicher Umgang(ston) möglich sein. Und wo sind bitte die Mauern noch, außer im Kopf? Und zum Thema Stigmatisierung: ganz von alleine existieren diese ja nun auch nicht.^^ Gesamt Berlin ist im restlichen Bundesgebiet stigmatisiert und es gibt ja nun bekanntlich auch Gründe dafür. Das ist aber alles kein Grund, die Fronten so verhärten zu lassen. Man sollte sich eher Mühe geben, Vorurteile abzubauen, als im Frontalangriff gegenzuhalten.

  5. 169.

    So lange die Gehälter und Renten nicht angeglichen sind, so lange Lebensläufe und Leistungen negiert werden, so lange ganze Regionen unter Stigmatisierungen leiden, so lange wird es die Mauer geben! Undzwar nicht nur in den Köpfen!

  6. 168.

    Ist es denn ein einziges Mal möglich, dass ein Bericht nicht in West-Ost-Prügeleien endet? Die Mauer ist vor fast 30 Jahren gefallen und höher als je zuvor. Das Gefährliche daran ist, dass sie nur noch in den Köpfen existiert. Unsichtbare Feinde sind die Gefährlichsten. Wir brauchen keine Feinde von außen, wir machen uns selber platt. Tolles geeintes Deutschland. Erschütternd.

  7. 167.

    Es wäre interessant zu hören ob im Senat darüber gesprochen wird und ob man des "Volkes" Ärger zur Kenntnis nimmt. Oder ob man der Meinung ist, vorbei ist vorbei. Das Rad kann nicht zurückgedreht werden.
    Eine offizielle Entschuldigung wäre angebracht. Es sei denn, den "Obrigen" geht es irgendwo vorbei.

  8. 166.

    Der krasse Gegensatz zur Luftbrücke der Westalliierten bestand in "Sowjetische Düsenjäger im Sturzflug auf die Kongresshalle" - https://www.hkw.de/de/hkw/geschichte/50/1965.php

  9. 165.

    Wer feiert den hier, völlig unreflektiert, die größte Prodaganda-Masche in der Geschichte Berlins. Aber bei der Anzahl an Kommentaren steht eins fest, Eure Prodaganda war die Beste!

  10. 164.

    Es ist so unglaublich traurig, das in der heutigen Zeit es nicht mehr moeglich ist der Hilfe wuerdigend zu danken. Es waere ohne der Hilfe der USA nicht das grossartige Berlin was es jetzt ist. Dennoch tolle Aktion. Ich hoffe das es nie in Vergessenheit geraet.

  11. 163.

    Nicht nur "Westberlinern" geht es so. Auch Menschen aus dem Ostteil der Stadt sehen die Schande, die dieser R2Gehtso-Senat über die Stadt gebracht hat. Und bevor einer meint, ich würde Springer oder ähnliche rezitieren,
    ich lese solchen Kram nicht einmal. Die Berliner Politik hat sich und der Stadt einen Bärendienst erwiesen,
    hoffentlich vergessen die Berliner reinen Herzens dies nicht bis zur nächsten Wahl.

  12. 162.

    Die West-Allierten flogen und retteten den Westteil der Stadt.

  13. 160.

    Man frage mal die Kameradschafts- , Reservisten - und Zivilbeschäftigtenorganisatonen und -Vereine der ehemaligen Alliierten , was die teilweise für Probleme und Sorgen mit offiziellen Stellen der Stadt haben . Das Problem ist halt , das die Zeit zwischen Blockade / Mauerbau und Mauerfall ganz einfach icht stattfindet /-finden darf . Denn dann müsste man sich unter anderem damit beschäftigen , wie man in der Wendezeit mit 10.000 Zivilbeschäftigten umgegangen ist und sie im Regen stehen gelassen hat . Ganz zu schweigen von der Abwicklung diverser Ostgeschichten . Das wäre dann ausnehmend peinlich . Natürlich gibt es da auch rühmliche Ausnahmen , aber Bemühen reicht eben manchmal auch nicht aus , wie jüngst das Beispiel der Bezirksbürgermeisterin Tempelhof zeigt , die zu einer Feierstunde des Luftbrückengedenkens nur die Amerikaner erwähnte und die anderen beiden mal schlichtweg unter den Tisch fallen ließ . Man weiss es teilweise eben nicht mehr anders ....

  14. 159.

    Die Erinnerungen an die Zeit kann mir niemand nehmen. Die Insel West-Berlin war etwas ganz Besonderes und hat meine Generation sehr positiv geprägt. Das bedeutet nicht, dass ich der neuen Zeit nach dem Mauerfall nicht offen begegnet bin, auch das was danach kam, war durchaus spannend. Trotzdem stand und stehe ich den USA sehr skeptisch und wachsam gegenüber, man ist nicht im Tunnel deswegen. Aber diese Flugzeuge gestern, die Geschichten meiner Eltern und Oma, meine Begegnungen mit den Alliierten...es war eine schöne Zeit und ganz West-Berlin war letztendlich dankbar für die Unterstützung und Präsenz der Amerikaner.

  15. 158.

    Gestatten Sie mir bitten den "Rundfunk im amerikanischen Sektor" (RIAS) mit anzuführen, denn damit werden die Umstände der Luftbrücke für diejenigen deutlicher, die das Leben in der geteilten Stadt nicht kannten. https://de.wikipedia.org/wiki/RIAS

  16. 157.

    Tja, diese Offenheit haben wir der Luftbrücke zu verdanken. Deswegen hieß zb der rbb auch in Berlin Sender Freies Berlin. Sie könnten sich ja mal mit der Historie Berlins beschäftigen. Dann klärt sich auch für Sie alles.

  17. 156.

    „Was denkt ihr Euch Berliner eigentlich dabei?“ Nicht die Berliner haben versagt, unsere Regierung war es. Das ist mir sehr peinlich, aber bitte nicht die Bevölkerung mit der Regierung verwechseln. Das gilt auch für die Amis etc.

  18. 155.

    Da schließe ich mich mal an. Wenn der Senat gewollt hätte, dann wäre er aktiv geworden, Andere Städte hätten daraus ein Event gemacht, das international beachtet worden wäre. So kommen von anderen Ländern nur Fragen, weshalb Berlin es nicht wollte. Wer will findet Lösungen.

Das könnte Sie auch interessieren