Eine Passantin erfrischt sich in einer Wasserfontäne vor dem Reichstag. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: Brandenburg aktuell | 26.06.2019 | Jana Wochnik-Sachtleben und Phillip Manske | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Von vollen Bädern und Gießverboten - So trotzen Berlin und Brandenburg der Rekord-Hitze

Temperaturen knapp unter 40 Grad: Am Mittwoch sind vielerorts Rekordwerte gemessen worden. Die Hitze verändert einiges in Berlin und Brandenburg. So spült etwa die Berliner Stadtreinigung nachts Straßen - in Oranienburg darf tagsüber nicht mehr gegossen werden. 

Seit Tagen leiden Berlin und Brandenburg unter der aus Afrika kommenden Hitze. In Coschen (Oder-Spree) wurde am Mittwoch sogar der deutschlandweite Hitze-Rekord für den Monat Juni gebrochen. Mit 38,6 Grad war es noch heißer als 1947 in einer baden-württembergischen Ortschaft. Solche Temperaturen haben natürlich auch Auswirkungen auf den Alltag in der Region.

Sonnenschutz für hitzegeplagte BSR-Mitarbeiter

Leidgeprüft sind vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR). Um sie vor Sonne und Hitze zu schützen, hat die BSR entsprechende Kleidung zur Verfügung gestellt: Neben kurzen Hosen, T-Shirts und Kopfbedeckungen werden auch Sonnenschutzmittel ausgegeben. Ebenfalls wichtig für die Einsatzkräfte: gut klimatisierte Fahrerkabinen, wie sie in den meisten Müll- und Reinigungsfahrzeugen verfügbar sind.

Seit Montagnacht fährt die BSR auf den Berliner Straße zusätzlich sogenannte Spülfahrten. "Dabei geht es vor allem darum, Staub und Blüten von den Fahrbahnen zu spülen", erklärte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch rbb|24. Dabei seien 22 Fahrzeuge im Einsatz. Die Aktion diene unter anderem dazu, Menschen mit Atemwegsproblemen zu entlasten. Für eine gewisse Abkühlung dürfte dies allerdings nur in unmittelbarer Nähe der gespülten Straßen sorgen. Bäumegießen werde die BSR erst demnächst wieder, sagte Harnisch - im Auftrag einzelner Bezirke.

Polizei ohne kurzen Hosen

Bei der Polizei dagegen sind kurze Hosen nicht drin. Die Beamten müssen weiterhin lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen. "Auch bei hohen Temperaturen bleibt die Uniform unverändert", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei rbb|24 am Mittwoch. Lediglich der Mützenzwang könne vom Dienststellenleiter aufgehoben werden. Zudem dürfen die Polizisten dunkelblaue Poloshirts tragen.

Auch beim Gießen von Pflanzen sind die Beamten derzeit nicht aktiv. Der Wasserwerfer, der vor rund zwei Wochen in Tegel zum Wässern von Pflanzen eingesetzt worden war, sei nicht im Einsatz, sagte eine Polizeisprecherin. "Das können wir nicht jeden Tag machen." Er komme zum Gießen nur ab und zu zum Einsatz.

In Teilen Oranienburgs muss Wasser gespart werden

Beim Gießen müssen sich viele Gartenbesitzer in Teilen Oranienburgs seit Mittwoch umstellen: Es darf nicht mehr tagsüber zwischen 7 und 21 Uhr gewässert werden, hieß es vom Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA). Er hat ein sofortiges Sprengverbot für die Ortsteile Basdorf, Wandlitz, Stolzenhagen, Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zehlendorf und Zühlsdorf ausgesprochen.

Begründet wird das Sprengverbot mit der "Sicherstellung von Mindestparametern für die Trinkwasserversorgung für den unmittelbaren menschlichen Gebrauch". Denn man gehe mittlerweile von einer langen Trockenheit ausgehe. Appelle zur Verlagerung der Bewässerungszeiten in die späten Abend- beziehungsweise in die frühen Morgenstunden seien wirkungslos geblieben, hieß es.

Waldbrände in Berlin und Brandenburg

Bei der Feuerwehr schlägt sich die Hitze wohl am deutlichsten nieder. Die Feuerwehr in Brandenburg kämpft bereits seit Montagmorgen gegen einen Brand in der Lieberoser Heide. Am Mittwochvormittag konnte der Brand vorübergehend auf knapp 100 Hektar eingedämmt werden, doch weiter begrenzen ließ sich das Feuer nicht.

In Berlin bekämpfte die Feuerwehr seit Dienstag einen Waldbrand im Grunewald. Am Mittwoch waren die Flammen gelöscht. Weiter im Einsatz waren jedoch ein Löschfahrzeug und ein Dutzend Einsatzkräfte als Brandwache, wie die Feuerwehr rbb|24 am Mittwochnachmittag mitteilte.  

Keine Klimaanlagen für Weichen

Ein paar Grad kühler als draußen ist es in den Bussen und vielen Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Von den Straßenbahnen sind nach BVG-Angaben rund zwei Drittel klimatisiert. U-Bahnen haben keine Klimaanlagen. Dafür gelangt man mit diesem Verkehrsmittel zu kühlen Orten: an der Station Brandenburger Tor ist der laut BVG der kühlste aktive U-Bahnhof. Dort könne es bis zu 17 Grad kälter sein als auf dem darüber liegenden Pariser Platz, heißt es von der BVG.

Ebenfalls keine Klimaanlage haben die Passagierwagen der S-Bahn. Bei neueren Baureihen seien zumindest die Führerstände klimatisiert, erklärte S-Bahnsprecherin Sandra Spieker. Die Hitze habe zuletzt ein paar Weichenstörungen verursacht. Insgesamt laufe der Betrieb bislang jedoch trotz der hohen Temperaturen "relativ stabil". Zahlen gebe es jedoch keine dazu, meinte sie. Im Winter könnten die Weichen beheizt werden. Aber: "Klimaanlagen gibt es nicht für die Weichen - nein", sagt Spieker.

Prinzenbad am vollsten

Eine andere Art der Klimatisierung suchten Berlinerinnen und Berliner, die teils bereits am Mittwochmorgen in langen Schlangen vor den Sommerbädern standen. So etwa am Prinzenbad in Kreuzberg oder am Sommerbad Neukölln.

Besonders die Freibäder in der Innenstadt kämpfen in diesen heißen Tagen mit dem Andrang der Besucher. Das Kreuzberger Prinzenbad liege bei den Zahlen immer ganz vorne – "mit großem Abstand", wie ein Sprecher der Berliner Bäder sagte. Dann folgten am Dienstag die Bäder in Wilmersdorf, Neukölln, Gropiusstadt und am Wannsee.

Planschbecken statt Spielplatz

Ordentlich zu schaffen machte die Hitze vor allem besonders jungen und besonders alten Berlinern und Brandenburger. In der privaten Kindertagesstätte Lieblingsmenschen in Berlin-Neukölln kamen die zwölf Kinder heute nicht vor die Tür, wie Leiterin Isabella Davis erklärte. Der Gang zum schattigen Spielplatz fiel heute aus. "Kinder unter zwei Jahren können nicht kommunizieren, wenn ihnen zu heiß ist und es ihnen schlecht wird", so Davis. Das sei eine wirklich schwierige Situation. "In unseren Räumen ist es ganz schön dämsig." Deshalb durften die Kinder sich in einem extra angeschafften Planschbecken und mit Wasserpistolen im Hinterhof vergnügen.

Ähnliche Maßnahmen wurden sicher auch in den kommunalen Kitas in Oranienburg (Oberhavel) ergriffen. Extra besorgt werden müsse hier nichts, sagte Amtsleiterin für Bildung und Soziales, Anke Michelczak. "Die Kitas sind gut ausgestattet. Die können das rausholen, was sie brauchen." Bei Planschbecken müsse man allerdings vorsichtig sein. "Nicht alle Eltern mögen das."

Schlange weit über 100 Meter lang am Sommerbad Neukölln am 16.06.2019. (Quelle: Sebastian Schneider)Lange Schlange vor dem Sommerbad Neukölln am Mittwoch

Kalte Gurkensuppe und Wassertreten im Seniorenheim

Kalte Gurkensuppe statt Wasserschlacht war im Seniorenwohnheim "Haus am Mariengrund" in Brandenburg an der Havel angesagt. Dort versuchen Pfleger und Senioren auf zwei Stationen den hohen Temperaturen zu trotzen. "Einigen Bewohnern macht die Hitze zu schaffen", sagt Einrichtungsleiterin Susanne Jacob. "Aber bisher halten sich bei uns alle wacker." Ständig werde kontrolliert, wie viel Flüssigkeit die Senioren aufnähmen. Und Im Innenhof des Hauses können sich die Bewohner ihre Füße beim Wassertreten in einem Becken kühlen.

Die Behörden machen darauf aufmerksam, dass Senioren und kranke Menschen bei der bevorstehenden Hitzewelle besonders auf ihre Gesundheit achten müssen. Angesichts von Hunderten zusätzlichen Toten im Hitzesommer 2018 raten Notärzte sehr nachdrücklich vor allem Älteren, ausreichend - also mindestens zwei Liter pro Tag - zu trinken und sich möglichst nicht in der Sonne aufzuhalten.

Hitze kann unter Umständen lebensgefährlich sein

Wichtig für Senioren und Kranke an diesen Hitze-Tagen sei es, sich genau an die Ratschläge des Hausarztes zu halten, sagt Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Das könne auch mal bedeuten, dass Medikamente - nach Rücksprache mit dem Arzt - in einer anderen Dosierung eingenommen werden sollten als an kühleren Tagen.

Außerdem sollten alte Menschen jetzt ihren Tag noch gründlicher planen, Anstrengungen in die Morgen- oder Abendstunden verlegen und Familienangehörige und Nachbarn auch mal schneller um Hilfe bitten: "Diese Hitze ist für gesunde Leute schon eine große Belastung. Für betagte und kranke Menschen ist sie unter Umständen lebensgefährlich", erklärt Gräsner. Notärzte und Rettungsdienste rechnen für diese Woche mit wesentlich mehr Notfalleinsätzen als sonst üblich.

Sendung: Abendschau, 26.06.2019, Abendschau

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