15.06.2019, Berlin: Feuerwehrleute bekämpfen auf einem Grundstück an der Straße Am Flutgraben einen Brand. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Abendschau | 15.06.2019 | Tom Garus | Bild: dpa/Zinken

Nach Feuer in Berliner Club - Feuerwehr und "Club der Visionäre" streiten über Brandschutz

Im "Club der Visionäre" hat es am Samstagmorgen gebrannt. Nach ihrem Einsatz kritisierte die Feuerwehr den baulichen Zustand des Clubs. Die Betreiber betonen dagegen, das Brandschutzkonzept habe funktioniert.

Nach dem Brand in dem bei Berliner Szenegängern beliebten "Club der Visionäre" in Alt-Treptow haben die Betreiber am Sonntag Vorwürfe der Berliner Feuerwehr mit Nachdruck zurück gewiesen. Ein Sprecher der Feuerwehr hatte den baulichen Zustand des Clubs als "abenteuerlich" bezeichnet.

In der Location am Flutgraben war am Samstagmorgen ein 400 Quadratmeter großer Holzverschlag in Brand geraten, wie die Feuerwehr Berlin mitteilte. Die Feuerwehr rückte mit 70 Kräften aus. Wegen des Rettungseinsatzes kam es laut Polizei für rund drei Stunden zu Einschränkungen im Bus-, Straßen- und Schiffsverkehr.

Zur Brandursache konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Am Montag wollen Kriminaltechniker dazu vor Ort ermitteln.

Die Betreiber betonten am Samstagabend, der Club sei nicht vollständig ausgebrannt. In einer Mitteilung heißt es, nur ein "ein kleiner Teil des Freiluftbereichs" sei betroffen. Nach rbb-Informationen brannten Küche, Bar und Toiletten. "Der Haupt-Gästebereich war nicht betroffen", so die Betreiber.

Club der Visionäre in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Zöllner)
Bild: imago stock&people/Zöllner

Club behauptet, "abenteuerliche Strominstallationen" seien "VDE-gerecht"

Nach dem Brand hatte ein Sprecher der Feuerwehr gesagt, in den einfach zusammengezimmerten Bretterhütten auf dem Gelände gebe es "teilweise abenteuerliche Strominstallationen". Auch ein paar Dutzend Propangasflaschen hätten herumgestanden, teilweise seien sie während des Brandes explodiert. Die Feuerwehr habe die Bauaufsicht gebeten, sich die Clubs und Restaurants rund um den Flutgraben genauer anzusehen.

Die Clubbetreiber stellen die Situation dagegen am Sonntag in einer Pressemitteilung anders dar. "Alle Gasflaschen wurden außerhalb der Clubfläche gelagert und es ist auch keine einzige Gasflasche explodiert. Es gab überhaupt keine Explosion." Zur Elektroinstallation hieß es, dass diese "durchgehend VDE-gerecht" erfolgte. (mit VDE ist der Verband der Elektrotechnik gemeint, Anm. der Redaktion)

Grundsätzlich äußerten sich die Betreiber, dass die Lokalität kein "Hochglanzbau" sei, das sei eine stilistische Entscheidung. Der Club der Visionäre und auch der "nicht ganz perfekte" Berliner Stil würden mittlerweile weltweit kopiert.

Mitarbeiter seine an letzten gegangen

Auch weiteren Details, die die Feuerwehr mitgeteilt hatte, widersprachen die Clubbetreiber. Nach Polizeiangaben vom Samstagnachmittag befanden sich bei Brandausbruch noch rund 100 Personen im Club. Die Feuerwehr, gab an, zwei Personen aus dem Gebäude gerettet zu haben.  

Die Betreiber dagegen gaben am Sonntag an, dass ihre Mitarbeiter die letzten gewesen seien, die den Club verlassen hätten. "Eine Rettung durch die Feuerwehr war dementsprechend nicht notwendig und hat nicht stattgefunden", heißt es. Man habe zwei Notausgänge, die "Entfluchtung" der Gäste habe problemlos geklappt.

Wie die Feuerwehr dem rbb sagte, wurden drei Personen verletzt, die aber nicht ins Krankenhaus gebracht werden wollten. Von der Polizei und dem "Club der Visionäre" hieß es dagegen am Samstag, es sei niemand verletzt worden. Am Sonntag konkretisieren die Clubbetreiber: "Unsere vier Mitarbeiter, welche die erste Brandbekämpfung unternommen haben, wurden vor Ort untersucht, aber es wurden keine medizinischen Maßnahmen als notwendig erachtet."

Club: "Alle verlangten Brandschutzmaßnahmen getroffen"

Bereits am Samstag hatte der "Club der Visionäre" mitgeteilt, dass alle verlangten Brandschutzmaßnahmen getroffen worden waren. "Der Brandschutz im Club der Visionäre ist abgenommen." Die Mitarbeiter des Clubs seien zu Ersthelfern und Brandschutzhelfern ausgebildet und würden stets in allen relevanten Sicherheitsmanahmen geschult. "Sie haben sofort erste Löschmaßnahmen mit den ordnungsgemäß vorhandenen Feuerlöschern ergriffen. Das Brandschutzkonzept funktionierte."

Der "Club der Visionäre" ist über Berlin hinaus bekannt. Er erstreckt sich über Holzterrassen auf mehreren Ebenen an einem grün umwucherten Kanal. Das Areal liegt auf dem ehemaligen Mauerverlauf zwischen Kreuzberg und Treptow. Gespielt wird Elektro, House oder Techno. Bekannte DJs legten auf - zuletzt waren für Freitagabend Künstler aus Tokio angekündigt. 

Der Club kündigte an, sein Programm schon am Sonntag fortsetzen zu wollen - allerdings auf dem Schiff "Hoppetosse", das am nahen Spreeufer vor Anker liegt.

Sendung: Inforadio, 15.06.2019, 10.00 Uhr

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34 Kommentare

  1. 33.

    "Kotz-, Sauf-, Drogenclubs"?
    Das ist eine infame Unterstellung. Anscheinend ist für sie nur Kultur, was Ihnen selbst gefällt. Es liest sich zumindest nicht so, als seien sie einmal im Club der Visionäre gewesen.

  2. 32.

    Dann sage ich doch einfach mal im Namen aller normalen und normaldenkenden Menschen ein herzliches Dankeschön für all die Arbeit, die Sie tagtäglich leisten.

    Gut, dass kein Unschuldiger (auch kein Feuerwehrmann) durch die unsachgemäß gelagerten Propangasflaschen verletzt wurde und eine Expolosion verhindert werden konnte.

    Solche katastrophalen Kotz-, Sauf-, Drogenclubs als Gegenwartskultur zu bezeichnen wäre lächerlich, wenn diese Einstellung nicht so furchbar traurig wäre.


  3. 31.

    Da werden jetzt weitere Veranstaltungsorte sturmreif geschrieben. Aus den Grundstücken ist bestimmt mehr raus zu holen. Und bald haben wir ja ein Schloss. Was brauchen wir Kultur in der Gegenwart, wo wir weltweit zusammengeklaute Geschichte haben.

  4. 30.

    Ich war als Feuerwehrmann selbst bei dem Einsatz. Teile des Clubs standen beim Eintreffen im Vollbrand. Zwei Gäste / Mitarbeiter mussten von uns mit Unterstützung der Polizei aus dem Club in Sicherheit gebracht werden. Es bestand die konkrete Gefahr, dass das Feuer auf die weiteren Teile des Clubs und die Nachbarschaft übergreift, so dass wir viele Gasflaschen aus den unmittelbar an das Feuer grenzenden Gebäude des Clubs bergen mussten. Zum Glück konnten wir aber durch unsere Maßnahmen die Ausbreitung des Feuers schlussendlich verhindern. Während des Einsatzes ist mir persönlich die „wilde“ Instalation von Mehrfachsteckdosen und diversen Verlängerungskabeln aufgefallen. Warum der Betreiber jetzt so kommuniziert ist mir daher nicht ganz klar...

  5. 29.

    Gut gebrüllt Marie-Schätzchen und schade dass sich nicht mehr von Ihrer geistigen und differenzierten intellektuellen Kompetenz hier melden.Ich bin auch für Ausgewogenheit.Kategorie Champus und Artegucker grüsst herzlich

  6. 27.

    Und wieder einmal hat der wütende Mob von frustrierten Halbtoten, deren Horizont bei Feierabendbier und RTL-Abendprogramm endet, geschafft, die Kommentarsparte an sich zu reißen. Schade, dass gerade hier so viele aus dieser Kategorie zu finden sind.

  7. 26.

    Ich hoffe es bleibt nun endlich für immer geschlossen. Keine Kotze mehr ,keine Drogen ,keine Belästigung mehr von Frauen ,keine Feuerwehr /Polizei Einsätze mehr ,usw.usw.,könnte das stundenlang fort führen .

  8. 25.

    Das sehe ich genauso,da wird wieder geschnorrt und Solidarität über den Geldbeutel eingefordert.Ganz schön clever die "Macher".Ich staune sowieso was in diesem politisch linken,grünen Senat alles geht.Latten-Bretter -Buden-Massengrillfeste,schleichende Verwahrlosung als schickes Vergnügen,alternativ-konzeptionslos,alles was irgend wie strukturiert und gewissen Standards entspricht ist spiessig.Eine schicke Slumphilosophie ,an Wurstigkeit und Dilettantismus kaum noch zu poppen.Aber der Rubel rollt.

  9. 24.

    Es stellt sich mir die Frage, wie so eine Bretterbude neben (!) einer Tankstelle überhaupt eine Betriebserlaubnis bekommen konnte. Und selbst wenn der Brandschutz das alles abgenommen hat, entbindet es den Eigentümer nicht von seinen Sorgfalts- und Sicherungspflichten. Aber das wird ihm die Versicherung durch Nichtzahlung schon klarmachen.
    Im Internet gibt es bereits Aufrufe zum "Spenden" für den Wiederaufbau. Mit anderen Worten, der Betreiber will zwar viel Geld sparen und bettelt deshalb um Geld, aber eigenes Geld für den Wiederaufbau in die Hand nehmen will er nicht.

    Zum Glück macht die Feuerwehr genug Beweisaufnahmen von solchen Brandstätten und auch die Kripo ermittelt. Da muss sich der Betreiber nicht mit der Feuerwehr über die Ursache streiten. Sie kommt ans Licht.

    Gleich davon zu faseln, Berlin sei nur knapp einem Inferno entkommen ist albern. Gehts auch eine Nummer realistischer?

  10. 23.

    Ich habe nur selten erlebt ,dass sich die Feuerwehr so eindeutig und klar äussert über eklatante Brandschutzmängel.Da werden auch noch Fragen an die zuständige Brandschutzbehörde zu stellen sein.Wenn die Versicherung konsequent ist wird sie nur wenig bezahlen es sei denn, die grobe Fahrlässigkeit ist ausgeschlossen.Das Konzept und die Idee sind sehr gewinnträchtig bei möglichst geringem Einsatz.So eine wurstige, alternative, zusammengeschusterte Bude ist zwar Mega Inn, dürfte aber wenn für alle Gastronomiebetriebe die gleichen Sicherheitsstandards gelten so nicht hätte zugelassen werden.Über die enorme Lärmbelästigung reden wir hier gar nicht.

  11. 22.

    Flötenfiete, ich finde ihren kommentar echt nett. doch glauben hilft nicht immer. schätze die versicherung des clubs interessiert sich demnächst mehr für fakten, gell. echte fakten.

  12. 21.

    Sie haben meinen Kommentar ganz offensichtlich nicht verstanden. Ich habe in keiner Form zum Ausdruck gebracht, dass es egal wäre, wie sich die Betreiber verhalten. Dichten Sie bitte nicht Dinge in meinen Kommentar, die ich nicht schrieb. Das Zeichen ^^ müsste eigentlich bekannt sein. Und flapsig waren ausschließlich Sie, man bezeichnet andere Menschen nicht abwertend als "Gestalten".

  13. 20.

    Nur zur Klarstellung, mit "Clown" und "Schafkopf" meine ich NICHT die Feuerwehr, sondern die, die alles ganz genau wissen nachdem sie einen kurzen Artikel gelesen haben. Wenn der Club sagt die Anlage sei behördlicherseits abgenommen gewesen, sehe ich keinen Grund das zu bezweifeln.

  14. 19.

    Falsch. Ich habe keine Vermutungen sondern das Thema angesprochen. Der "Holzverschlag" hat eine Grundfläche von etwa 400 m². Wenn er diese Fläche auch nur um 1 cm² überschreitet, oder er nicht einzeln steht, zählt er zur Gebäudeklasse 3. In dem Fall müssen die tragenden Wände und Stützen mindestens die Feuerwiderstandsklasse F30 haben. Die Billig-Bretterwände hier erreichen aber überhaupt keine Feuerwiderstandsklasse. Insofern stellt sich schon die Frage, ob das alles so ausgeführt wurde, wie im Bauaufsichtsverfahren genehmigt. Und das sollte geprüft werden. Nichts anderes habe ich gesagt.
    Bei einer Brandschau, die auch nur alle paar Jahre stattfindet, werden übrigens keine Grundflächen überprüft.
    Ihre flapsige Suggestion in Kommentar #2, wonach es egal wäre, wie sich die Betreiber verhalten, geht jedenfalls völlig an der Realität vorbei:

    https://www.morgenpost.de/berlin/article209570397/Beim-Berliner-Brandschutz-gibt-es-massive-Maengel.html

  15. 18.

    Die Clubbetreiber haben sehr gut verdient. Verantwortung? Der rbb hat das Magazin Kontraste.

  16. 17.

    Wohnungen? Dann am besten gleich Bürogebäude.

    Die Berliner Clubszene wird hier seit den letzten Jahren systematisch ausgelöscht!
    Dieser Brand ist sehr unglücklich. Ich hoffe der Club wird ganz schnell wieder aufgebaut.

  17. 16.

    Bitte verallgemeinere jetzt nicht die gesamte Clubszene. Es werden und wurden bereits genug Clubs wegen den unterschiedlichsten Gründen geschlossen. Es si einfach ein Unglück gewesen. Fertig.

  18. 15.

    Das mag ja vielleicht alles richtig sein, oder auch nicht. Das spielt aber keine Rolle. Sie haben nicht das Recht, Menschen als "Gestalten" zu titulieren, egal ob diese in Ihre Frustbürgerwelt mit Feierabendbier und FreeTV passen oder nicht.

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