Dachstuhlbrand in der Brandenburgischen Strasse in Berlin Wilmersdorf (Quelle: imago/Marius Schwarz).
Audio: rbb | 12.06.2019 | Miriam Keuter | Bild: imago/Marius Schwarz

Jahresbilanz 2018 - Berliner Feuerwehr musste alle 67 Sekunden ausrücken

Personalmangel, Überstunden und marode Fahrzeuge: Die Berliner Feuerwehr kämpft seit längerem mit einigen Problemen. Gleichzeitig steigen die Einsatzzahlen jährlich an - so auch wieder 2018. Brandeinsätze machen davon jedoch nur einen Bruchteil aus.

Die Zahl der Feuerwehreinsätze in Berlin hat erneut zugenommen. Im Jahr 2018 waren es knapp 464.000 Rettungseinsätze, Krankentransporte und Brände, wie Feuerwehrchef Karsten Homrighausen am Mittwoch in der Jahresbilanz mitteilte. Insgesamt waren es knapp 6.000 Einsätze mehr als im Vorjahr. Im Schnitt mussten Feuerwehrleute alle 67 Sekunden ausrücken.

Seit 2009 steigen die Einsatzzahlen bei der Feuerwehr jährlich an. Vor allem, weil die Stadt wächst und häufiger Sanitäter und Notärzte alarmiert werden. Die Zahl der Brandeinsätze lag nur bei rund 7.500, das ist nur ein Bruchteil aller Alarmierungen.

Geisel: "Die 112 ist keine Kummernummer"

Viele Rettungseinsätze wegen verletzter oder kranker Menschen seien nicht nötig, sagte Homrighausen. Die Notfallsanitäter der Feuerwehr müssten eigentlich nur bei lebensgefährlichen und anderen sehr schweren Verletzungen anrücken und nicht bei leichteren Vorfällen. 

Homrighausen sprach von einer "Vollkaskomentalität", die sich vor allem im Rettungsdienst "breit macht". Statt sich abends oder am Wochenende mit Krankheiten oder Verletzungen bei einem Bereitschaftsarzt zu melden, würden die Rettungswagen der Feuerwehr alarmiert, um ins Krankenhaus gefahren zu werden. Die "Selbsthilfefähigkeit" des Einzelnen müsse gestärkt werden. Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) betonte: "Die 112 ist keine Kummernummer, bei der man sein Leid klagen kann."

Demnächst werde es eine neuerliche Kampagne geben, in der zum "gewissenhaften Umgang" mit der Notrufnummer aufgerufen werde.

5.000 Fehlalarme

Im Durchschnitt brauchte die Feuerwehr etwas länger, um nach der Alarmierung ihren Einsatzort zu erreichen. Bei Bränden waren es 9,8 Minuten (2017: 9,3 Minuten). Im Rettungsdienst stieg die Anfahrtszeit von 9,6 Minuten auf 10,2 Minuten.

2018 starben 25 Menschen bei Bränden, das waren etwas weniger als in den Vorjahren. Knapp 5.000 Mal wurde die Feuerwehr ohne Grund zu einem sogenannten Fehleinsatz alarmiert.

"Berlin brennt"

Die Berliner Feuerwehr klagt schon länger über zu wenig Personal für die vielen Einsätze. Die Einsatzkräfte hatten im Frühjahr 2018 unter dem Motto "Berlin brennt" wochenlang für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld demonstriert.

Im Vorjahr bezifferte die Innenverwaltung den Investitionsstau allein im Feuerwehr-Fuhrpark auf 160 Millionen Euro. Mit Neubeschaffungen von jährlich 18,4 Millionen Euro will die rot-rot-grüne Koalition in Berlin diese Lücke nun schrittweise schließen. Zudem hat das Abgeordnetenhaus 350 neue Stellen bewilligt. Die Besetzung dürfte aber noch Jahre dauern, weil der Nachwuchs erst ausgebildet werden muss.

Sendung: Abendschau, 12.06.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Erschreckend! 10 Minuten warten, wenn es brennt oder man einen gesundheitlichen Notfall hat. Hoffe, dass ich nie in so eine Situation komme.
    Danke an alle Helfer, die trotz der besch... Umstände täglich für uns da sind.

  2. 1.

    Es ist nichts besser geworden.
    Mehr Alarme, kaum festbesetzte Fahrzeuge, wandern, neuer nicht optimaler Dienstplan, lange Anfahrten zu den Einsatzorten, täglich ist die Belastungsgrenze erreicht, heißt das Tagesgeschäft bindet fast alle Ressourcen. Wachen sind marode.
    Aber für die Politik sieht es gut aus!!!
    Und trotzdem geht man gerne zum Dienst, nicht das wieder ein anderer uns was böses unterstellt.

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