Symbolbild: Hausunterricht (Quelle: dpa/Eglau)
Video: Abendschau | 17.06.2019 | Ute Barthel | Bild: Symbolbild: dpa/Eglau

Schulen überfordert, Eltern allein gelassen - Ausgesperrt: 45 Minuten Einzelunterricht statt Inklusion

Nur eine Schulstunde am Tag – ohne Kontakt zu anderen Kindern: So sieht der Schulalltag für einen Achtjährigen aus Berlin-Mitte aus. Auch verhaltensauffällige Kinder wie er haben ein Recht auf Teilhabe. Doch genau das wird ihm verwehrt. Von Ute Barthel

Auf seinem Einschulungsfoto strahlt Alexander* in die Kamera, eine riesige Schultüte im Arm. "Er war stolz wie Bolle. Er war sehr motiviert und wollte in die Schule gehen. So wie jedes Kind", erinnert sich Maike Schmidt, Alexanders Pflegemutter. Das Bild entstand im September 2017. Doch schon wenige Wochen später kommt es zu Problemen in der Schule.

"Die Klasse, in die er kam, war eine Nummer zu groß für ihn", erzählt  seine Pflegemutter im Interview mit rbb24 Recherche. "Alexander hat Schwierigkeiten, wenn es zu viele sind, wenn es unüberschaubar wird. Er zeigt da schnell Verhaltensweisen, die nicht schulkonform sind. Er verließ den Klassenraum, er turnte am Treppengeländer rum." Auf Überforderung reagiere Alexander mit aggressivem Verhalten: "Es kann sein, dass er schimpft, schreit und haut."

Alexander braucht Hilfe - von Anfang an

Alexander hatte einen schweren Start ins Leben. Er hat eine angeborene neurologische Schädigung, die sich in einer Verhaltensstörung äußert. Schon wenige Tage nach seiner Geburt kommt er zu seinen Pflegemüttern, Maike Schmidt und Doris Rauschnick. In der Kita hat er einen Integrationsstatus und zusätzliche Hilfe. Die wird ihm auch für den Schulbesuch zugesagt. Alexander bekommt anfangs sieben Stunden in der Woche Hilfe durch eine Schulhelferin.

"Das hat nicht ausgereicht, denn der Stundenplan hatte 22 Stunden", sagt Maike Schmidt. "Hinzu kommt, dass die Schulhelferin mit seinem impulsiven Verhalten überfordert war. Sie hat sich dann geweigert, weiter mit ihm zu arbeiten."

Vorübergehend geht es aufwärts

Nach fünf Wochen Schule findet Anfang November 2017 eine erste Schulhilfekonferenz  statt. Darin werden die Eltern von der Schulleiterin aufgefordert, zum Schuljahresende eine andere Schule für Alexander zu suchen. "Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, sondern die des Schulamtes", empört sich Maike Schmidt noch heute. In Fällen wie diesem bietet die Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungsstelle (Sibuz) Hilfe.

Die Mitarbeiterin dort empfiehlt, den Jungen zukünftig an einer Schule unterrichten zu lassen, die extra kleine Klassen für Schüler mit besonderen Verhaltensweisen anbietet. Aber: Eine derartige Schule gibt es im Bezirk Mitte, in dem Alexander wohnt, gar nicht. Um dem Kind weiterhin den Schulbesuch zu ermöglichen, springt nun seine Pflegemutter Maike Schmidt ein. Vorübergehend übernimmt sie die Aufgaben der Schulhelferin. Die Eltern berichten, dass Alexander von da an in der Schule wieder besser zurechtkommt, auch die Klassenlehrerin habe ihnen das so bestätigt.

Zum Schuljahresbeginn steht Alexander ohne Schulplatz da

Kurz vor den Sommerferien findet im Juni 2018 eine zweite Schulhilfekonferenz statt. "Da wurde dann festgehalten, dass er nach den Ferien nicht wieder kommen darf. Die Schulleiterin hat gesagt, sie weigere sich, ihn weiter zu beschulen", erzählt Maike Schmidt weiter. Für die Eltern ist die Entscheidung ein Schock.

"Wir haben uns sofort an das Schulamt gewandt und haben gesagt, dass wir dringend eine Schule brauchen. Aber alle Schulen waren voll", berichtet Doris Rauschnick. Im August fragen sie wieder im Schulamt nach, aber die zuständige Schulrätin ist krank. Als das Schuljahr 2018/19 beginnt, hat das Schulamt immer noch keine Alternative für Alexander gefunden. Jetzt wird der Junge, weil es keine Schule für ihn gibt, von Amts wegen zeitweilig von der Schulpflicht befreit. Mehr als zwei Monate geht er nicht zur Schule. Maike Schmidt muss sich von der Arbeit freistellen lassen, um ihren Pflegesohn zu Hause zu betreuen. Nach den Herbstferien bekommt Alexander im Oktober 2018 dann einen Platz an einer anderen Grundschule in Mitte, aber nicht, so wie empfohlen in einer Kleinklasse.

"Das, was Alexander passiert, ist Exklusion", sagt seine Pflegemutter

"Die Sonderpädagogen dort haben uns gesagt, sie werden ihr Bestes geben, um ihn gut zu versorgen", sagt Doris Rauschnick. "Aber die hatten auch schon 40 Kinder mehr an der Schule und einen Sonderpädagogen weniger. Also es war klar, sie sind am Anschlag." Um Alexander zu helfen, wird ein ungewöhnliches Modell vereinbart: Er bekommt jetzt täglich 45 Minuten Einzelunterricht, ohne Kontakt zu anderen Kindern.

Aus Sicht der Eltern ist das zu wenig – und mit der gesetzlichen Schulpflicht hat das auch nur wenig zu tun. Für Maike Schmidt bedeutet das zudem, dass sie immer noch nicht wieder arbeiten gehen kann. Und Alexander leide unter der Isolation von anderen Kindern. "Inklusion ist ein großes Wort, aber das, was mit ihm passiert, ist Exklusion!" meint Doris Rauschnick.

Symbolbild Berliner Schulhof (Quelle Archivbild: dpa/Robert Schlesinger)Kinder spielen auf dem Schulhof einer Berliner Schule

Senatsverwaltung: "Ein komplexer Einzelfall"

Auf Nachfrage bei der zuständigen Schulaufsicht wird rbb24-Recherche an die Pressestelle der Senatsverwaltung für Bildung verwiesen. Die Pressesprecherin spricht von einem komplexen Einzelfall. Trotz intensiver Suche nach einer temporären Lerngruppe habe man aber aufgrund des außergewöhnlich hohen Förderumfanges kein passendes Angebot finden können. Ein Interview lehnt die Pressesprecherin ab. Auf die schriftliche Nachfrage, wie sich 45 Minuten Einzelunterricht mit der Berliner Schulpflicht und dem Ziel der Inklusion vereinbaren lässt, heißt es: "Hausunterricht wird in der Regel im Umfang von acht bis zwölf Zeitstunden erteilt. Sollte auch dies nicht möglich sein, weil es auch z.B. dabei zu körperlichen oder seelischen Verletzungen kommt, kann der Umfang weiter reduziert werden. Besondere und temporäre Lernangebote, auch in Verbindung mit Leistungen der Jugendhilfe oder der Medizin, stützen die inklusive Bildung."

Wie es nun weitergeht - völlig unklar

In wie vielen Fällen diese besonderen Schulmodelle praktiziert werden, kann die Pressestelle nicht mitteilen. Nach Erfahrung von Urs Zelle vom Verein "Lebenshilfe" komme das bei Kindern mit emotional-sozialem Förderbedarf immer wieder vor. Als sozialer Träger schickt der Verein Schulhelfer für Kinder mit Behinderungen in die Schulen. "Nach unserer Erfahrung ist es tatsächlich so, dass es kein Einzelfall ist, dass Kinder einen reduzierten Unterrichtsbesuch empfohlen oder verordnet bekommen", so Zelle. "Aber es ist eigentlich dazu gedacht, dass man Kinder aus Überforderungssituationen herausholt, und das sollte dann sukzessive wieder aufgebaut und angehoben werden." Es sollte also nur ein Modell für einen stark begrenzten Zeitraum sein und keine Dauerlösung.

Lernangebote mit kleinen Gruppen und entsprechend hohem Personalschlüssel gibt es zu wenig in Berlin. Kinder wie Alexander können allenfalls auf die Warteliste gesetzt werden. Seine Perspektive ist unklar. Auch Maike Schmidt weiß bis jetzt nicht, ob sie nach den Sommerferien wieder arbeiten gehen kann. Die Schulverwaltung schreibt, sie bemühe sich, eine gute, tragfähige Lösung zu finden.

Schulweg von fast einer Stunde

Die Angebote reichen von einer Schule für Lernbehinderte in Schöneberg bis zu einer Tagesgruppe in Adlershof. Für Alexander wäre das von Berlin-Mitte ein Schulweg von fast einer Stunde. Die Hoffnung der Eltern auf eine geeignete Schule in der Nähe wird sich wohl nicht erfüllen.

"Ich würde mir eine Schule wünschen, eine Kleinklassenschule, die sagt: Ja, wir haben hier Kapazitäten, wir haben das Knowhow und wir arbeiten auch mit schwierigen Kindern. Wir nehmen den und der darf bei uns sein, wie er ist", sagt Maike Schmidt. "Das ist das, was er dringend bräuchte."

*Name geändert

Beitrag von Ute Barthel

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 32.

    Aber genau das ist es doch. Eine der wenigen Schulen dieser Art. Wir bräuchten in Berlin viel mehr davon. Um die Regelschulen zu entlasten. Weder der Betreuungsschlüssel, noch die Klassengröße ist in vielen Klassen/Schulen für eine sinnvolle Inklusion vorhanden. Flickwerk, das ungünstig und schädlich für alle Beteiligten ist. Danke und einen schönen Abend :-)

  2. 30.

    Das nutzt betroffenen Kindern, die in großen Klassen landen, ganz viel, wenn es woanders kleine Klassen gibt, in die sie nicht umgeschult werden dürfen. Es wird vorgegeben, dass Eltern gegen die Wand laufen, wenn die ein Kind mit bestimmten Problem in kleina passende Klassen umschulen wollen. Sollen solche Kommentare irgendwie "Spaß" sein oder was?

  3. 29.

    Gibt es so eine Schule auch für Kinder ohne Förderbedarf, die endlich in Ruhe niveauvoll lernen möchten, die keine ellenlange Warteliste hat und für Normalverdiener erschwinglich ist? ;-)

  4. 28.

    Ohne Ihre Vita und Schilderungen direkt anzweifeln zu wollen, fällt es mir aber schon schwer, Ihren Worten einfach so Glauben zu schenken. Ich bin selber Sozialpädagogin und habe im Freundes- und Bekanntenkreis auch Lehrer. Grund- und Oberschule. In den I-Schwerpunktschulen bessere Erfahrungen gemacht zu haben, als das, was hier User über ihre Erfahrungen in Regelschulen berichten, ist überhaupt nicht vergleichbar. Die Schilderungen von den Lehrern in meinem Umfeld sind ungeschönt und decken sich mit vielen der Kommentatoren. Auch was Fehlverhalten, Überforderung und mangelndes pädagogisches Know-How „Problemschülern“ gegenüber von Schulleitungen und Kollegen betrifft. Das Schubladendenken Ihres ehemaligen Fachseminarleiters ist obszön, tut mir leid. Es gibt tatsächlich einige Lehrer, die aus Überforderung und Stress zu unangenehmen Zeitgenossen werden, auch unser Kind kam in den Genuss solcher Exemplare^^, Sadisten sind es definitiv nicht. Und was sollen bitte „unfähige“ Lehrer sein? Sie haben ihren Beruf erlernt und mit Prüfungen unterlegt abgeschlossen, scheitern meist aber am System und den personellen Defiziten der jeweiligen Institutionen. Ich freue mich für Sie, dass es in Ihrer Schule so gut läuft. Das sind aber m. E. gezählte Ausnahmen. Inklusion an Regelschulen ist so wie es bisher lief eine einzige Notlösung auf Kosten aller Schüler und deren Lehrer.

  5. 26.

    Schrecklich. Auch das darf nicht sein. Es müssten alle Eltern auf die Barrikaden gehen. Wir haben es versucht, Freunde von uns an einem anderen Gymnasium auch. Das wurde unterbunden. Es sind einfach zu wenige Eltern. Die Meisten kommen ab der 8. oder 9. Klasse ja nicht einmal mehr zum Elternabend...

  6. 25.

    Hej, ich lade Dich in meine Schule ein. Hier sitzen pro Klasse max. 20 Kinder, wir unterrichten immer zu Zweit, haben für jedes Kind mit Förderstatus noch einen Erzieher oder eine PU im Unterricht.
    Ich zeige Dir, wie Inklusion in Berlin gelingt.
    Danach lass uns weiter reden.

  7. 24.

    Wir reden hier von Kindern: Die können gar nicht "reif" für diese großen Klassen sein, wenn die selbst Probleme haben. Das Gerede über "die Menschen in der aktuellen Gesellschaft sind einfach nicht reif hierfür" halt ich eher für ideologischen Sülz, sorry. Wie soll man sowas anders nennen. Rollenumkehr: Kind mit eigenen Problemen soll sich an ein unpassendes System anpassen und wenn es das nicht kann, wird einfach ein bisschen Ideologie drüber ausgegossen.

  8. 23.

    Yeah, dem stimme ich vollends ganz zu.
    Als ich 2017 bis 2018 mein bbg. Ref absolvierte meinte mein Fachseminarleiter: „An jeder Schule sind ein Drittel der Lehrer Sadisten, ein Drittel sind Unfähige und ein Drittel sind echte Lehrer.“
    Das habe ich in meiner aktuellen Praxis an einer inklusiven Schwerpunktschule bislang nicht erlebt. Aber auch solche im Beitrag beschriebenen Einzelfälle kenne ich. Dennoch halte ich das Modell Inklusion nicht für gescheitert sondern die Menschen in der aktuellen Gesellschaft sind einfach nicht reif hierfür. Die u.s. Kommentare belegen diese These. Es fehlt an Solidarität, Mut, Engagement, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft. Alles Eigenschaften die der Kapitalismus deckelt.

  9. 22.

    Das stimmt natürlich, aber die anderen fallen einfach durch Netz. Ich finde diese Politik beinahe asozial.
    Auch gerade austistische Kinder usw. gehören nicht in riesige Klassen. Das ist eine Verlegnung der Bedürfnisse dieser Kinder. Den Kampf einer Mutter von so einem Kind um einen geeigneten Schulplatz (es hätte eien Körperbehindertenklasse gegeben, die besser gepasst hätte) habe ich miterleben dürfen. Das Kind wurde einfach ignoriert, fertig, aus, basta.

  10. 21.

    Ich habe eben geweint beim Hören des Berichts im Radio.
    Das ist kein Einzelfall und auch nichts Neues.
    Mein Sohn wurde schon aus dem System 2003 "entlassen". Die Beschreibung des Verhaltens ist ähnlich, fast identisch. Es gab niemanden der sich verantwortlich gefühlt hatte. Er war nicht beschulbar! Er kam auf der 1. Grundschule dann ein 3. Mal in die Vorschule, weil er nicht in den Rahmen der 1. Klasse passte und weil er einen hohen IQ hatte, kam auch keiner auf die Idee, dass er Hilfe bräuchte.
    Und selbst die Sonderpädagogische Schule hat ihn stets sanktioniert mit Schulbefreiung, anstelle mit von mir angebotenen begleitenden Unterricht.
    Was lernte er dadurch? Ich falle negativ auf, dann muss ich nicht zur Schule.
    Mein Sohn wurde nie richtig beschult, trotz Schulpflicht!
    Er hat 3 Jahre Sonderschule hinter sich und danach war er nur noch einmal in Schleswig Holstein auf einer Oberschule, die ihn auch schnell rauswarf.

  11. 20.

    Demokratien leben von Mehrheiten, und das ist gut so.
    Man sollte bei allem guten Willen gegenüber der Minderheit von Behinderten auch das Recht der großen Mehrheit nicht behinderter Schüler auf konzentriertes Lernen berücksichtigen. Genau das ist aber nicht der Fall, wenn das erforderliche Personal nicht vorhanden ist, aber die Sache trotzdem stur vorangetrieben wird - das hilft überhaupt keinem.
    Dann doch lieber - zumindest, bis die personelle Situation gelöst ist - keine bzw. nur soviel Inklusion wie gerade möglich ist; dann ist wenigstens der großen Mehrheit geholfen.

  12. 19.

    Joa...hört sich schmackig und sozialromantisch an. Im Ansatz haben Sie ja nicht ganz unrecht, das wahre Leben sieht aber ganz anders aus. Was Sie so unbekümmert in Schubladen packen (...narzisstischer Egoismus...) ist nichts weiter als das Ergebnis von Sparmaßnahmen auf Kosten von Schülern sowie behinderten und verhaltensgestörten Kindern. Das war nie Inklusion und wird auch nie eine werden. So sieht die Realität in den Klassenzimmern aus. Und Ihre Beschimpfungen sind zudem völlig unangebracht und respektlos. Jeder kritische Kommentator hier hat argumentativ unterlegt seine Sichtweise geschildert. Wo ist eigentlich Ihre Stellungnahme zu den Schülern, die keinen I-Status haben und einfach nur eine schöne Schulzeit und gute Schulabschlüsse haben wollen? Vergessen? Einfach ausgeblendet, obwohl sie ca. 80% der Klasse ausmachen? Wie egoistisch und dogmatisch Sie sind!^^ Fahren Sie mal einen runter und respektieren Sie sachlich vorgetragene Erfahrungen von Eltern. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Schönen Abend!

  13. 18.

    Spricht der, der schlaue Sprüche kloppt und derzeit wieviel Kinder in der Situation durch die Schule begleitet und wenn ja durch welche bitte? Ihre Vorwürfe und Unterstellungen der Inklusionskritiker sind unverschämt aber fehlender Erfahrung und Ihrem Theoretisierungswahn geschuldet. Schwamm drüber. Wolkenkuckucksheim hätten wir alle gerne, iss aber nich^^.

  14. 17.

    Es kommt nicht von ungefähr, dass in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention mit Füßen getreten wird: Liest man zahlreiche der allein hier Kommentierenden, begegnet man Klassismus, Sozialdarwinismus, Entsolidarisierung und narzisstischem Egoismus. Was hier einige mit dem ungesetzlichen Sonderschulmodell einfordern, ist ein nachweislich gescheitertes Projekt, das die Segregation und Exklusion von sozialer Teilhabe fördert. Wer zudem Vorurteile und Unkenntnis über Behinderte hat, spricht ihnen existente Fähigkeiten ab.

    Inklusion ist extrem herausfordernd, äußerst komplex und kann nicht mal ebenso, nebenbei ermöglicht werden. Woran liegt der Mangel an gut ausgebildeten (Sonder)Pädagog*innen? Die pädagogischen Berufe sind hierzulande äußerst unbeliebt. In anderen Ländern mit deutlich geringeren sozio-ökonomischen und volkswirtschaftlichen Möglichkeiten geht es anders. In Finland ist der Beruf des/ der Lehrer*in ein Traumberuf. Das gilt bei uns nur für wenige.

  15. 16.

    ...mit viel Ruhe, kleinen Gruppen, ausreichend Betreuung und ohne den ständigen Frust nicht mitzukommen. Das erschwert vielen Inklusions-Kindern nämlich doppelt das Leben. Was früher als Schmach galt, sollte man jetzt als Chance erkennen und wieder einfordern. Für alle Beteiligten wäre das ein Segen.

  16. 15.

    Mal sollte sich einfach eingestehen, dass besondere Kinder besondere Schulen benötigen.

  17. 14.

    Mich würde an dieser Stelle mal sehr interessieren, wie die zugrunde gelegte, 2006 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention in unseren Nachbarländern (Polen, Tschechien, Österreich etc.) umgesetzt wurde; das Berliner Schulsystem ist doch nicht das einzige betroffene.
    Haben andere Länder auch so eine „ vorbildliche“ Inklusionslösung daraus gemacht? – Kann ich mir irgendwie nicht recht vorstellen….

  18. 13.

    Aber auch die "Belastungsfähigen" lassen dabei ganz schön Federn. Zudem leidet das gesamte Lernniveau und auch bei leistungsstarken Schülern bauen sich Defizite auf. Die Eltern, die am Ball und wachsam bleiben, federn diese zu Hause ab. Wir sind froh, dass unsere jetzt durch sind. Spaß macht Schule nicht mehr, es ist z.t. ein einziges Durchgewurschtle mit "Kopf-hoch-Attitüde". Unser erstes Kind ist 12 Jahre älter, dessen Schulzeit war dagegen ein Traum.

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