Schreckschusspistolen in der Schublade eines Waffengeschäfts (Quelle: imago/HRSchulz)
Audio: rbb | 17.06.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: imago/HRSchulz

Neun Prozent mehr in fünf Jahren - Berliner besitzen immer mehr Schusswaffen

Die Berliner haben immer öfter eine Schusswaffe zu Hause. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sind es aber immer noch wenige. Das geht aus den Zahlen des Waffenregisters hervor. Die Gewalt mit Waffen sinkt seit Jahren.

Mehr als 50.000 Schusswaffen sind im privaten Besitz von Berlinern. Am Ende des Jahres 2018 waren genau 50.290 Pistolen und Gewehre registriert, wie der Senat auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Karsten Woldeit mitteilte. Ende 2013 waren es noch rund 46.000 Waffen, so dass es in fünf Jahren einen Anstieg um neun Prozent gab. Die meisten Waffenbesitzer sind Männer.

Im bundesweiten Vergleich liegt Berlin beim Waffenbesitz aber weit abgeschlagen, hier liegt der Durchschnitt etwa fünfmal so hoch. Die Zahlen stammen aus dem Nationalen Waffenregister (NWR). Zuerst darüber berichtet hatte die "Berliner Morgenpost".

Nötig für den Kauf einer Waffe ist die sogenannte Waffenbesitzkarte, die vor allem für Jäger und Mitglieder in Schützenvereinen ausgestellt wird. In der Öffentlichkeit tragen dürfen sie die Waffe deswegen aber noch nicht. Dafür ist ein Waffenschein nötig - und der wird sehr selten ausgestellt.

Rund doppelt soviele Kleine Waffenscheine

Gestiegen ist allerdings die Zahl der sogenannten Kleinen Waffenscheine. Ihre Zahl verdoppelte sich in der Hauptstadt seit 2014 von knapp 9.000 auf annähernd 19.000 Ende Oktober 2018. Mit dem Kleinen Waffenschein darf man legal erhältliche und täuschend echt aussehende Schreckschuss- und Gaspistolen sowie Pistolen zum Verschießen von Leuchtkugeln in der Öffentlichkeit tragen.  

Einen Zusammenhang mit Waffengewalt gibt es den Zahlen zufolge aber offenbar nicht, denn obwohl die Waffenzahl gestiegen ist, gab es deutlich weniger Verbrechen, die mit einer Schusswaffe verübt wurden. Im Jahr 2003 zählte Berlin in etwa so viele Waffen wie jetzt - damals lag die Zahl der Gewalttaten mit Schusswaffe aber deutlich höher. Die Zahl der Gewaltdelikte sank seitdem von rund 800 auf etwa 520 im Jahr 2010 und 242 im vergangenen Jahr.

Als Gewaltdelikt mit Schusswaffe registriert die Polizei Fälle, bei denen geschossen wurde (hier muss es sich um Schusswaffen gemäß § 1 Waffengesetz handeln) und Fälle, bei denen mit der Schusswaffe gedroht wurde (hier kann es auch nur eine Spielzeugpistole sein, wenn sich jemand bedroht fühlte).

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3 Kommentare

  1. 3.

    Kein Wunder ,Berlin ist ja auch schon fast Klein Chicago.

  2. 2.

    Hier http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/18/SchrAnfr/s18-19006.pdf finden Sie die Anfrage im Wortlaut. Leider wird laut Senat nicht erhoben, ob bei Straftaten verwendete Schusswaffen im legalen Besitz der Täter waren. Wenn Sie Leute fragen, die sich damit auskennen, sagen die Ihnen aber: Das ist praktisch nie der Fall.

  3. 1.

    Es wäre großartig, wenn im Artikel zwischen sog. scharfen Waffen und anderen differenziert würde. Denn es macht m.E. einen großen Unterschied, ob über große Erbsenpistolen (SoftAir), Gas-/Signalwaffen, Luftdruckwaffen oder eben echte Schusswaffen gesprochen wird. Leider findet diese Differenzierung selten statt, was nach meiner Auffassung zu einem verzerrten Bild führt und der damit einhergehenden Verunsicherung vieler Menschen.

    Mindestens ebenso interessant wäre die Darstellung, wieviele der Delikte, die mit Schusswaffen begangen wurden, unter Einsatz illegaler Schusswaffen stattfanden. Diese Differenzierung wird ebenfalls beinahe nie gemacht und würde doch so viel über die (echte oder auch vermeintliche) Gefahr aussagen, die von legalen Waffen ausgeht.

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