Archivbild vom 26. Juli 2016: Der verurteilte Mörder Silvio S. vor dem Landgericht Potsdam (Quelle: imago/Olaf Wagner)
Audio: Inforadio | 28.06.2019 | Lisa Steger | Bild: imago/Olaf Wagner

Mörder von Elias und Mohamed - Gericht entscheidet über Sicherungsverwahrung für Silvio S.

Muss Silvio S., der Mörder von Elias und Mohamed, nach seiner lebenslangen Haftstrafe in Sicherungsverwahrung? Darüber entscheidet am Freitag das Landgericht Potsdam. Im ersten Urteil hatten die Richter eine Sicherheitsverwahrung abgelehnt.

Im Revisionsprozess gegen den verurteilten Kindermörder Silvio S. will das Landgericht Potsdam am Freitag (13.00 Uhr) über eine Sicherungsverwahrung für den 36-Jährigen entscheiden. Der Mann war nach der Ermordung der beiden Jungen Elias (6) und Mohamed (5) bereits vor drei Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem stellten die Richter eine besondere Schwere der Schuld fest.

Die Anordnung einer Sicherungsverwahrung nach der Haft lehnten sie jedoch ab, weil dem 36-Jährigen ein Hang zu weiteren schweren Straftaten nicht nachzuweisen sei.

Neigung zu Rechtsbrüchen und sexueller Gewalt

Im Revisionsprozess muss diese Einschätzung aus Sicht des Bundesgerichtshofs (BGH) nun überprüft werden. Staatsanwaltschaft und Nebenklage-Vertreter hatten die Sicherungsverwahrung nach der Haft gefordert, weil Silvio S. eine intensive Neigung zu Rechtsbrüchen und sexueller Gewalt habe. Die Sicherungsverwahrung ist keine Strafe, sondern soll die Allgemeinheit auch nach Verbüßung der Haft vor gefährlichen Tätern schützen.

Sicherungsverwahrung laut BGH "verhältnismäßig"

Ein Gericht, so steht es in Paragraf 66 Strafgesetzbuch, ordnet Sicherungsverwahrung an, wenn der Angeklagte "infolge eines Hanges zu erheblichen Straftaten […] zum Zeitpunkt der Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich ist". Im Fall von Silvio S. hatte der BGH die Sicherungsverwahrung auch für "verhältnismäßig" gehalten. Zwar müsse eine lebenslange Strafe grundsätzlich vollstreckt werden, bis der Angeklagte nicht mehr als gefährlich gelte. Trotzdem sei es möglich, "trotz geringer praktischer Auswirkungen" zusätzlich die Sicherungsverwahrung zu verhängen. Nicht zuletzt, weil der Verurteilte dann bei Therapien vorgezogen werde, argumentierte der BGH.

Psychologe sieht "hohes Rückfallrisiko"

Nach Ansicht des vor Gericht gehörten Psychologen ist Silvio S. auch weiterhin gefährlich. Bei ihm bestehe ein "hohes Rückfallrisiko", sagte der Experte Mitte Mai vor dem Landgericht. Zu dieser Einschätzung hätten ihn zwei sogenannte Prognoseverfahren in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Brandenburg/Havel gebracht, sagte der Psychologe, der als sachverständiger Zeuge geladen war.

Zusätzlich wurde ein Sachverständige befragt, der im ersten Prozess das psychologisch-forensische Gutachten erstellt hatte. Er sagte, er könne nicht beurteilen, ob Silvio S. die Taten aus einem pädophilen Hang heraus begangen habe, da dieser nicht mit ihm über die Geschehnisse sprechen wollte.

Angelockt, missbraucht, getötet

Silvio S. hatte Elias und Mohamed im Sommer und im Herbst 2015 angelockt, missbraucht und getötet. Ende Oktober wurde der damals 32-Jährige gefasst. Die Potsdamer Richter verurteilten ihn im Sommer 2016 wegen Mordes und Kindermissbrauchs zu lebenslanger Haft. Zugleich stellten sie eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren sehr erschwert.

Sendung: Inforadio, 28.06.2019, 6.20 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Was Sie für überflüssig halten, ist mir völlig schnurz. Hier schließe ich mich der Antwort von @ Fritze voll an. Im übrigen sind wir, Sie und ich, was das „menschlich,moralische“ über diesen Kindsmörder anbelangt, ja einer Meinung. Das Gericht hat jetzt ein Urteil gefällt und ich akzeptiere dies. Mal schauen wie eine Untersuchung dann nach etwa 15 Jahren aussieht. Aber dann lebe ich vermutlich vielleicht schon nicht mehr.

  2. 8.

    Zum Glück entspringt das wieder nur Ihrer subjektiven Wahrnehmung^^. Das sind alles sehr nützliche und gute Berufe. Ihre Kommentare sind oft verstörend, aber oft auch wirklich amüsant. Ich überlege grad, ob ich die alle archiviere und sie irgendwann veröffentliche. Danke für den Lacher und gute Nacht :-D

  3. 7.

    Zu verstehen nicht, aber zu begreifen.
    Mein Standpunkt:
    Ein Mörder gehört lebenslang hinter Gitter.
    Bewährungsausschüsse kenne ich, doch halte ich sie für überflüssig.
    Philosophen, Schönheitschirurgen, Integrationsbeauftragte, Drogenbeauftragte, Schallplattenverkäufer, Bibliothekare, Videothekare, Zeitungsverleger, Schriftsetzer, Zukunftsforscher, Wahlforscher, Friedensforscher, Parteienforscher, Soziologen, Theologen, Bewährungshelfer... die Liste der Berufe, die ich als entbehrlich einschätze, wird von Tag zu Tag länger...

  4. 6.

    Lebenslänglich heißt eben auch bei einem Mörder leider nicht lebenslänglich und wie die Geschehnisse in der Vergangenheit zeigen, bekommen auch Sicherheitsverwahrte Ausgang, teilweise auch unbegleitet. Das dann welche flüchten oder einfach nicht zurückkommen sind für Justizsenator Behrendt Einzelfälle. Diese waren nicht zu verhindern und der Gesetzgeber sehe eben auch für diesen Personenkreis Ausgang vor. Wirklich sicher ist man vor Sicherheitsverwahrten auch also auch nicht und kann nur hoffen, dass sie ggf. dann nocht weitere Opfer finden. DIE BEKOMMEN NÄMLICH, WIE IN SEINEM FALL, KEINE 2. CHANCE. DIE JUNGS SIND TOT.

  5. 5.

    Ist doch wohl nicht schwer zu begreifen oder? Wer lebenslänglich kriegt, muß noch lange nicht ein Leben lang hinter Gitter verbringen. Selbst in den USA gibt es den sogenannten Bewährungsausschuß. Da wird über eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung entschieden oder auch nicht. So geschieht dies auch bei uns. Deshalb ja auch der Antrag auf Sicherungsverwahrung.

  6. 4.

    Die Qualität der "Gutachter" wurde gerade wieder in jüngster Vergangenheit ("Wolfsmaske") uns vor den Augen geführt.
    Es gibt bei einem hinterhältigen Mörder eben keine zuverlässige Prognose, kein Mensch kann in einem anderen sehen und voraussagen, ob er rückfällig wird oder nicht. Im Zweifel also Opferschutz vor Täterschutz und lebenslänglich (wirklich lebenslänglich im wörtlichen Sinne) wegsperren.Auch sollten die "Gutachter" bei Rückfällen in Verantwortung genommen werden. Bei solch Fehleinschätzungen darf der Arztberuf eben nicht mehr ausgeführt werden.

  7. 3.

    Ist es nicht im Grunde vollkommen hirnrissig, zu überlegen, was mit jemandem zu geschehen habe, NACHDEM er sein "lebenslange" Strafe hinter sich hat?
    Wenn jemand NICHT für den Rest seines Lebens eingesperrt wird, warum nennt man das dann "lebenslänglich"?
    Im Übrigen wäre ich dafür, auf Dinge wie eine Sozialprognose zu pfeifen und einen Mörder TATSÄCHLICH für den Rest seines Lebens einzusperren.

  8. 2.

    Ich kann nur wünschen, das dem stattgegeben wird.

  9. 1.

    Wenn dieser Mann keine Sicherheitsverwahrung
    bekommt., zweifle ich noch mehr an unserem
    Rechtssystem.
    Sowas darf nie mehr auf die Menschen losgelassen werden.

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