Archivbild von 2012: Teilnehmer eines Neonazi-Aufmarsches in Frankfurt an der Oder (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Rechtsextremes Netzwerk - Noch keine Hinweise auf "Nordkreuz"-Mitglieder in Brandenburg

Laut einem Medienbericht verfolgt die rechtsextreme "Nordkreuz"-Gruppe offenbar konkrete Umsturzpläne. Die Neonazis sollen Leichensäcke und Ätzkalk besorgt haben, um politische Feinde aus dem Weg zu räumen. In Brandenburg scheinen sie noch nicht präsent zu sein.

Eine rechtsextreme Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern soll versucht haben, Zubehör für die Beseitigung politischer Gegner zu beschaffen. Das berichtet am Freitag das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und beruft sich dabei auf Informationen aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz.

200 Leichensäcke und Ätzkalk

Wie es in dem Bericht heißt, soll es eine Material-Liste geben, auf der rund 200 Leichensäcke und Ätzkalk aufgelistet waren. Diese Art von Kalk kann zur Beseitigung menschlicher Überreste verwendet werden. Laut RND stammt die Aufstellung von Mitgliedern der rechtsextremistischen Vereinigung "Nordkreuz". Die zuständigen Bundesbehörden wollten sich nicht zu dem Bericht äußern.

Der brandenburgische Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) wies am Freitag darauf hin, dass es derzeit keine Hinweise darauf gibt, dass mögliche Mitglieder der Gruppe auch in Brandenburg leben. Dagegen tauchen potenzielle Opfer aus Brandenburg schon länger auf sogenannten Feindeslisten auf.

"Tag X" als Chance zur Beseitigung politischer Feinde

Der Generalbundesanwalt ermittelt seit 2017 gegen "Nordkreuz". Die Gruppe wird verdächtigt, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat zu planen. Sie besteht aus "Preppern" - von englisch "prepare", also "vorbereiten". "Prepper" bereiten sich mit Vorräten auf schwere Krisen oder einen Zusammenbruch staatlicher Strukturen vor - dabei kalkulieren sie auch den Einsatz von Schusswaffen ein. Medienberichten zufolge sollen die "Nordkreuz"-Mitglieder den "Tag X" als Chance gesehen haben, Angehörige des linken Spektrums gefangen zu nehmen und zu töten.

"Nordkreuz" soll unter anderem von einem Polizisten, einem Anwalt und einem Bundeswehr-Reservisten gegründet worden sein. Das Bundeskriminalamt vernahm 2017 Zeugen dazu. Bei einer Anti-Terror-Razzia in Mecklenburg-Vorpommern fanden Ermittler eine Liste mit etwa 25.000 politischen Gegnern, die im Krisenfall getötet werden sollen. In dem RND-Bericht heißt es, die gesammelten Namen stammten überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern mit den Schwerpunkten Wismar, Ludwigslust und Schwerin sowie auch aus der Region Perleberg und Pritzwalk im Norden Brandenburgs.

Auch frühere SEK-Mitglieder stehen unter Verdacht

Vor zwei Wochen waren laut Staatsanwaltschaft Schwerin drei Ex-Mitglieder des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern und ein aktiver Beamter festgenommen worden. Sie sollen Munition aus Polizeibeständen beiseite geschafft und sie einem Mann mit Kontakten in die "Prepper"-Szene überlassen haben. Die Festnahmen standen im Zusammenhang mit der Gruppe "Nordkreuz".

In Brandenburg hatte es erst im vergangenen Jahr eine Anfrage der Linken-Fraktion im Landtag zu rechtsextremen Feindeslisten gegeben. Brandenburgs Innenminister Schröter hatte in seiner Antwort auf Angaben der Bundesregierung verwiesen. Demnach hatten Bundesbehörden in den Jahren 2011 und 2017 der Brandenburger Polizei Listen mit persönlichen Daten politischer Feinde der Rechtsextremen übermittelt. Diese standen in Zusammenhang mit den Ermittlungen zu "Nordkreuz" und zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU).

Derzeit keine Verdächtigen in Brandenburg

Die Brandenburger Landesregierung erklärte am Freitag, die Chat-Gruppe "Nordkreuz" sei eine bekannte Gruppierung aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Ministerium habe derzeit keine Anhaltspunkte für Verdächtige aus Brandenburg - auch nicht aus Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage.

Der Name "Nordkreuz" bezieht sich auf die aus Irland stammenden mittelalterlichen Keltenkreuze, die im angelsächsischen und skandinavischen Raum weit verbreitet waren und einen bestimmten, auch heiligen Einflussbereich markierten. Rechtsextreme Gruppierungen verwenden das Keltenkreuz heute als Symbol der eigenen Einflussnahme. In den USA wird das gleichschenklige Keltenkreuz meist in Verbindung mit der "White Power"-Bewegung gebracht.

Sendung: Radioeins, 28.06.2019, 18.30 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ehrlich war ich gestern total geschockt, wie weit manche offenbar mittlerweile zu gehen bereit sind. Und ich stelle fest, daß es meist Männer sind. Was haben die für Familien, LebenspartnerInnen? Sind das alles durchgeknallte Einzelgänger, die ihren Frust zu Lasten unbescholtener BürgerInnen ausleben wollen?
    Gibt es in deren Umfeld nicht einen einzigen Vernunftbegabten, der das rechtzeitig anzeigt? Komischerweise ist das ja durch den Verfassungsschutz rausgekommen. Nachbarn sind so eingeschüchtert, daß niemand sich muckst? Furchtbar.

  2. 4.

    Es sind Präventivmaßnahmen dringend erforderlich, diskutiert und debattiert wurde lange genug.
    Diese Verbrecher sind eine akute Gefahr für alle Menschen, die nicht in ihr verqueres und menschenverachtendes Weltbild passen.

  3. 3.

    Die Opfer der von den NSU-Terroristen ermordeten Menschen waren Kleinunternehmer, die selbst für ihren Unterhalt sorgten und Steuern und Sozialbeiträge zahlten. Die Polizistin war eine deutsche weiße Frau. Zur Mordtatendarstellung wurde eine Comicfigur aus dem us-amerikanischen Raum verwendet.
    Wenn man sich mit Abscheu versucht in die Gedankenwelt dieser kranken Gehirne hineinzudenken kann man nicht erkennen welchen Sinn diese Taten haben sollten. Es handelt sich offenbar um die Taten pauschalisierender zutiefst primitiver Rassisten. Ähnlich dem Ku-Klux-Klan. Bei Nordkreuz Mitgliedern und Sympathisanten sowie ähnlichen Organisationen handelt es sich um höchst gefährliche Gruppierungen die mindestens genau so gefährlich sind wie die damalige RAF. Es ist dringend geboten diese höchst gefährlichen Personen aufzuspüren und am planen und ausführen weiterer terroristischer Mordtaten zu hindern. Dazu braucht es loyale Mitarbeiter mit demokratischer Gesinnung in allen Sicherheitsorganen.

  4. 2.

    Das ´Noch´ in der Überschrift trifft es auf den Punkt! Wieso sollten diese Netzwerke vor Bundesländergrenzen halt machen? Wenn schon Namen auf Listen aus Nordbrandenburg auftauchen. Ich hoffe, die Betroffenen werden informiert, um sich und ihr Umfeld, auf die potentiellen Gefahren vorzubereiten!
    Zudem sind weitreichende psychologische Studien nötig, warum gerade Polizisten, Soldaten und Justizangestellte immer wieder empfänglich sind für rechtsradikale, sadistische u.o. menschenverachtende Ansichten.
    Bei den Meldungen in letzter Zeit kommt der Gedanke auf, das die Polizei ein echtes Problem hat.

  5. 1.

    "200 Leichensäcke und Ätzkalk" vielleicht kommt es ja mal langsam an, dass die es ernst meinen.

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