Lebende Küken rutschen in Einer Fabrik von einem Fließband (Bild: imago/Stezycki)
Video: rbb|24 | 13.06.2019 | Bild: imago/Stezycki

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts - Massenhaftes Kükentöten bleibt weiterhin erlaubt

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass das massenhafte Töten von männlichen Küken erlaubt bleibt - allerdings nur übergangsweise. Und zwar so lange, bis das Geschlecht bereits im Ei bestimmt werden kann.

Geflügelbetriebe dürfen männliche Küken weiterhin kurz nach der Geburt töten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstagvormittag in Leipzig entschieden.

Das wirtschaftliche Interesse der Zuchtbetriebe sei zwar im Sinne des Tierschutzgesetzes für sich genommen kein vernünftiger Grund, der das Töten männlicher Küken rechtfertige, urteilten die Richter. Da aber voraussichtlich in Kürze alternative Verfahren zur Geschlechtsbestimmung der Tiere im Ei vorlägen, die das Töten der männlichen Küken unnötig machen, beruhe die bisherige Praxis "bis dahin noch auf einem vernünftigen Grund". Den Brütereien sei eine vorherige Umstellung nicht zuzumuten, erklärten die Richter. "Die Vermeidung einer solchen doppelten Umstellung ist unter diesen Voraussetzungen ein vernünftiger Grund für die vorübergehende Aufrechterhaltung der bisherigen Praxis", entschied das Gericht.

Tierschutzbund ist enttäuscht

Die Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Brigitte Rusche, zeigte sich enttäuscht davon, dass die "Tötung jetzt erst einmal so weitergeht wie bisher". Denn, so Rusche im Interview auf Phönix, es Stünde ja schon ein Verfahren zur Geschlechtererkennung zur Verfügung. Das sei für die beiden Brütereien, um die es jetzt ging, "leicht umsetzbar gewesen".

Niederlage für Nordrhein-Westfalen

Die Richter hatten abzuwägen, ob Brutbetrieben die Aufzucht der männlichen Tiere wirtschaftlich zuzumuten oder ob das Töten der Küken ethisch vertretbar ist. Männliche Küken sind für die Fleisch- und Eierproduktion ungeeignet. In der EU wird es deshalb geduldet, dass sie in der Legehennenzucht innerhalb von 72 Stunden nach ihrem Schlüpfen geschreddert oder vergast werden. In Deutschland werden laut Bundesagrarministerium jährlich rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet.

Nordrhein-Westfalen hatte das Kükentöten 2013 untersagt. Die Landkreise Paderborn und Gütersloh setzten die Verfügung um, zwei Brütereien klagten. Das Oberverwaltungsgericht Münster gab den Klagen statt: Die Aufzucht männlicher Küken bedeute für die Brütereien einen "unverhältnismäßigen Aufwand", urteilten die Richter. Hiergegen gingen die Landkreise in Revision, die nun in Leipzg verhandelt wurde.

In Brandenburg gibt es keine Brütereien

Direkten Einfluss hätte ein Verbot des Kükentötens vornehmlich auf Brütereien, in denen die Küken schlüpfen und dann je nach Geschlecht entweder aussortiert oder als Legehennen weiterverkauft werden.

In Brandenburg gibt es zwar keine Brütereien, wohl aber Betriebe, die Legehennen für die Eier-Produktion kaufen. Auf 47 Geflügelhöfen werden jedes Jahr um die 900 Millionen Eier von drei Millionen Legehennen gelegt. In der konventionellen Massenzucht wurde das männliche Äquivalent zu jeder dieser Hennen kurz nach dem Schlüpfen getötet.

Sendung: rbb24, 13.06.2019, 13 Uhr

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44 Kommentare

  1. 44.

    Je dogmatischer eine Lebenseinstellung wird, desto mehr läuft man Gefahr sich zu verrennen. Es müssen nicht alle auf alles verzichten, aber alle sollten weniger und bewusster konsumieren und sich nachhaltiger verhalten (in allen Bereichen des Lebens) und sich klar machen, dass es so nicht weitergeht. Billigkleidung geht auf Kosten von armen Menschen und deren Menschenrechten, unnötiges Autofahren auf Kosten der Umwelt und der daran erkrankenden Mitbürger und billige Eier verursachen Kükenschreddern.

  2. 43.

    Ich habe in meinem engsten Umfeld mehrere Vegetarier und zwei Veganerinnen. Die erste Zeit war schwierig, man wollte ja dafür sorgen, dass alle, z.b. bei Parties, nach ihrem Gusto versorgt werden. Wir fanden aber Wege. Wenn es dann aber soweit geht, dass, trotz aller Bemühungen das sorgfältig zu trennen, nichts mehr aus einer auch manchmal fleischverarbeitenden Küche angenommen wird, dann geht mir das auch zu weit. Das ist respektlos und unhöflich. Wenn vegan zu leben zur Obsession und Qual für die Anderen wird, hört‘s bei mir auch irgendwann auf. Seitdem die ersten Eier-Skandale bekannt wurden, hätte der Verbraucher reagieren müssen. Wer aber nach kurzer Zeit vergisst und ohne darüber nachzudenken wieder die Eier dieser armen Geschöpfe kauft, soll sich dann auch nicht künstlich echauffieren. Im Discounter werden Billig-Eier gekauft wie verrückt. Um das Schreddern zu verhindern, müsste es Boykotts geben. Da glaube ich nicht dran. Daher wird sich nichts daran ändern. Ist eine rein wirtschaftliche Entscheidung, männliche Küken großzuziehen lohnt nicht. Nimmt Platz weg, kostet Geld und Arbeitskräfte, bringt unter‘m Strich nichts ein. Das ist die kaufmännische Sichtweise. Wir Verbraucher machen das möglich...

  3. 42.

    Hier mit warne ich Sie vor Veganern. Gut so? :-]] Ich weiß was Sie meinen. Jeder nach seiner Facon... Ich mag es auch nicht, wenn man mir den Lebensstil vorschreiben will. Leider wollen einen manche Menschen missionieren

  4. 40.

    Saisonal, regional, nachhaltig, bio und Fleisch und Eier so wenig wie möglich und vom vernünftigen Händler. Alles richtig, der Trend geht auch immer mehr dahin. Gut so!! Penetrant, diktatorisch und aggressiv Menschen dagegen zur veganen Lebensweise zwingen zu wollen geht gar nicht. Und sich selber als perfekter Gutmensch hinzustellen und andere abzuwatschen, das ist anmaßend und geht zu weit. Man muss auch die Kirche im Dorf lassen, egal wie gut man es meint. Ich schließe mich zudem vielen Vorrednern an, die verständliche Aufregung in Ehren, aber solange im Discounter die Billig-Eier gekauft werden, tut man seinen Teil zum Schreddern der männlichen Küken dazu. Nicht bewußt, aber so ist es. Einfach weniger Wurst, Fleisch und Eier, dafür gezielter und bewußter einkaufen und konsumieren. Das sollte unser aller Bestreben sein.

  5. 39.

    Das sehe ich genauso. Leider sind viele vegan lebende Menschen extrem militant und unnachgiebig in ihrer Haltung. Geringer, qualitativ hochwertiger Fleischverzehr und Eier von artgerecht gehaltenen und ernährten Hühnern, da ist nichts gegen zu sagen. Zwangaft-aggressiv alle jetzt zu Veganern machen zu wollen ist naiv und sinnfrei. Es muss schon die Toleranz untereinander herrschen, den Anderen sein zu lassen, wie er es meint. Das ist wie mit ehemaligen Rauchern-aus Frust dieser Sucht nicht mehr nachgehen zu können oder wollen, sind die am erbarmungslosesten^^. Schönes Wochenende, Lothar :-)

  6. 38.

    Lothar/Berlin-Charlottenburg Freitag, 14.06.2019 | 09:22 Uhr

    "...Aber diese Veganer gehen mir voll auf den Senkel. "
    Ja, finde ich auch, die sind so ekelhaft konsequent.

    "Man warne mich vor solch Fanatiker." Äh, wie meinen??

    " Es geht ja dabei nicht bloß um die Ernährungsweise, sondern um einen ganz besonderen Lebensstil." Ja, einfach widerlich, die ziehen ja nicht mal Sachen an, die von zerstörten Tieren gemacht sind, essen keine Eier, für die die 45 Millionen Brüderchen sofort illegal (ohne wirklich "vernünftigen Grund")zerstört werden, die anderen 45 Millionen Schwestern bis zur völligen Erschöpfung zum Eierlegen missbraucht werden, um dann ebenfalls zerstört zu werden.

    " Und den finde ich anmaßend. " Ja, so ein Lebensstil, der Tierleben respektiert ist natürlich des Teufels und so was von anmaßend - einfach ekelhaft!

    Aber es bleibt dabei:

    Egal ob Eins, ob Zwei, ob Drei oder Vier,
    nur Vegan schützt Klima, Meer, Mensch und Tier!

  7. 37.

    Hallo Marion.
    Vegetarier zu werden, halte ich für angebracht und sehr vernünftig. Aber diese Veganer gehen mir voll auf den Senkel. Man warne mich vor solch Fanatiker. Es geht ja dabei nicht bloß um die Ernährungsweise, sondern um einen ganz besonderen Lebensstil. Und den finde ich anmaßend.

  8. 36.

    Chrissy.Donnerstag, 13.06.2019 | 18:40 Uhr
    " @EUROPASTOLZ: ..., aber die Welt wird damit auch nicht gerettet."

    Das hängt ganz von der Perspektive ab: Für ein lebendiges Wesen , das den nächsten Tag erleben darf, weil Sie es nicht vernichtet haben, existiert die ganze Welt auch an diesem nächsten Tag noch. Für das von Ihnen / in Ihrem Auftrag vom Schlachter oder einer billigen Hilfskraft am Boden zerschmetterte oder sonstwie zerstörte Tier erlischt diese Welt vollständig.

    Und am Ende retten wir vielleicht durch Ressourcen- und Klimaschonung auch unsere - obwohl es dafür schon reichlich spät ist. Das Ergebnis werden wir in voller Härte selbst kaum noch erleben...

    "Wie sind die erste Generation der Menschen, die ihren Kindern nicht eine bessere Welt hinterlassen, sondern nur noch den Müll und die Abgase, die wir produziert haben."
    (Quelle sinngemäß: Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber)

  9. 35.

    Hilft nur eins: Vegetarier werden.

  10. 34.

    "Richtig. Der Verbraucher steuert den Markt. Wir könnten viel bewegen. @EUROPASTOLZ: Viele vegetarische und vegane Produkte hinterlassen nicht grad geringe CO2-Fußabdrücke. Ich respektiere diese Lebensweisen zutiefst, aber die Welt wird damit auch nicht gerettet."

    Die Ernährung an sich wird immer irgendeinen CO2 oder sonst einen Abdruck hinterlassen - ganz ohne geht nur als Veganer Stufe 7, die essen nur, was keinen Schatten wirft. Mit solchen Argumenten die vegane Ernährung an sich in Zweifel ziehen zu wollen, wobei nachweislich die geringsten Umweltschäden (ca 20 % des menschlichen Anteils des Klimawandels geht auf Tierhaltung zurück) und der geringste Ressourcenverbrauch (1kg Fleisch verbraucht z.B. 16000 Liter Wasser - vergleichen Sie mal mit einem Kilogramm Soja aus europäischer Produktion) sowie die definitiv geringste Produktion von Tierleid und Tiertod ausschließlich mit dieser Ernährung zu haben ist, empfinde ich gelinde gesagt als Provokation.

  11. 33.

    Chrissy.Donnerstag, 13.06.2019 | 18:40 Uhr

    " Es ist auch nichts gegen nicht so häufigen, nachhaltigen Fleisch-, Milch- und Eierkonsum zu sagen. Wie sich unsere Eltern und Großeltern ernährt haben: das ganze Tier wird verwertet und nur Sonntags gibt es Fleisch. Dann kann man sich auch öfter das gute Stück vom Metzger des Vertrauens leisten. Und Eier sollte man im Hof- oder Bioladen holen, von Hühnern gelegt, die ein gutes Leben haben. Dafür halt weniger. Die schmecken auch ganz anders. Ich habe eigene. Und den tollsten Dünger der Welt für meinen Garten inklusive^^"

    ...und male mir die Welt, wie sie mir gefällt...

    Die Zeiten, die Sie beschreiben sind lange vorbei!
    Hier geht es um massenhaftes, illegales Zerstören von lebensfähigen, gesunden Tieren aus Profitmaximierungsgründen. Nicht um eine "Heile-Welt-Landwirtschaft" aus dem Traumland.

  12. 32.

    Es ist so einfach billiger. Das ist der einzige Grund für diesen Mist. Es ist kostengünstig und wird von der EU auch noch gebilligt. Jeder zusätzliche Arbeitsschritt würde mehr kosten, soll also wegfallen.

  13. 31.

    Das war vorher klar. "In der EU wird es deshalb geduldet, dass sie in der Legehennenzucht innerhalb von 72 Stunden nach ihrem Schlüpfen geschreddert oder vergast werden." So eine EU braucht man nicht.

  14. 30.

    Heute wurde im swr berichtet von 2 Bio-Landwirten mit total unterschiedlichen Ansichten. Der eine war für die Tötung, solange es noch keine andere Möglichkeit gibt, ob das Ei männlich oder weiblich ist, weil ein männliches Küken fast die doppelte Menge SOJA benötigt, was in Südamerika etc. angebaut und dann eingeführt werden muß. Er befürwortete die rasche Einführung der Geschlechtsfeststellung bereits beim Ei.
    Der andere Bio-Landwirt war für die Aufzucht der männlichen Küken und dann für den Verkauf zur Herstellung von Fertiglebensmittel wie Maultaschen etc. und auch dadurch für einen erhöhten Eierpreis von ca. 3 Cent pro Ei.
    Ich war seither immer für die Aufzucht der männlichen Küken, bin aber inzwischen etwas gespalten aufgrund der eingeführten enormen Sojamenge für die männlichen Küken, was auch nicht sehr umweltfreundlich ist.

  15. 29.

    Ich frage mich, welcher geniale Maschinenbauingenieur diese Schreddermaschine erfunden hat und welche Firma es herstellt. Herzlichen Glückwunsch an diese Industrie.

    Und dann auch noch, wer sie einsetzt.

  16. 26.

    Richtig. Der Verbraucher steuert den Markt. Wir könnten viel bewegen. @EUROPASTOLZ: Viele vegetarische und vegane Produkte hinterlassen nicht grad geringe CO2-Fußabdrücke. Ich respektiere diese Lebensweisen zutiefst, aber die Welt wird damit auch nicht gerettet. Es ist auch nichts gegen nicht so häufigen, nachhaltigen Fleisch-, Milch- und Eierkonsum zu sagen. Wie sich unsere Eltern und Großeltern ernährt haben: das ganze Tier wird verwertet und nur Sonntags gibt es Fleisch. Dann kann man sich auch öfter das gute Stück vom Metzger des Vertrauens leisten. Und Eier sollte man im Hof- oder Bioladen holen, von Hühnern gelegt, die ein gutes Leben haben. Dafür halt weniger. Die schmecken auch ganz anders. Ich habe eigene. Und den tollsten Dünger der Welt für meinen Garten inklusive^^

  17. 25.

    Sehr traurig. Und schuld ist mal wieder der Verbraucher. Solange Fleisch für Preise gekauft wird, bei denen man sich fragen muss, wie das für so wenig Geld produziert werden kann, wird sich nichts ändern.

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