Ein Denkmal auf dem Gelände der Liebfrauen-Schule in Berlin-Westend erinnert an den katholischen Pfarrer Bernhard Lichtenberg, der 1943 auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau starb. (Quelle: Pfarrer Lutz Nehk))
Audio: Inforadio | 01.06.2019 | Sigrid Hoff | Bild: Pfarrer Lutz Nehk

Denkmal für Bernhard Lichtenberg - Von Nazis deportierter Pfarrer wird für Einsatz für Juden geehrt

Der katholische Pfarrer Bernhard Lichtenberg prangerte die Judenverfolgung der Nazis an. Dafür wurde er selbst nach Dachau deportiert. Seit Montag erinnert ein Denkmal in Berlin-Westend an ihn – über das zuvor lebhaft diskutiert worden war. Von Sigrid Hoff

"Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", so steht es im Matthäus-Evangelium. Es war der Leitspruch des katholischen Priesters Bernhard Lichtenberg (1875-1943). Im Oktober 1941 zitierte er den Vers von der Kanzel und prangerte die staatlich befohlene Diffamierung jüdischer Mitbürger an. Bernhard Lichtenberg bekannte sich öffentlich zu den Verfolgten. Seinen Mut musste er mit dem Leben büßen, er starb 1943 auf dem Weg ins KZ Dachau.

Mit einem Denkmal will das Katholische Gymnasium Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg nun an ihn und sein mutiges Eintreten für jüdische Mitbürger erinnern. Denn der Charlottenburger Pfarrer hat unter anderem auch diese Schule gegründet.

Bedenken wegen des Judensterns

Entworfen wurde das zwei Meter hohe, aus zwei Stelen bestehende Denkmal von Pater Abraham Fischer. Der Mönch aus der Abtei Meschede hat es nach Vorschlägen von Schülern des Katholischen Gymnasiums gestaltet: Rechts ist der Schriftzug "Bernhard Lichtenberg" zu sehen, sein Leitspruch aus dem Matthäus-Evangelium an der Seite.

Auf der linken Stele weist ein Judenstern in leuchtendem Gold auf die Opfer hin. Daran entzündete sich eine lebhafte Diskussion. Viele Lehrer-Kollegen hätten Bedenken gehabt, den Judenstern einfach so zu präsentieren, sagte Schulleiterin Cornelia Wehr. Denn sie hätten es als nationalsozialistisches Symbol empfunden, das nicht ohne Kommentar präsentiert werden sollte.

Gitterstäbe über Judenstern und Namenszug

Auch in der Schulkonferenz, einem Gremium, in dem Eltern, Lehrer und zwei Schüler vertreten sind, wurde kontrovers diskutiert. Anton Drooff, Jahrgangssprecher der 11. Klasse, nahm an der Sitzung teil. Ihn haben die Argumente der Eltern überrascht, die den Judenstern auf dem Denkmal als Zumutung empfanden: "Die haben angeführt, dass es für die Schüler, die da jeden Morgen langgehen sollen, vielleicht nicht so schön ist, daran erinnert zu werden", sagte Drooff. Nach Ansicht der beiden Schülervertreter häen die Schüler kein Problem mit dem Denkmal haben. "Wir haben insgesamt sehr lange darüber diskutiert, kamen dann aber zum Ergebnis, dass das für alle so erstmal okay wäre, wie es jetzt ist", so Drooff.

Ergebnis der Diskussion war, dass die Denkmalgestaltung noch einmal überarbeitet wurde. Der Künstler entwarf feine Gitterstäbe, die jetzt wie ein Netz sowohl über dem Judenstern als auch über dem Namenszug von Bernhard Lichtenberg liegen. Lutz Nehk, der Beauftragte für die Erinnerungskultur, begrüßt diese Veränderung. Die Gitter würden noch einmal deutlich machen, "dass es eine Schicksalsgemeinschaft von Bernhard Lichtenberg und den verfolgten Juden gibt, dass sie beide in den Bereich des Todesschattens gestellt wurden und dass nun auf beiden Teilen der Stele korrespondierende Elemente sind".

Ein Mahnmal auch gegen neuen Antisemitismus

Für den Schüler Anton Drooff war die Deutung zunächst nicht klar. "Ich wusste am Anfang nicht, was ich da reininterpretieren sollte." Er habe anfangs gedacht, die Gitter sollten das Denkmal vor Verschandelung zu schützen, so Drooff. "Aber dann haben mir andere erzählt, was sie reininterpretieren, das finde ich gut."

Vor einer möglichen Schändung, betont Schulleiterin Cornelia Wehr, habe die Schule keine Angst. Sie will mit dem Mahnmal auch ein Zeichen setzen gegen neuen Antisemitismus und Nationalismus.

Beitrag von Sigrid Hoff

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7 Kommentare

  1. 7.

    Finde das Denkmal ganz gut gelungen, bis auf die Gitter. Ich denke, hier wäre jeweils ein stilisierten Stacheldraht-Lagerzaun eingängiger in der Aussage gewesen. Schließlich wurden diese Menschen nicht nur einfach eingesperrt sondern systematisch in Lagern ermordet. Es ist zudem ganz klar zu begrüßen, dass alle Beteiligten so intensiv eingebunden wurden, insbesondere die Schüler. Das ist politische Bildung, wie sie sein sollte! Gut gemacht!

  2. 6.

    Nicht nur der schrecklichen Zeit ist zu gedenken, sondern was in der Zeit von 1933-1945 mit den Opfern des Nationalsozialismus im Einzelnen geschah. Im konkreten Zusammenhang des Wirkens vom seliggesprochenen Domprobst Lichtenberg erscheint das Museum Lichtenberg im Stadthaus von Bedeutung zu sein. http://www.museum-lichtenberg.de/index.php/ns-widerstand-und-verfolgung/namensliste/447-bernhard-lichtenberg-1875-1943

  3. 5.

    Die Diskussion ist verständliche. Der Judenstern ist nunmal ein Symbol der Nazis zur Kennzeichnung von Juden. Ihn an eine Stele anzubringen ist nicht selbsterklärend, zumal Neonazis dieses Symbol an Gräber schmieren und diese dadurch verunstalten. Aber nun ist das geklärt und somit als Gedenkstätte eine rundum gute Sache. Gedenken an diese schreckliche Zeit kann es nie genug geben.

  4. 4.

    Der Davidstern ist Bestandteil des Flagge Israels und gehört somit zum Staat Israel wie zum Volk der Menschen jüdischen Glaubens. Ein sogenannter Judenstern wurde damals von den Nationalsozialisten missbraucht. Ich finde, diese Fakten gehören zum Allgemeinwissen und bedürfen keiner notwendigen Erwähnung auf dem Denkmal. Gelobt sei Jesus Christus!

  5. 3.

    Danke für Ihren offenen und ehrlichen Kommentar. Meine Mutter hat die NS-Zeit bis zu ihrem Tod im letzten Jahr nie verkraftet. Das prägte mein ganzes Leben. Ihr wurden als Kind alle Freundinnen genommen.und deren Familien. Sie waren Juden. Den Kontakt zu meiner Schwiegermutter brach ich ab, weil sie immer wieder den Holocaust leugnete und H. zu entschuldigen versuchte. Das wurde mir dann zuviel und ich wollte auch nicht, dass sich meine Kinder in so einem Umfeld aufhielten. Jetzt sind sie erwachsen und dankbar, dass ich sie davor verschonte. Jede Form des Gedenkens und Bedauerns über diese dunkle, böse Zeit in Deutschland ist wichtig! Wir dürfen nie vergessen.

  6. 2.

    Traurig, dass es da noch Grund für Diskussionen um ein solches Denkmal gibt, ausser derer, was die Gestaltung betrifft.
    Ich kann Eltern nicht verstehen, die Bedenken vor Erinnern äußern.
    Dann sollten diese Eltern mal nach Y'ad Vashem eingeladen werden.
    Mein Großvater war bis zu seinem Tod ein glühender Verfechter der Nazis, insbesondere vom so genannten Führer: er kam als Landser in russische Kriegsgefangenschaft, wurde schwer verwundet und ich konnte bis zum Schluss seinen Glauben an Volk, Führer und Vaterland nicht nachvollziehen, obwohl er als "Frontschwein" von den Gräueltaten wissen musste.
    Ich habe ihn nie gemocht, sogar abgelehnt und gehasst.
    Dieses Denkmal verdient es, aufgestellt zu werden: im Gedenken für die Mutigen, die in einer Schreckensherrschaft ihre Einstellung zu Verfolgten und ihrem Glauben nicht verstecken, die dafür leiden, oder sogar sterben müssen.

  7. 1.

    Alle sind gleich, nur einige sind gleicher.

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