Polizeibeamte der Fahrradstaffel stehen am 05.04.2016 in der Karl-Marx-Allee in Berlin bei einer Polizeikontrolle zusammen (Quelle: DPA/Tomas Moll)
Audio: Radioeins | 05.06.2019 | Interview mit Rainer Paetsch | Bild: dpa

Interview | Berliner Polizeihauptkommissar - "Die Polizei ist auf dem Fahrrad einfach schneller und direkter"

Für 20 Polizeibeamte in Berlin-Mitte gehören Helm und Radlerhose zur Uniform, bisher ein Experiment. Polizeihauptkommissar Rainer Paetsch sieht die Fahrradstaffel rundherum als Erfolg. In Zukunft sollen auch in Friedrichshain-Kreuzberg Polizisten mit dem Rad Streife fahren.

rbb: Lassen sich Radfahrer von Fahrradpolizisten wirklich eher etwas sagen als von der Polizei im Streifenwagen?

Paetsch: Das ist tatsächlich so. Das ist unsere Erfahrung aus den vergangenen Jahren. Offensichtlich ist hier ein sehr viel größerer Respekt und auch eine größere Akzeptanz gegeben, weil man auf Augenhöhe miteinander sprechen kann. Beide wissen, worum es geht. Man akzeptiert sich, man kennt sich inzwischen auch in den entsprechenden Stadtteilen. Insgesamt ist das ein hervorragender und auch so gewollter positiver Effekt, den wir uns so versprochen haben.

Mal abgesehen von der Akzeptanz. Was kann denn die Polizei auf dem Rad, was die Polizei im Auto nicht kann?

Sie ist auf dem Fahrrad einfach schneller und direkter ansprechbar für die Bürgerinnen und Bürger. Eine Funkstreife fährt vorbei. Man kann rufen, man kann winken, möglicherweise erkennt sie es oder sie ist abgelenkt, hat einen Auftrag, wie auch immer. Für Verkehrsteilnehmer, für Bürger und insbesondere für Touristen ist es sehr viel leichter einen solchen Fahrradpolizisten oder eine Kollegin anzusprechen. Die können schnell mal anhalten und haben auch immer ein Ohr. Das macht die Sache so einfach, und das ist auch der einsatztaktische Erfolg, der hinter dieser Fahrradstaffel steckt.

Wird denn durch mehr Fahrradpolizei auch der Verkehr für die Radfahrer sicher? Wird darauf noch mal ein bisschen genauer geachtet?

Aber ja, natürlich. Das ist ja das Aufgabengebiet unserer Fahrerstaffel, die sich um das Fehlverhalten von Radfahrern, aber auch das typische Fehlverhalten gegenüber Radfahrern konzentriert. Die Unfallbekämpfung insbesondere im Zusammenhang mit dem Radverkehr ist ihre Hauptaufgabe. Das ist auch ihr Erfolgsgeheimnis: Dass sie sich nur darum kümmern muss ganzjährig. Insofern hat sie hier genau diese Effekte erzielt. Nämlich einen Rückgang von Unfallzahlen an Unfallschwerpunkten im Einsatzgebiet. Und das hoffen wir, auch künftig so fortführen zu können in anderen Stadtteilen.

Das klingt alles so gut. Warum gibt es das nicht in allen anderen Bezirken auch, statt wie bisher nur in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg?

Das klingt nicht nur so gut. Das ist tatsächlich so gut, wie es sich anhört. Diese Fahrradstaffel ist eine wirkliche Erfolgsgeschichte. Aber man muss auch die Realitäten des Polizeidienstes berücksichtigen. Und zwar insofern, dass Personalressourcen natürlich nicht im unbegrenzten Maße zur Verfügung stehen. Das Personal, das in der Fahrradstaffel tätig ist, ist aus örtlichen Basisdienststellen abgezogen worden. Ehe wir das, wie geplant, in den Folgejahren sukzessive aufstocken können, bedarf es eines entsprechenden Personalansatzes für die Polizei. Dann wird auch das Einsatzgebiet entsprechend ausgeweitet.

Das heißt, da kommt noch mehr?

Da kommt noch mehr, ganz genau.

Was gehört dann zur Ausstattung der Fahrradstaffel? Ein eher gemütliches Hollandrad oder ein Rennrad für die Verfolgungsjagd?

Wir haben uns bei Projektbeginn für normale Trekking-Räder entschieden. Die werden zum großen Teil immer noch gefahren, trotz der hohen Beanspruchung. Die haben sich in der Praxis auch bewährt. Wir haben zusätzlich auch Pedelecs, auch deshalb, um im polizeilichen Einsatz Erfahrung konzentriert sammeln zu können. Um auch den zunehmenden Pedelec-Verkehr in der Stadt auf Augenhöhe begegnen zu können. Um auch zu wissen, worauf es ankommt, um verbotene Tuning-Maßnahmen schneller entdecken zu können. Wir haben ein Lastenrad, um Transporte durchführen zu können mit Materialien. Wir haben auch hier Erfahrungswerte gesammelt und können dem interessierten Verkehrsteilnehmer auch Tipps geben.

Bei diesem Interview handelt es sich um eine redigierte Fassung. Das Gespräch führte Sophia Wetzke für Radioeins.

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17 Kommentare

  1. 17.

    Sehr richtig. Fahrradpolizeistreife und gut ist’s. Wird sowieso schon vieles bei uns verdinglischt. Wenn ich schon Backshop, anstelle von schlichtweg Backwaren lese, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Nur so ein Beispiel.

  2. 16.

    Wen soll das ansprechen? Die Generation unter 25, die Englisch gleich des Deutschen spricht?

    Wenn Sprache nicht nur etwas für den Kopf sein soll und Verhaltensänderungen nicht nur eine Sache des Kopfes sind, glaube ich nicht, dass das insgesamt eine Wirkung hat. Ich halte von Cycle Cops überhaupt nichts Es löst bei mir nichts aus. Null Komma gar nichts.

  3. 15.

    Ich wäre für die Einführung des Terminus "Cycle-Cops" (Plural).

  4. 14.

    Nicht oft in Schöneberg und Charlottenburg unterwegs, nehme ich an^^. Hier besteht auch großer Bedarf an Polizeipräsenz. Zugeparkte und -gemüllte Radwege und blockierte Busspuren gehören hier inzwischen auch schon zum Standard, genauso wie Falschparker und radelnde Rotsünder.

  5. 12.

    "Es bedarf eines speziellen Personalansatzes...". Ja. Das Bedarf es. Eigentlich schon seit Jahren. Ich bin in der letzten Zeit beruflich oft in Nord-Neukölln unterwegs. Da herrscht Ausnahmezustand. Jeder parkt wo er will, unzählige Radler fahren auf den Gehwegen, die ohnehin proppevoll sind mit Waren, Aufstellern, Schildern, parkenden Rädern, Mopeds und auch Autos und es heißt jeder gegen jeden, vorankommen um jeden Preis. Das Ordnungsamt ist hoffnungslos überfordert und unterbesetzt und die Polizei zeigt meist nur im direkten Not-Einsatz Präsenz, können sich dann natürlich nicht um Ordnungswidrigkeiten kümmern, die offen ersichtlich alle paar Meter vorzufinden sind. Auch dort wohnen seriöse, fleißige Bürger, die gerne mehr Struktur und Ordnung in ihrem Umfeld hätten. Das mit dem neuen Personal dauert noch Jahre? Eine Katastrophe. Radelnde Polizisten, die dort kreuz und quer, auch in den kleinen Straßen, Präsenz zeigen, wären jetzt schon bitter nötig.

  6. 11.

    Schöneberg ist ja auch nicht Mitte oder Xhain. Um die Busspuren soll die BVG sich irgendwann selber kümmern dürfen. An den Bushaltestellen muss dann aber doch wegen der häufigen Gefährdung der Fahrgäste die Polizei verstärkt aktiv werden.

  7. 10.

    Schön, dass endlich etwas passiert. Bisher, so mein Eindruck, ist sowohl in Berlin als auch in Potsdam das Thema eher halbherzig angegangen worden. Sprich: Der Radverkehr ist nicht als vollwertiger Verkehr begriffen worden, der a) den Übergriffen anderer Verkehrsteilnehmer ausgesetzt ist, b) als auch hier, dass dessen "Ausübende" zuweilen über die Strenge schlagen.

    Die Planung hört sich auf jeden Fall vielversprechend an.

  8. 9.

    Eine wirklich gute Geschichte!
    Leider viel zu wenige. Es sollten sich doch auf jedem Abschnitt ein paar willige und sportliche Beamte finden lassen, die den Weg durch ihr Revier mit dem Fahrrad finden. Per pedes wäre auch eine Idee. Und dann aber konsequent, weil „ablenken lassen“ dann nicht mehr zählt.

  9. 7.

    Wenn die Fahrradstaffel bei ber Polizei so gut ankommt, wann werden endlich beim Ordnungsamt die Autos abgeschafft und endlich per Fuss oder Fahrrad kontrolliert. Erstens ist das was für die Gesundheit und man kann was Erkennen beim ruhenden Verkehr. Wenn man nur per Auto spazieren fährt, kann man nicht sehen.

  10. 6.

    Hier im Artikel steht, dass es erstmal leider nicht mehr Personal gibt. Am Kotti sind die schon mal zur Freude der Fußgänger gewesen - leider nur kurz - und haben festgestellt, dass es viel zu tun gäbe.

  11. 5.

    Begrüßenswert
    Überfällig
    Dringend notwendig
    Bitte für alle Innenstadtbezirke übernehmen.

  12. 4.

    Wünsche viel Erfolg und eine Senkung der Unfallzahlen. Besonders die Abbiegeunfälle von LKW und PKW mit ihren schlimmen Folgen können hoffentlich gesenkt werden. An alle Radfahrer, die gleichberechtigt beachtet werden möchten: Es ist falsch und gefährlich auf Gehwegen zu fahren, vor allem mit deutlich mehr als Schrittgeschwindigkeit. Damit macht man keine Werbung für das Fahrzeug Fahrrad was im Innenstadtbereich bzw. auf Kurzstrecken den Autoverkehr notwendig und nützlich minimieren soll.

  13. 3.

    Eine sehr begrüßenswerte Sache. Jeder Regelverstoß im Straßenverkehr, jede Sekunde Unaufmerksamkeit mit einem Fahrzeug mit Geschwindigkeit kann für andere Verkehrsteilnehmer schlimme gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Wenn man sich die minütlichen Regelverstöße an Berliner Kreuzungen ansieht bräuchte man viel mehr Personal. Hoffentlich gibt es bald in allen Berliner Bezirken solche Fahrradstaffeln. Zumindest an großen Kreuzungen müssen sie viel öfter präsent sein. Auch um extrem risikofreundliche Radfahrer vor sich selbst zu schützen und die Gesundheit von Fußgängern zu sichern. Eins habe ich in Berlin in vielen Lebensbereichen gelernt: Regelverstöße und rücksichtsloser Egoismus lassen sich nur minimieren wenn die Wahrscheinlichkeit für sein Fehlverhalten bestraft zu werden wesentlich erhöht wird. Ohne umfangreiche Kontrollen geht es LEIDER in Berlin nicht.

  14. 2.

    Hallo Mike,
    das sind durchaus berechtigte und interessante Fragen. Wir bleiben an dem Thema dran.
    Viele Grüße,
    das Team von rbb|24

  15. 1.

    @Fahrradstaffel der Polizei: Danke und herzlich willkommen! Gerne öfter am Kotti und in der Oranienstraße vorbeischauen ;) @rbb Wann erfolgt der geplante Einsatz in allen Berliner Bezirken? Jahreszahl?! Welche Bezirke folgen als nächste? Wann der Letzte? Weiß das vielleicht die Polizeipräsidentin / RRG? Bin gespannt, ob es da tatsächlich einen wirksamen Plan gibt. Denn 2017 hieß es frühestens 2019/20 werde das Personal aufgestockt [!!!]. Gibt es jetzt mehr Personal als die bisherigen 20 Fahrradpolizist*innen? Oder wurde nur das Einsatzgebiet vergrößert? "Nach Angaben des Chefs der Verkehrspolizei, Andreas Tschisch, könne das Personal frühestens 2019/20 aufgestockt werden - wenn denn die Politik die nötigen Stellen finanziere. ... Wenn die 20 Radpolizisten neben Mitte weitere Innenstadtbereiche übernähmen, wäre die Fahrradstaffel als solche nicht mehr wahrnehmbar." https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/studie-der-unfallforschung-fahrradstaffel-war-erfolgreich/20562240.html

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