Ein Algenteppich der Schraubenalge ist auf einem Teich sichtbar (Bild: dpa/F. Hecker)
Bild: dpa/F. Hecker

Vorgaben zu Wasserqualität verfehlt - Viele Brandenburger Gewässer sind schadstoffbelastet

Dünger und Pestizide aus der Landwirtschaft belasten viele Seen, Flüsse und Bäche in Brandenburg. EU-Vorgaben werden nach Angaben des Umweltministeriums bei zahlreichen Gewässern verfehlt.

Viele Seen, Flüsse und Bäche Brandenburgs sind noch immer zu stark mit Schadstoffen aus der Landwirtschaft belastet. Das räumte das Umweltministerium in Potsdam auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Benjamin Raschke hin ein. [parlamentsdokumentation.brandenburg.de]

Bereits 2015 hatte Brandenburg die zuvor von den EU-Mitgliedsländern vereinbarten Ziele für einen besseren Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers weit verfehlt. Ursache waren vor allem Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft. Unter anderem Gewässerrandstreifen sollten helfen, die Wasserqualität zu verbessern. Doch ein durchschlagender Erfolg blieb offenbar aus.

Auch in anderen EU-Ländern schlechte Wasserqualität

In seiner Antwort bezog sich das Ministerium nur auf Gewässer, für die die Ziele nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gelten. In Brandenburg betrifft das rund 4.500 der insgesamt 32.000 Kilometer Fließgewässer und 190 der mehr als 3.000 Seen.

Da sich auch die Gewässer in anderen EU-Ländern in einem schlechten Zustand befanden, war bereits 2005 vereinbart worden, dass bis 2027 alle Maßnahmen eingeleitet werden müssten, um die sogenannten WRRL-Ziele zu erreichen.

57 Prozent der Seen sind nicht in gutem Zustand

Ende Mai teilte das Ministerium in einem Bericht im Agrarausschuss des Landtages mit, dass die WRRL-Ziele in Brandenburg "auch wegen diffuser Nährstoffeinträge in die Gewässer aus der Fläche nicht erreicht" würden. 49 Prozent der WRRL-berichtspflichtigen Fließgewässer verfehlten demnach einen guten Zustand wegen zu hoher Belastungen durch Stickstoff und 67 Prozent wegen zu starker Phosphoreinträge.

"Auch 57 Prozent der berichtspflichtigen Seen erreichen den guten ökologischen und chemischen Zustand als Bewirtschaftungsziel nicht", heißt es in dem Bericht. Raschke zeigte sich überzeugt: "Bei den anderen Gewässern sieht es nicht anders aus."

Nach Angaben der Umweltorganisation WWF vom November 2018 sind nur vier natürliche märkische Seen in einem sehr guten ökologischen Zustand. Bei 23 berichtspflichtigen Seen sei der Zustand schlecht. Dies treffe auch auf auf 12 der 40 bewerteten Grundwasservorkommen zu. Bei 40 Prozent besteht laut WWF sogar das Risiko, "den guten chemischen Zustand künftig nicht zu erreichen".

Umweltverbände fordern breiteren Gewässerrandstreifen

Nach Ansicht Raschkes würden auf zehn Meter verbreiterte Gewässerrandstreifen helfen, die Schadstoffe wirksam zu verringern. Düngemittel und Pestizide dürfen auf diesen Streifen nicht mehr ausgebracht werden. "Wissenschaftlich ist erwiesen, dass die Einträge von Dünger und Pestiziden mit jedem Meter Randstreifen um rund zehn Prozent abnehmen."

Auch die aktuelle Volksinitiative von Umwelt- und Naturschutzverbänden Brandenburgs zum Schutz von Insekten fordert zehn Meter breite Gewässerrandstreifen. Der Bericht des Umweltministeriums Ende Mai im Agrarausschuss verweist ebenfalls auf Studien, die belegen, dass ein nennenswerter Effekt erst ab zehn Metern Breite einsetze.

Bislang aber hält die Landesregierung an einer Regelung für fünf Meter breite Streifen fest, die laut Raschke obendrein nicht verbindlich sei. Nach der Landtagswahl im September müsse es daher zu einem neuen Landeswassergesetz kommen, "damit die für 2027 vorgesehenen Ziele endlich wirksam angegangen werden", fordert Raschke. Auf jeden Fall müsse verhindert werden, dass es – wie von Umweltverbänden befürchtet – bei der Überprüfung der WRRL-Ziele durch die Europäische Kommission in diesem Jahr zu einer Fristverlängerung oder gar zu Abstrichen komme.

Sendung: Inforadio, 10.06.2019, 14 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

7 Kommentare

  1. 7.

    Bei der Wasserqualität in den Gewässern und im Grundwasser geht es um unsere Lebensgrundlage. Wasser ist die Basis allen Lebens auf diesem Planeten. Die fortgesetzten Schadstoffeinträge stellen eine Gefahr dar. Die langfristig schädlichen Gifte sammeln sich nicht nur im Boden sondern auch im Grundwasser und im Meer an. Hoffentlich bekommt Brandenburg ein eigenständiges Umwelministerium, das seine Verantwortung beim Gewässerschutz ernst nimmt und die notwendigen Schritte geht.

  2. 6.

    Die Meldung ist natürlich nicht zufriedenstellend. Aber da ich mit diesem Thema fachlich so einiges zu tun habe, muss man schon die Interpretation etwas richtigstellen. Heute im Radio wurde bei RS 2 gemeldet, im Gegensatz zu Berlin seien die Brandenburger Gewässer schlechter. Man hat aber nicht die WRRL-Einschätzung in Berlin der in Brandenburg gegenüber gestellt, außerdem sind in Berlin nur wenige Seen WWRL-berichtspflichtig.
    Also Leute: baden kann man trotz der unbestritten bestehenden Probleme durch Nährstoffeinträge in den allermeisten Brandenburger Seen und vielen anderen Gewässern keinesfalls schlechter oder gefahrvoller als in Berlin. Der "ökologische Zustand" hat nur indirekt auch mit einer Beeinträchtigung der Badequalität zu tun, ist allerdings tatsächlich oft noch schlecht.. Viele Gewässer sind in der Tat in den letzten 30 Jahren deutlich besser geworden, alleine durch die seitdem um Welten verbesserten zentralen Abwasserklärung. Also: keine Panik!

  3. 5.

    Welche Gewässer sind denn in einem besonders schlechten oder guten Zustand? Es wurde doch immer gemeldet, Baden sei bedenkenlos an fast allen Badestellen möglich - und jetzt wieder so was.

  4. 4.

    Wohl wahr... Und wenn ich die Landwirte dann heucheln höre, neulich noch zum Artensterben, sie würden doch soooo viel für die Umwelt tun... genau, Gülle verklappen auf Wiesen am See, kurz bevor der Regen einsetzt, super! Ganz ganz toll...

  5. 3.

    Hoffentlich verbessern die Grünen die Situation egal in welcher Koalition.

  6. 2.

    In der Klimapolitik muss sich drastisch etwas ändern.
    Erster Schritt Verbot neuer Tagebaue und Abschaltung der dreckigsten Kohlebuden.
    Massiver Ausbau der EE, schafft Arbeitsplätze!!!
    Ökoabgabe die Vermeider belohnt.
    Ekelbilder auf Fleischprodukte aus Massentierhaltung
    Verbot von Glyphosat
    Verbot von Plastik Verpackungen usw. usf.
    Ja, Verbote. Das freiwilligkeits Gelaber von Union und FDP bringt gar nichts.
    Es gibt viel zu tun und ich sehe das nur die Grünen das wirklich wollen.

  7. 1.

    Solange in Brandenburg der Bereich „Umwelt“ dem Landwirtschaftsministerium untergeordnet ist, wird das auch so bleiben. Und wenn der Minister weiterhin Vogelsänger heißt, wird es eher noch schlimmer.

Das könnte Sie auch interessieren