Zwei Feuerwehrleute bewässern Straßenbäume im brandenburgischen Falkensee. (Quelle: dpa/Julian Stähle)
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Video: rbb Spezial | Sahara-Hitze | 26.06.2019 | Bild: dpa/Julian Stähle

Sahara-Hitze - Brandenburg bricht deutschen Hitze-Rekord für den Monat Juni

Der bislang gültige Hitze-Rekord für den Monat Juni ist Geschichte: Am Mittwochnachmittag wurden im ostbrandenburgischen Coschen 38,6 Grad gemessen, in Guteborn waren es sogar 39,3 Grad - fast ein Grad mehr als vor 72 Jahren in Baden-Württemberg.

Nie war es in Deutschland im Juni heißer: Im brandenburgischen Coschen (Oder-Spree), unweit der polnischen Grenze, ist am Mittwoch der bisherige Juni-Rekord gefallen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteile, wurden um 14.50 Uhr nach vorläufigen Angaben 38,6 Grad gemessen. Ebenso warm war es am Müggelseedamm im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick.

Der bisherige Rekord für den Monat Juni datierte laut der deutschen Wetterbehörde vom 27. und 28. Juni 1947. Damals waren im baden-württembergischen Bühlertal 38,5 Grad gemessen worden.

Noch höhere Temperaturen registrierte die private MeteoGroup, die rund 20 Messstationen in Brandenburg betreibt. Wie der zuständige Meteorologe rbb|24 am Abend sagte, wurden in Guben (Spree-Neiße) 39,2 Grad gemessen. In Guteborn (Oberspreewald-Lausitz) seien es sogar 39,3 Grad gewesen.

Hitzebedingte Fahrbahnschäden auf dem Berliner Ring

Der noch amtierende Ortsvorsteher von Coschen, Edmund Henze, zeigte sich überrascht. "Ich habe bei mir im Garten 34 Grad im Schatten gemessen", sagte er am Nachmittag. "Aber die Messstelle des Wetterdienstes ist in der Neiße-Niederung, da steht wahrscheinlich die Luft." Die 330 Einwohner des Dorfes seien extreme Temperaturen gewohnt, meinte Henze.

Auch auf dem südlichen Berliner Ring hat die Hitze zugeschlagen. Zwischen Rangsdorf und dem Schönefelder Kreuz hat sich in Richtung Frankfurt (Oder) die Fahrbahndecke der A10 angehoben. Nun wird der Straßenbelag in Richtung Westen, vom Schönefelder Kreuz bis westlich der Ausfahrt Rangsdorf, nach Angaben des Landesbetriebs Straßenwesen grundhaft erneuert.

DRK versorgt Fahrer im Stau mit Wasser

Seit Mittwoch sei die rechte Seite der Richtungsfahrbahn gesperrt, sagte der Sprecher des brandenburgischen Infrastrukturministeriums Brandenburg, Steffen Streu, am Mittwochnachmittag rbb|24. Nur die linke Spur sei befahrbar. Der Verkehr werde auf zwei Fahrspuren der rechten Richtungsfahrbahn (Richtung Osten) verlagert. Die Bauarbeiten sollen am 1. Juni starten und bis Jahresende dauern. "Die Hitze hat nach unseren Erkenntnissen das Schadensbild verstärkt", sagte Streu.

In dem Abschnitt war bereits damit begonnen worden, den schon früher entstandenen sogenannten Betonkrebs, die Folgen einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion, zu beseitigen. Allerdings waren bislang keine Behelfsspuren eingerichtet worden, so dass es am Mittwoch wegen der Sperrung zu einem kilometerlangen Stau kam. Zwischen den Fahrzeugen war das Deutsche Rote Kreuz unterwegs, um die die Fahrer mit Getränken zu versorgen.

Auch Berlin meldet einen neuen Hitzerekord

Auch in Berlin ist am Mittwoch bereits ein Hitzerekord gefallen: In Berlin-Tempelhof waren es um 14 Uhr 36,6 Grad gemessen worden. Der bisherige Spitzenwert für Juni stammte aus dem Jahr 2000 und betrug 35,9 Grad. Im Süden Brandenburgs wurden örtlich bereits 38 Grad gemessen - so in Guteborn/Lausitz und Altdöbern (beide Oberspreewald-Lausitz).

Die gute Nachricht: In der Nacht gelangen kühle Luftmassen nach Berlin und Brandenburg, am Donnerstag wird es mit Tageshöchsttemperaturen von 23 bis 26 Grad deutlich frischer. Die schlechte Nachricht: Bereits am Sonntag droht der nächste Rekord-Hitze-Tag: Dann könnte es erneut bis zu 39 Grad warm werden.

Erhöhte Waldbrandgefahr in berlin und Brandenburg

Brandenburgs Landeswaldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel warnte vor der nun weiter erhöhten Waldbrandgefahr. Aufkommende Winde stellten hier ein zusätzliches Risiko dar. Mit Ausnahme von Uckermark, Oberhavel und Prignitz gelten in allen Brandenburger Landkreisen die Waldbrandwarnstufen vier und fünf, das bedeutet hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr.

Die Feuerwehr in Brandenburg kämpft bereits seit Montagmorgen gegen einen Brand in der Lieberoser Heide. Am Mittwochvormittag konnte der Brand zwar zwischenzeitlich auf knapp 100 Hektar Fläche eingedämmt werden. Eine weitere wesentliche Besserung war bis zum Abend aber nicht in Sicht.

In Berlin hatte die Feuerwehr seit Dienstag einen Waldbrand im Grunewald bekämpft. Erst am Mittwoch konnten die Flammen gelöscht werden. Allerdings sei es möglich, das sich im Boden weitere Glutnester befinden, die einen erneuten Brand verursachen könnten, sagte die Berliner Feuerwehr dem rbb. Daher sei weiterhin ein Löschfahrzeug im Einsatz, hieß es. Dies solle eventuell neu auflodernde Flammen sofort löschen. Noch am Mittwochmittag waren rund ein Dutzend Feuerwehrkräfte zur Brandwache im Einsatz.

Andere hitzebedingte Einsätze - wie etwa die Rettung eines Tieres aus einem überhitzten Auto - habe es bis dahin aber noch nicht gegeben. Wie viele Rettungseinsätze auf die hohen Temperaturen zurückgingen, ließe sich nicht ermitteln. Die Gesamtzahl der Einsätze lag auch in den vergangenen beiden Tagen im üblichen Durchschnitt von knapp 1.500 pro Tag.

Vorsorge und zusätzliche Wartung bei der Bahn

Auch die Deutsche Bahn wappnet sich gegen die Hitze und ihre Folgen für den Betrieb. In Berlin und Brandenburg seien in den vergangenen Wochen gezielte Wartungsarbeiten erfolgt, von denen ein Großteil auf die Klimaanlagen in den Fahrgastbereichen in Zügen entfalle, teilte der Staatskonzern mit. Kaputte Klimaanlagen in den Zügen sind immer wieder ein Thema.

Laut Bahn ist die komplette ICE-Flotte mit Klimaanlagen ausgestattet - ebenso wie 93 Prozent der IC-Züge. Im Regionalverkehr sind es gut 80 Prozent der Züge. Altfahrzeuge werden nach und nach durch neue Züge mit Klimaanlagen ersetzt.

Doch nicht nur in den Zügen arbeitet die Bahn an den Klimaanlagen. Auch bei der Leit- und Sicherungstechnik werden den Angaben zufolge regelmäßig Klimaanlagen in Stellwerken überprüft, um Ausfälle zu vermeiden. Temperatursensoren sollen zudem Meldungen in Anlagen auslösen, wenn bestimmte Werte überschritten werden.

Sendung: Abendschau, 24.06.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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76 Kommentare

  1. 76.

    Lieber Nutzer Lothar,

    es geht nicht darum, irgendeine "Kritik an Deutschtürken zu zensieren". Ihr letzter Beitrag war nur zu weit vom eigentlichen Thema dieses Artikels entfernt.

    Viele Grüße
    Ihre rbb|24-Redaktion

  2. 73.

    Waschlappen aus Frottee leicht nass machen und in den Tiefkühler. Wenn ich zu Bett gehe, lese ich immer noch ein paar Seiten. Das gefrorene Teil auf die Stirn oder in den Nacken, kühlt wunderbar den ganzen Körper runter. Zudem vor der Nachtruhe ein kaltes Fußbad. Gut für den Kreislauf, entspannt, kühlt runter. Das sind Tipps meiner Großmutter, die-bei uns zumindest-immer noch wunderbar helfen. Denn: Sonntag wird‘s wieder knackig warm! Es war erholsam einfach einmal einen freundlichen Austausch hier zu lesen. Und man lernt ja nie aus ;-) Danke auch an die Anderen für die Tipps!

  3. 72.

    @Lothar: gerne :). Mit der Blumenspritze ist ja sogar bisschen Abseits der Elektronik im Büro umsetzbar. (Sehe schon die Spritzschlachten vorm geistigen Auge :D).

    Btw. und Stichwort Haustiere + Hitze: sebst meine Katze hat die Spritze an heißen Tagen durchaus genossen. Noch lieber allerdings mochte sie das "Ablecken" > nasser Waschlappen und dann so wie Ablecken das Fell befeuchten. Das hat sie mitgemacht, bis die obere Schicht wirklich klatschnass war!

  4. 71.

    rbb24 Redaktion,
    kann Ihre Zensur zu meinen Kommentar bezugnehmend dieser maßlosen Verschwendung von Alufolie und Plastikmüll wie eben bei türkischen Dönerbuden echt nicht nachvollziehen. Dabei ist es von mir nicht mal in irgendeiner Form diskriminierend gemeint. Wollte nur mal über diese Verschwendung dergleichen ein Beispiel bringen. Aber hier offen und kritisch über Missstände Deutschtürken etwas zu schreiben, ist schon immer beim RBB kaum möglich.

  5. 69.

    Genauso gehts mir auch :-) ich habe einfach keine Verwendung dafür, und sogar Rolläden an den Fenstern. Ich habe schon drei Sommer Kartoffeln darin eingewickelt und ins Feuer gepackt (danach gelber Sack). Und immer noch so eine volle Rolle.
    Ich habe mal diese Profi-Folie von dcfix aufs Fenster gepackt. Man kann durchschauen, dennoch hält sie Wärme ab. Das Glas wird sehr warm. Aber - es ist immer duster! So wie "schlechtes Wetter". Hat zu sehr genervt, habe ich wieder abgemacht.

    Es gibt Rollos, darüber eine Gardine, darüber ein Vorhang. Wenn man tatsächlich alle drei Schichten nutzt, bringt es auch was. Es gibt sogar Hitzeabweisende Vorhänge, die im Winter auch Kälte abhalten. Und Lärmschutz-Vorhänge. Ich war selber überrascht, was möglich ist.

  6. 68.

    Nun sein se mal nich so. Der eine kauft Ventilatoren, der Andere mobile Klimaanlagen, da ist eine Rolle Alufolie wirklich noch vertretbar. Oder essen Sie nur Beeren vom Strauch und leben im Zelt? ;-)

  7. 66.

    Nur so nebenbei bemerkt. Ich habe eine Alurolle schon seit Jahren fast ungebraucht herumzuliegen. Benutze diese so herzlich wenig, das sich schon Staub darauf abgesetzt hat. Soviel zum Thema Umweltfreundlichkeit.

  8. 65.

    Es geht schon, Ist nur etwas umständlich. Aber, wie schon hier angeführt auch nicht gerade Klimafreundlich. Stimmt schon.

  9. 64.

    „....Schotten dicht machen....“ Und nach dem Brexit? :-D Diese Klimanlage wurde heute auch in der Presse beschrieben. Weiß nicht mehr wo. Aber der Hinweis mit dem Ventilator ist vermutlich echt wichtig ... Faszinierend fand ich eine gegenteilige Aussage, einer Bauexperten, der vor der dadurch entsendenden Feuchtigkeit und Schimmelbildung in der Wohnung warnte. Fazit, egal was man vorschlägt, einer ist immer dagegen oder hat Bedenken. Schönen Abend

  10. 63.

    Genau, deswegen sind in DK 22, NL 15, N 15, GB 20, in den USA 22-25 Grad, nur wir Deutschen haben die Klimakatastrophe.
    Zu dem Bild, hat die Kommune kein Hände um die Bäume zu wässern?

  11. 62.

    Ein Hype? Neanderthaler? Ich kann mit solchen Aussagen nicht. Ihre "Meinung" ist völlig weltfremd. Haben Sie sie ruhig, alles gut. Aber ich würde mir eher wünschen, dass Sie, statt auf Ihrer "Meinung" zu beharren, sich lieber informieren und die Hintergründe der Klimaproblematik erfassen würden. Denn die sind keine Meinung. Sondern bittere Realität. Oder lassen Sie es, wie Sie mögen. Davon werden unsere Umweltprobleme aber nicht weniger. Guten Abend.

  12. 61.

    Der Lakentrick wird zusätzlich eingesetzt ;-). An weniger heftigen Tagen auch alleinig. Praktischerweise höngen bei mir die "Laken" ohnehin da schon an einer Stange (selfmade aus Nesselstoff).

    Btw.: Auch die Lebensrettungsdecken können reißen, aber das klebt sich bestens mit normalem durchsichtigen Klebeband.
    Herstellung Rettungsdecken und Alufolie: sicher nicht so toll, aber wahrscheinlich besser oder wenigstens "nur" genauso schlimm wie stundenlang Klimaanlage oder Ventilator laufen lassen.

    Obiger Lakentrick sicher noch das ökologischste. Hilft aber hier (oben) bei DEN Temperaturen nicht mehr allein. Genauso "öko". Mit dem Fächer fächeln (da tipt es sich aber doof), Blumenspritze, Haare nass machen, feuchte Handtücher um die Waden wickeln, usw.
    Hoffe, Alle sind gut durchgekommen und es gibt keine Hitzetoten.

  13. 60.

    Ja und in einem Jahr ist es am gleichen Tag 2 Grad kälter. Dieser Komma-Quatsch geht einem auf den Senkel.
    Auf meiner Fahrt von der Arbeit, schwankte die Auto-Außentemperatur innerhalb 24km von 37-35-36-37-39-37-34-35°C... allerdings bei Sonnenschein auf Asphalt. Mein Thermometer zu Hause im Schatten hatte letzten Endes 35, wetteronline ebenfalls 35. Dalem 36, Tegel 35.
    Man hört immer nur Rekord, aber der Juni ist der Monat wo die Sonne am längsten und am höchsten scheint, der Juni war schon immer eklig.

  14. 59.

    @Eris 3+.06.2019/19:02
    Warum gleich so unfreundlich wenn andere hier ihre Meinung schreiben? Hitzwellen gab es schon immer genauso wie Überschwemmungen oder sehr kalte Winter von Anbeginn der Welt. Man muss nun nicht gleich immer in diese Klimahype fallen. Das sich im Laufe der Jahre das ändern ist doch normal sonst würden ja die Neandertaler heute noch leben. Irgendwann ist mal Schluss dann beginnt eine neue Zeit.

  15. 58.

    In den Keller umziehen kann leider nicht jeder, aber kennt noch jemand die "Studentenklimaanlage"?
    Neben tagsüber die Schotten dicht machen und abends eben diese öffen, geht dann zur Verfeinerung auch ein Ventilator, eine Wasserschüssel und ein Leinentuch. Nur mal so. Verdunstungskälte / Kapillarwirkung. Aber bitte, liebe Kinder ;-) , nicht den Ventilator in die Wasserschüssel stellen.

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