Blitze zucken während eines Gewitters unweit des Allianz-Hochhauses über den Himmel. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Interview | Meteorologe Dennis Dalter - "Wir sollten uns wieder auf etwas gefasst machen"

Die zweite Nacht in Folge entluden sich heftige Gewitter über der Region - besonders stark betroffen war Berlin. Hier rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Und auch am Mittwoch könnten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun bekommen. Schuld ist Klaus.

rbb: Wen hat es denn in Berlin in dieser Nacht besonders hart getroffen?

Dennis Dalter: Die westlichen Stadtteile waren in der letzten Nacht besonders stark betroffen von den Gewittern und vor allem von den sintflutartigen Regenfällen. Um mal ein paar Werte zu nennen: In Berlin-Staaken gab es 80 Liter auf den Quadratmeter. Das ist etwas mehr als der mittlere Monats-Niederschlag, der dort in vier Stunden vom Himmel gefallen ist. Das ist schon extrem. Aber auch sonst waren das in den mittleren Stadtteilen teilweise um die 40 Liter pro Quadratmeter. In Berlin-Buch, sprich im Nordosten, kamen 52 Liter pro Quadratmeter herunter. Wo es weniger stark war, war vor allem in Köpenick, da hatten wir etwa vier Liter.

Mit Blick auf die Wetteraussichten für heute, kriege ich das Gefühl: Täglich grüßt das Murmeltier. Also haben das noch nicht überstanden?

Nein, da kommt heute schon wieder was, wahrscheinlich auch wieder am Nachmittag und zum Abend hin. Da erreicht uns dann die Kaltfront von Tief Klaus. Das ist so die letzte finale Gewitterfront, die heute nochmal durch muss. Und da kann es erneut Starkregen geben und auch Hagel ist wieder möglich. Selbst Sturmböen sind nicht ausgeschlossen. Also da sollten wir uns wieder auf etwas gefasst machen - das muss erneut nicht jeden Stadtteil gleich stark treffen, aber es kann örtlich wieder ziemlich heftig werden. Heute ist vor allem der Starkregen das Hauptthema.

Blöde Frage: Warum ist der Donner eigentlich so wahnsinnig laut oder wirkt das nur so?

Klar, das ist schon laut. Das ist aber unterschiedlich, je nachdem wo der Blitz direkt eingeschlagen ist und in welcher Nähe wir uns zu diesem Blitz befinden. Es gibt teilweise ja auch Wolken-Blitze. Und wenn der Blitz im näheren Umkreis einschlägt, dann ist der Donner natürlich mit am lautesten. Aber generell sind diese Gewitter, die wir jetzt in den letzten Tagen hatten, sehr blitzintensiv. Von daher sind auch sehr viele Donner hörbar gewesen. Ich denke mal, dadurch werden viele von uns auch hin und wieder mal das Auge nicht zubekommen haben.

Sind das eigentlich normale Sommergewitter oder hat das auch mit einer Form des Klimawandels zu tun, sprich: Das müssen wir ernst nehmen, das ist auch ein Umweltthema?

Beim Klimawandel wäre ich immer ein bisschen vorsichtig, gleich die ersten Gewitter wieder darauf zu beziehen. Es sind schon kräftige Gewitter. Die gab es aber auch schon in der Vergangenheit, bevor wir das Thema Klimawandel überhaupt hatten. Dennoch ist es so, dass durch die Klimaerwärmung auch mehr Feuchtigkeit aufgenommen werden kann von der Luft. Dadurch kann es zu diesen extremen Regenereignissen kommen und es können sich heftige Gewitter entladen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tim Koschwitz, rbb 88,8.

Sendung: rbb 88,8, 12.06.2019, 9 Uhr

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