Das Schild des Amtsgerichts Tiergarten mit dem Berliner Bären (Quelle: dpa/Florian Schuh)
Bild: dpa

Urteil in Berlin - Rechts überholt und Kind getötet - 200 Euro Strafe

Zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen á 5 Euro ist am Mittwoch ein Autofahrer verurteilt worden, der einen vierjährigen Jungen durch zu schnelles Überholen auf der Busspur erfasst und tödlich verletzt hatte. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den 23 Jahre alten Studenten der fahrlässigen Tötung schuldig.

Zur Begründung hieß es vom Amtsgericht, die Ampel habe für Fußgänger auf Rot gestanden, als das Kind plötzlich auf die Straße gelaufen sei. Es liege auch ein Fehlverhalten der Mutter vor, die mit dem Sohn unterwegs war. Der Fahrer wiederum hätte den Unfall bei angepasster Geschwindigkeit vermeiden können, begründete das Amtsgericht sein Urteil.

Autofahrer überholte rechts

Das Unglück hatte sich im Oktober 2017 im Stadtteil Pankow-Heinersdorf ereignet. Der Angeklagte, der zu einem Fitness-Studio wollte, habe auf der Romain-Rolland-Straße vorschriftswidrig auf der Busspur rechts an den staubedingt haltenden Fahrzeugen vorbeifahren wollen, so das Gericht. Laut einem Gutachten war er mit einer Geschwindigkeit von bis zu 74 Stundenkilometern unterwegs.

Mutter und Kind hätten zunächst auf einer Mittelinsel gestanden. Als der Junge losrannte, habe der Angeklagte das Kind mit dem linken Seitenspiegel erfasst. Der Vierjährige erlag zwei Wochen später seinen schweren Kopfverletzungen.

Mit der Strafe von 40 Tagessätzen zu je fünf Euro folgte das Gericht im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidigung.

Sendung: Abendschau, 12.06.2019, 19:30 Uhr

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26 Kommentare

  1. 26.

    Auf Straßen fahren Autos. Kindern muss man beibringen nicht auf die Straße zu rennen. Bis es soweit ist das sie das verstanden haben, haben die Eltern eine Aufsichtspflicht (Kind an der Hand). Das der Verkehrsteilnehmer sich falsch verhalten hat in dem er eine Busspur genutz hat (15-30euro) und das er zu schnell gefahren ist (+24km/h /80euro ein Punkt), macht ihn nicht zu einem Mörder oder ähnliches. Es war ein Unfall der durch ungünstiges zusammenspiel zustande kam. Wär das Kind nicht auf die Straße gelaufen wär das nicht passiert, wäre der Beschuldigte 50km/h gefahren hätte das Kind möglicherweise überlebt möglicherweise hätte das Auto ihn dann aber frontal getroffen, wer weiß das schon? Wär das kind zwischen Parkenden Autos hindurch auf die Straße gelaufen und hätte der Beschuldigte sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten wär das kind vermutlich auch tot und der Fahrer schuldlos. Unser Rechtssystem ist großartig, wenn dann sind es Richter und Anwälte die das versauen.

  2. 25.

    betr.: Urteil AG Tiergarten vom 12.6.19: Rechts überholt und Kind getötet
    Bei allem Verständnis für die Probleme der Rechtsprechung:
    Bei einem derartigen Urteil muß jedem jeglicher Glaube und Vertrauen auf RECHTSPRECHUNG abhanden kommen!
    Unfaßbar, unverantwortlich, nicht nachvollziehbar!

  3. 24.

    Ich weiß zwar das unsere Richter & Friends nicht wirklich in der Lage sind entsprechende Urteile zu fällen, weil ka.. Beruf verfehlt..
    Aber das.. wow, ich bin fassungslos..
    200€ Strafe und 1 Monat Fahrverbot... na das wird dem armen Studenten eine Lehre fürs leben sein.
    Das traurige ist, am Ende ist nur eine die "blöde" (um das mal milde auszudrücken), die Mutter.

    ...Gott ich hasse unsere Justiz so extrem.

  4. 23.

    Keine Rundfunkgebühren bezahlen = Haftstrafe
    Ein Menschenleben auf dem Gewissen= 200 Euro Strafe

  5. 22.

    Bestimmt haben Sie kein Auto und müssen nicht kilometerweit zur Arbeit.Sonst würden Sie soetwas ,bei allem Verständnis und Mitgefühl für das Opfer und den Angehörigen nicht schreiben.

  6. 21.

    Das ist wirklich lachhaft ,der Fahrer hat durch seine Fahrweise , obwohl das Kind auf die Fahrbahn gelaufen ist ,eine große Schuld auf sich geladen.

  7. 19.

    Es heißt doch: "Liebe deinen Nächsten, wie Dich selbst" In Abwandlung: "Urteile über deinen Nächsten, als wärst du selbst betroffen". Würden Richter und Staatsanwaltschaft genauso urteilen, wenn es sich um das eigene Kind handelte?
    Ich empfinde dieses Urteil als unerträglich und dem deutschen Rechtstaat unwürdig. Es bleibt zu hoffen, dass eine Revision eine Neuverhandlung ergibt.

  8. 18.

    Ich wurde in jungen Jahren mal zu 600€ (!) Strafe verurteilt, weil ich auf einer Naturschutz-/Klima-Demo ein Pfefferspray im Rucksack hatte. Im Rucksack! Unbenutzt! Ich bin lediglich in eine Routinekontrolle am Eingang damit geraten. Bis dahin mit weißer Weste, kam mir die Strafe damals schon absurd vor. Wenn ich jetzt lese, dass einer, der zu schnell auf falscher Spur fuhr und damit ein Menschenleben beendet hat, mit nur 200€ ohne Weiteres davonkommt, sind bei mir endgültig alle Zweifel an unserer Justiz bestätigt.

  9. 17.

    @Redaktion: Unfassbar flacher und reißerischer Titel. Könnte auch so in der Bild abgedruckt werden. Die Kommentare passen bestens dazu.
    Was hätte denn ein Durchschnittsverdiener an Strafe bezahlen müssen?
    Was ist mit den Prozesskosten?
    Woher kommt denn die Berechnung der 40 Tagessätze zu je 5€?
    Gab es noch andere Aspekte, die zu dieser Strafe gefüht haben?
    Etwas mehr Infos darf man glaube ich von öffentlich rechtlichen Medien erwarten, wenn die Summe so prominent und aufrührerisch genannt wird.

  10. 16.

    Wo ist der Vorsatz? Oder spielt der für Sie, um jemanden zum Mörder abzustempeln, keine Rolle?

  11. 15.

    Das Urteil ist viel zu klein.200 euro Strafe kann das Leben eines Kindes niemals damit gut machen.Das ist ein großer Schwachsinn.

  12. 14.

    Ein tolles Urteil. Ein Menschenleben für 200,- Euro. Da kann man dem Richter nur gratulieren. Ich finde es menschenverachtend.

  13. 13.

    Mein herzliches Beileid allen Hinterbliebenen.
    Schwer zu ertragen, dass das unser Rechtsstaat produziert.

  14. 12.

    Ich kann nur hoffen, das dieses Urteil nicht das Endgültige sein wird und das es zu einer Revision kommen wird. AUCH!!! wenn die Staatsanwaltschaft mit den gesprochenem Urteil einverstanden ist....da ist immerhin noch die Mutter. Hoffen wir, das dieser Fall nicht in Vergessenheit geraten wird.

  15. 11.

    Dieses Urteil ist ein Skandal. Was sind das für Staatsanwälter? Dieser Mann gehört in ein Gefängnis!

  16. 10.

    Schön, dass sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig sind. Der arme Student hat das Leben ja noch vor sich. Er ja. Warum nimmt man wohl schon beim bestimmungsgemäßem Gebrauch des PKW' s eine verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung an. ? Auch so kann die Justiz zeichen setzen. Danke !

  17. 9.

    Bei einer Geschwindigkeitskontrolle wäre die Strafe eventuell höher ausgefallen und es hätte ein Fahrverbot gegeben. (Bei Stau darf auf der Bussspur nur mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren werden).
    Die Verhältnismäßigkeit unsere Justiz erscheint manchmal schon eigenartig.

  18. 8.

    "Rechts überholt und Kind getötet - 200 Euro Strafe" "74 Stundenkilometern" das ist doch unbegreiflich! Gefängnis!

  19. 7.

    Wer durch seine / ihre rücksichtslose Fahrweise (vor allem) Kinder tötet, ist für mich ein Mörder!
    Schönes Leben noch!

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