Erneut traf Berlin am frühen Mittwochabend eine erneute Unwetterfront, am Tempelhofer Damm stürzte ein Baum auf die Fahrbahn (Quelle: imago/Andreas Friedrichs)
Video: Abendschau | 13.06.2019 | Dorte Strörmann | Bild: imago/Andreas Friedrichs

Hunderte Einsätze und Verkehrschaos - Tief Klaus fegt über die Region - Lage soll sich nun beruhigen

Der Fernverkehr für Stunden eingestellt, Verletzte durch einen zerbrochenen Baum in Oranienburg: Am Mittwoch erlebte die Region das dritte heftige Unwetter in drei Tagen. Mancherorts fiel so viel Regen wie in einem Monat - zu viel ist es noch nicht.

Nach zum Teil starken Unwettern mit mehreren Verletzten soll sich die Wetterlage in Deutschland am Donnerstag beruhigen. Bundesweit sei die Unwettergefahr deutlich geringer, als noch am Mittwoch, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Stark betroffen war Berlin am Mittwoch. Windböen, laut DWD-Angaben mit einer Geschwindigkeit von rund 110 Kilometern pro Stunde, starker Regen und Gewitter hatten für starke Verkehrsbeinderungen gesorgt und auch die Feuerwehr in Atem gehalten - sie verzeichnete rund 320 Unwetter-Einsätze. Die Feuerwehr hatte am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden den Ausnahmezustand aus gerufen.

Halt aller Fernzüge am Hauptbahnhof

Für knapp zwei Stunden mussten am Mittwochabend alle Fernzüge am Berliner Hauptbahnhof stehen bleiben, wie eine Bahn-Sprecherin sagte. Durch das Gewitter seien technische Anlagen beschädigt worden. Umgerissene Bäume fielen auf Straßen und S-Bahn-Gleise. Am frühen Donnerstagmorgen konnten noch nicht alle S-Bahnlinien wieder planmäßig fahren.

Im Fernverkehr seien hingegen alle Strecken wieder frei, sagte eine Sprecherin am Donnerstagmorgen. Es könne durch die Einschränkungen vom Mittwochabend aber noch zu einzelnen Teilausfällen kommen. Dies würde bundesweit aber nur rund fünf Züge betreffen.

Neun Verletzte in Oranienburg

Wegen des Unwetters waren am Mittwochabend Straßen zeitweise überflutet. Im Stadtteil Friedenau fiel ein Baum auf ein Cabrio. Die Insassen hatten Glück im Unglück: Zwei Menschen wurden nur leicht verletzt, teilte die Feuerwehr mit. Auf dem Wannsee kenterten Boote, zunächst lagen aber keine Meldungen über Schwerverletzte oder Vermisste vor.

Durch eine abgebrochene Baumkrone wurden neun Menschen bei einer Feier in Oranienburg (Landkreis Oberhavel) verletzt. Nach Angaben der Feuerwehr zerbrach der Baum aufgrund starker Windböen. Insgesamt seien rund 170 Menschen bei der Feier gewesen. Die Verletzungen sollen nach ersten Erkenntnissen überwiegend leicht sein.

Im südlichen Mecklenburg-Vorpommern wurden sieben Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft durch einen herabstürzenden Ast schwer verletzt. Nach einem Feuer, ausgelöst durch einen Blitzeinschlag im Dachstuhl, ist ein Einfamilienhaus in Sachsen-Anhalt laut Polizei nicht mehr bewohnbar. Verletzt wurde dabei niemand.

Monatsmenge an Regen

Von den Unwettern am Mittwoch war ganz Ostdeutschland stark betroffen. Laut DWD fielen in Waren an der Müritz in zwei Stunden rund 35 Liter Regen pro Quadratmeter, in Gera in Thüringen waren es 45 Liter pro Quadratmeter, allerdings in drei Stunden.

In Berlin ist während der beiden schweren Gewitter am Mittwoch mancherorts schon so viel Regen gefallen wie sonst in einem ganzen Monat. An der Messstelle der Freien Universität (FU) in Dahlem waren es seit Dienstag insgesamt rund 61 Liter pro Quadratmeter, so FU-Meteorologe Thomas Dümmel. In Teilen von Grünau und Köpenick waren es hingegen nur zwischen 1 und 3 Litern pro Quadratmeter. 

Kanalisation in die Spree gelaufen

An einigen Stellen habe die Kanalisation die Wassermassen jedoch nicht mehr fassen können und es sei zu Überläufen in die Spree und Berlins Kanäle gekommen, so der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz. Das liege daran, dass in der dicht bebauten Innenstadt viele Flächen versiegelt seien und auch Rückhaltebecken und andere unterirdische "Parkgaragen" für Regenwassermassen nicht ausreichten - selbst mit den derzeit geplanten Ergänzungen nicht.

Meteorologe Dümmel sagt, die schweren Gewitter seien etwas früher gekommen als gewöhnlich. Typisch seien schwere Gewitter für Anfang Juli. Der Berliner Boden vertrage aber noch mehr Regenwasser. Denn es gab neben der langen Trockenheit im vergangenen Sommer auch einige zu trockene Winter- und Frühlingsmonate. Außerdem komme nicht alle Feuchtigkeit wirklich im Boden an - bei Temperaturen über 30 Grad verdampfe auch viel.

Kühlere Temperaturen am Donnerstag

Für Donnerstag wurde insgesamt etwas kühleres Wetter vorhergesagt. Die Spitzenwerte liegen nach DWD-Angaben bei 28 Grad, etwa in Berlin. Auch in Bayern, entlang der Donau könne es ähnlich warm werden. Im Westen werde es deutlich kühler, wie auch schon in den Tagen zuvor. Vereinzelte Gewitter und größere Regenmengen, etwa im Schwarzwald, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern könnten für den Donnerstag aber nicht ausgeschlossen werden.

Sendung: Inforadio, 13.06.2019, 7 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    Vielleicht sollte der Verfasser des Artikels sein "Update" noch einmal auf Schreibfehler hin durchsuchen; so ist die Veröffentlichung eher peinlich.

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