Eine Kinderärztin untersucht am 24.01.2019 einen kleinen Jungen (Quelle: dpa/Christin Klose)
Video: Brandenburg aktuell | 18.06.2019 | Carsten Krippahl | Bild: dpa/Christin Klose

Förderprogramm in Brandenburg - 1.000 Euro monatlich extra für angehende Landärzte

Jeder dritte Landarzt in Brandenburg ist älter als 60 Jahre alt, geht bald in den Ruhestand. Ein Stipendium soll die Ärztequote auf dem Land nun aufbessern: Medizinstudenten können mit satten monatlichen Geldern rechnen - aber nur wenn sie sich für das Land verpflichten.

Ein Stipendium soll junge Mediziner dazu bewegen, in Brandenburg in einer Landarztpraxis zu arbeiten. Ein entsprechendes Programm stellten Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) am Dienstag vor.

"Die Förderung des gesamten Regelstudiums mit bis zu 75.000 Euro ermöglicht den angehenden Medizinern die Konzentration auf das Studium", sagte Gesundheitsministerin Karawanskij bei der Vorstellung des Stipendiums. "Wir setzen auf einen "Klebeeffekt", dass die Ärzte nach ihrer Verpflichtung in den ländlichen Regionen bleiben."

1.000 Euro im Monat, fünf Jahre Arbeit auf dem Land

Medizinstudenten bekommen danach 1.000 Euro monatlich, wenn sie sich für fünf Jahre zur Arbeit in Praxen auf dem Lande verpflichten. Das Programm startet für 100 Medizinstudenten an deutschen Hochschulen zum Wintersemester, Bewerbungen auch von Studenten höherer Semester sind bei der Kassenärztlichen Vereinigung von Juli an möglich.

Weitere 100 Studenten können sich um ein Co-Stipendium in Höhe von 500 Euro bewerben, wenn sie bereits ein anderes Stipendium von einer Kommune oder einem Krankenhausträger erhalten. Zudem wird die Weiterbildung von 20 Medizinern zu Fachärzten finanziell unterstützt.

Zudem will die Landesregierung zum Wintersemester 2023/24 eine staatliche medizinische Hochschule in der Lausitz eröffnen, um den Ärztenachwuchs für das Land zu sichern. Bereits seit dem Wintersemester 2014 existiert die Medizinische Hochschule Brandenburg, die in kommunaler und gemeinnütziger Trägerschaft Ärzte und Psychologen ausbildet.

Perleberg, Wittenberge, Forst und Neuruppin

Die Studenten sollen sich für bestimmte Regionen verpflichten, in denen Ärztemangel herrscht. "Das sind die Mittelzentren, also praktisch in allen Regionen außer dem Speckgürtel um Berlin", sagte KVBB-Chef Peter Noack. Als Beispiele nannte Noack die Städte Perleberg, Wittenberge, Forst und Neuruppin. Die KVBB und die Krankenkassen fördern mit eigenen Programmen die Weiterbildung und Niederlassung von Landärzten mit Mitteln in Höhe von mehr als 7,5 Millionen Euro pro Jahr.

Gesucht würden in den ländlichen Regionen neben Hausärzten weitere Spezialisten wie Frauenärzte, Psychiater, HNO-Ärzte, Augenärzte oder Neurologen.

Überdurchschnittlich viele Patienten pro Arzt

Die Versorgung mit Ärzten ist in Brandenburg schlechter als in allen anderen Bundesländern, wie kürzlich neue Daten des Bundesarztregisters zeigten. Auf 100.000 Einwohner kommen demnach in Brandenburg rund 186 niedergelassene Mediziner.

In Brandenburg fehlen vor allem Kinderärzte. Acht Prozent der Brandenburger Ärzte sind älter als 65 Jahre. Bei den Hausärzten ist der Anteil sogar noch etwas höher. Ähnlich Ergebnisse hatte auch eine rbb-Datenrecherche im September 2018 erbracht.

In ländlichen Regionen Brandenburgs müssen Bürgerinnen und Bürger wegen des Ärztemangels oft lange Wege fahren. Idealerweise sollte der Weg zum Facharzt laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg nicht mehr als eine halbe Stunde dauern - in einigen Regionen Brandenburgs dauert es deutlich länger.

Sendung: Inforadio, 18.06.2019, 12:00 Uhr

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