Sieben Mitglieder einer Familie stehen am Dienstag den 04.096.2019 in Berlin vor Gericht. Im Prozess geht es um einen brutalen Überfall auf einen Mann in Gesundbrunnen, bei dem einer der Angreifer versehentlich seine Schwester tödlich verletzt haben soll (Quelle: rbb/ Morling)
Video: Abendschau | 04.06.2019 | Norbert Siegmund | Bild: rbb/ Morling

Überfall in Berlin-Gesundbrunnen - Sechs Familienmitglieder nach tödlicher Fehde vor Gericht

Mit Beil, Hockeyschläger, Hammer und Eisenstange: Ein brutaler Überfall auf ein Mitglied einer verfeindeten Familie wird in Berlin vor Gericht verhandelt. Einer der Angeklagten soll bei dem Angriff versehentlich seine Schwester erschossen haben. Von Ulf Morling

Sechs Angehörige einer Familie müssen sich seit Dienstag unter anderem wegen versuchten Totschlags vor dem Berliner Landgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft hatten die zwischen 16- und 49-jährigen Familienangehörigen das Mitglied einer anderen Familie wegen Beleidigungen abstrafen wollen. Doch eine junge Frau der eigenen Familie wurde dabei von ihrem Bruder erschossen.

Auf einer großen Hochzeit in Spandau soll der Konflikt zwischen den beiden Familien wieder aufgebrochen sein. Der später fast zu Tode geprügelte Hamid H. soll angetrunken ein Familienmitglied der Angeklagten mit üblen Beschimpfungen beleidigt haben. Nur wenige Stunden nach der Hochzeit wurde H. im "Café 63" im Wedding dann regelrecht überfallen: Die fünf angeklagten Männer (Vater, drei Söhne und ein Schwiegersohn zwischen 19 und 49 Jahren), zwei Frauen (16 und 30) und ein bis heute Unbekannter sollen auf H. mit Beil, Hockeyschläger, Hammer, Eisenstange, Fäusten und Füßen losgegangen sein. Unzählige Male sollen sie auf Hamid H. eingeprügelt haben, die Überwachungskamera hielt alles in selten guter Qualität fest. Allein die jüngste 16-jährige Angeklagte hatte laut Staatsanwaltschaft 26 Mal mit einem Hammer auf die Beine des Opfers eingeprügelt.

Der 29-jährige Samir O. soll, während er zuschlug, eine Pistole in der Hand gehalten haben, aus der sich ein Schuss löste. Seine Schwester, die gerade das Café betrat, wurde tödlich getroffen. Deshalb wird dem 29-Jährigen neben versuchtem Totschlag betreffend Hamid H. auch fahrlässige Tötung vorgeworfen, weil er seine Schwester erschoss.

Hochsicherheitsprozess vor der Jugendkammer

Mit halbstündiger Verspätung beginnt der Prozess vor der 7. Jugendkammer des Berliner Landgerichts. Die circa 60 Plätze des Zuschauerraums im Hochsicherheitssaal 700 sind mit vielen Angehörigen besetzt. Trotz des Anklagevorwurfs um Beleidigungen, einer versuchten Tötung H.s und fahrlässiger Tötung einer jungen Frau ist die Stimmung teils fast entspannt, teils aber auch gedrückt: Samir O., aus dessen Pistole sich der tödliche Schuss gelöst haben soll, gibt wie alle bereitwillig seine Personalien zu Protokoll. Er berichtet, dass seine ursprünglich mitangeklagte Frau (ihr wird dem Gericht zufolge zu einem späteren Zeitpunkt gemacht) am Freitag ihr viertes Kind entbunden habe. Es sei ein Mädchen. Man habe es Ermina genannt, in Erinnerung an seine getötete Schwester. Er bricht in Tränen aus.

Am nächsten Prozesstag, am Freitag, will er aussagen, wie alles geschah. Die fünf Mitangeklagten wollen überwiegend über ihre Verteidiger schriftliche Erklärungen verlesen lassen zum Vorwurf des versuchten Totschlags durch die Misshandlung von Hamid H.

Opfer der "Abstrafung" erscheint nicht

Die Angeklagten sollen laut Ermittlern erst nach fünfminütigen Misshandlungen in dem Weddinger Café innegehalten haben und geflüchtet sein, als die Polizei eintraf. Die Angeklagten hätte erwartet, so die Staatsanwaltschaft, dass Hamid H. "an seinen schweren Verletzungen alsbald versterben" werde. H. sei bis heute von den Schlägen und Tritten in der Tatnacht physisch und psychisch gezeichnet, hieß es am Rande des Prozesses. Ermittler sollen ihm nach Informationen des rbb geraten haben, vorsichtig zu sein, auch wenn die Angeklagten beteuerten, friedfertig zu sein. Er soll sich versteckt halten.

Nach den Aussagen und Erklärungen der Angeklagten soll im Prozess das Video des Cafés vorgeführt werden, wo jeder einzelne Schlag  mit Hammer, Hockeyschläger, Eisenstange und Hammer auf das Opfer zu sehen ist. Danach soll H. als Zeuge und Opfer vor Gericht aussagen.

Der Konflikt zwischen den beiden Familien, bosnisch-kroatischen Roma, soll schon seit Generationen andauern, wie es am Rande des Prozesses hieß. Bis heute ist nicht bekannt, welche Beleidigungen nun Anlass gegeben haben sollen, H. "abzustrafen". Weder die Angeklagten noch die Hochzeitsgesellschaft oder das Opfer machten bisher genauere Angaben dazu.

20 Prozesstage bis Anfang Oktober sind derzeit terminiert.         

Beitrag von Ulf Morling

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22 Kommentare

  1. 22.

    Adäquat formuliert: In den Knast mit dieser Last!

  2. 21.

    Mit Ehre hat das doch nichts zu tun. Das ist die Machtdemonstration einer verrohten Sippe. Es gab in Berlin auch mal einen Fall, bei dem eine junge Frau sich von so einem Familienvater nicht anbaggern lassen wollte und dann hat die ganze Sippe samt Kindern im Bus auf die eingeschlagen. Das ist dasselbe Verhalten, wie wenn man sich 30 oder 50 Mann hoch gegenüber zwei Polizisten aufbaut oder aus der Gruppe heraus völlig unsinnig Rettungsleute attackiert, die man erst noch gerufen hat. Da denkt kein Mensch an "Ehre", sondern man will sich wie in archaischen Zeiten mit der "Keule" durchsetzen.

  3. 20.

    Tja, der Fehler mit dem "s" war leider der automatischen Worterkennung des Telefons geschuldet und wurde von mir doch glatt übersehen. Nur soviel dazu.
    Und was die vielen Normen betrifft, meinte ich wohl die Kulturnorm unserer Breitengrade, derer von Landkreis zu Landkreis verschiedene existieren, jedoch die eine Norm des Respekts anderer Glaubens- und Lebensart Anderer und eben unseren Liberalismus.
    Die haben sicherlich viele derer, die zwar hier geboren, aber dank der Eltern und des Glaubens patriarchalischen Erziehung, wohl nicht verstanden. Und ich bin der Auffassung, dass jeder, der unsere liberale Ordnung nicht anerkennt, gerne dort leben darf und kann, wo er/sie meint, dort seine gedankliche Heimat zu haben.
    Ist das so schwer zu verstehen?
    Ich habe einfach keine Lust, mich in meiner Heimat anderen Glaubensdoktrinen unterzuordnen, denn so, wie ich ihre Kultur in ihrer Heimat respektiere, so habe ich von Ihnen hier ebenso respektiert zu werden.
    Wo ist also das Problem?

  4. 19.

    Danke, Leute für die Nachhilfe.
    Das Wort 'vielleicht' abzukürzen - da muß man erstmal draufkommen, ist ja so lang nicht! Aber der Autor hat sich ja nun auch selber dazu geäußert, vielen Dank dafür. Wobei VLL ist ja so ca. 95 ist (T gibt's nicht und 100-5 wäre richtigerweise doch VC, oder?!) Wenn jeglicher Gesetzesverstoß das Verlassen der BRD zur Folge hätte, würden viele Wohnungen frei werden, ganz gleich wer darin gewohnt hat, denn mit unzähligen Normen kann man schon mal in Konflikt geraten und das täglich - ein jeder gehe mal in sich...
    'ich als echtes Demokrat' = das dritte Geschlecht dringt vor: pluralistisch, weltoffen, bunt, so ist Beriln, prima!

  5. 18.

    Da sieht man wieder Mal was sogenannte Familienehre anrichten kann.
    Keinerlei Toleranz bitte..

  6. 17.

    Ich teile zwar nicht immer Ihre Meinungsäußerungen, doch hier haben Sie es vollkommen richtig und zutreffend angeführt. Dem stimme ich auch zu. Dieses sogenannte Ehrgefühl ist für mein Dafürhalten mit unserer modernen und vielseitigen Gesellschaft nicht vereinbar. Ja, ich finde auch, wer sich nicht an unsere Gesetzgebung und Kultur hält, hat nichts dazugelernt und gehört nicht zu uns.

  7. 15.

    Es wäre eine gute Gelegenheit ein Exempel zu statuieren, null Toleranz.

  8. 14.

    Göring-Eckardt (aus der Erinnerung): „Es wird ein schwerer Weg, aber am Ende wird dieses Land ein besseres sein“. Wer Kinder zu Propheten erklärt, hat auch ansonsten mit der Realität so seine ernsthaften Probleme.

  9. 13.

    Danke für den Hinweis, aber wer mit Faustfeuerwaffe auf einen Menschen einschlägt und auch noch seine Schwester erschießt, hat mMn wie bei einem Mord, sein Aufenthaltsrecht für lange Zeit in der Öffentlichkeit verwirkt. Auch bosnisch-kroatischen Romni steht es frei, gepflegtes Deutsch zu lernen und sich mit deutschen Gesetzen und Umgangsformen vertraut zu machen.

  10. 12.

    "Er bricht in Tränen aus." Soll das hier Mitleid für Gewalttäter wecken? Diese Leute sind mit mehreren Waffen auf Unbewaffnete losgegangen, der besagte "in Tränen Ausbrechende" mit einer entsicherten Pistole. Die wollte er wohl die nur zum Streicheln benutzen, also deswegen war die "aus Versehen" entsichert auf Leute gerichtet? Der 16jährige scheint auch keine normale Kindheit hinter sich zu haben, wenn der in dem Alter schon so loslegt.

  11. 11.

    ... versehentlich seine eigene Schwester tötete. Mir wird übel/schlecht, ich denke an Hatun Aynur Sürücü und an Beschwichtigungen aus dieser so weltoffenen Stadt, in der das tiefste Mittelalter wieder Platz findet. Wo Atheisten sich ständig entschuldigen müssen. Berlin ist nur noch ein spießiger Krampf der seltsam Zugezogenen und ich bin raus, mit Berliner Originalen im Umland. Dieses Verhalten gibt es auch im Ruhrgebiet, Düsseldorf und Köln. Dies hat nichts mit rechts zu tun, es soll/wird die Freiheit bewahren, die einst erkämpft wurde.

  12. 10.

    Die Integration läuft...

  13. 9.

    Lieber Kater Klaro.
    VLLT ist die Abkürzung für "vielleicht".
    Und falls Sie es nicht begreifen nochmal zum besseren Verständnis: wer sich in einem Land aufhält, egal, woher er/sie kommen möge, hat sich an die an die, in dem Land gegebene Kultur zu halten.
    Kapiert?
    Und jetzt meine Frage an Sie vorlauten Tro...l ohne Menschenkenntnis oder Auffassungsgabe von Texten, welcher parteiidiologischer Richtung soll ich nun gehören?
    Wenn jeder, der nicht ihrer kleingeistigen Meinung zu sein scheint, gleich als rechts betitelt wird, habe ich als echtes Demokrat nicht das gleiche Recht, Sie zu betiteln, wie ich es dann auch mag!?

  14. 8.

    Sie nennen sich selbst "ein Leser", aber Ihre Lesefähigkeit ist anscheinend noch ausbaufähig: der 29jährige Schütze hat seine eigene Schwester getötet, nicht irgendeine Schwester des Opfers.

  15. 5.

    :D das habe ich mich auch gefragt.
    Der geistige Horizont des Schreibers, der hier zusammenhanglos Stimmung in eine bestimmte Richtung zu machen versucht, dürfte das aber wohl kaum dafür ausreichen dies zu verstehen - falls es nicht sowieso ein rechtsgerichteter Troll-Bot ist.

  16. 3.

    Ich verstehe es auch nicht.
    Vllt bekamen die Richter ja auch schon Drohungen aus dem Clanumfeld.
    Wenn ich diesen Mist von Familienehre schon lese, wird mir übel.
    Wer meint, hier seine eigene Gesetze über die des Landes zu stellen, in dem man lebt, der darf dieses Land gerne wieder verlassen.

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