Archivbild: Badende an illegaler Badestelle am Weißen See in Berlin (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb|24 | 09.06.2019 | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Legale und illegale Badestellen - Baden ist in Berlin verboten, wo es nicht erlaubt ist

Wer nicht weiß, ob das Baden an einer bestimmten Stelle erlaubt ist, kann sich in Berlin an eine einfache Regel halten: Wenn es keine ausdrückliche Erlaubnis gibt, ist es verboten. Sich daran zu halten ist sinnvoll - die meisten Badetoten gibt es an illegalen Badestellen. Von Sabine Prieß

Berlin ist eine Wasserstadt: mehr als 50 Seen, drei Flüsse und acht Kanäle gibt es hier. Und 39 offizielle Badestellen für dreieinhalb Millionen Einwohner. Da kann es durchaus voll werden am Sandstrand oder dem Flussufer.

Deshalb weichen viele Schwimmer auch auf nicht eigens dafür ausgewiesene Badestellen aus - und wissen oft gar nicht, dass sie damit eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit 40 Euro geahndet werden kann. "Es ist ganz einfach", sagt Michael Neiße von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Berlin dem rbb am Donnerstag, "Baden ist überall verboten, wo es nicht erlaubt ist". Wo also kein Schild das Baden ausdrücklich genehmige, sei es auch nicht legal. Das gilt für die Innenstadt auch in der gesamten Spree.  

Unbesorgt Baden nur an Stellen mit Aufsicht

Im Weißen See im gleichnamigen Stadtteil ist das Schwimmen zwar erlaubt – allerdings ausschließlich innerhalb des ausgewiesenen Freibades am Ostufer des Sees. "Außerhalb ist das Baden verboten", schreibt das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales explizit auf seiner Website.

Aber das stört kaum jemanden. An jeder halbwegs zugänglichen Einbuchtung des nur 300 Meter Durchmesser großen Sees liegen im Sommer Kleidungshäufchen von Schwimmern, die sich die 5,50 Euro Eintritt für das oft übervolle Strandbad gespart haben. Doch der DLRG-Mann warnt vor dem Baden an unbeaufsichtigten Stellen. Unbesorgt baden gehen könne man nur da, wo eine Aufsicht oder Rettungsstation sei - oder in den Freibädern.

Kinder ertrinken immer leise

Denn viele Schwimmer überschätzten sich – "gerade bei großer Hitze", so Neiße. Man solle eher nicht versuchen, den ganzen See zu queren, sondern parallel zum Ufer schwimmen. Für das Baden mit Kindern empfiehlt Michael Neiße, sie nie unbeaufsichtigt zu lassen, sondern im Gegenteil immer "in Griffweite" zu haben. Nur dann könne man schnell genug zugreifen und sie wieder über Wasser ziehen.

Denn der typische Badetod ist still. Wer beim Schwimmen entkräftet ist, geht meist einfach leise unter. Das gilt insbesondere für Kinder. Beim DLRG sagt man daher, dass Kinder erst ab dem Besitz des Jugendschwimmabzeichens in Bronze so gut schwimmen können, dass sie nicht unmittelbar begleitet werden müssen.

80 Prozent der Badetoten sind Männer

Immer wieder sterben Schwimmer an illegalen Badestellen. Zuletzt war in Berlin Anfang Juni ein Elfjähriger, der im Jungfernheideteich an einer Stelle gegenüber des legalen Strandbads Jungfernheide ins Wasser gegangen war, gestorben. Insgesamt sind im vergangenen sehr heißen Sommer in Berlin und Brandenburg deutlich mehr Menschen ertrunken als 2017. 

Die meisten der Ertrunkenen gehen nach Angaben der DLRG an unbewachten Gewässern unter. Allerdings gibt es auch an beaufsichtigten Badestellen oder in Freibädern immer wieder Badetote. Die Gründe seien meistens Leichtsinn, überhöhte Risikobereitschaft und die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, so die DLRG. 80 Prozent der Badetoten sind Männer.

Wenn der Notfall eintritt

Die erste Regel, so sagt es die DLRG, ist: niemals sich selbst in Gefahr bringen, um jemanden zu retten. Und sofort Feuerwehr oder die DLRG alarmieren. Um jemanden, der zu ertrinken droht, aus dem Wasser zu retten, sollte ihm möglichst ein Gegenstand hingehalten werden, an dem er sich festhalten kann. Ein Rettungsring oder ein Ast beispielsweise kann auch helfen, einen Schwimmer auf Abstand zu halten, falls der versucht, sich am Helfer festzuklammern oder in Panik gerät und um sich schlägt.

So war beispielsweise im vergangenen Sommer im Weißen See ein Tourist ertrunken, obwohl ihm andere Badende zu Hilfe kommen wollten. Doch der Mann habe so panisch um sich geschlagen, dass Hilfe nicht möglich gewesen sei, berichtete die Polizei. 

Wer bemerkt, dass sich jemand in Not befindet, sollte möglichst weitere Anwesende um Hilfe bitten, um denjenigen aus dem Wasser zu holen. Ist der Gerettete wieder an Land, müssen sofort Bewusstsein und Atmung überprüft werden. Bei normaler Atmung sollte der Betroffene zugedeckt in die stabile Seitenlage gebracht werden, bis Rettungskräfte kommen. Ist keine normale Atmung vorhanden, müssen sofort Wiederbelebungsmaßnahmen wie Herzdruckmassage und Beatmung begonnen werden.

Ins Krankenhaus muss der Gerettete in jedem Fall. Denn falls er Wasser eingeatmet hat, kann das auch Stunden später noch zu Lungenschäden oder sogar zum Tod führen - Experten sprechen von einem "sekundären Ertrinken".

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Extrem logisch, das ist begrüßenswert. Anstatt hunderte Schilder aufzustellen, wo es verboten ist, nur explizit die zum Baden geeigneten Stellen ausschildern. Trotzdem wäre ich dafür, dass dieses System in der Öffentlichkeit mehr erwähnt wird. So wie auch im Winter das Betreten der gefrorenen, oder halt noch nicht genügend zugefrorenen, Seen immer in den Medien thematisiert wird. Damit die Bürger das verinnerlichen können. Viele denken, dass sie überall baden dürfen, wo keine Schilder stehen. Wer sich nicht dran hält muss zahlen, so ist das nun einmal mit den Gesetzen. Die Meisten halten sich schließlich dran. Das dient dem Schutz der Menschen, wer das nun auch wieder bekrittelt, der sucht nach Gründen zum Meckern. Und wer sich lieber in Gefahr bringt, anstatt woanders Eintritt zu zahlen oder einfach eine geeignete Stelle zu suchen, dem ist halt nicht zu helfen.

  2. 6.

    Macht aber in diesem Fall Sinn. Da es augenscheinlich wesentlich mehr Stellen gibt, wo das Baden nicht erlaubt ist, wäre es ein extremer Aufwand, das zu beschildern. Ich finde dieses Konzept sehr logisch und kostensparend. Passt gut zu Deutschland, stimmt^^

  3. 5.

    Und wie soll das anders zu regeln sein in einer so großen Stadt? Ewig wird nur gemosert und gekrittelt, jeder will überall alles machen dürfen und wenn das nicht hinhaut, ist auch wieder der Andere schuld. Seinen Kindern kann man durchaus das Schwimmen beibringen. Es gibt genug legale Badestellen an Seen, z.b. kann man auch auf unzählige Seen in Brandenburg ausweichen. Oder wie wäre es denn mit dem Schwimmbad? Früh aufstehen am Wochenende, dann ist's herrlich leer! Woher nehmen Sie Ihre Daten, dass viele Kinder an bewachten Badestellen ertrunken sind? Mich würde auch interessieren, wie für "genug Möglichkeiten zum Baden und Schwimmen" gesorgt werden soll. Woher sollen die in Berlin kommen? Wer an nicht freigegebenen Stellen ins Wasser geht, muss dafür alleine die Verantwortung übernehmen. Mir tun immer nur die Kinder leid, die der Unvernunft oder den fehlenden Infos der Eltern zum Opfer fallen.

  4. 4.

    Bei uns ist alles erlaubt was nicht explizit verboten ist, bei den Deutschen ist es genau umgekehrt. ;-)) So kann man also auch leben? Passt zum Land.

  5. 3.

    "Baden ist überall verboten, wo es nicht erlaubt ist" A.....ha! 40 Euro Bußgeld....SoSo!
    Bald ist in diesem Land ja so oder so alles verboten! Ich finde es aber Ätzend, das immer das Wohl der Bevölkerung vorgeschoben wird! Diese Überfüllten Strand und Freibäder, man könnte Sie auch böse anders nennen, sind auch keine Garantie dafür, das man im Falle eines Falles gerettet wird. Da sind schon genug Kinder ertrunken! Eventuell sollte man auch dafür sorgen, dass es wieder genug Möglichkeiten zum Baden und Schwimmen gibt? Ach wo wir beim Schwimmen sind, wie wäre es denn mit ordentlichen Schwimmkursen, für die vielen Nichtschwimmer? Es ist ja ein graus, wenn man seinen Kindern, das Schwimmen beibringen lassen möchte!

  6. 2.

    Und von einem Boot aus ins Wasser gehen? Ist das dann auch verboten?
    Und wie sieht es in Brandenburg aus?

  7. 1.

    Beatmung ist eigentlich nicht mehr angesagt. Ich weiss auch nicht, wie das ist, wenn einer viel Wasser inhaliert hat...
    Und gerade bei Kinder gibt es sekundäres oder stilles Ertrinken, lange nach der Rettung aus dem Wasser. Das sollte man auch wissen, kennt aber kaum einer.

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