Die Stadttauben (Quelle: imago)
Audio: Kulturradio | 29.05.2019 | Bild: imago

Interview | Berliner Tierschutzbeauftragte Diana Plange - "Vogelkot in Massen ist immer ein hygienisches Problem"

Von wegen Ratten der Lüfte: Vor einem Jahr hat der Tierschutzbund die Kampagne #RespektTaube gestartet. Berlins Tierschutzbeautragte Diana Plange erklärt im Interview, warum Tauben in der Stadt zwar geschützt, aber nicht überall geduldet werden sollten.

rbb|24: Warum haben wir eigentlich so viele Tauben in den Städten – wo kommen die her?

Diana Plange: Die Tauben sind eigentlich Kulturfolger und die Schwärme, die wir hier in Berlin haben, rekrutieren sich auch aus Tauben, die zuziehen. Man kann das an den Schwärmen beobachten, wie unterschiedlich die aussehen. Auch für Laien ist erkennbar, dass viele Tiere sich fortpflanzen und rekrutieren aus Brieftauben, aus Hochzeitstauben, von Zuchttauben, die nicht nach Hause zurückgekehrt sind. Und nach der soundsovielten Generation kann man dann nicht mehr ganz eindeutig erkennen, wo sie herkommen.

Diana Plange (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Bild: dpa/Sophia Kembowski

Und was machen wir jetzt mit so vielen Tauben?

Mir geht es zuallererst darum, für die Tiere, die verletzt oder in irgendeiner Form beeinträchtigt aufgefunden werden, Lösungen zu schaffen. Und da ist die Taube ein Tier wie jedes andere – aber sie ist kein Wildtier – sie ist ein verwildertes Haustier. Wir als Stadt sind für den Umgang mit diesen Tieren und für Abhilfe zuständig.

Welche Risiken bringen denn Tauben mit sich – können sie Krankheiten übertragen und welche Gefahr stellen sie für die Gebäude dar?

Es wird immer von den Ratten der Lüfte gesprochen, aber Vogelkot in Massen ist immer ein hygienisches Problem - und mittlerweile ist nachgewiesen, dass Tauben nicht mehr Krankheiten übertragen als andere Vogelarten auch. Allerdings ziehen wir sie durch ungeschicktes Füttern an Plätzen zusammen, an denen man diese Kotmengen nicht haben will. Dem müssen wir Abhilfe schaffen, indem wir versuchen, sie an andere Plätze umzuleiten. Aber das Tier Taube unterliegt, genau wie jedes andere Tier, dem Tierschutzgesetz und wir haben keinesfalls das Recht und es besteht auch kein vernünftiger Grund, sie zu töten.

Gehören Tauben  eigentlich, weil wir uns so an sie gewöhnt haben, zum vertrauten Stadtbild und sollen das auch weiterhin?

Es ist keine Frage, dass der Mensch sich daran gewöhnt hat - ich denke jetzt mal an die Hochzeitstauben, ich denke an Venedig, das könnte sich ohne Tauben kein Mensch vorstellen. Aber wir müssen uns dem Problem Taubenmanagement stellen. Allerdings werden wir niemals erreichen, dass Berlin taubenlos wird.

Die Reinigungskräfte gehen richtig mit Schutzanzug los, weil es kaum erträglich ist, den Kot  wegzumachen.

Es ist tatsächlich so, dass Vogelkot ätzend ist – das kennt man nicht nur von den Tauben, sondern auch von den Pinguinen. Ich verstehe auch den Einwand der Bürger, dass sie sich da belästigt fühlen und den Dreck gern weghaben wollen. Das ist ja Sinn des Taubenmanagements: Es geht nicht darum, Tauben zu schützen, sondern es geht darum, sie tierschutzgerecht umzuleiten.

Dann wäre an Bahnhöfen vielleicht eine praktikable Lösung, in der Nähe einen Taubenschlag einzurichten, um die Tauben vom Bahnhof wegzuhalten?

Ja, das ist an allen Orten sinnvoll, wo die Tauben verstärkt auftreten. Und wir haben ja mal versucht, bestimmte Brennpunkte zu priorisieren, wo man sagt: Da tatsächlich müssten Taubenschläge hin. Aber das ist tatsächlich dann in Absprache mit den Bezirken.

Es gibt ja auch Tierfreunde, die auch verletzte Tauben mit nach Hause nehmen, sie zum Arzt bringen und sich um sie kümmern. Finden Sie so ein Verhalten grundsätzlich richtig?

Ich finde es grundsätzlich richtig, dass man sich um verletzte und kranke Tiere kümmert.  Bisher ist das bedauerlicherweise immer ehrenamtlich passiert, sodass wir im letzten Jahr zum ersten Mal Geld an verschiedene Tierarztpraxen gegeben haben, wo Menschen mit verletzten Tiere hingehen können – auch an die tierärztliche Hochschule und an drei Tierarztpraxen, wo die umsonst behandelt wurden, um diese Spitze erstmal zu nehmen. Unser Ziel läuft jetzt dahin, dass wir eine Notauffangstation gründen werden, wo verletzte und kranke Tiere, die gefunden wurden, abgegeben werden können.

Was halten Sie denn davon, die Tauben zu jagen und auf den Teller zu bringen?

Ich denke, wir sollten das Thema gar nicht groß aufmachen, denn die Tauben werden gejagt im Umland und die werden dann auch aufgegessen. Aber die Taube ist nicht in erster Linie ein Lebensmittel lieferndes Tier. Und die Tauben, die hier in den Städten leben, sind sicherlich nicht Gegenstand einer solchen Diskussion. Manche Taubenzüchter machen das nach wie vor mit Tieren, die ihrer Meinung nach nicht geeignet sind. Die werden dann oft in der Familie gegessen – und haben wahrscheinlich auch geschmeckt. Aber ich denke, das ist nicht die Diskussion, die wir hier aufmachen sollten.

Sendung: Kulturradio, 29.05.2019, 12:10 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 11.

    Ich verstehe nicht, warum das Thema um die Tauben immer so aufkocht. Andere Städte, andere Lösungen: Giftköder, Abschuss, Vertreibung, Sterilisation, Einsatz von Raubvögel.
    Hier in Berlin wird immer nur gejammert. Über die Tauben, über den Kot, über Lösungen, über "Tierfreunde".
    Wie bei der Bekämpfung der Ratten, den die Stadt aufgegeben hat, wird es auch bei den Ratten der Lüfte sein: einmal im Jahr wird die Zahl des Ungeziefer bekannt gegeben und festgestellt, dass die Zahl exorbitant zugenommen hat und Schluss.
    An die Art und Weise des Umgangs mit Problemen hat sich der Berliner gewöhnt.
    Auf meinem Hinterhof versuchten sich auch Tauben breit zu machen. Das konsequente zerstören der Nester verhinderte das. Man sieht, mit etwas Willen wird man die Pest los.

  2. 10.

    Genau daran hab ich auch gedacht, aber nicht geschrieben, weil ich den Shitstorm schon ahnte.

    @ Ines Spatz. Eine Meinungsäußerung kann nie dumm sein, allenfalls Ihre Reaktion darauf. Denn mehr als jemanden zu beleidigen ist Ihnen offenbar nicht eingefallen. Das Thema Taube und Stadt ist nunmal auch ein hygienisches Dilemma. Eine Eindämmung der Tauben ist dringend geboten. Ich finde es zb schon kritisch genug, wenn ein Kind auf dem Spielplatz dem Taubenkot ausgesetzt ist.

  3. 9.

    Ja, aber bei wem sollte er anfangen, liebe Inse Spatz?
    Bei einer Überpopulation der "Ratten der Lüfte" helfen nur Giftköder, die die Viecher steril machen, so dass eine unkontrollierte Vermehrung unterbunden wird. Aber, da es noch immer uneunsichtige Menschen gibt, die aus falsch verstandener "Tierliebe" das TaubenVolk füttert, müssen auch die mit empfindlichen Geldstrafe belegt werden.

  4. 7.

    Bei diesem Artikel fällt mit Lied des Österreichers Georg Kreise ein, der ein probates Mittel gegen die Ratten der Lüfte hatte:
    https://m.youtube.com/watch?v=B2PH3hXSA0Y

  5. 6.

    Mein heißer Tip: Der westliche Ausgang des Hochbahnhofs Kottbusser Tor. Vollgek... bis zum geht nicht mehr. EInmal im Monat oder so wird etwas geputzt, nach wenigen Tagen sieht es schon wieder genauso aus. Unmöglich, nicht durch den Kot zu laufen. Schwer möglich, nicht in den Kot zu greifen, wenn man sich am Geländer festhalten muss. (An anderen Stationen sieht es übrigens nicht viel anders aus.) Sonst wird viel über "Barrierefreiheit" geschwafelt. Aber womöglich ist hier ja von Tieren mit Behinderungen die Rede. Und Tiere besitzen in unserem Land nicht nur Menschenrechte, sondern haben auch Vorrang vor Menschen. Wie krank unsere Kultur ist, wird daran wunderbar deutlich.


  6. 5.

    Sehr geehrter BVG Nutzer,
    Das Taubenvorkommen in Berlin ist mit zahlreichen Problemen für die Tiere selbst und für die Menschen verbunden.
    Um das Problem nachhaltig beeinflussen zu können, müssen alle Beteiligten zusammen arbeiten. das helfen nur durchdachte ineinandergreifende Maßnahmen. Fütterungsverbote kann und wird es erst und nur dort geben, wo an besonders brisanten Standorten die Tiere in und an betreuten Schlägen und Stellen mit artgerechten Futter versorgen
    grüßt freundlich
    Diana Plange

  7. 4.

    Sehr geehrter Herr Neumann,
    natürlich haben Sie richtig festgestellt, das hier keine Pinguine leben, es ging nur um die Verdeutlichung, dass Vogelkot in großen Mengen Ätzend sein kann. Mövenkot z.B. ist sehr viel ätzender als der Kot von Tauben

  8. 3.

    Kann man Stadttauben essen? Oder ist das ungesund? Lecker sehen die ja nicht aus....

  9. 2.

    Bei aller Tierliebe, die Vergleiche hinken gewaltig. Wo findet man schon massenhaft die Exkremente der Pinguinen in der Stadt? Doch nur im Zoo in deren Gehege aber nicht in Haufen unter Brücken und auf Bahnhöfen. Auch andere Vögel treten selten in so grossem Schwärmen auf, dass Probleme durch deren Ausscheidungen entstehen. Gerade weil die Tauben verwilderte Haustiere sind, ist deren Bestand streng zu kontrollieren und Fütterungen zu unterbinden.

  10. 1.

    Sinnvoll wäre, das illegale Füttern zumindest an den Bahnhöfen zu unterbinden. Ein erster Schritt können Hinweisschilder sein, die auch die möglichen Bußgelder benennen. Vergrämgitter über allen Gehwegen an den taubenkotgeplagten Bahnhöfen würden zumindest die Zugänge zu den Bahnhöfen attraktiver machen. Auch auf den Bahnhöfen ist da noch mehr möglich.

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