Ein Mitarbeiter einer Agrargenossenschaft steht an einem Weizenfeld. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Berlin und Brandenburg - Mit Langzeitprognosen und Gießkannen der Dürre trotzen

Es ist trocken und heiß in Berlin und Brandenburg. Während der Deutsche Wetterdienst noch an verlässlichen Vorhersagen für die Bodenfeuchte werkelt, greifen Bauern und Gärtner zum Wassersprenger.

Temperaturen über 35 Grad und fehlende Niederschläge führen derzeit zu großer Trockenheit in Berlin und Brandenburg. Mehrere Waldbrände beschäftigen bereits die Feuerwehr. Und die Aussichten? "Bis in die nächste Woche hinein wird es zum Teil sehr heiß", kündigt der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Brömser, an.

Dazu fehlt Regen. Nach DWD-Daten lagen an vielen Messstationen in Berlin und Brandenburg die Niederschlagswerte in den Winter- und Frühlingsmonaten unter den langjährigen Mittelwerten. In Berlin-Dahlem war es beispielsweise - bis auf den März - in den vergangenen zehn Jahren besonders trocken. [dwd.de]

Langfristige Wetterdaten zeigen, dass grundsätzlich weniger Niederschläge und längere Trockenperioden im Sommer zu erwarten sind, dazu im Durchschnitt höhere Jahresmitteltemperaturen. Vor allem für Landwirte ist das eine schwierige Situation.

Denn um mit diesen zunehmend heißen und trockenen Perioden umgehen zu können, wäre es insbesondere für sie wichtig zu erfahren, wie lange sie noch andauern oder wann es wieder feuchter wird, um vielleicht noch rechtzeitig Grünfutter zu ernten vor Einbruch einer längeren Trockenheit. "Auch für den Forstbereich ist es wichtig zu wissen, ob sie neue Bäume pflanzen können, nämlich wenn für die jungen Bäume ausreichend und möglichst gleichmäßig Feuchtigkeit erwartet wird", sagt DWD-Meteorologe Thomas Leppelt.

Derzeit arbeitet der DWD deshalb an der Erstellung von Langfristprognosen der Bodenfeuchte, also wieviel Wasser den Pflanzen noch im Boden zur Verfügung steht. Damit könnten Bauer besser entscheiden, ob sie zusätzlich wässern müssen. Auch die Feuerwehren in Brandenburg könnten mit solchen Langzeitprognosen ihr Alarmsystem verbessern und sich besser auf mögliche Maßnahmen beim Brandschutz und der Brandbekämpfung vorbereiten.

"Diese Langfristvorhersage ist aber noch in der Entwicklung. Wir sind hier jetzt dabei, vieles zu verifizieren", sagt Leppelt. Für den vergangenen Mai etwa hätten mit diesem Modell recht gut die Niederschlagsmengen vorhergesagt werden können, für März und April allerdings habe das noch nicht geklappt. In Kürze solle es einen neuen Anlauf geben.

Eine solche Vorhersage würde auch beim Düngelmitteleinsatz helfen, sagt Leppelt. Mit einer Langzeitvorhersage könne besser eingeschätzt werden, ob etwa durch hohe Niederschläge der Dünger eher fortgespült würde oder die Mittel bei sehr niedrigen Niederschlägen eher für eine Schädigung der Pflanzen sorgen könnten. Hier habe derzeit auch bereits ein Düngemittelhersteller Kontakt zum DWD, um mit den Daten der Wissenschaftler Landwirtschaftsbetriebe und Bauern zu beraten. " Das Produkt ist aber noch in der Entwicklung", so Leppelt.

Ein Mann gießt im Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde die Blumenrabatten mithilfe eines Gartenschlauchs. (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)

Die Bäume eingemauert, das Wasser oft zu schnell im Gully

Auch für die Stadt könnten Langzeitprognosen helfen, beispielsweise um Stadtpersonal für das Gießen von Stadtbäumen einzuplanen. Es seien vor allem die Bäume, die in Berlin unter der Trockenheit litten, weil sie meist eingemauert und ihre Wurzeln überpflastert seien, sagt Christian Hönig, Fachreferent Baumschutz beim BUND Berlin. "Straßenbäume haben das kleinste Stückchen Erde zur Verfügung, um Wasser aufzunehmen." Der Großteil des Wassers von großen Regenschauern lande in der Kanalisation und nicht bei den Wurzeln. "Besser anhaltender Dauerregen als viele kurze Gewitter."

Mehr als eine Langzeitprognose helfe hier die "Gründung von Gießgruppen". "Acht bis zehn Eimer einmal die Woche", lautet hier die Empfehlung des BUND fürs Baumgießen. "Aber mehr ist auch nicht schlimm. Hier gilt: Es ist nie genug", so Hönig. Damit die Wasserrechnungen der Wohltäter nicht explodieren, rät der BUND, [externer Link] auch die Berliner Straßenpumpen zu nutzen.

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