Feuerwehr-Fahrzeug im Waldbrandgebiet bei Jüterbog (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 08.06.2019 | Anja Meyer | Bild: rbb

Nach Niederschlägen - Lage im Waldbrandgebiet hat sich deutlich entspannt

Nach Niederschlägen am Samstagmorgen hat sich die Lage im Waldbrandgebiet bei Jüterbog deutlich entspannt. Dennoch soll die Feuerwehr bis Mitte der Woche im Einsatz bleiben. Weiter Streit gibt es um den zwischenzeitlichen Abzug der Jüterboger Feuerwehr.  

Hinweis: Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Die neue Meldung zum Waldbrand bei Jüterbog finden Sie hier.

Wegen der Regenschauer am Samstagmorgen hat sich die Lage im Waldbrandgebiet bei Jüterbog weiter entspannt. Die Lage sei unter Kontrolle, berichtete rbb-Reporter Michel Nowak am Samstagabend.

Eine vollständige Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden, denn auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz würden sich noch jede Menge Glutnester im Boden befinden, die bis zu 300 Grad heiß seien und bei stärkerem Wind jederzeit wieder auflodern könnten. Die Feuerwehr werde daher noch mindestens bis Mittwoch im Einsatz bleiben - die Zahl der Einsatzkräfte sei aber auf gut 130 reduziert worden.

Löschhubschrauber bleibt weiter im Einsatz

Weiter im Einsatz bleibe auch der Löschhubschrauber, der am Pfingstsonntag erneut zum Löschen starten solle. Ein zweiter Hubschrauber, so berichet der rbb-Reporter, werde mit einer Infrarotkamera ausgestattet, die das Gelände noch einmal absuchen solle. Dagegen seien die Bundeswehrkräfte wieder abgezogen worden; der Bergepanzer sei wieder zurück auf dem Weg nach Beelitz.

In der Nacht zu Samstag hatte auffrischender Wind gedroht, die Flammen erneut anzufachen. Selbst bis zu 50 Meter breiten Brandschneisen hätten den Funkenflug nicht aufhalten können, sagte Kornelia Wehlan, Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, dem rbb. "Die Großschadenslage bleibt weiter bestehen", so die Linken-Politikerin.

Wie der rbb am Samstagmorgen von der Einsatzleitung erfahren hatte, waren vor allem am Keilberg und in Felgentreu durch stark böigen Wind einige der Glutnester in der Nacht wieder aufgeflammt und mussten gelöscht werden. Betroffen ist weiterhin eine Fläche von etwa 758 Hektar, das entspricht in etwa der Fläche von 1.000 Fußballfeldern. Die Kreisstraße K 7218 zwischen Frankenförde und Felgentreu bleibt zunächst gesperrt.

Weiter Streit um Abzug der Jüterboger Feuerwehr

In der Nacht zu Samstag seien erneut zusätzliche Einsatzkräfte hinzugezogen worden, sagte Wehlan am Samstag dem rbb. Auch die Feuerwehr von Jüterbog sei bei der Brandbekämpfung im Einsatz gewesen. In diesem Zusammenhang übte die Landrätin erneut Kritik am Bürgermeister von Jüterbog, Arne Raue. Mit seiner Entscheidung, am Donnerstag seine Feuerwehrleute aus dem Gebiet abzuziehen, habe Raue seiner Stadt "einen Bärendienst erwiesen", sagte Wehlan. "Er hat für eine ganz komplizierte Situation gesorgt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Arne Raue (parteilos), Bürgermeister von Jüterbog (Quelle: dpa/Christoph Soeder)

Raue dagegen blieb auch am Samstag bei seiner Haltung. "Dann lass es doch da brennen", sagte der parteilose Politiker. Zusammenhängend bebaute Flächen seien "elendig weit weg" von den Brandherden, sagte Raue am Samstag dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg Aktuell. Wenn man nicht mit Sicherheit sagen könne, dass Gefahren für die Kameraden ausgeschlossen werden könnten, "dann muss man dort eben nicht löschen". Raue hatte chemische Dämpfe befürchtet, die aus dem munitionsbelasteten Gelände hätten aufsteigen können. Diesbezügliche Messungen hatten aber nichts ergeben.

Umweltminister Vogelsänger besucht das Waldbrandgebiet

Auch Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) besuchte am Samstag das Waldbrandgebiet und dankte den Einsatzkräften. "Hier ist in den vergangenen Tagen Außerordentliches geleistet worden", sagte Vogelsänger. "Sie haben meinen größten Respekt."

Nur im Zusammenspiel aller Beteiligten, der Feuerwehr, der Bundeswehr, des THW und kommunaler Kräfte, sei es möglich gewesen, für die Sicherheit der umliegenden Orte zu sorgen. Allerdings habe er auch "schreckliche Bilder" gesehen. Man müsse überlegen, was man beim Brandschutz in Brandenburg noch besser machen und wie man die Waldbesitzer noch mehr unterstützen könne. Er sei dankbar, dass bislang keine Menschen zu Schaden gekommen seien.

Einsatz soll mindestens bis Mittwoch dauern

Weil das Areal, ein ehemaliger Truppenübungsplatz, munitionsbelastet ist, half ein Panzer der Bundeswehr bei der Räumung von Wegen und Brandschneisen. Neben Einsatzkräften aus Teltow-Fläming sind auch Feuerwehrleute aus anderen Landkreisen im Einsatz, etwas aus der Prignitz, Oberhavel, dem Barnim oder Oberspreewald-Lausitz. Wie Landrätin Wehlan bestätigte, soll der Einsatz - wie bisher geplant - bis Mittwoch fortgesetzt werden. Ein Aufklärungshubschrauber mit einer Wärmebildkamera habe festgestellt, dass es noch viele Glutnester gebe.

Auch der Waldbrand bei Altsorgefeld ist noch immer nicht endgültig gelöscht. Dort sind 13 Hektar betroffen. Nach Angaben der Kreisverwaltung sind rund 30 Kräfte mit acht Fahrzeugen im Eiinsatz. Auch diese Kräfte werden von einem Hubschrauber unterstützt. Die Bundesstraße 87 bleibt vorerst gesperrt.

Am Abend wurde von der Potsdamer Feuerwehr außerdem ein Waldboden-Brand im Bereich Drewitz gemeldet. An der Autobahn A115 und der Nuthestraße könne es zu einer Geruchsbelästigung kommen, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit.

Feuerwehrverband fordert eigene Hubschrauber

Unterdessen hat der Deutsche Feuerwehrverband erneut leistungsstarke und sofort einsetzbare Hubschrauber für die Brandbekämpfung gefordert. "Wir haben keinen schnellen Zugriff auf Hubschrauber, die große Löschwasserbehälter transportieren können", sagte der Vize-Verbandspräsident Hermann Schreck der Nachrichtenagentur dpa. Fliegende Technik sei bei der Bekämpfung großer oder schwer zugänglicher Brände sehr effektiv. "Gerade für Einsatzkräfte in munitionsbelasteten Gebieten wie in Brandenburg ist das auch sicherer." 

Vor einigen Tagen hatte bereits Verbandspräsident Hartmut Ziebs gefordert, jedes Flächenbundesland müsse im Schnitt einen Löschhubschrauber zur Verfügung haben. Unterstützt wurde er vom Brandenburger Landesfeuerwehrverband, der erklärte, es müsse zumindest einfacher werden, Löschhubschrauber einzusetzen. Es gebe noch zu viele Verwaltungswege, sagte Landesverbandspräsident Werner-Siegwart Schippel.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt für den Einsatz im Waldbrandgebiet bei Jüterbog Löschwasser auf. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)Ein Hubschrauber der Bundespolizei unterstützt seit Tagen die Löscharbeiten

Innenministerium: Haben immer schnell Luftunterstützung bekommen

Hubschrauber müssen laut dem Verband bei Bundespolizei und Bundeswehr angefordert werden, die Feuerwehren haben keine eigenen. Während die Bundespolizei oft helfen könne, sehe es bei der Bundeswehr schlechter aus, sagte Schreck. Deren Hubschrauber, die 5.000-Liter-Behälter zum Einsatz bringen können, "sind entweder nicht einsatzklar oder das Gerät ist im Ausland". 

Ein Sprecher des Innenministeriums in Potsdam erklärte dagegen, in Brandenburg funktioniere die Zusammenarbeit mit Bundeswehr und Bundespolizei gut. "Wir haben sowohl bei den großen Bränden im vergangenen Jahr als auch jetzt aktuell bei Bedarf immer sehr schnell Luftunterstützung bekommen", sagte er der dpa.

Der Feuerwehrverband ist die Interessenvertretung von knapp 32.000 Berufsfeuerwehrleuten und rund einer Million Menschen in Freiwilligen Feuerwehren.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.05.2019, 13:00 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    @Mandy: ... schon mal selbst gemacht?
    Ja, da wird gekämpft ... gegen glühenden, trockenen Waldboden z. B. ... mal selbst probieren! Die FFen in BRB freuen sich bestimmt über Deine Hilfe!

  2. 1.

    Für Glutnester ist das Wort "bekämpft" aber weit gegriffen...

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