03.06.2019, Brandenburg, Limsdorf/Storkow: Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen Brand im Wald bei Limsdorf, einem Ortsteil von Storkow. (Quelle: Julian Stähle/dpa)
Video: rbb SPEZIAL | 05.06.2019 | Bild: Julian Stähle/dpa

550 Hektar brennen - Waldbrand bei Jüterbog ist der größte seit Jahrzehnten

Bei Jüterbog steht seit Montag Wald in Flammen - inzwischen auf rund 550 Hektar. Damit handelt es sich um den flächenmäßig größten Brand in Brandenburg seit der Wende, so das Umweltministerium in Potsdam. Und nicht nur dort brennt es.  

Hinweis: Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Alle neuen Informationen finden Sie hier.

Auf einer Fläche von mehr als fünf Quadratkilometern steht auf dem ehemaligen sowjetischen Militärüberungsplatz bei Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) und angrenzenden Grundstücken Wald und Feld in Flammen.

Um den Umfang des Brandes zu betonen, verglich der Referatsleiter Wald und Forstwirtschaft im Ministerium, Carsten Leßner, das aktuelle Geschehen mit früheren Katastrophen: "Größere Brände gab es nur in den 1970er Jahren", sagte er am Mittwoch.

120 Einsatzkräfte und zwei Löschhubschrauber

Nachdem es am Mittwochmorgen von der Einsatzleitung geheißen hatte, die Flammen seien fast komplett gelöscht, breitete sich der Waldbrand im Laufe des Vormittags wieder aus. Ähnlich war es am Dienstag: Nach einer ersten Entwarnung flammte das Feuer am Mittag wieder auf.

Vom Flugzeug aus wurden der Einsatzleitung am Mittwoch drei neue Brandstellen gemeldet, die sich in der Nähe der Ortschaft Frankenförde am Nordrand des ehemaligen Übungsgeländes befinden. Bewohner seien aber nicht gefährdet, so die Kreisverwaltung Teltow-Fläming. Rund 150 Einsatzkräfte sind mit 20 Fahrzeugen vor Ort und kämpfen gegen neue Brände, die schnell durch die steigende Temperatur und aufkommende Winde entstehen können. Eingesetzt werden auch zwei Löschhubschrauber der Bundespolizei.

Anwohner sollen Türen und Fenster schließen

Wie bereits in den vergangenen Tagen gibt es eine starke Rauchentwicklung. Deshalb werden Anwohner gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und den Aufenthalt im Freien auf das nötige Maß zu beschränken. Wegen des Windes sind Rauch und Brandgeruch weit über die Grenzen des Landkreises Teltow-Fläming hinaus zu bemerken.

Das Land Brandenburg hat der Region Jüterbog bei der Bekämpfung des Großbrands Unterstützung zugesichert. Innenstaatssekretärin Lange sagte dem rbb, wenn weitere Kräfte und Technik nötig seien, werde das aus den anderen Landkreisen abgesichert. Die Bundespolizei unterstütze die Feuerwehr mit Hubschraubern. Lange verwies darauf, dass das Land dabei im vergangenen Jahr den größten Teil der Kosten übernommen habe. 

Feuer auch in anderen Landkreisen

Allerdings brennt es auch in anderen Landkreisen. So ist nördlich von Cottbus zu einem Ödlandbrand gekommen, wie die Regionalleitstelle Lausitz am Nachmittag mitteilte. Die Anwohner der Stadtteile Schmellwitz und Saspow wurden aufgefordert, wegen der Rauchentwicklung Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Ein weiterer Waldbrand brach am Mittwoch an der Autobahn A15 nahe Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) aus. Zwischen dem Spreewalddreieck und Vetschau brennt es auf etwa einem Hektar Fläche. Nach Angaben der Leitstelle Lausitz hat sich ein Flächenbrand in der Nähe des Parkplatz Belten (Oberspreewald-Lausitz) auf einen Wald ausgebreitet. Die Feuerwehr ist mit acht Fahrzeugen im Einsatz.

Auch am Bogensee im Lankreis Barnim stehen etwa zwei Hektar Wald in Flammen. Die Feuerwehr-Leitstelle Nordost teilte Antenne Brandenburg mit, dass der Brand nahe dem Wandlitzer Ortsteil Lanke am frühen Nachmittag  gemeldet wurde. Den Angaben zufolge sind aus den umliegenden Ortschaften mittlerweile vier freiwillige Feuerwehren mit 10 Fahrzeugen und etwa 50 Einsatzkräften vor Ort. Noch sei die Situation nicht unter Kontrolle. 

Hitzewarnung des DWD

Wegen des heißen und trockenen Wetters bleibt die Waldbrandsituation in ganz Brandenburg äußerst angespannt. In 13 von 14 Landkreisen gilt die höchste Gefahrenstufe 5, wie das Umweltministerium auf seiner Internetseite mitteilte. Mindestens bis Donnerstagnachmittag bleibe es in Berlin und Brandenburg weitestgehend heiß und trocken, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Für den Mittwoch gilt eine Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes.

Die Daten von Meteomedia lassen Temperaturen bis zu 36 Grad in der Region erwarten. Am Montag war im Kreis Teltow-Fläming bereits ein Hitzerekord von 35,1 Grad erreicht worden. Der Meteogroup-Meteorologe Ronny Büttner sagte im rbb, der Boden sei staubtrocken und anfällig für Feuer. Aktuell fehlten allein in Brandenburg eine bis zwei Monatsmengen Regen. Das seien 40 bis 80 Liter.

Nach einem heißen Mittwoch könnte es nach Angaben des DWD am Donnerstag lokal Entspannung durch einzelne Gewitter geben. Flächendeckender Regen sei für die Region aber nicht zu erwarten - das gelte auch für das Wochenende, hieß es. Zwar könne es Freitagnacht und am Samstag ein kurzes Durchatmen von der Hitze geben, eine generelle Veränderung der Wetterlage sei aber nicht in Sicht.

Nabu fordert Umbau des Waldes

Angesichts der zunehmenden Trockenheit in Deutschland fordert der Naturschutzbund (Nabu), die Wälder in Brandenburg naturnäher zu gestalten. Der Nabu-Waldexperte Stefan Adler sagte am Mittwoch im rbb, in Brandenburg gebe es noch immer einen Kiefernanteil von 70 Prozent. Bei diesen Nadel-Monokulturen sei die Waldbrandgefahr deutlich höher als bei Laub- und Mischwäldern. Der naturnahe Umbau der Waldflächen sei aber nicht nur im Hinblick auf die Brandprävention, sondern auch wegen des Artenschutzes wichtig, so Adler.

In Brandenburg gibt es 1,1 Millionen Hektar Waldflächen. Seit Jahresbeginn brannte es nach Angaben des Umweltministeriums bereits mehr als 130 Mal. Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg über 500 Waldbrände registriert.

Sendung: Brandenburg aktuell, 05.06.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

46 Kommentare

  1. 46.

    Das ist richtig, gute Idee. Trotzdem sollte auch politisch etwas geschehen, z.b. sich immer wiederholende Kampagnen in den Medien. Das "drauf ansprechen" machen wir nicht mehr. Viele Menschen reagieren sehr aggressiv, egal wie vorsichtig und freundlich man auf sie zugeht. Falscher Stolz steht der Vernunft oft im Weg...

  2. 45.

    Vielleicht kann man sich mal zusammetun und Müll aus den Wäldern sammeln. Gerade in Dobrikow rund um den Zeltplatz und der Nähe von den Angelplätzen liegt soviel Glas und reflektierende Metallflächen. Die Gefahr eines Waldbrandes ist bei solch Materialien und der Hitze auch gegeben.

  3. 44.

    Vielen Dank an die tatkräftige Unterstützung der Feuerwehr.
    Ich finde, dass wir alle zur Vermeidung von Waldbränden beitragen können. Das Schlagwort heißt Kommunikation und aufeinander achten. Ich glaube, dass es Leute gibt die gar nicht wissen, dass allein ein geparktes Auto im Wald einen Waldbrand auslösen kann. Allein der heiße Katalysator des Autos oder Motorrads reicht aus in heißen Sommermonaten um ein Feuer zu entfachen.
    Ich würde mich freuen wenn wir mehr hingucken. D.h. ruhig mal Leute ansprechen, die im Wald Campen oder ihre Autos im Wald parken und sie auf die Gefahren aufmerksam machen.

  4. 43.

    Vielen lieben Dank an die Feuerwehrleute und allen anderen, die im Einsatz sind.

  5. 42.

    Ich denke, die Wurzel des Übels liegt, wie hier auch schon gesagt wurde, in der überwiegenden Nadelholz-Monokultur hier in den Brandenburger Wäldern. Nadeln verrotten kaum und bilden keinen Humus und somit keinen feuchten Boden. Wir wissen alle, wie ein ausgetrockneter Christbaum brennt...und diese trockenen Nadeln liegen überall herum und brennen dann wie Zunder. Diese Waldbrände sind unser Brandenburger Indikator für die Klimakatastrophe! Ich wünsche mir von der Politik, daß sie die Kohlekraftwerke abschaltet um und die Brandenburger Wälder umforstet, bzw. Brachflächen mit einer gesunden Laubwaldmischung aufforstet, damit ein feuchterer, humoser Boden entstehen kann.

  6. 40.

    Der Moderator sollte nochmal in einer Weiterbildung, es wird immer nur das schlechte gesehen. Frage mich ob er vieleicht zur freiwilligen feuerwehr kommen würde

  7. 39.

    Gibts doch alles. Wurde aber vom Vorsitzenden des Feuerwehrverbandes Brandenburg abgelehnt. Nicht notwendig seine Aussage. Es stehen an die 30 Löschhubschrauber in Deutschland bereit welche genutzt werden könnten. Firmen wie KMN Helicopters, HTM, HeliAustria und sogar eine in Cottbus, Aeroheli sind Profis in der Waldbrandbekämpfung. Diese Firmen sind in ganz Europa unterwegs. Diese Maschinen könnten in kurzer Zeit über den MHW oder direkt über die Firmen angefordert werden.
    http://www.mhw-deutschland.de/
    https://www.aeroheli.de/
    https://www.kmn-helicopter.de/index.php/waldbrandbekaempfung

  8. 38.

    RBB Bericht 20:15 am 5.6.19 Leute der Moderator interviewt einen SPD Mann keine Ahnung welche Funktion der hat aber der Moderator fällt permanent ins Wort in die Frage genau wir Marcus Lanz. Das war eine megapeinliche Vorstellung.

  9. 37.

    Ich habe gerade ihre Sondersendung gesehen und Frage mich wo die Manieren des Reporters hin sind. Ständig ins Wort gefallen. Ich verstehe das es bei den Thema "Heiss" her geht, aber wie Herr Schröter schon sagte es muss angefordert werden und mehr nicht. Dazu brauche es "Eier" der Verantwortlichen und mehr nicht! Kurz nochmal zu Reporter: Im Studio stehen und immer bohren aber selbst wahrscheinlich nicht freiwillig bei der Feuerwehr.

  10. 36.

    Das es so oft brennt liegt nicht nur am Wetter!!
    Hier in der Region um Jüterbog treibt sich seit 2 Jahren ein Brandstifter rum!!!Das sagt nur keiner vom Land oder Kreis!Weil es kommen sonst die unangenehmen Fragen warum man nicht Ermittelt.
    Es gibt genug Hinweis und auch Fundsachen wie auch letztes Jahr bei dem Brand bei Treuenbritzen!!!!

  11. 35.

    Wer soll den waldumbau Gießen bzw bezahlen? Wir wohnen in der Schorfheide und da ist es nun mal sehr trocken.

  12. 34.

    Durch die dauernde Trockenheit hat sich die Kiefer nun mal als monokultur durchgesetzt. Das hat man schon vor ewiger Zeit erkannt. Glaube Friedrich der Große war es. Es gab auch dazu sehr teure Forschungen im letzten Jahr dazu. Es muß einfach mal der Wald, wie es früher zu DDR Zeiten war, vom Unterholz sowie Baumkronen die liegen gelassen werden befreit werden. Denn das brennt ganz schnell!!!

  13. 33.

    Als es im vergangenen Jahr (2018) im "Alten Lager" so heißt das Gebiet bei Jüterbog gebrannt hatte wurder seitens des landes groß rumgetönt das die brandenburger Feuerwehren bis anfang diesen jahres (2019) wegen der vielen alten millitärgebiete spezialmittel in form von Löschpanzern bekommen sollten, wo sind diese spezialmittel heute. es wird immer nur geredet von den politikern, alles nur leere versprechungen, sonst hätten unsere wehren in brandenburg schon längst besagtes spezialgerät was im vergangenen jahr noch versprochen wurde.

  14. 31.

    ''Damals war aber der Wald aufgeräumter, ...''

    ab hier wird's falsch und das Gegenteil ist der Fall. Im Wald wo Unterholz vorhanden ist und auch mal was verrotten kann entwickelt sich mehr Humus im Oberboden und hält dadurch mehr Feuchtigkeit im Boden. Dadurch sind diese Wälder besser gegen Waldbrand geschützt und ein Feuer dringt nicht so tief in den Boden ein und kann sich hier nicht so gut 'verstecken' und wieder auflodern, wenn z.B. der Wind stärker wird.

    Auch nebenbei ökologisch sinnvoller als Mono-Kiefern-Wald mit einer 'sauberen' trockenen Schicht aus Moos und Gras.

    Aber Sie haben vermutlich noch kein Waldbrand gelöscht, dann wüssten Sie dies...

  15. 30.

    Was für ein Unwissen.

    Ich behaupte Waldgebiete mit Windrädern sind in dieser Region besser gegen Feuer geschützt als ohne.

    Denn es können im Zuge der Genehmigung Waldumbaumaßnahmen (Mischwald), Löschbrunnen oder Löschteiche gefordert werden, die Wege sind mit Schotter ausgebaut und dauerhaft frei von Bewuchs und wo vorhanden wird Munition beräumt. Alles Dinge die so von (Behörden und Eigentümern) nicht oder nicht ausreichend gemacht werden und was ein Löschen im Wald sehr erschwert.

    Dazu ist die Zahl der Waldbrände durch Windräder im Wald vermutlich minimal. Die Zahl der Brände ausgelöst durch Personen oder Wohnen im Wald sehr viel höher.

    Von daher wäre zu überlegen, ob das Wohnen in Wald bzw. massive Bau von Häusern in Fichtenwalde, Borkheide und Borkwalde nicht gestoppt werden sollte...?!?

    Von den ökologischen Folgen durch die Fällung sämtlicher Bäume auf dem Baugrundstück, dem Hausbau selbst und dem Einbringen nicht heimischer Arten mal ganz abgesehen...weiter so!

  16. 29.

    Das könnte Zorn anderer herausfordern.
    Deshalb:
    # Großteil südlich von Berlin (jetzt Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt) ist Sand, Sandmeer, nicht nichts mehr. Einige kennen das. Das ist ein Problem bei Aufforstung. Wird dort nicht aufgeforstet, so wird es dort NIE regnen. Beispiel ist die Sandwüste in SA.
    # Land muß gepflegt werden. Das macht aber weder der Bund noch die Landesregierungen. Ehemaliges Land von den Russen besetzt wurde weder sinnreich sortiert noch generell ein Bestandsaufnahme gemacht. Es ist eine Schande.
    Die Waldbrände in den ehemaligen Gebieten der sowjetischen Streitkräften und den anderen sind hausgemacht und auch scheinbar vom Land gewollt. Die haben folgenden Plan - Entweder es brennt, so müssen wir nicht räumen oder es wird von der Braunkohle abgebaggert.
    Die Brachflächen auf mehrere Jahrzehnte nicht nutzbar, werden vom Bund oder Land verkauft. Das führt dazu, daß Bandenburg, Sachsen und Sachen-Anhalt an gierige Immobilienfonds verkauft werden.

  17. 27.

    Ja. Die meisten Grünanlagen und kleinen Naherholungsgebiete in Berlin sind inzwischen ein vernachlässigter Graus. Schön ist anders. Und die Gebiete, die noch halbwegs attraktiv sind, wo der Senat mehr Aufwand mit betreibt, sind im Sommer voll wie eine Sardinenbüchse. Innerhalb des Rings fast nur Touristen. Wenn wir Familienausflüge machen, dann heißt's entweder sehr früh aus den Federn, oder raus aus der Stadt. Daher lieben wir Brandenburg, die Seen, die Natur und Ruhe. Und sind bestürzt, dass es auch dort oft schon nicht mehr so schön ist. Früher musste man diese Dinge nicht ansagen. Die Eltern brachten ihren Kindern das bei. Heutzutage haben ganz offensichtlich andere Dinge Priorität. Daher sollte die Bevölkerung an ihre Pflichten und Verantwortung erinnert werden. Von alleine wird das nichts, da bin ich sicher. Die Wälder brennen jetzt schon regelmäßig. Schrecklich.

Das könnte Sie auch interessieren